Journal Mittwoch, 17. Januar 2018 – Waagrechter Schnee und Probetraining

Donnerstag, 18. Januar 2018 um 6:58

Derzeit leichter Schlaf mit viel Träumen, Protagonisten sind dieser Tage gerne Menschen aus dem Internet.

In die Arbeit geradelt. Fünf Minuten nach meinem Eintreffen, als ich mir gerade Tee kochte, fiel mein Blick aus dem Fenster auf waagrechtes Schneien – ich hatte Glück gehabt. Es schneite gestern immer wieder heftig und mit viel Wind (es blieb aber kaum etwas davon liegen), doch auch meine Radfahrt nach Feierabend blieb trocken.

Ich radelte nämlich zum Probetraining: In der großen Damenumkleide Frauen aller Altersstufen, darunter zwei, die sich leidenschaftlich über ihre erste Liebe unterhielten („kannst du dich noch erinnern?, „ich weiß noch ganz genau“, „dabei hat er doch mich geliebt“) – ich schätzte sie auf 16/17 Jahre.

Ein sehr junger Trainer machte eine gründliche Anamnese, indem er mich befragte (akzeptierte meine Antwort auf die Frage nach Körpergewicht „keine Ahnung“ sofort mit einem Strich im enstprechenden Feld), mich im Trainerzimmer alle möglichen Bewegungsformen ausführen ließ, mich mit einem Stab vermaß (Proportionen für Geräteeinstellungen?). Als Traingsziel gab ich neben „mit lediglich denselben Beschwerden rauskommen wie reingehen“ an, dass ich meine Beweglichkeit verbessern möchte.

Nach der Einstufung bat mich Herr Trainer um Aufwärmen auf einer Elipsentrainigsmaschine, während er einen Trainingsplan mit Geräten, Bällen, Gewichten, Rollen zusammenstellte. Unter den Übungen waren einige Überraschungen: Herr Trainer schien sich meiner Einordnung „ist halt so“ meiner Hauptbeschwerden (Bandscheibenvorfall LWS mit Hüftschmerzen und Beinausfall, beengter Nerv HWS mit wiederkehrendem Armausfall) nicht anzuschließen und möchte gegenarbeiten.

Schon beim Betreten des Fitnessbereichs der Sportstätte hatte mich unter den Sportelnden ein bekanntes Gesicht aus meiner Vergangenheit gegrüßt – aus meiner über 30 Jahre vergangenen Vergangenheit (Foto unterm Text, hinterste Reihe, zweiter von links). Wir waren uns allerdings in den vergangenen Jahren bereits hin und wieder über den Weg gelaufen: Er wohnt in derselben Gegend wie ich, und München ist dann doch übersichtlich.

Nächste Schritte in meiner Sportzukunft: Aufnahmeantrag ausfüllen, ausführliches Trainingsprogramm abholen.

§

Ein Designwissenschaftler schreibt über den Ursprung und die heutige Gestalt der SUV-Autos:
„Autofahren im Design des Neoliberalismus: das SUV“.

Alle wollen höher sitzen und den besseren Über­blick haben, alle wollen ihre Kinder sicher vors Schultor bringen, alle wollen die Vorzüge des sanften Glei­tens und die Sicher­heit des Allrad­an­triebs genießen – das sind die Argu­mente, die man von SUV-Fahrern und vor allem -Fahre­rinnen immer wieder hört. Der Wider­spruch von styli­schen Nieder­quer­schnitt-Breit­reifen und präten­dierter Gelän­de­gän­gig­keit, aber auch von neuer­dings schick-rusti­kaler Boden­frei­heit und hohem Luft­wi­der­stand, über­haupt von Größe und Gewicht gegen­über erhöhtem Roll­wi­der­stand und entspre­chend exor­bi­tantem Verbrauch – all das beküm­mert die Käufer dieser zutiefst wider­sprüch­lich konstru­ierten Autos offenbar in keiner Weise. Einen SUV zu fahren ist Ausdruck einer Nach-mir-die-Sint­flut-Haltung, die sich besten­falls noch naiv gibt.

Was mich das angeht? Diese Panzer sind so breit, dass ich in der Altstadt mit dem Fahrrad nicht an ihnen vorbeikomme, und so hoch, dass ich als Fußgängerin über einen solchen parkenden nicht drüber sehen kann, sondern zum Gucken vor dem Queren einer Straße drumrum gehen muss.

die Kaltmamsell

8 mal Beifall zu “Journal Mittwoch, 17. Januar 2018 – Waagrechter Schnee und Probetraining”

  1. Madame Graphisme meint:

    Im Rhein-Main-Gebiet sind SUVs eine echte Plage. Ihre Fahrerinnen (es sind überdurchschnittlich häufig Frauen, Zweitwagen und so, Vattern fährt halt lieber den A6) sind unsicher, zögerlich und trauen den Komfortfunktionen ihres Zivilpanzers nicht. Sie taumeln mit 90 auf der dritten Spur der A3 beim Südkreuz herum, werden rechts vom polnischen Sattelschlepper überholt und neigen zu unkontrollierten Bremsmanövern. Vom Spaß, einem solchen Bomber mit dem Fahrrad auf einer engen Innenstadt-Einbahnstraße mit dem Fahrrad zu begegnen, gar nicht zu reden. Da ist man dann Auge in Auge mit schreckstarren Piloten, die nicht wissen, wie sie ihre Monsterkiste ohne Blechschaden um das Fahrrad, mit dem mitten in der Stadt ja niemand rechnen konnte, herumjonglieren sollen.
    Ja, das sind grantige Pauschalurteile. Aber mir fiele auch kein Argument für diese Frankencars ein.

  2. Berit meint:

    Ohh der Fitnessplan, bzw die Übungen darin würden mich sehr interessieren. Würden Sie diesen hier teilen?

  3. die Kaltmamsell meint:

    Die Endversion hole ich mir nächste Woche ab, Berit, und würde sie Ihnen nur direkt schicken – um urheberrechtlich auf der sicheren Seite zu bleiben.

  4. Andrea meint:

    Mich würde das Studio interessieren, bin auch gerade auf Suche und das klingt sehr gut! Vermisse mein altes Studio jetzt schon…

  5. Modeste meint:

    Die SUV sind in Berlin Mitte auch nervig. Zudem ist die Motorhaube so hoch, dass die Fahrer Kinder unter 1,40 oft gar nicht sehen können. Gefährlich.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Ich wechsle aus der Studiowelt in die Vereinswelt, Andrea, zum MTV.

  7. arboretum meint:

    @ Madame Graphisme: Parken können sie die Dinger in der Regel auch nicht gescheit.

    Wenn ich die Weltherrschaft übernehme, werden SUVs sofort verboten.

  8. Andrea meint:

    Vielen Dank! Schaue ich mir an @Kaltmamsell

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