Journal Dienstag, 16. Oktober 2017 – Schwelgen in Ernteanteilgemüse

Mittwoch, 18. Oktober 2017 um 6:47

Nach unruhiger Nacht noch vor frühem Weckerklingeln aufgewacht mit sehr seltsamen Kopfschmerzen, die ums rechte Auge in Wellen kamen und beim Vorbeugen schier unerträglich wurden. Ich habe die Nebenhöhlen im Verdacht und kämpfte den ganzen Tag mit diesem Schmerz.

Langhanteltraining vor der Arbeit machte trotzdem Spaß.

Nochmal ein Spätsommertag mit ganztags geöffnetem Fenster, durch das die Sonne mein Büro wärmte.
Zu Mittag machte ich mir ein ausgesprochen feudales Essen: Radiccio aus Ernteanteil, Balsamico-Vinaigrette hatte ich mir daheim gemixt und mitgenommen, frische Thymianblättchen untergemixt (und mal wieder vergessen, wie lange das Blättchenzupfen dauert), Blauschimmelkäse drüber.

Heimweg als Spaziergang im Abendrot, ich konnte mich am Rosa des Himmels kaum satt sehen.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil Aloo Gobi nach einem Rezept aus dem Guardian: Kartoffel-Blumenkohl-Curry. Es war ausgesprochen köstlich mit seinen verschwenderischen indischen Aromen. (Allerdings waren die frischen Jalapeños darin dann doch so scharf, dass wir Joghurt dazu brauchten.) So wunderbares Essen mag mich immer wieder glücklich machen.

§

Eine Geschichte aus meinem Internet (das immer noch zu allergrößten Teilen paradiesisch, golden und rosenduftend ist):
Sie lesen ja hoffentlich bei dem hauptsächlich in Irland lebenden Fräulein Read On mit? Die Dame schreibt auch auf Twitter. Am Montag kündigte sich ein schlimmer Sturm über Irland an, Ophelia benamst.1 Um des Fräuleins viele Leserinnen und Leser zu beruhigen, erschien abends überraschend dieser Tweet:

And the Internet went all AWWWWWW!
Die Erklärung:

Gestern Morgen erfuhren wir dann, dass Fräulein Heldin wohlbehalten ist, das Dach gehalten hat, der Strom wieder da ist, dass alle Protagonisten ihrer Geschichten bis hin zum Kälbchen sicher sind.

§

Zufällig derselbe Tag, an dem viele Leute diesen Artikel teilten:
„One person’s history of Twitter, from beginning to end“.

we thought we were gonna change the world.

Here’s the bad news: we did.

(…)

… at some point, and I don’t know exactly when or how or who — even scarier I don’t know if the people involved know when or how or who — Twitter made the decision to ride the hate wave. With their investors demanding growth, and their leadership blind to the bomb they were sitting on, Twitter decided that the audience Trump was bringing them was more important than upholding their core principles, their ethics, and their own terms of service.

And that, whenever that day might have been, is the day Twitter died.

§

Eine weitere schöne Geschichte aus dem jüngsten SZ-Magazin. Sie erinnerte mich sofort an The Lady in the Van von Alan Bennett, doch die Autorin hat nach eigenen Angaben von Bennetts Geschichte erst danach erfahren.
„Die Frau in Weiß“.

Gloria schaut sich jeden Abend den Sonnenuntergang in der Straße an, in der unsere Autorin wohnt. Die beiden kommen ins Gespräch. Wenig später zieht Gloria in die Garage unserer Autorin.

  1. Hand hoch, wer wie ich dazu sofort das präraffaelitische Gemälde assoziiert; das meinte ich mit unnützen Verbindungen durch Alter. []
die Kaltmamsell

13 mal Beifall zu “Journal Dienstag, 16. Oktober 2017 – Schwelgen in Ernteanteilgemüse”

  1. Micha meint:

    Hand hoch :)

  2. Frauke meint:

    Andere Hand hoch, an Shakespeare gedacht

  3. Sabine meint:

    Hand im Prinzip hoch, bin aber zu beschäftigt, mit den Händen in Richtung Nasendusche und Emser Salz zu wedeln. Nie wieder Nebenhöhlenentzündungen gehabt, die früher mein treuer Begleiter waren, seit ich jeder aufziehenden Erkältung mit einer Kombi aus Nasenspülungen und abschwellendem Spray begegne, so dreimal täglich und zwar noch, bevor die Nase zugeht. Davon geht der Schmupfen nicht weg (obwohl, den letzten habe ich so sogar verjagt), er ist aber deutlich weniger quälend, die Nase verkrustet nicht, es läuft nichts den Hals hinunter, um eine Bronchitis zu begünstigen und die Nebenhöhlen werden nicht infiziert. Ischwör, keine Sinusitis mehr!

    Das ist auch kein Hokuspokus, sondern schlichte Biologie (Osmose wegen dem Salzwasser) und wahrscheinlich Physik (Nasenhärchen können unverschleimt ihren Dienst tun) und von HNO-Ärzten empfohlen. Wenn man den Trick raushat (Gaumensegel hochklappen beim Nasenduschen), ist das warme Salzwasser sogar recht angenehm und lindernd.

    Es glaubt nur immer keiner, bis auf die eine Kollegin, die ich mal überzeugt habe und die seither auch ohne Nebenhöhlenentzündungen durch die Welt geht.

    Elizabeth Siddal wäre froh gewesen, wenn sie eine Nasendusche gehabt hätte, sie hat sich nämlich beim Modellliegen für Millais eine ordonnanzmäßige Erkältung geholt und der Gauner hat sie auch noch beim Schadensersatz runtergehandelt. Diesen Präraphaeliten-Bros wünscht man ja ebenfalls eine Hexenjagd auf den Hals. Erst keine anatomischen Kenntnisse haben, sich dann an die Anatomie der Modelle ranmachen. Bäh.

  4. Sabine meint:

    Hihi, Schmupfen.

  5. marie.sophie meint:

    Sie sind zu reizend. Der Tierarzt, die Tierschar und ich sind sehr gerührt über all die guten Gedanken und der Tierarzt ist überhaupt im siebten Himmel: „I talked to Germany and Germany just answered back.“ Es ist Liebe. Danke.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Schmupfen ist ja eigentich sogar Schmupfm, Sabine , und es sind nicht nur die Präraffaeiliten-Bros: In Nizza hängt viel von Yves Klein im Museum, inklusive vom Making of mit Frauenkörpern als Pinseln:
    http://slideplayer.org/slide/637734/1/images/22/Yves+Klein:+Anthropometrie+Performance,+Paris+1960.jpg
    Ich war vor lauter WTF?! sprachlos.

    Auch hier viel Rührung, marie.sophie.

  7. lihabiboun meint:

    Ich wedle auch in Richtung Emser Salzdusche und die Hand hebe ich eh und den LuxusSalat bau ich heute Abend nach. Mlle Read On ist unbestritten der tägliche Lichtblick. Ich wünsche gute Besserung für die befallenen Körperteile!

  8. Neli meint:

    Leider funktioniert der Link zur Frau in Weiß nicht, können sie ihn bitte reparieren?

  9. die Kaltmamsell meint:

    Oh Verzeihung, Neli, vielen Dank für den Hinweis. Ist repariert.

  10. Frau Schmitt meint:

    Hand hoch. Shakespeare und Bild. Kurz erwogen, ‚go thy ways to a nunnery‘ in einem orkanbezogenen Text zu verwenden. Verworfen.

  11. RsL meint:

    Merkwürdige Kopfschmerzen, falls es doch nicht die Nebenhöhlen sind: Mal zur Osteopathie, die diversen inneren Verdrahtungen nachgucken lassen?

  12. mardi_gras meint:

    28 Jahre alt und auch die präraffaelitische Assoziation gehabt. Schiebe das auf meinen dreimonatigen English Literature Kurs in einem britischen Internat, wo wir – auch – Hamlet lasen.

  13. Sibylle meint:

    Im Kindergarten meiner Kinder waren seinerzeit Zwillinge, die Tristan und Ophelia hießen…
    Da shakespearte es nicht nur, sondern wagnerte auch noch. Ulkige Kombination…

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