Journal Samstag, 12. August 2017 – #12von12 Sugoeinkochen 2017

Sonntag, 13. August 2017 um 8:52

Ein freier Tag, ich kann mal wieder an #12von12 teilnehmen.

Das Hereinholen der Wochenendzeitung brachte mich gleich mal zum Augenrollen: „Ob beim Staatsbesuch oder bei den Affen im Zoo: Oft verraten Gesten, worum es wirklich geht.“ Das seriöseste Thema in der Kommunikationswissenschaft gleich nach Phrenologie und Horoskopen.

Nach über einer Woche Schmerz-bedingter Sportpause fing ich wieder vorsichtig an: Heimischer Crosstrainer mit Musik auf den Ohren – das Smartphone mangels Halterung am Körper in einer Tasche. Im Sport-BH hält das Telefon als Musikträger zwar, wird aber an mir Superschwitzerin zu feucht.

Ausblick bei 80 Minuten Strampeln. Die Kastanien sind bereits durch die Miniermotten verherbstelt.

Fahrradfahren traue ich mich hingegen noch nicht, das Hochgucken überm Lenker belastet den Wirbel mit beengtem Nerv zu sehr. Zum diesjährigen Sugo-Einkochen mit dem Kartoffelkombinat nahmen Herr Kaltmamsell und ich die U-Bahn (wegen Umbaus sind die Bilder im Bahnhof schon von der Wand genommen). Unser Ziel war eine Kantinenküche in Obersendling.

Mit diesem wundervollen, frisch geernteten Gemüse aus unserer eigenen Gärtnerei ging es los.

Ein Trupp Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler schnippelte das Gemüse, das zum Teil (Auberginen, Zucchini) gleich vorgeröstet wurde.

Selbst war ich nach zwei Jahren Schnippeleinsatz diesmal in der Küche beim Kochen und Abfüllen eingeteilt. Gestern stand das Basissugo auf dem Plan, am Sonntag sollten aus dem auch gestern schon geschnippelten und vorgeröstetem Gemüse auch Varianten werden.

Die Tomaten wurden erst mal im Riesenkessel eingekocht, dann gewürzt. Umfüllen in Töpfe auf dem Herd, nochmal aufkochen, abfüllen. Von vorne.

Mir fiel auf, wie sehr wir alle als Kinder der Industrialisierung (na gut: als Ururururenkelinnen) auf Effizienz und Optimieren von Arbeitsabläufen geeicht sind. Jede und jeder hat das Bedürfnis, die Zeit und die Ressourcen zu nutzen, möglichst viel aus Mensch und Material herauszuholen. Ich nehme an, dass es vor… sagen wir 400 Jahren in einer Werkstatt noch anders zuging, dass mit anderen Zielen und Idealen gearbeitet wurde.

Fertig abgefüllter Sugo. Gläser und Deckel hatten vorher eine Station in der Spülmaschine nebenan durchlaufen, wir füllten möglichst heiß ab (ich zog mir zu meiner Überraschung am linken Daumen eine Brandblase von den heißen Gläsern zu, auf die ich eine Zeit lang Deckel schraubte – trotz Handschuhen).

Um 18 Uhr löste uns die Nachtschicht ab.

Wir kamen sehr hungrig nach Hause, deshalb plante Herr Kaltmamsell um und verschob die eigentlich vorgesehenen Bratkartoffeln, kochte die schneller servierbaren Nudeln mit Chinakohl (aus Ernteanteil) und Räucherlachs.

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Wer die gestrige Einkochaktion in Bewegung sehen will: Vorstand Daniel hat mit Chefkoch Felix ein Filmchen davon gedreht (spot the Kaltmamsell!).

Bild: Herr Kaltmamsell

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Wie wenig über Polen als Einwanderer nach Deutschland gesprochen wird (nach Türken die zweitgrößte Gruppe), merkt man erst jetzt, wo es doch jemand tut. Emilia Smechowski hat Wir Strebermigranten veröffentlicht und damit bei vielen eingewanderten Polinnen und Polen etwas ausgelöst.

Alexandra Tobor, die vor fünf Jahren etwas Ähnliches, bloß ganz Anderes mit ihrem Roman Sitzen vier Polen im Auto gemacht hat, denkt darüber nach, was die Unsichtbarkeit von Polen als Einwanderer in Deutschland auslöst:
„Made in Poland“.

(Auch mir ist aufgefallen, dass die spanische Seite meiner Herkunft in meiner Umgebung immer sehr viele Assoziationen auslöst, die polnische allerdings fast immer unkommentiert bleibt.)

die Kaltmamsell

6 mal Beifall zu “Journal Samstag, 12. August 2017 – #12von12 Sugoeinkochen 2017”

  1. Joël meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. marthe meint:

    Ein/e Beitrag/Frage zur Effizienzbemühung: ich kenne diese Art des Einkochens mit dem Umdrehen der Gläser nach dem Deckel aufschrauben um auf diese Art nochmals ein Sterilisieren zu erreichen. Ist das eher überholt/unnötig?

  3. marie.sophie meint:

    Das Kartoffelkombinat ist eine großartige Sache und ich sehe sehr neidisch herüber. Überhaupt es sollte einen Kartoffelkombinat-Jahres-Kalender geben. That’s my kind of pin-up-so schöne Fotos und überhaupt Frauen und Maschinen!

  4. die Kaltmamsell meint:

    Nein, marthe, das haben wir nicht gemacht. Wie funktioniert denn Sterilisation durch Umdrehen der Gläser?

    Das mit dem Kalender ist eine hervorragende Idee, marie.sophie. Ich werde die Anregung weitergeben, vielleicht kann man ja die Genossenschaftler dazu aufrufen, ihre Bilder zuzuliefern.

  5. marthe meint:

    Ich habe nur die Information, daß durch umdrehen bis zur Abkühlung, die Luft, die sich unter dem Deckel befindet, der Hitze des Inhalts ausgesetzt ist und es dadurch zur weiteren Keimvernichtung kommt. Vielleicht ist das gar nicht nötig habe ich nun vermutet. Einfach weil ich erst mal beeindruckt war von den Mengen die Sie dort im Kartoffelkombinat verarbeiten und ja auch später gebrauchen wollen.
    …..und ja ich schließe mich marie.sophie an, es ist eine tolles Projekt!

  6. Julia meint:

    Ah, hier finde ich also die Information zur Smartphone-Halterung. Welche Tasche ist das denn?

    PS: Ich liebe eingekochtes Sugo für lange Wintertage. Auf dem Markt gibt es für 1€/kg so genannte „Quetschtomaten“, die überreif und etwas angedrückt sind. Scheinbar zu „unschön“ für den deutlich höherpreisigen Einzelverkauf. Aus 6 kg haben wir jetzt 14 Gläser eingekocht. Die bringen uns über den Winter…

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