Journal Sonntag, 30. Juli 2017 – Lesen drinnen und draußen

Montag, 31. Juli 2017 um 6:36

Der Morgen war bedeckt und kühl. Eigentlich hatte ich eine Schwimmrunde geplant, doch ich war schon vor neun mit Kaffeetrinken und Bloggen fertig und wollte nicht bis zehn Uhr warten. Also radelte ich zum Friedensengel, um an der Isar entlang zu laufen.

Ich sah die Spuren des Hochwassers in der vergangenen Woche, jetzt führte die Isar zwar viel Wasser, aber schön innerhalb ihrer Ufer. Am Ende meiner Runde war die Sonne da, und schlagartig wurde es heiß.

Nach dem mittäglichen Frühstück hatte ich erfreulicherweise die Bettschwere für eine Siesta.
Anschließend Zeitunglesen auf dem Balkon, Buchlesen dann doch lieber im kühleren Drinnen (Paradise von A.L. Kennedy ist heftig. Die Geschichte einer Trinkerin aus ihrer Perspektive – in Kombination mit Kennedys erzählerischer Meisterschaft nicht gerade ein Stimmungsaufheller; die Kurzrezensionen auf dem Umschlag erwähnen fast durchgängig, das Buch sei lustig, doch ich konnte über Alkoholismus noch nie lachen).

Bügeln zu Musik (Songs for Drella – ein Interview mit John Cale hatte mich daran erinnert) aus echten Boxen, da Herr Kaltmamsell technische Dinge mit dem heimischen WLAN gemacht hat, die nun wahrscheinlich endlich unterbrechungsfreies Anhören der Musik von meinem Laptop ermöglichen.

§

Eigentlich ist es ja im schwarzen Schlick nur derselbe Mechanismus wie beim Sporteln, wenn ich mich nicht ganz fit fühle, dieses Ausprobieren:
Geht das noch?
Schaffe ich dies noch?

So auch im schwarzen Schlick:
Funktioniere ich trotzdem in der Arbeit?
Schaffe ich die Verabredung?

Weil mir keine Alternative einfällt.

In den schlimmsten Momenten sehne ich mich danach, in das künstliche Koma versetzte zu werden, mit dem der Körper in physischen Ausnahmesituationen vor sich selbst geschützt wird: Könnte man das nicht auch bei Überforderung des Gemüts einsetzen?

§

„People have had enough of experts“ 1:
„Ein Schweizer Dorf stimmte zweimal gegen Hochwasserschutz und wurde jetzt überschwemmt“.

§

„People have had enough of experts“ 2:
„As a British EU negotiator, I can tell you that Brexit is going to be far worse than anyone could have guessed“.

The Government keeps saying it ‘didn’t realise’ the problems, but they had the experts at Whitehall – they just refused to listen to them. Now we’re facing a breakdown in airline safety, medicine, animal welfare, security, international aid and so much more

(Das ist halt der riesige Unterschied zu: „Im Nachhinein gibt es immer Leute, die es vorher kommen gesehen haben.“)

die Kaltmamsell

4 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 30. Juli 2017 – Lesen drinnen und draußen”

  1. Christine meint:

    In dem Artikel über Hochwasser finde ich erstaunlich, dass extra hervorgehoben wird, wie genau die Karte ist. Damals habe ich selbst mal Hochwasserkarten erstellt und das ist kein Hexenwerk, wenn man eine belastbare Datengrundlage hat. Man verschneidet einfach das Geländemodell mit dem zu erwartenden Hochwasserpegel. Dieser wird übrigens „HQ“ genannt. Wobei „HQ100“ ein Pegel ist, der statistisch gesehen (evtl extrapoliert) alle hundert Jahre vorkommt. Womit wir beim „Jahrhunderthochwasser“ wären.
    Dummerweise passieren durch den Klimawandel die HQ100 inzwischen viel häufiger als im Schnitt alle hundert Jahre.
    Mir konnte bislang noch niemand schlüssig erklären, was die Abkürzung „HQ100“ bedeutet. Andere Hochwassereignisse werden dann analog dazu HQ5, HQ10…. genannt.

  2. Wiesel meint:

    Das mit dem „künstlichen Koma bei Überforderung des Gemüts“ können Sie mit den entsprechenden Psychopharmaka haben. Die Neben- und Nachwirkungen sind allerdings erheblich. Ich kann Ihren Wunsch aber sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch über meinen Körper verärgert, der bei körperlicher Überlastung ohne Schwierigkeiten abschalten und ausruhen kann, bei psychischem Notstand aber den dringend nötigen Schlaf verweigert und damit alles nur noch schlimm macht.

  3. U_blues meint:

    Oft werden begrifflich Hochwasserabfluss (HQ) und Hochwasserpegel (HW) durcheinander geworfen. Der Pegel beschreibt ja die Höhe, entweder in mNN (also Meter Normalnull) oder schlicht Meter im Bezug auf die Sohle des Gewässers. HQ beschreibt aber eine ganz andere
    physikalische Größe, nämlich den Durchfluss, beim Gewässer normalerweise m^3 /s, also Kubikmeter (Wasser) pro Sekunde. Q wird von jeher gerne als Formelzeichen für Durchflüsse, Abflüsse und generell Volumenströme verwendet (ist sogar auch in der Formelzeichen DIN so festgelegt). Damit heißt HQ100 halt einfach „Hochwasserabfluss bei einer Jährlichkeit von 100“. Es heißt, man hätte damals Q genommen nach quantité oder quantity, so wie das A für Fläche angeblich vom lateinischen area kommt. Lässt sich heute aber wahrscheinlich nicht mehr nachvollziehen :-)

    Dass die statistischen Jährlichkeiten nicht mehr passen kann ich auch bestätigen, das beobachten wir immer öfter bei den Modellregen.

  4. Kirsten meint:

    Zum schwarzen Schlick: Das tut mir so leid für Sie. Hilft nicht, wollte ich aber trotzdem sagen.

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