Journal Sonntag, 2. Juli 2017 – Regen und Bügelgedanken

Montag, 3. Juli 2017 um 6:36

Lang geschlafen, dennoch schlecht aus dem Bett gekommen, aber: Keine Migräne, trotz reichlich Alkohol am Abend davor!

Nach dem Bloggen Isarlauf: Laut 2-Stunden-Vorhersage des Regenradars würde ich trocken durchkommen, da das Regenband südlich an München vorbeiziehen sollte. Tatsächlich aber lief ich fast durchgehend in leichtem Niesel und Regen und maulte innerlich schon über die Meteorologie, die bis heute nicht mal das Wetter in den nächsten Stunden vorhersagen kann. Bis mir einfiel, dass ich in Thalkirchen und isarabwärts deutlich südlich vom Stadtzentrum lief, wahrscheinlich exakt im angezeigten Regenwolkenband.
(Aber: Ganze Herden von Sichlors!)

Zwischen Tierpark und Großhesseloher Brücke nahm ich ausnahmsweise die Ostseite: Regenschutz durch Bäume, und bei diesem Wetter waren nicht die Sportradler zu befürchten, die mich sonst von dieser Isarseite fern halten. (Ich werde nie nachvollziehen können, wie jemand statt in dieser grünen Einsamkeit lieber bei organisierten Stadtläufen mit Tausenden anderer Läuferinnen und Läufer durch Innenstädte joggt. Aber natürlich: Jede, wie sie mag.)

Nachmittags Bügeln. Ich bemesse die Höhe eines Bügelbergs in Zeit, dieser war 2,25 h hoch. Auch wenn ich es nicht gerne mache und vor mir her schiebe, leide ich nicht beim Bügeln. Unter anderem behalte ich damit Überblick über den Zustand der Garderobe von Herrn Kaltmamsell und von mir. Für Kleidung bin im Haushalt ich zuständig: Herr Kaltmamsell hat nie Bügeln gelernt, und er übernimmt so viel an Logistik, füttert mich mit köstlichen Speisen, dass ich unterm Strich immer noch im Soll bin. Seine Hemden bringt er in die Reinigung, wo eine faszinierende Aufblas-Maschine sie bügelt, doch im Sommer trägt er oft T-Shirts und Polohemden, die auf meinem Bügelberg landen. Ein Austausch auf Twitter erinnerte mich daran, dass ich als Studentin meine Kleidung ungebügelt in den Schrank hängte und jeweils für den Tag bügelte. Dadurch stand aber oft ein Bügelbrett herum, heute hätte ich keine Lust, meine kostbare Zeit vor der Arbeit dafür zu verwenden, außerdem versorge ich ja jemanden zusätzlich.

Da ich bei den letzen Bügelrunden gesehen hatte, wie zerschlissen Herrn Kaltmamsells Sommeroberteile sind, war er auf meine Bitte Einkaufen gegangen, so richtig im Geschäft. Gestern bekam ich diese neuen Oberteile nach dem ersten Tragen und Waschen aufs Bügelbrett. Und musste dem Herrn abraten, nochmal Baumwollpique-Poloshirts des Herstellers Hilfiger zu kaufen: Bereits nach dem ersten Tragen hatte sich Pilling unter den Achseln und am Rücken (Rucksack) gebildet – das habe ich ja noch nie erlebt.

Abends Lesen statt Polizeiruf im Fernsehen: Ich muss noch bis Donnerstag das Buch für die Leserunde durchkriegen.

§

Bewegung macht Spaß, erhöht die Lebensqualität, und es mehren sich die Hinweise, dass sie sich messbar positiv auf einige Gesundheitsfaktoren auswirkt. Wozu Bewegung nicht nützt: zum Abnehmen.
„Why you shouldn’t exercise to lose weight, explained with 60+ studies“.

Was der Artikel eigentlich demontiert: Den zweiten Teil der „calorie in -> calorie out“-Rechnung. Auch hier stellt sich heraus, dass mein Misstrauen gegenüber Kalorien als Einheit zur Messung von Nahrhaftigkeit begründet ist.

Unterpunkte des Artikels:

1) An evolutionary clue to how our bodies burn calories
2) Exercise is excellent for health
3) Exercise alone is almost useless for weight loss
4) Exercise accounts for a small portion of daily calorie burn
5) It’s hard to create a significant calorie deficit through exercise
6) Exercise can undermine weight loss in other, subtle ways
7) Exercise may cause physiological changes that help us conserve energy
8) Energy expenditure might have an upper limit
9) The government and the food industry are doling out unscientific advice
10) So what actually works for weight loss?

Ich muss oft an professionelle Balletttänzerinnen denken: Es ist wohl unbestreitbar, dass sie sehr hart körperlich arbeiten. Aber essen sie dann auch wie Bauarbeiter? Nein: Um die Dünnheitsnorm für Balletttänzerinnen einzuhalten, müssen sie hungern. Ihr Stoffwechsel hat sich darauf eingestellt, mit wenig Nahrung auszukommen und würde jedes Mehr umgehend in Vorräten ansetzen.

die Kaltmamsell

7 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 2. Juli 2017 – Regen und Bügelgedanken”

  1. Stefan meint:

    Ich glaube ja, ich würde mit so einer Ballerina-Ernährung ganz gut über den Tag kommen… sind ja letztendlich Leistungssportlerinnen
    http://www.byrdie.co.uk/ballerina-diet/

  2. Norman meint:

    Tatsächlich aber lief ich fast durchgehend in leichtem Niesel und Regen und maulte innerlich schon über die Meteorologie, die bis heute nicht mal das Wetter in den nächsten Stunden vorhersagen kann.
    Selbst wenn: Luxusproblem.

    Bei öffentlichen Läufen geht es oft um das Erreichen eines (persönlichen) sportlichen Ziels. Es lässt kaum jemanden kalt, wenn man bei seinem ersten (Halb-)Marathon von wildfremden Menschen an der Strecke mit einer Welle angefeuert wird.

  3. kecks meint:

    *wenn* die tänzerinenn von klein an lernen würden, entsprechend zu essen, um den niedrigen kfa zu halten, dann müssten sie auch nicht hungern. in den 90ern hielt man uns im sportkader indirekt zum hungern an (leichtathletik). heute bekommen die mädchen dort (alter 16-23) von anfang an funktionierendes ernährungstraining (wir mussten immer nur aufschreiben, was wir essen – wenn man ehrlich war, bekam man die rückmeldung „viel zu wenig, mehr essen“ – sportlerin nahm zu – trainer meckerte – sportlerin begann wieder zu hungern; und glauben sie mir, es ist erstaunlich, was man körperlich mit einem apfel am tag so alles leisten kann, wenn frau will). wenn die kohlenhydrate, die kein gemüse sind, konsequent gemieden werden, ist es durchaus drin, auch an die 2000 kalorien ranzuessen bei unter 60kg körpergewicht, ohne den kfa zu hoch zu steuern (im sprint sind unter 13% für frauen für leistungssport unabdingbar). ganz ohne hunger! insofern: kalorien zählen, aber der individuelle stoffwechsel ist halt sehr unterschiedlich unterwegs, je nach vorgeschichte. man darf ihn nicht in den hungermodus entschwinden lassen.

  4. Stefan meint:

    Ich wollte hier einen Link posten, „A Day in the Life: How Top Ballerinas Really Eat“ , Kommentar wurde aber wohl geblockt.
    So wenig ist das nicht, was die essen dürfen/müssen. Mir würde es wohl reichen.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Ich habe den Kommentar gefunden, Stefan, er war unerklärlicherweise im Spam-Ordner gelandet. Bitte entschuldigen Sie, habe ihn freigeschaltet.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Tatsächlich sehr interessant, Stefan, würde sogar mir reichen. Nur hätte ich gerne gesehen, was die Tänzerinnen tatsächlich essen, nicht nur die Empfehlung der Beraterin. Denn wie kecks eben schreibt: Sehr viele haben ihren Körper von Klein auf an Hungern gewöhnt.

  7. Stefan meint:

    Es ist zwar nur ein Beispiel, aber hier kann man einer Ballerina dabei zuschauen, wie sie versucht, auf „Wettkampfgewicht“ zu kommen, und was sie dabei so alles zu sich nimmt. Das Video ist mir in einem anderen Zusammenhang schon einmal untergekommen, deshalb war es jetzt gleich präsent:
    https://youtu.be/5356zt0JiDY

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