Journal Donnerstag/Freitag, 19./20. Oktober 2017 – Abschied vom Oktobersommer

Samstag, 21. Oktober 2017 um 9:13

Donnerstagmorgen leuchtete der Heimeranplatz in der aufgehenden Sonne rot, Anfang eines weiteren Spätsommertags.

Abends gab es eine gewaltige Schüssel Endiviensalat aus Ernteanteil, verfeinert mit erster Kresse aus genossenschaftseigenem Anbau, angereichert mit gekochten Eiern und ein wenig Feta.

Für den Freitag hatte ich mir den Wecker früher gestellt, um vor der Arbeit noch eine halbe Stunde Krafttraining (nach Fitness Blender) unterzubringen, ich fühle mich mal wieder unterbewegt. Symptom: Wenn der zentrale Drucker zickt, ärgere ich mich zwar über die Verzögerung, freue mich aber ein wenig, dass ich Anlässe zum Herumlaufen habe.

Morgens hatte der Himmel über dem Heimeranplatz bereits angekündigt, dass der außerplanmäßige Spätsommer ein Ende haben könnte.

Doch der Heimweg nach frühem Feierabend war noch so warm, dass ich unter meiner Baumwolljacke schwitzte. Ich schlenderte, um mich am Anblick spielender Kinder in kurzen Ärmeln, besinnlich am Balkon Rauchender, Biergartensitzerinnen zu erfreuen. Im Verdi Süpermarket besorgte ich Obst und Oliven, denn ich hatte Hunger, wollte aber noch nicht so früh zu Abend essen.

Daheim gab es also erst mal Cosmopolitans und Oliven.

Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell Entrecôte, dazu gab es ein wenig Spinat, ein wenig Endiviensalat, ein wenig Ofenkartoffeln aus unserem Ernteanteil.

§

Die US-amerikanischen Girl Scouts befassen sich ganz pragmatisch mit sexueller Belästigung:
„One in Ten Girls is Catcalled Before Her 11th Birthday.
Here Are 6 Things Parents Can Do About It“.

Two years ago, a study showed that one in ten American girls had been catcalled before her 11th birthday. That’s right, we’re talking about fourth graders getting wolf-whistled and potentially worse. And now, a 2017 report shows more than one in six girls in elementary and secondary school have dealt with gender-based harassment.

Ich fand schon den Tipp interessant, wie man als Elternteil das Thema ansprechen kann:

point it out on TV shows, in movies, and in real life. When you witness catcalling or other sexual intimidation (and sadly, you won’t have to look hard to find it), raise the interaction to your daughter and tell her why it was inappropriate and unacceptable.

Und, ganz wichtig:

If you have sons or other young men in your life, have conversations about catcalling and sexual harassment with them, too. Using pop-culture or events in real life or on the news is always a solid way to introduce the topic. Let them know these kinds of behaviors are never OK, and why they’re damaging to people of both genders. Then, ask him why he thinks other boys and men behave this way.

Mir fällt ein, dass meine Mutter genau das gemacht hat: Beim Fernsehen und im Alltag protestierte sie in meiner Gegenwart immer wieder gegen Sexismus. Sie nannte ihn nicht so, sie nannte es einfach ungerecht:
– Dass ein Mann mit vielen Beziehungen toller Hecht genannt wurde, eine Frau aber Schlampe.
– Dass einer Frau keine Führungsposition oder keine technischen Fertigkeiten zugetraut wurden.
– Dass kleine Mädchen zur Hilfe im Haushalt angehalten wurden, Buben aber nicht.
– Dass Buben von ihren Eltern schulisch gefördert wurden, es von seiner Schwester hingegen hieß, die „heiratet ja eh mal“.
Meine Mutter ließ das auch vor 40,50 Jahren nie auf sich beruhen, sondern protestierte. Ich bekam sehr wohl mit, dass ihr Freundes- und Bekanntenkreis darüber mit den Augen rollte, doch sie ließ nicht locker.
Ich würde schon sagen, dass mich das ganz entscheidend geformt hat, ebenso meinen Bruder.

§

Ich lachte.


die Kaltmamsell

5 mal Beifall zu “Journal Donnerstag/Freitag, 19./20. Oktober 2017 – Abschied vom Oktobersommer”

  1. Nina meint:

    Vielen Dank für das „Mamas got bump“-Video. Ich lachte auch. Sehr. Genau das, was ich in meinem 8. Monat-Schwangerschaftszustand gerade sehr brauche.

  2. Claudia meint:

    Das Video ist großartig. Danke fürs Teilen.

  3. Susann meint:

    Vielen Dank für das Video – habe heute ersten „kinderfreien“ Nachmittag seit Wochen und habe Tränen gelacht – der erste Rap meines Lebens, in dem „diastastis recti“ vorkommt und die elende Beckenbodenschwäche.
    Was für eine erfrischende Abwechslung zum klassischen „Jungsrap“* und dem dort üblichen Geprahle/Geprolle.

    (*Da könnten ein paar Verse über Erektionsschwäche und Männerschnupfen auch ganze Weltbilder erweitern…)

  4. Iris meint:

    ### made my day ###

    Danke.

  5. Susanne meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Made my day

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