Journal Montag, 12. Juni 2017 – Bacherlwarmer Morgen

Dienstag, 13. Juni 2017 um 6:19

Beim Morgenkaffee war es auf dem Balkon draußen wärmer als drinnen im Wohnzimmer – kurz nach sechs.

Das fühlte sich auch beim Gang über die Theresienwiese schräg an.

Den Tag über bewölkte es sich zwar, es gab auch vereinzelte Regengüsse, doch es blieb schwül warm. Als ich nach Feierabend im T-Punkt in der Sendlinger Straße stand, tropfte mir der Schweiß aus den Haaren auf die Schultern. Das hinderte mich nicht am Erhalt eines neuen Smartphones zur Vertragsverlängerung.

Der Abend war entsprechend mit dem Umzug aufs neue Telefon gefüllt (Abgleich über itunes auf meinem Rechner – ich verweigere weiterhin irrationalerweise die icloud), deutlich weniger reibungslos als beim letzten Mal vor dreieinhalb Jahren: Ich musste erst mal das Betriebssystem aktualisieren, einige Apps von Hand wieder installieren und einige anderen Apps nahmen ihre bisherigen Daten nicht mit.

§

Mittag las ich im Lokalen der Süddeutschen über die Pläne eines Informationszentrums für Friedhofs- und Bestattungskultur am Alten Südfriedhof:
„Angst vor dem Gräber-Tourismus“.

Darin hieß es:

In der Bürgerversammlung in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt im November gab es niemanden, der die Ausbaupläne befürwortete.

Gab es wohl, nämlich mindestens mich. Ich stimmte gegen den Antrag, kein solches Besucherzentrum einzurichten. (Ins Protokoll aufgenommen wurde, soweit ich das verstanden habe, lediglich, dass der Antrag mit Mehrheit angenommen wurde.) Zwar hatte ich auf der Versammlung zum ersten Mal überhaupt von den Plänen gehört, verstand aber den Protest nicht, der davon ausging, eine solche Informationsstelle würde die Ruhe des Friedhofs stören, zu Partystimmung und Menschenmassen führen. Ich kann mir viele schöne Formen der Information vorstellen: Audio-Guides (am besten von Florian Scheungraber und anderen Expertinnen und Experten des Alten Südfriedhofs besprochen), QR-Codes für Info aufs Smartphone (Kunstgeschichtliches, Typografie – Sie erinnern sich, dass ich von Themenführungen träumte). Besucherinnen und Besucher, die sich interessiert mit den Bestatteten und den Grabmälern befassen, sind mir persönlich lieber als durchbrausende Radlerinnen und Radler oder Mode-Fotoshootings, denen ich dort bereits begegnet bin, und die den Friedhof lediglich als Hintergrund brauchen. Ich als Anwohnerin teile den Zauber des Alten Südfriedhofs gerne mit anderen, die ihn zu würdigen wissen.

Zudem weiß ich, wie wenig Geld für die Erhaltung der Grabdenkmäler zur Verfügung steht: Von einem Besucherzentrum erhoffe ich mir zusätzliche finanzielle Mittel und Personal zur Erhaltung. (Mag ja sein, dass ich mal wieder zu naiv bin.)

die Kaltmamsell

3 mal Beifall zu “Journal Montag, 12. Juni 2017 – Bacherlwarmer Morgen”

  1. Vinni rabensturmig meint:

    Ich verstehe den Protest gegen Friedhofsbesucherinformation auch nicht. Touristen, die sich für solche Ziele interessieren, sind in der Regel eh eher respektvoll und kulturinteressiert und nicht besoffen rumpöbelnd, warum sollte man solches Interesse nicht fördern? Bzw. was nimmt das den Anwohnern weg, dass sie sich dagegen verwehren müssen?

    Aber vielleicht bin ich da auch naiv. Ich besuche in fremden Städten und Ländern jedenfalls gerne Friedhöfe, weil ich den Zauber mag, die Geschichten und auch die unterschiedliche Gestaltung der Grabmale.

  2. LArichard meint:

    Oft vom Büro (Holzstr.) zum Arbeitsamt gegangen. Meist durch den genannten Friedhof. Teilweise sehr erfüllende Momente, Grabinschriften oder eben „ach daschauher der liegt a do“ aber leider auch teilweise sporadische Ansammlungen von nicht angenehmen Mitbürgern. Gerne erinnere ich mich auch an Theateraufführungen vor einiger Zeit an den jeweiligen Grabstätten mit geschichtlichen Kurzgeschichten über die dort Bestatteten, stimmungsvoll in den Abendstunden.
    Ja warum soll dieser wirklich stadtgeschichtlich bedeutsame Ort nicht stärker in das Bewußtsein der Münchner Bewohner gerückt werden (als geborener Truderinger und jahrzehntelanger Berg am Laimer war der Südliche Friedhof für mich lange terra incognita) vielleicht auch für Besucher meiner Heimatstadt.

  3. adelhaid meint:

    Naja, Touristen auf dem Friedhof, das kann schon schwierig werden. Man denke an Pere Lachaise in Paris, wo in den letzten Jahren immer wieder wegweisende Grafittis zu Jim Morrison entfernt werden mussten. Inzwischen ist das Grab, dessen Stein vielfach umgestoßen wurde, eingezäunt. Der Friedhof ist mehr oder weniger touristisch erschlossen, in dem es eine sehr genaue Karte gibt, wer wo liegt, und es gibt sehr viele Führungen, aber ich bin sicher, dass der Betreuungsunterhalt auch sehr hoch war und ist. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass es vielleicht weniger die Angst vorm Tourismus ist als die Angst davor, das hinterher wieder sauber machen zu müssen.
    Vielleicht hat man auch Angst vor den ‚falschen‘ Touristen, denn vermutlich liegt dort auch der eine oder andere Mensch, der im einen oder anderen Krieg das eine oder andere gemacht hat. (ich hab den verlinkten Artikel nicht gelesen, weil ich vor der Schranke stehen geblieben bin. Sorry)

    Ich persönlich gehe auch sehr gerne auf Friedhöfe – allein der alten Vornamen wegen.

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