Archiv für Mai 2017

Twitterlieblinge Mai 2017

Mittwoch, 31. Mai 2017

Nachtrag: Mehr Sammlungen von Lieblingstweets gibt’s wieder bei Anne Schüßler.

Journal Dienstag, 30. Mai 2017 – Sandalenfüße

Mittwoch, 31. Mai 2017

Wegen am Ende abgeschnittenen Arbeitstags keine Zeit für morgentliches Langhanteltraining im Studio, statt dessen früh aufgestanden und vom Fernsehen eine halbe Stunde core exercises geturnt – mit meinem Fokus auf Laufen, Schwimmen, Aerobic befürchte ich immer, meine Bauchmuskulatur zu vernachlässigen. (Was ich tatsächlich vernachlässige, ist Beweglichkeit.)

Nach Feierabend endlich mal wieder zur Fußpflege – zwei Monate warte ich ja nicht mal auf einen Termin beim Orthopäden! Ich genoss sie und habe jetzt schöne weiche Sandalenfüße.

Zum Nachtmahl kochte wieder Herr Kaltmamsell (dräuende Wolken sprachen gegen Biergarten): Er hatte ein Kichererbsen-Calamari-Gericht nachgebaut, das wir auf Mallorca kennengelernt hatten.

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Ich halte es für eine sehr gute Zeit, sich nochmal mit Martin Parrs Werk Last Resort (1983-1985) auseinander zu setzen. Nämlich diese Zeit, in der sich Englands Sehnsucht zurück in eine nie da gewesenen Vergangenheit politisch Bahn bricht: Die Sehnsucht nach einer Idylle, wie sie Tolkien im Kleinen Hobbit imaginierte, und in der – meiner Meinung nach ein zentrales Detail – alle Bewohner der Insel weiß waren. Was Parr damals in den 80ern nämlich machte, war unter anderem ein (fast erbarmungslos) ungeschöntes Porträt einer weißen Wirklichkeit – über das Verhältnis zwischen Fotograf und Motiv lässt sich hier besonders gut diskutieren.
„End of the Pier: Martin Parr in New Brighton“.

There is no little irony in the fact that the attitude he supposedly displayed towards his ‘working-class’ subjects seems to appear more strongly when photographing his own class, even as those distinctions began to be a lot less clear-cut. More broadly though, he never would again so unselfconsciously risk exposing himself to the accusation of exploiting his subjects in the way he was thought to be doing here. From then on, the ‘exploitation’ would be strictly on his terms.

Vielleicht haben mich Martin Parrs Bilder ja deshalb von Anfang an angezogen: Weil sie zeigten, was auch ich (lower middle class) während meines Studienjahrs in Swansea, Wales, 1991/1992 noch sah – inklusive all der Lebendigkeit und Groteske. Und was ich mangelns Fertigkeiten nie hätte auf Fotos festhalten können.

Margaret Thatcher’s infamous statement about there being ‘no such thing’ as society is, of course, well known. Less often cited, however, is how she continued, saying that, in its place there were “individual men and women and families.” Society, then, is not the aggregate of efforts and responsibilities held in common, what people share, but everyone merely scrabbling for their own small advantage, clinging to the illusion that it can, in fact, be gained, and Parr finds the world that has been created – emphatically not just described – by this attitude; traditional bonds wrenched apart by changes that benefited the few and left the many to survive as best they could, while the infrastructure that once sustained them is let run-down and left to rot.

Journal Montag, 29. Mai 2017 – Bürotornado

Dienstag, 30. Mai 2017

Morgens stellte ich fest, dass mich die Mücken beim Wandern ganz schön zugerichtet hatten: Oberarme, Hals, Waden, jeweils mehrere und schmerzhafte Bisse.

Ich packte Schwimmzeug und radelte damit in die Arbeit, denn ich wollte an diesem weiteren Hochsommertag früher (= nahezu pünktlich) Schluss machen und eine Runde im Schyrenbad schwimmen. Little did she know…

In der Arbeit brach ein Tornado aus, der mich mitriss und dafür sorgte, dass ich erst nach elf Stunden und völlig gerädert das Büro verlassen konnte. Ich kündigte Herrn Kaltmamsell online grässliche Laune an (Fairness in der Partnerschaft, gell). Unter anderem weil auf dem Heimweg bereits alle Apotheken geschlossen waren und ich kein kühlendes Mückenstichgel kaufen konnte.

Daheim wurde ich mit Daiquiri erwartet (an solchen Tagen mag ich einen schnellen, direkten Alkohol-RUMMS – und dann keinen mehr), entfernt klang sanftes nachbarliches Klavierspiel, Herr Kaltmamsell servierte Abendessen aus aufbereiteten gemischten Kühlschrankresten. Dennoch war ich dem Tag beleidigt und warf ihm schon um halb zehn die Schlafzimmertür ins Gesicht.

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Eine der vielen Analysen der verheerenden Trump-Reise, diese aus dem Atlantic:
„Trump’s Trip Was a Catastrophe for U.S.-Europe Relations“.

Ich fürchte, wir erleben – nicht nur wegen dieses US-Präsidenten – eine Auflösung der politischen Ordnung, an der seit 1945 und wegen der Katastrophe vor 1945 sorgfältig gearbeitet worden war.

Journal Sonntag, 28. Mai 2017 – Grillen bei Eltern

Montag, 29. Mai 2017

Vierter Tag der Himmelfahrtsferien – Hochsommer.

Ich begann den Tag nach wohligem Ausschlafen mit dem ersten Balkonkaffee des Jahres. Die Amseln beschwerten sich lautstark über die Störung auf ihrem Futterbalkon. Wir werden uns aneinander gewöhnen müssen. (Ja, die Palme links stirbt wohl.)

Sommerkleid, erster Einsatz der Saison für die Bandelettes (ich erinnere alle Menschen, die unter wundreibenden Oberschenkeln leiden, sehr gerne an diese großartige Abhilfe).

Mit dem Zug zur Grilleinladung bei meinen Eltern, die lieben Schwiegers waren auch da. Es gab:

Dazu fröhliche Gespräche und Ausweichen vor der sengenden Sonne.

Die Zugfahrt nach Hause vermieste eine junge Frau, die das Großraumabteil die gesamt Stunde lang mit ihrem lautstarken Telefonat beschallte. Bis gestern dachte ich, die Parodien auf Themen und Sprache junger Frauen seien albern und aus der Luft gegriffen. Nach unzähligen Details über die jüngsten Erlebnisse der Telefonpartnerin („Vor allen Leuten? VOR ALLEN LEUTEN?! Sch’glaub’s nicht!“), Luis („Er stellt mich schon, so, als seine Freundin vor, aber, weißt du was ich meine?“), Begegnungen beim Tanzen („Die war voll hässlich, keine Ahnung, aber hat irgendwie voll so geschaut, weißt du was ich meine?“) oder eine bestimmte karierte Bluse, die von der Trägerin drei! Tage! hintereinander! getragen wurde, musste ich zugeben: Die gibt’s wirklich. Nach den ersten Minuten hatten Herr Kaltmamsell und ich uns immer wieder mahnend nach ihr umgesehen – keine Reaktion. Als sie wenige Minuten später ins Telefon rief: „Hey, jetzt hör mal auf zu reden, du nervst!“, reckten wir ihr unsere Daumen entgegen – half nicht. Da ich zu feige für Konfrontation war (ich stellte mir lediglich vor, mich mit Detailfragen einzumischen), setzte ich Kopfhörer auf und beschallte mich mit Musik gegen.

Auf dem Heimweg vom Bahnhof war es in München immer noch heiß.

Abends im Dunkeln hörte ich heftiges Rascheln vorm Balkon: Eindeutig Igel, nichts ist derart unbekümmert laut. Es waren zwei ordentlich große, ich sah sie, als sie in den schwachen Schein der Hinterhoflampe krabbelten.

Journal Samstag, 27. Mai 2017 – Wanderung um Geltendorf

Sonntag, 28. Mai 2017

Zu Sommersonnenlicht aufgewacht, neben mir den einzigen Menschen, dessen Anwesenheit im gleichen Bett ich nicht nur ertrage, sondern genieße, dazu das Wissen, dass ich nicht in die Arbeit muss, von irgendeinem Traum froh gestimmt, Aussicht auf köstlichen Milchkaffee.

Für den gestrigen Samstag hatte ich mit Herrn Kaltmamsell Wandern geplant – egal welches Wetter auch kommen würde. Denn wir müssen langsam mit Üben für unseren Wanderurlaub in Nordspanien anfangen, in dem die Tagesstrecken zwischen 18 und 28 Kilometer bei einigen Höhenunterschieden betragen werden. Und bei dem wir uns das Wetter zwischen 35 Grad Sonnenhitze und waagrechtem Regen auch nicht werden aussuchen können. Es traf ein: ein Sommertag unter wolkenlosem Himmel, ziemlich heiß. Zudem stellte sich die Strecke um Geltendorf als überwiegend schattenlos heraus (wie bei einer Küstenwanderung am Atlantik), zum Glück wehte aber ein angenehm frischer Wind (wie am Atlantik!). Die angegebenen 15 Kilometer waren dann allerdings gemessen 18, so verwunderten die vier Stunden Gehzeit statt der angegebenen 3 1/4 nicht.

Ich hatte schon auf meiner vormittäglichen Einkaufsrunde (Reinigung, Schusterin, Eataly) gemerkt, dass ich eher unfit war, mit schweren Beinen und wackligem Gang. Wie gut also, dass wir uns gegen die 25-Kilometer-Wanderung entschieden hatten. Am Ende der Runde waren wir dennoch beide reichlich geschafft, wir werden mehr üben müssen.

Die Landschaft, durch die wir gingen, war von konventioneller Landwirtschaft geprägt: Sehr große Felder mit Getreide, Kartoffeln, Wiesen – aber soweit ich erkennen konnte, kein Mais.

Wir Oberbayern können auch Kirchen ohne Zwiebelturm. Hier die von Hausen (St. Nikolaus ist ja auch aus dem 16. Jahrhundert) mit verfallendem Bauernhof nebenan.

Wir kreuzten eine ausgedehnte Baumschule. Hier die Pappelschule – aus ihrem Rauschen schloss ich, dass gerade Sprachunterricht erteilt wurde.

Nachtrag: Wie wundervoll der Wind Wellen im jungen Korn schlägt.

Unbekanntes Blümelein zwischen Feld und Straße kurz vor Eismerszell – ob sich unter den Lesern und Leserinnen wieder jemand findet, der mir bestimmen hilft?

Das Entertainment Center von Eismerszell. Ich fand sogar ein Zwanzgerl im Geldbeutel und ließ mir einen großen Kugelkaugummi raus, der frisch und aromatisch schmeckte.

Kurze Pause mit Apfel. Herr Kaltmamsell ließ sich nur widerwillig im nackten Gras nieder: Er trug eine kurze, lediglich Knie bedeckende Wanderhose und fürchtete Attacken der „Natur“. Recht hatte er mit dieser Befürchtung allerdings erst auf der anschließenden langen Waldstrecke mit vielen kleinen Tümpeln: Wir waren von aggressiven Mückenschwärmen umschwirrt, die uns zu einer unwürdigen Zappelgangart mit Armwedeln zwangen.

Wir sahen viele Schwalben, sowohl Mehl- (kurzer Schwanz) als auch Rauch- (lange Schwanzspitzen), Kühe, Pferde, Greifvögel, Krähen.

Das Manko der Route: Keine Bankerl, nicht mal an den regelmäßigen Wegkreuzen – wie, bitte, sollen sich Gläubige da besinnen, gar beten? Oder Wanderer ausruhen?

Bei der Rückkehr in München waren unsere Beine so schwer, dass wir uns das kurze Stück vom Starnberger Flügelbahnhof nach Hause mit der Tram fahren ließen. Entspannung bei Aperol Spritz auf dem Balkon, zum Nachtmahl aufgewärmtes Lamm a la Ossobuco.

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Die Titelgeschichte des aktuellen SZ-Magazin erzählt, wie Bibiana Steinhaus die erste weibliche Schiedsrichterin der deutschen Fußballbundesliga wurde. Sie ist sehr lesenswert, unter anderem, weil sie viele Hintergrundinformationen über das DFB-Schiedsrichterwesen miterzählt – die ich von einem früheren Kollegen kannte, der selbst Fußballschiedsrichter ist. (Und der mir das Buch Ich pfeife schenkte, nochmal Empfehlung.)

Gleichzeitig füllte sich mein Herz mit Kummer. Ich erinnerte mich, wie 1988 die erste Lufthansa-Pilotin Schlagzeilen machte (zur Einordnung: zwei Jahre nach meinem Abitur). Und wie ich mich zusammen mit meiner Mutter empörte, dass das überhaupt bemerkenswert war. Wir waren uns einig: Erst wenn allein das Detail des XX-Chromosomensatzes keine Schlagzeilen mehr erzeugen würde, wäre Normal Null erreicht. Fast 30 Jahre später ist unsere Gesellschaft offensichtlich noch nicht viel weiter.

Online ist der Artikel des SZ-Magazin („Ich kenne das Risiko. Es ist mir voll bewusst.“) leider nur für Geld (ab 1,99 Euro) zu lesen.

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Schön beschrieben: Wie man in Diskussionen Statistiken am leichtesten aushebelt.
„Statistiktricks“.

Journal Freitag, 26. Mai 2017 – Sommertag mit Backen, Schwimmen, Schuhkauf, Kochen

Samstag, 27. Mai 2017

Frühsommermorgen mit knallblauem Himmel. Nach Milchkaffee und Bloggen machte ich mich ans Cheesecake-Backen. Den Kopf darüber geschüttelt, dass Frischkäse mittlerweile in 175-Gramm-Packungen verkauft wird – was soll das bitte für eine Einheit sein? Die Rezeptangabe 750 Gramm kommt wahrscheinlich noch aus Zeiten (*Krückstockgefuchtel*), in denen Frischkäseportionen 250 Gramm wogen – wie Quark halt auch.

Ich plante abends Ossobucco, ging für Zutaten zum Süpermarket Verdi. Der Laden war mehr als gut besucht – ich fürchte ja um die gesamte Kultur des Südlichen Bahnhofsviertels, nachdem alle Hinterhofmoscheen geschlossen haben. Nach langem, langem Warten an der Fleischtheke (die fünf Herren dahinter waren gut beschäftigt mit Fleischzerteilung, Beratung, Abwiegen, Streitschlichten wegen Vorwurfs des Vordrängelns) gab es aber keine Kalbsbeinscheiben, auch nicht Rinderbeinscheiben. Da ich alle anderen Zutaten bereits in meinen Korb gelegt hatte, schaltete ich blitzschnell auf Lamm um – was das mit dem Gericht machen würde, sollte der Praxistest zeigen. Ich nehme das Ergebnis vorweg: Dieses Rezept ergibt mit Lammbeinscheiben ein wohlschmeckendes Gericht, das allerdings nichts mit Ossobucco zu tun hat.

Anruf meiner Mutter: Am Sonntag sind wir bei meinen Eltern zum Grillen eingeladen.

Schwimmrunde im Schyrenbad. Ich hatte mir eine Reduzierung auf 2000 Meter vorgenommen: Um die Nackennerv-bedingten Schulterschmerzen zu vermeiden, könnte ich ja öfter, aber kürzer schwimmen. Doch Arm und Schulter blieben ruhig, ich konnte meine Strecke problemlos auf die gewohnten 3000 Meter ausweiten – und das auch noch mit Genuss. Bei jedem Luftholen der Anblick satt grüner und zum Teil blühender alter Bäume vor blauem Himmel, wenig Betrieb im Wasser: Ich verließ das Becken ausgesprochen vergnügt.

Nachholen der Einkäufe, an denen mich Samstag eine Fußballfeier gehindert hatte. In der sehr belebten Fußgängerzone war deutlich Sommer: Ich sah viele, viele wunderschöne Sommerkleider, in vielen Stilen, an allen Altern und Körperformen.

Für meine Suche nach roten Sandalen steuerte ich den Camper-Laden an und war schnell erfolgreich; ich freute mich an der aufmerksamen, freundlichen Bedienung, die sich umgekehrt über den spanischen Namen auf meiner Kreditkarte freute (wer vor dem Urlaub ein wenig Spanisch üben möchte, kann das ganz einfach in diesem Laden tun). Auch für Langstreckensandalen hatte ich bereits einen bestimmten Laden im Kopf. Im Gegensatz zum vorherigen Einkaufserlebnis musste ich die Angestellten dort allerdings geradezu zum Verkaufen zwingen. Als ich mir, Wunschschuhmodell in der Hand, endlich eine gefangen hatte, stellte sich heraus, dass der Laden das gewünschte Modell nicht in meiner Größe auf Lager hatte. Punkt. Nun, schlug ich vor, ich könnte es ja in einer anderen Farbe probieren und dann in der Wunschfarbe bestellen lassen? Die Sandale passte. Keine Reaktion der Angestellten. Ob ich, fragte ich, selbst online bestellen solle oder der Laden das erledige? Wortlos ging die Angestellte an die Kasse und tippte suchend herum. Ergebnis: In der Filiale in der Neuhauser Straße gebe es meine Größe noch. Ich dankte, bekam keinen Abschiedsgruß – und recherchierte draußen erst mal auf meinem Smartphone, wo diese Filiale genau war (auch wenn ich nur wenige hundert Meter entfernt wohne, führt mich keiner meiner Wege durch die Neuhauser Straße mit ihrer unübersehbaren Menge an Läden). Lohn für meine Mühen: Dieser Laden hatte gerade Räumungsverkauf, ich bekam Prozente auf meine neuen Langstreckensandalen. So oder so: Schuhkauf ist ganz schön anstrengend, das Hobby „Shoppen“ erschließt sich mir auch weiterhin nicht.

Den weiteren Nachmittag mit Kochen verbracht und mit der Entwicklung von Pokémon – das Level 34 wird mich noch Monate beschäftigen.

Journal Donnerstag, 25. Mai 2017 – Startverzögerung

Freitag, 26. Mai 2017

Derzeit hier wenige eigene Gedanken, weil ich wenig eigen denke. In Spürweite derzeit wieder der große Abgrund, und ich bin damit beschäftigt, mich an ihm vorbei zu navigieren. Das ist das Gegenteil von entspannt, und nur entspannt entsteht produktiver und federleichter Gedankenflug.
Allerhöchstens das schlechte „What-a-waste“-Gewissen klopft hin und wieder ein paar Gedanken aus mir. Weil es möglicherweise in diesem Leben nicht mehr in meiner Seele ankommt, dass mich der Nützlichkeitszwang nur beschädigt. Dass er mich zum einen zu kolossaler Selbstüberschätzung treibt (welch großartige Anlangen und Fertigkeiten ich mir zurechne), andererseits von Gelassenheit und dem Finden eigener Wünsche und Bedürfnisse abhält (weil ich nur entlang dem nützlichen Einsatz dieser Fertigkeiten denken kann).
Mir eingestehen zu müssen, dass das auch mit dem Kneifen fast aller Sommerkleidung zu tun hat, macht die Sache nicht leichter.

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Migränig verspätet aufgestanden, dadurch war der ganze Tag verschoben.

Zu meinem Isarlauf radelte ich erst deutlich nach Mittag – durch große Mengen Sonntagsradler, die weder die Funktion von Ampeln und Bodenmarkierungen zu kennen schienen noch die Regel, dass auch Kinderräder im Straßenverkehr verkehrssicher ausgestattet sein müssen.

Viele Wiesenblumen gesehen. Dass Akeleien so heißen, derart kunstvoll aussehen in solch wunderschönen Farben und einfach wild herumblühen, fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue. Viecher-Highlight war ein Kormoran im Tiefflug über der Isar. Aber keine Schwalben, ich mache mir ein wenig Sorgen.

Vatertag: Lediglich einem Bollerwagen an sehr jungen Männer begegnet, denen ich die Vaterschaft gar nicht zugetraut hätte. Aus ihren Lautsprechern brüllte sie ein Mann sehr böse zu Musik an, ich wollte schon im Vorbeitraben „Mhh, Helene Fischer, nett“ sagen, doch da hörte ich einen der Burschen murmeln „Karpador…“. Den hatte ich auch gerade gefangen, also fühlte ich mich umgehend vervettert.

Runtastic flog nach nicht mal einer Woche bereits von meinem iphone: Gestern brach die App zum zweiten Mal meine „Activity“ einfach ab (Mittwoch nach fünf Minuten, gestern nach 35). Zum Glück gab es eben ein Update von Moves, das es wieder zum Tracken brachte.

Erst kurz vor vier setzte ich mich zum Frühstück: Zwei Schinkenbrote mit dick Butter auf selbst gebackenem Brot aus der Gefriere, Bananenjoghurt.
Zeitunglesen auf dem Balkon, viel Vergnügen an den Balkonvögeln rund um den Meisenknödel.

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„Fragt mal was anderes!
Von Menschen mit Migrationshintergrund erfrage er gerne, woher sie kommen, schrieb hier vor zwei Wochen Henning Sußebach. Keine gute Idee, finden Susan Djahangard und Jean-Pierre Ziegler.“

Ist ein komplexes Thema, das hier ja auch schon das eine oder andere Mal aufgetaucht ist. Der Zeit-Artikel sammelt Reaktionen von Betroffenen – die meiner Überzeugung nach schwerer wiegen als die Absichten der Fragerinnen und Frager.

Im beschriebenen ersten Beispiel lässt sich die Gegenprobe einfach machen: Hätte die alte Dame dieselbe Frage einer weißhäutigen blondbezopften Frau gestellt? Nein, denn sie hätte als gleich wahrgenommen.

Die menschliche Natur ist schon so gestrickt, Gleiches als angenehm zu empfinden. Ich beobachte ja mit Interesse, wie Eltern das Verhalten ihrer Kinder in „das hat sie von mir“ und „also von mir hat sie das nicht“ einordnen, also in Ähnlichkeiten mit und Unterschieden zu sich selbst. Und wie sie sich ganz offensichtlich über die Ähnlichkeiten mehr freuen. Diese belegbar Zugehörigkeit zur eigenen Sippe scheint ein wichtiges Kriterium der Wahrnehmung zu sein.1

Als am wenigsten ausgrenzend empfinde ich die Frage nach meinem Namen, also statt „Wo kommen Sie her?“ die Frage „Woher kommt Ihr Name?“. Denn das frage nicht nur ich mich vermutlich bei vielen auch einheimischen Namen. Mir fällt die junge Frau ein, deren Vor- und Nachname urbayerisch klingen wie für den Komödienstadel erfunden und deren Deutsch einen deutlich norddeutschen Einschlag hat. Dennoch habe ich mich bislang gescheut, sie nach dem Hintergrund dieses Gegensatzes zu fragen – weil sachliches Interesse schwer unterscheidbar von persönlicher Distanzlosigkeit sein kann.

Wir bestehen nicht nur aus unserem Migrationshintergrund. Vor allem sagt er wenig darüber aus, wer wir sind.

(Was man übrigens auf viele andere besonders auffallende Eigenschaften von Menschen übertragen kann, z.B.: Wir bestehen nicht nur aus Behinderung.)
Möglicherweise müsste ich weniger oft meine Anglophilie und mein Interesse an englischer Literatur erklären, trüge ich keinen spanischen Namen.

Natürlich gibt es Menschen, die gerne von Familienfesten in der anderen Heimat erzählen. Menschen, die ihren Migrationshintergrund als bedeutender begreifen als wir. So wie Hakan, der Schulfreund von Henning Sußebach, der immer von der Türkei erzählte.

Ich denke sofort an den beruflichen Kontakt aus dem Ruhrpott, der ein Glas Oliven mit der Erklärung „von da, wo ich herkomme“ überreichte. Für die Antwort „Oh, Bochumer Oliven?“ war ich zu gut erzogen, und so bezog ich die Erklärung auf den türkischen Geburtsort seiner Eltern.

Wenn wir also doch Auskunft geben zu unseren Vaterländern, sind die Informationen kaum authentisch. Wir sind keine Ausländer, wir sind Durchschnittsdeutsche wie Sußebach auch, und wir finden, der Geburtsort unserer Eltern sollte nicht zu viel Macht über unser Leben haben. Sollte nicht darüber entscheiden, wie andere uns sehen.

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Ein verirrtes Tier kann Kunstgeschichte unerwartet zum Leben erwecken, zum Beispiel im Piano Nobile eines manieristischen Palazzo.

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Ja, Schweine können schwimmen. Auch Wildschweine.

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Man sollte definitiv öfter auf Spam antworten.

via @stephenfry

  1. Sehr interessant übrigens die Einordnung einer spanischen Bekannten mit deutschem Partner, die auffallend häufig in Geschlechterstereotypen denkt und zwei kleine Kinder hat. Diese Kinder haben extrem unterschiedliche Charaktere, die ihre Mutter sehr wahrscheinlich ihrem Geschlecht zuschreiben würde – wenn es sich nicht unpraktischerweise um zwei Buben handeln würde. Und was macht sie nun? Sie ordnet die Unterschiede nationalen Stereotypen zu, spricht vom „kleinen Spanier“ und vom „kleinen Deutschen“. So ist die Welt wieder in Ordnung. []