Journal Samstag, 23. Dezember 2017 – Bazillenattacke

Sonntag, 24. Dezember 2017 um 9:08

Um halb sieben aufgewacht. Bis es über meinem Morgenkaffee langsam hell wurde, vergingen noch anderthalb Stunden.

Im heimischen Wohnzimmer sportelte ich mit Fitnessblender eine Runde Rumpfkräftigung, kam ordentlich ins Schwitzen.

Am späten Vormittag eine kleine Einkaufsrunde: Auf den Einkaufsstraßen der Münchner Innenstadt war es an diesem letzten Einkaufstag vor Heilig Abend ruhiger als an manch vorhergehendem Adventsamstag, später las ich auf Twitter von anderen deutschen Innenstädten Ähnliches – waren die Menschen gar zur Vernunft gekommen?

Unter anderem kaufte ich ein Kopfkissen: Am Vortag hatte ich beim Bettenüberziehen festgestellt, dass das Kissen des Herrn Kaltmamsell mittlerweile ein fleckiger, klumpiger Fetzen war – und da hatte ich mich erinnert, dass ich ihm am Anfang unserer Zweisamkeit ein paar Mal zwar nichts zu Weihnachten (die Geschenklosigkeit zu diesem Anlass hat sich von Anfang an ergeben), aber hin und wieder etwas für Weihnachten geschenkt hatte, zum Beispiel ein schönes Hemd für Heilig Abend. Und so ließ ich mir beim Betten Ried bezaubernd und fachkundig zu einem Federkopfkissen mit Daunenanteil raten, das man dort auch reinigen lasssen kann. Ich habe ja schwer was übrig für alteingesessene Geschäfte mit Fachpersonal, das da seit Jahrzehnten arbeitet. Plötzlich fiel mir ein, wie wichtig meiner polnischen Oma Qualität beim Bettzeug gewesen war, sie konnte ausführlich über die Wahl ihres Federbetts und ihrer Kissen referieren. Ähnlich hohe Ansprüche stellte sie nur an Schuhe; sie war meine ganze Kindheit durch für den Kauf der wirklich guten Schuhe für mich zuständig, machte auch in hohem Alter bei ihren eigenen trotz geringem Einkommen keine Abstriche bei Eleganz und Qualität.

Zurüch zu Hause merkte ich über den Nachmittag und Abend, wie dann doch der Atemwegsinfekt Land gewann, die grün vollgerotzten Taschentücher um mich herum ließen keinen Zweifel. Schon wieder? Was soll denn das? Wir hatten doch ausgemacht, dass ich die mit der Rossnatur bin? (Na gut, bin ich ja weiterhin, solange mich der Infekt nicht ins Bett wirft.)

Ich bügelte den Hügel Wäsche der letzten Wochen weg – die eine gute Seite, die ich dem Winter zuzugestehen bereit bin: Wenig Bügelwäsche. Das dauerte exakt so lange wie der Wrint-Podcast, in dem Andrea Diener über ihre Reisen des vergangenen Jahres erzählte.
„Frau Diener verreist nach Marokko (und andere Katastrophen)“.

Abends ergriff ich die Gelegenheit im Fernsehen, Die Eiskönigin – Völlig unverfroren anzusehen (Ohrfeigen für die Titelübersetzung), das einige kleine Mädchen in meiner Verwandtschaft nachhaltig geprägt hat. Ich muss irgendwie herausbekommen warum: Das ist der möglicherweise handlungsärmste Disney jemals, und das auch noch mit der lieblosesten Charakterzeichnung.

§

Was bis heute im heterosexuellen Teil unserer Gesellschaft als Abwehr gegen ungewollte Anmache zu gelten scheint: Der Hinweis, man habe einen Freund hat oder sei gar verheiratet. Das wäre mir schon mit 15 nicht eingefallen und tut es seither nie. Ich habe nachgedacht, warum das so ist. Meine Rationalisierung eines rein affektiven Impulses: Dieses Argument lässt sich darauf ein, dass Frauen in einer Partnerschaft Besitz eines Mannes sind. Dass der ungenehme Anmacher wahrscheinlich die Abfuhr einer Frau nicht respektieren wird, sich aber vor dem Übergriff auf den Besitz eines anderen Mannes hütet, wegen Ehrverletzung. Nichts daran akzeptiere ich.

die Kaltmamsell

5 mal Beifall zu “Journal Samstag, 23. Dezember 2017 – Bazillenattacke”

  1. MissJanet meint:

    Ja, ich habe auch niemals den Besitzanspruch eines andern Mannes ins Spiel gebracht, aus dem von Ihnen genannten Grund. Und, wenn ich sage: „Ich habe einen Freund/Mann“, dann impliziert das, dass ich ja eigentlich interessiert bin, aber nicht darf. Was dann die Entscheidung von mir weg, auf eine andere männliche Person verlagert. Das ist auf allen Ebenen sowas von daneben…

    Schöne Weihnachtstage!!!!

  2. Sigourney meint:

    Wichtigstes Kriterium bei Daunenkissen: kein Lebendrupf. Ich hoffe, das hat die fachkundige Beratung auch beinhaltet.

  3. Thea meint:

    Mein schon lange verstorbener Stammschuster hatte in seinem Reparierlädchen einen Spruch hängen:
    Der Mensch braucht ein gutes Bett und ein Paar gute Schuhe. In beidem verbringt er sein Leben.
    Frohes Fest und gute Besserung.

  4. Sabine meint:

    Frozen ist ein erbärmliches Machwerk und erhält nur Rechtfertigung durch die komödiantische Inbrunst, mit der unser Dreizehnjähriger Let it Go seit Jahren aufführt, so dass ich den Song richtig mag.

  5. Modeste meint:

    Ich muss gestehen, ich rede mich regelmäßig auf meinen Mann heraus, besonders dann, wenn ich mit dem unerwünschten Galan noch zu tun habe. Dann hat er das gute Gefühl, ich wäre eigentlich interessiert, und ich das gute Gefühl, ohne weitere Erklärungen und Verlegenheit beim nächsten Treffen verschwinden zu können

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