Journal Dienstag, 8. August 2017 – Selbstbild als Skinners abergläubische Taube und Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 9. August 2017 um 6:50

(Jetzt, 22 Jahre nach meinem Studienabschluss, denke ich an jedem 8. August daran, dass in Augsburg Feiertag ist, Friedensfest. Während meines Studiums in Augsburg selbst war ich 8.8. für 8.8. wieder erstaunt, dass meine Einkaufsversuche an verschlossenen Geschäften scheiterten. Bis zuletzt.)

Nochmal ein wunderschöner Sommermorgen mit Augustfarben auf dem Weg in die Arbeit, über den Tag aber zog es zu, abends regnete und gewitterte es.

Ich ertappe mich dabei, wie der Schmerz meines Arms durch den eingeklemmten und gereizten Nerv im Nacken mich in Rituale treibt, die mich an Skinners abergläubische Tauben erinnert. Gestern bildete ich mir ein, sachtes seitliches Schaukeln lindere den Schmerz. Dabei war mit völlig egal, dass ich auf meinem Bürostuhl ausgesehen haben muss wie eine Fünfjährige, die dringend pieseln muss. Das Bild, das ich vor meinem inneren Auge hatte: Frau Anfasserin hatte mir eine Übung/Bewegung für den Arm gezeigt, mit der die Hülle des Hauptnervenstrangs gelockert werden soll. Ihr Lehrer habe die Art der sanften Bewegung verglichen mit „einer gekochten Spaghetti, die durch eine Zahnlücke gleitet“.

Vielen Dank für die vielen Tipps in den Kommentaren. Kann es sein, dass manche davon ebenfalls in der Taubentradition stehen?

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Auch dieses Jahr gehört zu den Urlaubsvorbereitungen, den Ferienort in die Wetter-App zu holen. Bislang kann ich mich freuen, dass es in Santiago de Compostela 17 bis 20 Grad hat statt der 32 bis 39 Grad in Madrid – ich fürchte mich nämlich davor, in Gluthitze wandern zu müssen.

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In der Süddeutschen hat Franz Kotteder Radiogeschichte festgehalten, nämlich die radikale Umgestaltung des Traditionssenders Bayern 1 vor einem Jahr:
„Mit Classic Rock an die Spitze“.
via @Deef

Sehr froh bin ich darüber, dass es das Mittagsläuten immer noch gibt. Das ist doch sowas wie der Seewetterdienst des Südens.

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Eine Reportage mit wundervollen Fotos über deutschsprachige Handwerksburschen auf der Walz in der New York Times. (Ich liebe es ja immer, wenn eine andere Kultur über meine schreibt.)
„Cleaving to the Medieval, Journeymen Ply Their Trades in Europe“.

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Ein Tipp auf Twitter führte mich zu diesem Archiv: Ein George Blood hat fast 26.000 alte 78rpm-Schallplatten digitalisiert und online gestellt. Ich wusste gestern Abend schier nicht, wo ich mit Anhören anfangen sollte. Vielleicht mögen sie in das herrliche „Don’t Let’s Be Beastly to the Germans“ reinhören, ein Progagandalied aus dem Jahr 1941 von Noel Coward.

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Eigentlich setze ich ja all meine Schauspielkräfte darein, hier als bräsig bildungsbürgerliche Mitte zu erscheinen. Aber den gestrigen Tag gewann dann doch dieser Tumblr eines Herrn, der früh genug bei instagram einstieg, dass sein Vorname Nico noch als Account-Name zu haben war. Und der seither Kaufanfragen dazu bekommt:
„canihaveyourinstagramname“.

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Sie interessieren sich für unsere Genossenschaft Kartoffelkombinat? Spielen mit dem Gedanken mitzumachen? Dann empfehle ich Ihnen die Hofführung durch unsere Gärtnerei nächsten Sonntag.
Hier finden Sie Details.

die Kaltmamsell

7 mal Beifall zu “Journal Dienstag, 8. August 2017 – Selbstbild als Skinners abergläubische Taube und Beifang aus dem Internetz”

  1. Frauke meint:

    Ach ja, Bayern 1, an Gustl Weishappel mit der Temperatur vom Fensterbankl im Musikjournal erinnere ich mich gut. Das Beste war „Der Frauenarzt von Bischofsbrück“. Das wäre mal eine Wiederholung wert.

  2. obadoba meint:

    Zu Bayern1:
    Ach, so ist das. Ich dachte einfach, ich seit jetzt halt alt genug um B1 Zielgruppe zu sein, weil B3 immer öfter echt nervig ist.

  3. Hauptschulblues meint:

    Danke für den Tipp zu George Blood. Hauptschulblues hat noch nicht mal seine paar 45er digitalisiert und da kommt dieser Mann daher mit 70000 78ern und stellt sie noch online. Großartig.
    Wie Frau Kaltmamsell vielleicht der SZ entnommen hat, gibt Neil Young demnächst auch alles frei, und zwar in besserer als mp3-Qualität. Da wettert der Gute ja schon immer dagegen:
    http://www.neilyoung.com/

  4. kalua meint:

    Haben Sie schon von der neuen Bezeichnung für die EU Bürger in UK gehört? ‘Economic migrant (EU)’
    http://www.europeanmovement.co.uk/brexit_myths_seeping_into_uk_public_life

  5. Maz meint:

    Vielen Dank für Skinners abergläubische Tauben.
    Ich muss gestehen, ich neige auch oft dazu, abergläubische Rituale zu entwickeln. Wenn es mir dann irgendwann zu blöd wird, dann zerschlage ich das aktuelle, um bald ein neues in mein Leben einschleichen zu lassen. Außer drei Mal aufs Holz zu schlagen. Daran glaube ich, zumal ich damit die Religiösen um mich kirre mache, die mich ermahnen, ich solle doch an Gott glauben. An der Himmelpforte hülfe mir, dem erklärten Atheisten, nur der wahre oder rechte -welchen Begriff die da immer auch verwenden- Glaube.
    Dann antworte ich: „Hey, wenn der Erschaffer doch das Holz ist, das ihr so arrogant abtut?“
    Aber jetzt ohne Scheiß, ich hatte mir letztes Jahr wegen exzessiven Schwimmens (ich benutzte dummerweise oft auch diese Handpaddeln) Nerv am Rücken entzündet. Einen Monat unerträgliche Schmerzen, so eine Art Dauerverkrampfung. Musste deshalb Schwimmen radikal reduzieren. Mache (und schaffe) nur noch maximal 10 Bahnen in der Woche. Nach monatelanger Rehabilitation und Schmerztherapien. Solltest eventuell nicht soweit kommen lassen.

  6. EausP meint:

    27 Grad im Moment in Santiago und eine riesige Schlange am Eingang der Kathedrale. Leckeres Essen gibt es hier
    Abastos 2.0
    Praza de Abastos, Rúa das Ameas, 13 -18, 15703 Santiago de Compostela, La Coruña, Espanha
    +34 981 57 61 45

    https://goo.gl/maps/sUQF44oBYb62

    Ist um die Mittagszeit sehr voll, warten bis ein Platz draußen frei wird oder für drinnen reservieren.

  7. EausP meint:

    Und falls Sie auf dem Weg nach Fisterra hungrig werden, empfehle ich das Restaurante
    http://tiradocordel.com/
    Dort gibt es den besten Lubina, den ich je gegessen habe.

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