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Journal Montag, 20. Februar 2017 – Sendlinger-Tor-Platz wird so richtig Baustelle

Dienstag, 21. Februar 2017

Die abendliche Besorgungsrunde führte mich über den Sendlinger-Tor-Platz – eigentlich. Denn jetzt geht es wirklich los mit dem großen Umbau des U-Bahnhofs samt Tramanschlüssen: Es waren bereits einige Zugänge zum Untergeschoß gesperrt, gewohnte Ausweichrouten über den Platz durch Baugerät und Bauzäune blockiert. Die nächsten Jahre wird sich hoffentlich die jahrelange Übung mit (immer noch bestehenden) Baustellen am und unter dem Hauptbahnhof auszahlen: Für jede Querung werde ich wieder neu einen Weg suchen müssen. Leid tun mir allerdings die vielen Pendlerinnen und Pendler, die täglich am Sendlinger Tor umsteigen und denen mit dem Umbau alles neu und besser versprochen wird. Da müss mer halt durch, gell.
Der eigentliche Bau der Münchner U-Bahn Ende der 1960er, Anfang 70er war sicher schlimmer.

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Weiter bei Frau Julie (deren Blog ich arg vermisse) zur Berlinale hinterher gelesen: Auch dann ein Lesegenuss, wenn man schon weiß, wie sie ausgegangen ist.
„Berlinale 2017 – Männer! Heute ist ein guter Tag zum Sterben“.

Das hier sieht sowas von komplett meschugge aus, dass ich es sehen möchte – als hätte Almodóvar einen vierten Teil der Cornetto-Trilogie gemacht.

Journal Samstag, 18. Februar 2017 – Ringelstrumpfhosen, Fences

Sonntag, 19. Februar 2017

Eigentlich. Eigentlich hatte ich eine Runde Schwimmen vor – ich war die ganze Arbeitswoche nicht zum Sport gekommen, da war ja wohl klar, dass ich das Wochenende dazu nutzen musste. Ins Kino wollte ich auch, Endspurt vor der Oscarverleihung. Doch als ich beim Zähneputzen Mantel-zur-Reinigung, Schwimmen, Einkaufen, Frühstücken, Kino minutengenau durchplante, fühlte ich mich gestresst.

Zack, umgeplant, Schwimmen abgeblasen. Statt dessen ausführliche Körperpflege, lustige Kleidung – in Solidarität mit Frau… äh… Mutti, die sich reichlich unpassende Kommentare zu ihrer Vorliebe für kurze Röcke in Kombination mit gemusterten Strümpfen anhören muss.

Gemütliche Einkaufsrunde mit Zwischenstopps für Pokémonfang. Frühstück: Frisch gesäbelter Jamón, dann eine Orange, eine Mandarine, zwei riesige Datteln kleingeschnitten, mit Joghurt und frischer Minze zu genau der köstlichen Speise verrührt, die ich mir in dieser Kombination vorgestellt hatte. Dazu eine große Tasse Darjeeling.

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Ich spazierte ins Cinema und sah mit wenigen anderen Fences, eine weitere Oscar-Nominierung. Ich wusste, dass das ein verfilmtes Theaterstück ist, das sehr lange auf Verfilmung gewartet hatte: Autor August Wilson hatte auf einem African-American Regisseur bestanden – und da find‘ erst mal einen in Hollywood. Es wurde dann Denzel Washington, der auch die stark dominierende Hauptrolle Troy spielt.

Fences ist also ein Kammerspiel um diesen Troy, einen Mann Mitte 50 mit schlimmer Vergangenheit, der versucht, ein guter kleinbürgerlicher Ehemann und Vater zu sein, seine Träume dabei nicht im Weg stehen zu lassen. Und der aufs Menschlichste sowohl als Partner als auch als Vater scheitert. Es hatte schon etwas von Death of a Salesman, wenn auch in kleinerer, bitterer Form.

Auch wusste ich vorher, dass das ein stark textlastiges Theaterstück ist, und manchmal sehnte ich mich tatsächlich nach ein paar Momenten einfach nur mit Bildern statt Dialogen, die oft Troys Monologe sind. Doch so ist es eben ein ungeheuer dichter Film geworden, der Informationen, Handlung, das Innere der Charaktere sehr theaterartig nur durch Text und Schauspielkunst vermittelt. Herausragend ist Viola Davis in der einzigen weiblichen Rolle (mal wieder: Vhere are ze vomen?).

Auf dem Heimweg ging mir durch den Kopf, wie sehr das Stück in einer Zeit (1950er) und in einer Gesellschaftsschicht verwurzelt ist, nämlich der schwarzer kleiner Leute: Die ganz konkrete Sprache, die Alltagsnormalitäten einer Familie, die Chancen oder eben ihr Fehlen für Schwarze.
Ein konventionell umgesetztes Theaterstück, in manchen Kameraeinstellungen schoss mir durch den Kopf, wie die Anweisung dafür wahrscheinlich gelautet hatte. Aber dieses Theaterstück ist halt schon ein sehr gutes.

Spaziergang nach Hause in ein wenig Sonne und überraschend fröstligen Temperaturen.

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Daheim nach Langem mal wieder die Zehennägel lackiert – daran merke ich, dass wir einen deutlich kälteren Winter haben als vor einem Jahr. Für Unterlack, zweimal Farbe und Überlack muss ich nämlich mindestens eine Stunde nackte Füße haben – und dafür bekam ich in den vergangenen Monaten die Wohnung nicht warm genug.

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Sehr spannend: Eine blinde Köchin, MasterChef-Gewinnerin Christine Ha, zeigt mit der GoPro, wie sie kocht.

via swissmiss

Journal Sonntag, 5. Februar 2017 – WMDEDGT

Montag, 6. Februar 2017

Am 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (WMDEDGT) Und weil heute keine Arbeit drin ist, darf ich das erzählen.

Um sechs nach unruhiger Nacht aufgewacht. Ungewöhnlicherweise war es Herr Kaltmamsell gewesen, der mitten in der Nacht nicht mehr hatte einschlafen können. Er war in sein Bett umgezogen, um mich mit seinem Wachsein nicht zu stören, doch in den Morgenstunden hielten auch mich Sorgenkreisel von richtigem Schlaf ab.

Milchkaffee für uns beide gemacht, währenddessen mein Bett abgezogen und damit und ein paar anderen weißen Schmutzwäschestücken die Waschmaschine gefüllt.

Gebloggt, dabei Kaffee getrunken und zwei Gläser Wasser. Vor dem Fenster drei Eichhörnchen um die Kastanien turnen sehen, Twitter hinterhergelesen. Gequietscht und gelacht über Melissa Mccarthy als Sean Spicer in Saturday Night Live.

(Eine bessere Version gibt es bei der New York Times, aber halt nicht für Deutsche.)

Waschmaschine ausgeräumt, ein Drittel des Inhalts in den Trockner geschoben, ein Drittel auf dem Wäscheständer aufgehängt, für das letzte Drittel Herrn Kaltmamsell mit Trockner-Instruktionen versorgt.

Sportrucksack gepackt, Teile der Sportkleidung bereits angezogen (Sportunterwäsche, -socken, -oberteil), mich Fahrrad-fertig gemacht; es war mild genug für Wollhandschuhe, die Ski-Fäustlinge brauche ich hoffentlich dieses Saison nicht mehr. Zum Sport an den Ostbahnhof geradelt. Eine grüne Ampelwelle brachte mich aus der Puste, weil ich vor dem Gebsattelstraßenberg keine Pause hatte.

Für die halbe Stunde Krafttraining in Kleingruppe hatte die Vorturnerin Zirkeltraining aufgebaut. Und sie hatte sich ein wenig auf das Durchschnittsalter der sechs Beteiligten eingestellt, die Woche zuvor war immer wieder eine mit „das kann ich nicht mehr“ ausgestiegen (Knie, Kreuz). Ich mache mir immer wieder Gedanken, ob die Sportausbildung heutzutage etwas mehr den demografischen Wandel einkalkulieren sollte. Oder auch nur die Vielfalt an Körperformen – das frage ich mich bei so mancher Dehnübung, die mit viel Oberweite oder viel Bauch physikalisch unmöglich ist. Eine ideale Vorturnerin hätte dafür Alternativen im Angebot. Das Zirkeltraining machte viel Spaß – ich bilde mir ein, dass ich es auch zu Schulsportzeiten mochte, weil es etwas von Spiel hatte.

Eine Stunde Step-Aerobic. Wieder war der Saal ziemlich leer. Der Trainer, der im Herbst aufgehört hat, war sehr beliebt gewesen. Er hatte nicht nur souverän interessante und spaßige Choreografien aus dem Ärmel geschüttelt, sondern vor allem Spaß an der Bewegung und Humor ausgestrahlt (dass seine Figur mich an die von John Belushi in Blues Brothers erinnerte, hatte mich ohnehin zum Fan auf den ersten Blick gemacht). Seine Nachfolgerin ist durchaus gut, aber halt offensichtlich niemand, auf den man sich so freut, dass man am Sonntagvormittag einen widerstrebenden Arsch hoch kriegt.

Zügiges Duschen, Cremen, Haaretrocknen, Anziehen, Heimradeln: Ich hatte mich fürs Mittagessen verantwortlich erklärt (Herr Kaltmamsell hatte ein heftiges Korrekturwochenende). Ausnahmsweise gab es schon mittags warmes Essen, damit wir am späten Nachmittag ins Kino gehen konnten statt zu kochen. Ich verarbeitete alle verbliebenen Rüben aus dem Ernteanteil (Steckrüben, Pastinaken, Rote Bete, Kartoffeln) zu Ofengemüse, serviert mit Kräuterquark. Bis zum Servieren überbrückte ich den Hunger mit Jamón-Schnipseln und den Brokkoliresten vom Vorabend. Die Bettwäsche war mittlerweile trocken, ich überzog mein Bett damit.

Vögelchen auf dem Balkon beobachtet: Amseln, Kohl- und Blaumeisen. Als Herr Kaltmamsell rief: „Taubenalarm!“, versuchte ich ihn mit einem Hinweis auf das schillernde Gefieder für das Tier einzunehmen: „Eine Moiré-Taube!“ Er: „Ja, wie eine Öllache.“

Während Herr Kaltmamsell die Wohnung mit dem Duft kochender Orangenmarmelade erfüllte, meldete ich weitere Blogposts an VG Wort. Noch ein Stündchen Wochenendzeitung gelesen, bevor wir die U-Bahn ins Kino nahmen (die Wochen vor der Oscarverleihung sind immer meine Kinowochen). Wir sahen Hidden Figures: Ein konventionell erzähltes Biopic, aber die Geschichte ist so interessant, dass mehr filmerischer Vordergrund wahrscheinlich gestört hätte. Und es war so viel Mathematik drin, von der ich keinen Piepston verstand, dass ich die Sachseite ernst nehmen konnte. Schauspielerinnen und Schauspieler durch die Bank gut, über die Ungereimtheiten in der Darstellung von Rassismus und Segregation konnte ich hinwegsehen: Ein Abteilungsleiter kann im Handstreich die Klo-Segregation auf einem ganzen Firmengelände aufheben, ohne dass er Wind von vorn bekommt? Und in welcher konstanten existenziellen Bedrohung von Weißen, vor allem der Polizei, Farbige damals lebten, wurde nur in der Eingangszene kurz angerissen. Spannender Film, Empfehlung.

Daheim gab es als Abendbrot aufgetaute Bagels mit Frischkäse, Lachs und Ernteanteil-Kresse, danach reichlich Süßigkeiten. Dazu lief im Fernsehen Ein süßer Fratz – Audrey Hepburn ist einfach zum Niederknien. Und ich entwickelte mit Glücksei-Unterstützung eine Generation Pokémon.

Vor Zähneputzen und Zahnseideln machte ich die Wohnung Putzmann-fertig: Herumliegendes Papier einsortieren (zum Teil), Sets und Servietten vom Esstisch verräumen, Töpfe und Bleche abspülen.

Im Bett verplöppelte ich mir die Ohren dann doch mit Wachs: Mindestens zwei Krähen diskutierten draußen sehr laut.

Journal Samstag, 28. Januar 2017 – Arrival

Sonntag, 29. Januar 2017

Lange ausgeschlafen, den Tag mit einem sonnigen Morgen und Bloggen begonnen. Erst am späten Vormittag nahm ich eine U-Bahn raus nach Thalkirchen zu einem Isarlauf.

Gerade als ich dieses Bild am Zaun der Burg Schwaneck aufgenommen hatte, segelte über mir ein großer Greifvogel auf einen Baumwipfel, nach wenigen Sekunden flog er weiter. Daheim identifizierte ich ihn anhand seines auffälligen Flügelmusters: Das war wohl ein Bussard.

Auf dem Hinterbühler See wurde eisstockgeschossen.

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Daheim festgestellt, dass es in unserer Küche noch dunkler geworden war: Zwei der drei LED-Lämpchen über der Spüle funktionieren schon seit einiger Zeit nicht (die Leiste soll eh ausgewechselt werden), das eine Lämpchen von dreien über der gegenüberliegenden Arbeitsfläche, dass Herr Kaltmamsell vergangene Woche ersetzt hatte, ging auch mit neuem Birnchen nicht, und jetzt blieb auch das Deckenlicht dunkel. Dummerweise auch nach Tausch der beiden Birnen, da ist also etwas Grundlegenderes kaputt. Ich werde am Sonntag Rat bei meinem Elektrikerpapa einholen müssen.

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Nachmittags sah ich mir im Cinema Arrival an – mich hatte interessiert, dass bei dieser Alien-Begegnung eine Linguistin die ausschlaggebende Wissenschaftlerin war (und von der geschätzten Amy Adams gespielt wurde).

Mir gefiel der Film sehr gut. Dafür, dass wir es mal wieder mit riesigen Raumschiffen zu tun hatten, war er klein und ruhig gefilmt, die Personen unidealisisert aufgenommen (Amy Adams musste sehr wahrscheinlich nicht die sonst üblichen ein bis zwei Kleidergrößen fürs Filmen abnehmen und trug jederzeit glaubhafte Kleidung und Frisur). Lediglich die Aufnahmen vom und im Raumschiff sowie der Alienschrift waren außerweltlich atemberaubend.

Doch der Star ist die Geschichte: Erst im letzten Viertel des Films wird klar, worin die eigentliche Andersheit der außerirdischen Welt besteht, was sie mitgebracht haben. Und die Perspektive auf alles, was wir davor gesehen haben, verschiebt sich. Ausgezeichnet gemacht – und mal ein für Sprachforschende ansprechendes Science Fiction Set-up.

Hier eine Untersuchung der Darstellung von Linguistik im Film, vor allem des Büros der Hauptdarstellerin, hier macht sich Sprachwissenschaftler David Adger Gedanken über „How alien can language be?“.
Vorsicht: Im englischen Sprachraum gilt Sprachwissenschaft nicht als science, es wird zwischen science (Naturwissenschaften) und humanities (Geisteswissenschaften) unterschieden – selbst wenn letztere wissenschaftliche Methoden verwenden und Mathematik streng genommen nicht zu ersteren gehören dürfte. Aus diesem für Deutschsprachler fremden Gegensatz basiert so manche Diskussion im Film und in den englischen Besprechungen des Films.

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Weder Herr Kaltmamsell noch ich hatten Lust auf abendliches Kochen, der angepeilte Italiener ums Ecke war geschlossen, also gingen wir mittelfein Pizzaessen.

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Mit einer berührenden Multimedia-Reportage erzählt Katrin Steinberger von der 90jährigen Auschwitz-Überlebenden Éva Fahidi – die ihre Geschichte tanzt:
„Éva tanzt“.

Journal Sonntag, 22. Januar 2017 – verschobener Sport

Montag, 23. Januar 2017

Ausgeschlafen. Sport hatte ich auf Nachmittag umgeplant, denn meine Eltern hatten sich angekündigt: Sie brachten vormittags die Trittleiter vorbei, die sie uns zu Weihnachten für die Küche geschenkt hatten – und ich konnte ihnen die Mitbringsel aus Mallorca geben. Meine Mutter hatte morgens Strauben gebacken, ich tauschte ein Schüsselchen davon gegen Bagels, die wiederum ich morgens gebacken hatte.

Ich spazierte also nachmittags zum Ostbahnhof, zwischen vielen Sonntagsspazierenden – man hat sich offensichtlich an die Kälte gewöhnt.

Nach zwei Stunden Hopsen und Heben spazierte ich im letzten Tageslicht zurück, musste höllisch aufpassen, nicht auf eisglatten Stellen auszurutschen. Zweimal ertönte der Familienjuchzer, weil ich fast auf die Schnauze gefallen wäre.

Zum Abendessen bereitete ich Sellerielasagne aus Ernteanteil.

Auf arte lief Der Pate – eine peinliche Lücke in meiner Filmbildung. Ich bilde mir ein, dass ich mich an die Berichterstattung zum Film im Fernsehen erinnern kann, aber da er schon 1972 herauskam, ist das unwahrscheinlich (vielleicht war es Berichterstattung zum dritten Teil?). Jetzt habe ich zumindest die ersten zwei Drittel des Films gesehen, dann war ich müde und ging ins Bett, und war sehr beeindruckt. All die berühmten Schauspielerinnen und Schauspieler hätte ich vor lauter Jugend fast nicht erkannt (das war der Moment, als ich das Entstehungsjahr nachschlug).

Journal Samstag, 21. Januar 2017 – Ruhiger Samstag

Sonntag, 22. Januar 2017

Vom Wecker geweckt, weil Herr Kaltmamsell zu einem Berufstermin musste.
Den Morgen mit Bloggen und Küchenkruscheln verbracht, ein kurzer Schritt auf den Balkon (eine Amsel hat uns wieder dazu dressiert, sie mit Rosinen zu füttern, außerdem füllte ich das Schälchen mit Fettfutter) machte mir klar, dass es deutlich zu kalt für den ersehnten Isarlauf war. Zu einer Radfahrt ins Schwimmbad hatte ich trotz Sonnenschein keine Lust, also nutzte ich den heimischen Crosstrainer für eine gute Stunde Bewegung. Erstmals hörte ich dabei Musik aus dem Smartphone: Ich sah vorher, dass die Scheiben des Wintergartens beschlagen würden und fürchtete, dass mir mangels Ausblick auf Wiese und Bäume mit Vögeln und Eichhörnchen beim Strampeln langweilig werden würde.

Nebenher Teig für Bagels angesetzt.

Einkaufsrunde für Körperpflegeprodukte und Lebensmittel. Nach dem mittäglichen Frühstück eine Stunde Siesta.

Internet und Buch gelesen, noch bei Tageslicht kam Herr Kaltmamsell nach Hause. Ein wenig Kraft geschöpft aus den Berichten über die vielen #WomensMarch weltweit, aber vor allem in den USA, die gegen die Haltung und Politik Trumps protestierten.

Vor dem Nachtmahl machte ich uns als Aperitif Bombay Crushed aus den Kumquats der Kibbuz-Kiste, die ich mal wieder bestellt hatte, nur halt mit Münchner Duke-Gin.

Zu Essen gab es die restlichen Schaschlik vom Vorabend.

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Sie deklarieren es als „10 Best Uses of Color of All Time“, doch tatsächlich bekommt man aus diesen 13 Minuten von CineFix einen kleinen Einblick, was man beim Erzählen mit Bewegtbildern durch Farben so alles transportieren kann – fand ich hochinteressant.

via @kinderdok

Journal Mittwoch/Donnerstag, 11./12. Januar 2017 – Erinnerung an mein schönstes Kinoerlebnis

Freitag, 13. Januar 2017

Mittwoch Schneeregenniesel auf dem Weg in die Arbeit.
Regen auf dem Heimweg.

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Donnerstag Matsch auf dem Hinweg.
Regen auf dem Rückweg.

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Mein schönstes Kinoerlebnis. Dieses Foto erinnerte mich daran.

Ich werde wohl 13 oder 14 gewesen sein. Es war Hochsommer, das Schuljahr fast zu Ende. Kurz vor den Sommerferien gab es den SMV-Tag, das Reuchlin-Gymnasium wurde für Vergnügen genutzt: In einem Klassenzimmer las eine Schülerin in einem reich geschmückten Zelt aus der Hand, in den Musikräumen wurden Volkstänze getanzt, Physiklehrer hatten lustige Experimente aufgebaut, wahrscheinlich stand irgendwo ein Kuchenverkauf. Zu den Angeboten gehörte auch ein Film, den der junge Kunstlehrer Rother* nachmittags im Zeichensaal unterm Dach des alten Schulgebäudes zeigte. Der Raum war schlecht isoliert, an die Fenster unter der Dachschräge prallte die Sonne – die Hitze stand, die abdunkelnden Jalousien konnten das nicht verhindern. Ich bin mir sicher, dass Herr Rother als Leinwand ein Leintuch aufgehängt hatte, nicht sicher bin ich, dass der Film von einem rasselnden Projektor ausgestrahlt wurde – doch woher hätte er 1981/1982 sonst kommen sollen? Der Titel des Films sagte mir nichts, es waren auch nur wenige Schülerinnen und Schüler den handgeschriebenen Plakaten ins oberste Stockwerk gefolgt. Der Film war alt und schwarz-weiß – und er verschluckte mich vom ersten Moment an: La Strada. Eine perfektere Umgebung und einen perfekteren Moment hätte es für genau diesen Film gar nicht geben können. (Das wurde mir natürlich erst viele Jahre später klar.)

Ich hatte sowas noch nie gesehen (mag damit zu tun gehabt haben, dass ich fast nicht fernsehen durfte), und ich glaube, dass ich viel weinte. Sicherer erinnere ich mich daran, dass mir die Handlung das Herz brach, dass ich die Musik bis heute im Kopf habe – und dass ich recht genau wusste, dass meine Mutter mich den Film nicht hätte ansehen lassen. Details der Handlung weiß ich nicht mehr, doch jedesmal, wenn ich danach ein Foto von Giulietta Masina sah, dachte ich „Gelsomina!“ und mein Herz tat weh.

*In dessen Stunden wir beim Malen nicht still sein mussten, sondern der uns nach Belieben ratschen ließ, wenn wir halt nur dabei malten. Und dann einmal recht überraschend hinter mir stand, die strafend erhobene Augenbraue durch Feixen konterkariert: „Du könntest wenigstens zur Tarnung den Pinsel in die Hand nehmen.“ Auch damals war beiden Seiten klar, dass Malen und Zeichnen sehr nicht zu meinen Begabungen zählte, doch er zollte mir immer für meine Ideen Anerkennung (die dann oft andere umsetzten, was ich völlig in Ordnung fand). Der Rennradler war und morgens vom weit entlegenen Hauptbahnhof kommend mit elegantem Schwung in den Schulhof einbog. Der Italien liebte (ich weiß nicht, ob die Toscana damals schon erfunden war), von Urlauben mit seinen beiden Kindern dort erzählte – dem ich folglich mal von einem eigenen Familienurlaub bei der italienischen Tante eine Flasche der von Tante eingekochten Passata di pomodoro mitbrachte und der sich darüber, glaube ich, sehr freute. Wo Herr Rother wohl heute steckt? Ich hatte wirklich eine Menge bemerkenswerte Lehrer, die mich auf die verschiedenste Art und Weise weiterbrachten.

(Ich meine, dass man Kinder ein wenig überfordern darf. Zu meinen beeindruckendsten Literaturerlebnissen gehörte ja auch, wie Deutschlehrer Willi Plankl uns 6.-Klässlerinnen und -Klässlern Kafkas Die Verwandlung vorlas, stückchenweise am Ende der Stunden.)