Journal Sonntag, 19. März 2017 – Familienmuster

Montag, 20. März 2017 um 6:25

Meine Eltern hatten in mittelgroßer Familienrunde zur Geburtstagsfeier meines Vaters nach Unteremmendorf ins Altmühltal eingeladen.

Im Gasthof Wagner gab es köstlichen Karpfen im Bierteig.

Mit Bruder und Vater tauschte ich Berufliches aus – und erkannte grundsätzliche Muster zwischen uns drei. Vor allem als mein Vater (gelernter Elektriker) erzählte, wie seine Laufbahn in der großen Autofabrik 1966 bis in die 70er, also bis zu seiner Position als Gruppenmeister eigentlich ausgesehen hatte – bis gestern kannte ich nur unzusammenhängende Bruchteile. Die Grundhaltung hinter seinen Geschichten kam mir sehr bekannt vor, mein Bruder und ich erzählen Ähnliches:

– „Ich hatte nicht genug zu tun, die haben mich ja nur die Neonröhren auswechseln lassen. Da habe ich beim Aufbau von der neuen Anlage zugeschaut. Einer war sehr nett und hat mir viel erklärt, was die da machen. Als die Anlage lief, war ich der einzige in der Truppe von der Instandhaltung, der sich schon damit auskannte.“

– „Es war keiner da, den ich fragen konnte, da habe ich das halt selbst rausgefunden.“

(Jetzt müsste ich mir nur noch das Schlitzohrentum aneignen, mit dem Papa sich Annehmlichkeiten ertrickste. Zum Beispiel eine Klimaanlage für sein Kabuff unterm Dach der Werkhalle – als einziges Kabuff dieser Art: „Hab‘ ich den Computer paar Mal abstürzen lassen und gesagt, ist wegen der Hitze. Dann hab‘ ich die Klimaanlage bekommen.“)

Genauer nachfragen werde ich noch zur Anmerkung meines Vaters, einige Kollegen hätten anfangs ziemlich Schwierigkeiten damit gehabt, Anweisungen von einem Ausländer anzunehmen. Er erinnerte daran, dass es damals nur wenige Ausländer im Werk gegeben habe, und wenn, dann als Bandarbeiter.

Im Elternhaus daheim gab es dann noch Kaffee und Torten – die mitgebrachte Mokkatorte machte mir keine Schande.

Ich genoss die fröhliche Runde sehr.

die Kaltmamsell

6 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 19. März 2017 – Familienmuster”

  1. Milla meint:

    Guten Morgen, liebe Frau Kaltmamsell,

    ich werde gerade sehr neidisch über den Karpfen, obwohl es für einen Aussenstehenden vielleicht eher so aussieht wie ein Krokodil nach einem Waldbrand. Sehr köstlich. Könnten Sie vielleicht mal ein rezept für die Churros posten (Sind doch welche? Spritzkuchen heißt das hier in Preussen) Vielen Dank und einen guten Wochenstart, Milla

  2. die Kaltmamsell meint:

    Das sind Strauben, Milla, wahrscheinlich den preußischen Spritzkuchen sehr ähnlich – und im Gegensatz zu Churros mit Eiern im Teig und einem Zuckerguss drüber. Meine Mutter variiert bei der Herstellung sehr, aber dieses Rezept scheint mir vertrauenserweckend:
    http://eatsmarter.de/rezepte/strauben-1

  3. Buchfink meint:

    Na, diese Mokkatorte sieht doch sehr anständig aus. Da hatte ich mir was anderes vorgestellt nach den Klagen vom Backen.
    Ich kann so was ja gar nicht, bei mir gibt es immer „Flache Kuchen“

  4. maz meint:

    Stark:
    Familienmuster – Musterfamilie.
    Erinnert mich an Anna Karenina – Beginn, nur impliziter:
    Alle glücklichen Familien…. usw. usf.

  5. Twitter meint:

    Die glücklichen Familien gleichen sich alle in „Krieg und Frieden „

  6. maz meint:

    Nö. Anna Karenina

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