Journal Samstag, 17. Juni 2017 – Bauchgerumpel

Sonntag, 18. Juni 2017 um 7:43

Nachts ein paar Mal von Übelkeit und schmerzhaftem Gerumpel im Bauch geweckt worden. Jetzt langt’s aber mal mit Körperlichkeiten! Das Gerumpel (ein Infekt? Überforderung durch eine sehr große Menge Salat?) vermieste mir leider diesen dritten Ferientag.

Zum Laufen radelte ich trotzdem, einfach weil Laufen meiner Seele gut tut und ich ohne sehr traurig gewesen wäre. Das Gerumpel zwang mich zu einem Zwischenstopp am Klo der Waldwirtschaft, doch Kreislauf und Muskulatur waren unbeeinträchtigt. Kurze Verzweiflung, als am Ende meines Laufs die öffentlichen Klos am U-Bahnhof Thalkirchen erklärungslos verschlossen waren. Aber all die Beckenbodengymnastik war ja dann doch zu was gut.

Es hatte schon am Vorabend aufgefrischt, das führte zu idealen Lauftemperaturen.

Konsumopfer 2: Wenn ich schon so viel Porto für die Ringelhose zahlte, hatte ich mir gleich noch ein Oberteil dazu stecken lassen.

Von der Brücke Maria Einsiedel aus sah ich unzählige Forellen in der Isar schwimmen.

Nachmittags wegen Magenknurrens (nicht zu verwechseln mit Darmgerumpel) einen Laugenzopf und Pfirsiche gegessen, mich ansonsten an Wasser gehalten. Gesund fühlte ich mich nicht, legte mich auch noch ein wenig ins Bett.

Trotzdem abends den Red and Black getrunken, den Herr Kaltmamsell auf meine Bitte zubereitet hatte: grundsätzlich gut, aber unerwartet süß – ein Verlängern mit Wasser machte es nicht besser.

Granta 139, The best of young American novelists 3 ausgelesen: Spektakulär, welches Stil- und Themenspektrum die Geschichten umfassen, und alle ganz ausgezeichnet. Das ging von einer phantastischen Geschichte, die mit Typografie spielte, über dunkelgrauen Selbstbetrug (von einer Autorin, deren erster Roman „was called the ‚feeld-bad book of the year‘ by the Chicago Tribune˝) oder manieriertes Englisch wie aus dem 19. Jahrhundert (passte zur zentralen Hochstapler-Figur) bis zum Gedankenstrom über den Tod des Ex-Freunds, den die Erzählerin auf Myspace erfährt. Manche gefielen mir besser als andere, manche strengten mehr an als andere, doch alle waren sie sehr, sehr gut ausgedacht und geschrieben. Zumindest in der englischsprachigen Welt mache ich mir überhaupt keine Sorgen um die Zukunft der erzählenden Literatur.

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Beim Zeitunglesen auf dem Balkon wieder den Vogerln am Meisenknödel zugesehen.

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Antje Schrupp hat zehn Vorschläge, um die Streitkultur zu retten.
„Konfliktmanagement:
Nicht nach Mutti rufen“.

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Gabriel Yoran erzählt auf Twitter von einem Zahnarztbesuch in USA und überhaupt vom Gesundheitswesen dort aus seiner Sicht.

(Früher gab’s dafür Blogs. Aber interessant, dass mittlerweile jede Plattform für alles genutzt werden kann und wird – Direkte Kommunikation mit anderen, Bilder, Geschichten.)

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Und dann doch noch ein Nachruf auf Helmut Kohl – der für meine politische Bewusstwerdung und meine Erinnerungen eine überraschend kleine Rolle spielt.


die Kaltmamsell

4 mal Beifall zu “Journal Samstag, 17. Juni 2017 – Bauchgerumpel”

  1. Mareike meint:

    Fantastisches Video, vielen Dank.

  2. Mareike meint:

    Ich hätte gern über Zahnärzte in den USA mehr erfahren, aber gefühlt 100 aus jeweils einem Satz bestehende Tweets zu lesen empfinde ich wirklich als Zumutung. Da bin ich lieber blog-„verwöhnt“.

    Gute Besserung!

  3. Croco meint:

    Der Mond ist aufgegangen. Fast habe ich vergessen, wie er geredet hat, nie auf den Punkt kommend und mit den immer gleichen Füllseln.
    In der Erinnerung liegt liegen zwei Packungen vor. Einmal die Schwere, die seine Zeit auf das Land gelegt hat, man hatte das Gefühl, nichts verändert sich, alles wird abgeblockt.
    Die andere Packung ist die persönliche Begegnung auf einer Wahlkampfveranstaltung. Tausend aufgebrachte Bauern und wir beide mit den Leihkindern des Nachbarn als einzige “ Familie“. Er kam auf uns zu und begrüßte uns per Handschlag und da fühlte ich es, was ihn so lange an der Macht hielt. Der Mann hatte eine Ausstrahlung, die man spürte. Charisma. Das stand keine Witzfigur, da stand ein Mann mit Strahlenglanz. Unglaublich. Die Begegnung hat mich nachhaltig verstört.

  4. Trolleira meint:

    Cooles Forellenfoto! Wenn Sie es nicht dazu geschrieben hätten, hätte ich lange gerätselt – die Ente und der Stein vereinfachen das Erkennen nicht :-)

    Schönes entspanntes Wochenende!

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