Journal Dienstag, 24. Oktober 2017 – Swing Time als Buch und Tanz

Mittwoch, 25. Oktober 2017 um 9:35

Gestern Morgen Langhanteltraining: war anstrengend, aber tat gut. Die Vorturnerin mag das letzte Stück Musik besonders gern, nach dem wir die abschließenden Bauchmuskelübungen turnen, und sie groovte dazu anfeuernd durch den Turnsaal – Fröhlichkeit für den ganzen Bürovormittag.

Seit zwei Tagen schreibe ich auf einer neuen, ergonomischen Tastatur. Ich wollte vor allem keinen Ziffernblock rechts (weil ich den nie benutze, er mich aber dazu zwingt, die Maus unangenehm weit rechts zu positionieren), und das war nach meiner selbst gekauften kleinen 12-Euro-Tastatur (hielt gerade mal zwei Jahre, tse) die einzige Wahl. Großer Haken: Sie basiert darauf, dass man nach Schulbuch tippt. Ich nutze zwar alle Finger, aber wie fast alle Computernutzerinnen nach selbst entwickeltem Fingersatz. Konsequenz: Ich muss nach Jahrzehnten gedankenlosen Blindtippens wieder auf meine Finger schauen und fühle mich wie mit 19 als Volontärin. (Damals setzte ich mir Blindtippen in den Kopf und tat das so lange, bis die Buchstaben auf dem Bildschirm meinen Vorstellungen entsprachen. Mache ich jetzt einfach wieder. Oder kaufe mir nächste Woche eine kleine 12-Euro-Tastatur.)

Abends Leserunde bei uns; wir hatten Swing Time von Zadie Smith gelesen. Meine Eindrücke hatte ich Ende letzten Jahres hier ganz unten notiert. Die Runde mochte das Buch auch, besonders oft wurden der Einblick in afrikanischen Alltag und die Auswirkungen von gut gemeinter Hilfe erwähnt. Dann guckten wir zum Hintergrund einige Filmausschnitte aus alten Musicals und Parallelen zum Tanzstil von Michael Jackson, die im Buch erwähnt werden, zusammengestellt von Herrn Kaltmamsell. Es wurde recht spät.

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Anke Gröner bittet mich, mir Gedanken über dieses Bild zu machen.

Bild: Victoria and Albert Museum (CC BY 4.0)

Das ist wirklich eine schöne Brille, aufgenommen im Stil von Produktkatalogen. Allerdings scheint mir das Foto deutlich neuer zu sein als das dargestellte Objekt: In den 1960ern, also als die Brille gefertigt wurde, waren Licht und Farben beim Fotografieren anders. Vermutlich handelt es sich also um eine Aufnahme für Museumsbelange, nicht für zeitgenössische Werbung.

Die Europeana stellt Fotos zur freien Verwertung zur Verfügung, das ist ganz großartig. Mit dieser Aktion zielt sie auf Steigerung ihrer Bekanntheit. Und weil die Bitte von einer vertrauenswürdigen Bloggerin weitergegeben wurde, habe ich mich auch auf der Seite umgesehen. Mein Interesse gefangen hat am ehesten der Bereich Fotografie. Hier stieß ich auf Julia Margaret Cameron, die als „bedeutendste britische Fotografin der viktorianischen Epoche“ vorgestellt wird, von der ich aber noch nie gehört hatte. Von ihr stammt zum Beispiel dieses Tennyson-Foto:

Allerdings lösen die aktuellen Marketingversuche von Kunsteinrichtungen in Social Media bei mir eher Unbehagen aus (aber ich bin ja auch von privaten instagram-Accounts als Lebensunterhalt durch Produktwerbung befremdet – was mich als unflexiblen Internet-Dinosaurier entlarvt): Blog-Stöckchen sind eigentlich etwas Anderes. Auch deren Versuche, gewachsene Blogaktionen wie WMDEDGT oder #12von12 für ihr Marketing zu kapern, empfinde ich als unsympathisch. Da mache ich keinen Unterschied zwischen dilettierenden Museumsangestellten und professionellen Agenturen. Mittlerweile ist mir die bezahlte Social-Media-Welt fast lieber, die sich eine eigene Parallelwelt aufgebaut hat, in der berufliche Veranstaltungen als echtes Leben ausgegeben werden (Sprachbaukasten: „so excited about“, „inspiring“) und man einander fürs Twitter-Folgen und Retweeten dankt.

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Johannes Kretschmar aka Beetlebum verarbeitet immer noch die Geburt seines ersten Kinds – die ihn offensichtlich ungefähr so traumatisiert hat wie die Geburt von Neffe 1 meinen Bruder. Besonders gefallen hat mir:
„Wochenbettphilosophie“.

die Kaltmamsell

2 mal Beifall zu “Journal Dienstag, 24. Oktober 2017 – Swing Time als Buch und Tanz”

  1. philine meint:

    Bin ich froh, daß meine Mutter mich dazu überredet hat, mit 17 einen Schreibmaschinenkurs zu machen; so kann ich blind im 10 Fingersystem tippen, was vieles sehr erleichtert.

  2. Anke meint:

    Danke fürs Gedankenmachen.

    Spannend, dass du die Social-Media-Bestrebungen von Profis so anders wahrnimmst als ich. Ich persönlich würde mich durch nichts lieber klicken als durch 12×12 aus Museen, wo dann hoffentlich mehr fotografiert wird als „hier ist unsere Kasse“, „das ist unsere Garderobe“, sondern „12 Bilder aus dem Depot, die gerade nicht in der Ausstellung hängen“. Ich würde auch gerne einer Kuratorin bei ihrem Tag über die Schulter gucken.

    Ich diskutierte neulich mit einer Dame, die eine dieser Blogaktionen arglos aufgenommen und über ihren beruflichen Alltag berichtet hatte und Gegenwind bekam, den ich, ehrlich gesagt, nicht nachvollziehen kann. Gerade wenn es möglich ist, aus dem Berufsalltag zu plaudern, lese ich WMDEDGT oder 12×12; die ganzen Kinder- und Abwaschbergefotos ignoriere ich hingegen total.

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