Journal Mittwoch, 31. Januar 2018 – Bauchgeschichten zur Unzeit

Donnerstag, 1. Februar 2018 um 7:17

Morgens im Büro wieder Darmgrimmen und Elendgefühl: Ich beschloss, das Nötigste wegzuarbeiten, mich dann krank zu melden und heim zu gehen. Noch etwas wegzuarbeiten. Nur noch diese Bitte zu erfüllen. Es gesellten sich Menstruationskrämpfe dazu, ich verzichtete wegen der Darmgeschichte auf eine Schmerztablette. Meine Sportpläne für abends waren längst gestrichen. Ich erledigte nur noch schnell dieses. Und noch jenes.

Dann war Nachmittag und es ging mir endlich langsam besser. Konnte ich ja gleich den Arbeitstag zu Ende machen.

Nach der Arbeit also kein Sport, statt dessen spazierte ich in die Innenstadt, um ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen. Das Draußen mit der frischen Luft tat mir sehr gut.

Daheim war ich dann auch richtig hungrig; wegen abwesendem Herrn Kaltmamsell machte ich mir ein schnelles Rührei mit Käse und genoss es.

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Goldene-Blogger-Mitinitiator Thomas Knüwer fasst seine Eindrücke zusammen:
„Goldene Blogger 2017: Da ist etwas passiert mit Blogs“.

Ja: Die Berichterstattung über die Veranstaltung erst hat mir bewusst gemacht, dass derzeit Blogs (also die „Everybody has a voice“-Blogs) in den Medien als das wahrgenommen werden, was wir Urgesteine von Anfang an damit gemeint haben: Ums Lagerfeuer sitzen und Geschichten erzählen. Unsere Geschichten, unsere Leben. Um damit diese höchst interessante Welt ein bisschen besser zu verstehen.

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Ein Artikel im Feuilleton der Süddeutschen brachte mich auf das Thema Überwachung in Indien. Er ist nur gegen Abschluss eines Abos lesbar, deshalb verlinke und zitiere ich hier die darin angeführte Quelle im Atlantic:
„The Privacy Battle Over the World’s Largest Biometric Database“.

In 2009, with little attention from abroad, the government of India launched a new identification program that has gone on to become the largest biometric database in the world. The program, known as Aadhaar, has collected the names, addresses, phone numbers—and perhaps more significantly, fingerprints, photographs, and iris scans—of more than 1 billion people. In the process, Aadhaar has taken on a role in virtually all parts of day-to-day life in India, from schools to hospitals to banks, and has opened up pathways to a kind of large-scale data collection that has never existed before.

(…)

Aadhaar was soon linked to so many activities that it has now become almost impossible to live in India without enrolling. Participation in the program is a requirement, or will be soon, for filing taxes, opening bank accounts, receiving school lunch in the state of Uttar Pradesh, purchasing railway tickets online, accessing some public Wi-Fi, participating in the state of Karnataka’s universal health-care coverage, and benefiting from a wide range of welfare programs.

(…)

According to an analysis of government data by Reetika Khera, a professor of economics at the Indian Institute of Technology in Delhi, millions of people have missed out on government benefits because of Aadhaar. In some cases, that’s because those who are elderly or disabled are unable to walk to the distribution sites to verify their identities. Others, who do manual labor, find that their fingerprints are too weathered from years of physical exertion to scan correctly, and so are denied their food rations.

Wie bitte? Gerade erst hat mir eine Expertin über die gesellschaftliche Stellung der vielen (!) Millionen Slumbewohner in Indien erzählt. Dieses System grenzt sie noch weiter aus.

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Eine wichtige Beobachtung von Giardino in seinem Post
30.1.2018 – Büro, Morgenrunde, Symbolfotos und Rossi:

Symbolbilder zu sensiblen oder kritischen Themen sind häufig schlicht daneben und schaffen eine gefährlich unbewusste Einordnung von Nachrichten und Artikeln. Nicht nur bei psychischen Krankheiten. Mit zusammengekauerten Frauen im Halbdunkel werden z. B. auch gerne Beiträge über häusliche Gewalt illustriert. Klar, so stellt man sich (zumal weibliche) Opfer von Gewalt gemeinhin vor: sprachlos, passiv, gebrochen. Wehe, sie treten dann ganz anders auf, z. B. selbstbewusst und stark wie Natascha Kampusch, schon sprechen ihnen viele ihre Glaubwürdigkeit ab. Das ist nicht primär die Schuld von Symbolbildern dieser Art, aber sie zementieren durchaus die Stereotype von Opfer- und Täterschaft.

die Kaltmamsell

3 mal Beifall zu “Journal Mittwoch, 31. Januar 2018 – Bauchgeschichten zur Unzeit”

  1. Anton meint:

    1. Gute Besserung !
    2. Rührei mit Käse ? Käse im Rührei oder dazu ?

  2. die Kaltmamsell meint:

    1. Danke, Anton.
    2. Druntergemischt, damit er anschmilzt.

  3. Norman meint:

    Ums Lagerfeuer sitzen und Geschichten erzählen. Unsere Geschichten, unsere Leben. Um damit diese höchst interessante Welt ein bisschen besser zu verstehen.

    Das erklärt dann auch, warum das alles hier überhaupt jemand lesen mag.

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