Filme

Immer noch Auszeit, 7./8. November 2012 – mit ein bisschen Arbeit

Freitag, 9. November 2012

Vielstündiges Arbeitstreffen in Augsburg, auf dem Hin- und Rückweg unter Hochnebel schrecklich gefroren. Fühlte sich wie drohendes Krankwerden an, ich schlotterte richtig und war beunruhigt. Daheim zum ersten Mal, seit ich denken kann, ein Vollbad nicht zur Reinigung mit Entspannung, sondern nur zum Aufwärmen genommen. Danach plus heißem Tee plus heißer Suppe nicht mehr gefroren.

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Bei einem Abendbrot den Blaufränkisch von St. Antony probiert. Zum einen moussieren anscheinend tatsächlich alle Weine aus diesem Gut (empfinde ich als unangenehm). Zum anderen duftete der Blaufränkisch zwar betörend, war hintenraus aber derart sauer, dass wir die halbe Flasche stehen ließen. In der Hoffnung, dass er sich an der Luft zu etwas Überzeugendem entwickelt.

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Am sonnigen Donnerstag mit viel Vergnügen duch München geradelt, die Lungenflügel mit klarer Herbstluft durchgepustet.

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Vorzeitig den ersten Stollen gebacken, um ihn der Tante und der Kusine nach Italien zu schicken. Wir hatten uns im Sommer darüber unterhalten, die Tante hatte beklagt, dass sie in Priverno keinen Weihnachtsstollen bekomme, und da ich ja nun ein ausgezeichnetes und bewährtes Rezept habe, außerdem das Versenden von Weihnachtsgebäck an emigrierte Verwandtschaft eine schöne deutsche Tradition ist, versprach ich ihr ein Paket. Mal sehen, ob der Stollen vor Weihnachten ankommt.

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Mich an dieser Digitaluhr aus Holz gefreut. (via @kathrinpassig)

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Den Mitbewohner um Grillfleisch (wenn auch aus der Pfanne) gebeten, weil ich von einer Balkanfreundin hausgemachtes Ajvar bekommen hatte. Samt Anweisung, es entweder als Brotaufstrich und zu weißem Käse zu essen oder eben zu gegrilltem Fleisch. Es schmeckt so sensationell, dass ich nun für das hiesige Supermarktajvar verloren bin; das kommt mir höchsten noch ins Szegediner Gulasch.

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Aus gegebenem Anlass an dieses wundervolle Opus 9 der großartigen Gaga Nielsen erinnert worden: “Kinostar”.

Und wenn wir schon dabei sind: Lesen Sie Gaga. Dabei sollten Sie wissen, dass die Dame ihre tiefsten und lebenshilfreichsten Erkenntnisse meist in den Kommentaren ausbreitet. Zum Beispiel in diesem über ihre Gepflogenheiten beim Essen:

TV-Dinner ist genau mein Ding, wenn ich alleine bin. Wohlgemerkt, wenn ich alleine bin! Ich bin ja wie fast alle Frauen multitasking, deswegen ist für mich Essen allein nicht abendfüllend. Ich bin ja nun keine Buddhistin, die sich irgendsoeinen “Achtsamkeits”-Fimmel auf die Fahne geschrieben hat, ich muss nicht meinem Atem und den Kaugeräuschen nachsinnieren, um mich lebendig und im Hier und Jetzt zu fühlen. Essen tue ich schon seit meiner Kindheit, deswegen geht das praktisch bei mir wie automatisch!

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Spätestens seit ich von einem Evolutionsleugner ein betont freundliches: “Es darf ja jeder seine Meinung haben.” hörte, misstraue ich manchen Varianten von Toleranzappellen. In seiner Spiegel online-Kolumne nimmt sich Sascha Lobo deren Hintergründe vor, die sich im US-amerikanischen Wahlkampf zeigten, und die Rolle der Social Media dabei: “Post-truth politics“.

Das bedeutet, bewusst Argumente zu konstruieren, die unabhängig von den Fakten die gewünschte Wirkung in der Öffentlichkeit erzielen sollen. Wahrheit ist nur noch eine Option unter vielen.

Auf grundsätzliche Wissenschaftsfeindlichkeit und mangelndes Wissen um Mechanismen der Argumentation geht Sasche allerdings nicht ein (Rahmen, sprengen, etc.). Da es zahlreiche Hinweise gibt, dass beides zu den Inhalten seines und Kathrin Passigs Buch Internet – Segen oder Fluch gehört, werde ich es mir endlich vornehmen.

Gemischte kulinarische Ergebnisse, 2./3. November 2012

Sonntag, 4. November 2012

Brotbacken ist immer noch Glücksache bei mir, ich bin weit von jeder Routine entfernt. So wurde mein Eibauers Bierbrot nur unterdurchschittlich und schmeckte selbstgebacken (was für mich ein Fehler ist, denn das war der Geschmack der Brote, die ich bei meinen ersten ahnungslosen Versuchen als junges Mädchen erzeugte).

Zum einen lag das wohl daran, dass ich zu meiner Überraschung nicht genug Roggenvollkornmehl im Haus hatte und für den Sauerteig statt dessen Roggenschrot verwendete. Und ganz sicher lag es daran, dass unsere mächtige Kenwood-Küchenmaschine mit der Teigmenge unterfordert war. Der Knethaken schaufelte eine hübsche Kuhle und drehte dann leer. Auch wenn ich den Teig etwa zehn Mal in die Mitte zurückschubste, war er wahrscheinlich nicht ausreichend geknetet. Bei dieser Teigmenge werde ich wohl künftig wieder auf meinen Handkneter zurückgreifen müssen.

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Ein Erfolg hingegen war mein erster richtig selbst erfundener Kuchen: Apfel-Nusskuchen vom Blech. Die Kiste mit elterngeernteten Äpfel war immer noch nicht leer, und ich wollte Haselnüsse mit Äpfeln kombinieren. Also wandelte ich ein Rezept für einen Nuss-Rührkuchen fürs Blech und unter Äpfeln ab. Er schmeckte ganz hervorragend, hier steht das Rezept.

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Gestern Abend gab es die Krautfleckern (die ich als österreichischen Klassiker in Torbergs Tante Jolesch kennengelernt hatte) nach Österreich vegetarisch. (Letzte Woche hatte ich bereit das Rezept für Kaiserschmarrn umgesetzt: Ganz hervorragend, ein fluffiges Dessert, fast schon Souffle. Als Hauptgericht werde ich allerdings bei der handfesten, brotigen Variante meiner Kindheit bleiben.)

Eigenartigerweise wollte mir der Nudelteig nicht gelingen, er wurde viel zu weich und klebte selbst nach deutlicher Mehlzugabe (Waage kaputt? Eier heimlich XXL?). Das Drehen durch die Nudelmaschine wurde ein vierhändiges Gemetzel, Mitbewohner und ich schauten halt, dass wir irgendwie Fleckerl produzierten. Geschmeckt hat das Gericht aber sehr.

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Die Kleidung der Tage:

Sehen Sie? Sie sehen nichts. (Glühbirne kaputt.)

Und jetzt mit LED-Licht.

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Gestern Abend sahen wir uns noch die 60-minütige Pilotfolge von Sherlock an. Im Making-of hatte die Produzentin erzählt, dass diese sehr gut bei den BBC-Entscheidern angekommen sei, sie aber für die Serie 90-Minüter bestellt hätten. Dass man nicht mal so eben 30 Minuten dazwischendrehen könne, sondern alles neu gedreht worden sei, bei dieser Gelegenheit viele Details nachjustiert. Ich fand deshalb die Pilotfolge von A Study in Pink besonders interessant: Wo wurden später längere Plots angelegt? Was wurde letztendlich anders erzählt? Im Vergleich mit der schlankeren, offensichtlich kostensparenden Pilotfolge fiel mir noch klarer auf, wie durchkomponiert die Bilder der späteren 90-Minüter sind.

Jetzt freue ich mich sehr auf das Wiedersehen der zweiten Staffel Sherlock. Mal sehen, ob meine Erinnerung stimmt, dass hier Benedict Cumberbatch deutlich attraktiver in Szene gesetzt wird, dass die Kamera jetzt Sherlock Holmes’ erotische Ausstrahlung betont.

Helden: James Bond und Sherlock Holmes

Freitag, 2. November 2012

Nein, ein echter Bezug zwischen den Herren fällt mir nicht ein; es war nur zufällig derselbe Tag, nämlich gestern, an dem ich Skyfall und die ersten beiden Folgen Sherlock im Original gesehen habe.

*praktisch spoilerfrei*

Die Bond-Filme mochte ich schon immer. Während meine Mutter sich vor dem Fernseher regelmäßig echauffierte, weil sie „so a Schmarrn“ seien, „des is doch völlig unrealistisch!“, war ich schon sehr jung begeistert von dieser Kunstwelt mit schönen Menschen, tollen Klamotten, fantastischen Bösewichten, noch fantastischerer Technik, und das alles an den schönsten Schauplätzen der Welt.

Sean Connery wird für mich als Bond (und zwar dem einzig wahren) immer die deutsche Stimme von Gert-Günther Hoffmann haben. Der erste Bond, den ich im Kino sah, war allerdings einer mit Roger Moore (der für mich schon deshalb nie als Bond durchging, weil er derart nach schwammigen Schweißfüßen aussieht): A View to a Kill. Von da an ließ ich keinen aus – bis zu A Quantum of Solace. Daniel Craig war für mich sowas von fehlbesetzt, die Handlungen mittlerweile bis zur Langeweile verquast, dass ich tatsächlich keine Lust darauf hatte.

Nun aber Skyfall, über den ich ausschließlich Postitives gelesen hatte. (Ich empfehle die Rezension von Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag; inzwischen hat er auch gelernt, sich Spoiler zu verkneifen.) Also sah ich ihn mir gestern an und war sehr angetan. Der Plot hat einen schlichten Aufhänger (Liste aller NATO-Agenten geklaut), der Bösewicht ein halbwegs nachvollziehbares Motiv, die Standard-Verfolgungsjagden werden bereits vor der Vortitelsequenz abgefeiert. Danach geht es wie in einem guten Hollywoodfilm weiter: Ohne Hektik wird eine Geschichte erzählt, die interessant und zeitgenössisch ist, ohne verzweifelt originell sein zu wollen.

Erfreuliche Details:
- Erstmals nähert sich ein Mann Bond lüstern (inklusive netter Pointe im Dialog).
- Der Plot ist so geradeaus, dass ich nie den Faden verlor (muss nicht, ist aber entspannend).
- Schöne Settings, unter anderem der Retro-Spielclub in Shanghai inklusive seiner Variante des Haifischaquariums.
- Die wunderschöne Judi Dench, die nicht nur in aller Altersschönheit auftritt, sondern sogar älter aussieht, als sie ist.
- Wirklich beiläufiger Sex mit verschiedenen Frauen.
- Über den Darsteller von Q freute ich mich besonders: Ben Whishaw hatte ich eben erst in Brideshead Revisited kennengelernt.
- Das erste Zusammentreffen zwischen Q und Bond ist ein Highlight.
- Javier Bardem hatte ich vorher nur in Vicki Cristina Barcelona gesehen, wo er schauspielerisch nun wirklich nichts zu tun hatte. Der Mann spielt ja sensationell! (Was ich bereits in anderen Filmen hätte herausfinden können, spielte der Gute nicht bevorzugt ausgerechnet in der Sorte Filmen, die ich als Schisserin nicht sehen kann.)
- Daniel Craig habe ich als Schauspieler mittlerweile sehr zu schätzen gelernt, vor allem durch The Girl with the Dragon Tatoo. James Bond ist er für mich immer noch nicht, dieser weißrussische Automechaniker (die Segelohren! der Entenlippengesichtsausdruck!).

Ein wenig Gemaule:
Langsam sollten sich auch Drehbuchautoren gut genug mit Computern auskennen um zu wissen, dass man vor der Untersuchung der Daten einer Festplatte erst mal eine Kopie von ihnen macht. VOR ALLEM, wenn man wie Q weiß, dass sie mit einem selbstzerstörenden Dechiffrierschutz versehen sind. Und um zu wissen, dass man einen fremden Rechner NIE im eigenen Netz loslässt.
Zumal fachliche Korrektheit in diesem Fall sogar charmante Handlungsdetails ermöglicht hätten.

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Sherlock hatte ich mir aus der Stadtbücherei ausgeliehen, um ihn nochmal im Original zu sehen; ein Interview mit Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch hatte mir gezeigt, dass er eine komplett andere Stimme und Sprechweise hat als sein Synchronsprecher Tommy Morgenstern.

IST das Zeug gut! Mein Genuss wurde sicher dadurch verstärkt, dass ich an meiner Seite einen Sherlockisten habe, der mir immer wieder Anspielungen auf die Doyle-Vorlage erklärte. Aber allein schon Drehbuch, Dialoge, Schauspieler, Kamera sind großartig.

Auszeitjournal Sonntag, 28. Oktober 2012 – zu früher Winter

Montag, 29. Oktober 2012

Nein, nicht schön. Für mich haben verschneite Bäume, die noch die Hälfte ihrer Blätter tragen, etwas Postapokalyptisches (die Kastanie rechts war ja schon im August kahl).

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Sehr schöne Reportage über eine ganz junge Bäckerin in Niederösterreich: “Denise Pölzelbauer“. Eine junge Frau betreibt die Familienbäckerei in vierter Generation mit traditionellen Backmethoden. (via @baeckersuepke)

Allerdings hätte mich zudem interessiert, warum Frau Pölzelbauer ihre Bäckerei online mit erotischen Fotos von sich präsentiert.

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Gestern hatte ich ja nicht mehr frei, sondern Termine. So war in meinem kleinen Verdienstprojekt etwas abzuarbeiten (ging gut voran), außerdem wollte ich zum Krafttraining. Da mir beim Sitzen im nur halb beheizbaren Wohnzimmer einfach nicht recht warm werden wollte, hatte ich gar nichts gegen ein Radeln dorthin.

Klappte nur halb. Draußen war es gar nicht schlimm kalt, die Bewegung wärmte mich. Aber zurück daheim bekam ich das Wohnzimmer einfach nicht über 18 Grad. Das Ergebnis: Ich saß in dickem Wollpulli, mit zwei Paar Socken und einer Decke über den Knien im Sessel (und musste sehr an meine polnische Oma selig denken, die bei einer Begegnung im Winter immer als erstes fragte: “Haste warm?”).

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Weiterer Programmpunkt: Den Großteil der Äpfel aus Elterns Eigenernte zu Kompott kochen. Die Boskopäpfel dufteten schon beim Schälen, und das Einkochen parfümierte die ganze Wohnung.

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Den zweiten Film aus der Stadtbücherei angeschaut: Invictus. Hmja, Matt Damon mit südafrikanischem Akzent und mit würfelförmig trainierter Rugby-Figur war ganz interessant, außerdem habe ich jetzt auch mal ein paar Minuten Rugby gesehen. Aber insgesamt ist der Film dann doch das pathetische Stück, das ich bei diesem Thema fast befürchtet hatte.

Auszeitjournal Freitag/Samstag, 26./27. Oktober – Erster Schnee, Gewürzkuchen

Sonntag, 28. Oktober 2012

Freitag schon wieder voller Termine:
- Vormittagssport (viel Spaß bei Stepaerobic mit Lieblingstrainer)
- medizinischer Termin
- Mittagessen mit dem Nachfolger auf meinem hingeschmissenen Job (sehr sympathisch, und er wird das sicher gut machen)
- Krankenbesuch
- Zwiefachentanzkurs, letzter Teil: Hiermit kann ich sogar Triefachen tanzen, die verrückte bayrische Volksmusik kennt auch Tänze mit drei Taktsorten (zu Dreher und Walzer kommt dann Polka).

Das Wetter war zum vermutlich letzten Mal mild genug, dass ich im Kleid radeln konnte (Outfit siehe Donnerstag), ab jetzt wird Radeln nur in warmen Hosen angenehm.

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Den Samstag nahm ich mir dann so richtig frei. Das mag sich seltsam lesen, denn ich habe doch eigentlich jeden Tag frei. Doch ich schaffe es ja sogar im Urlaub, Programm zu planen und ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich es nicht einhalte. Gestern aber schlief ich richtig aus und nahm mir fest vor, nichts vorzuhaben. (Na ja, den Grünkohl aus der Gemüsekiste wollte ich verkochen, aber notfalls hätte ich auch das auf Sonntag schieben können.)

Die Zeitungen von Freitag und Samstag las ich, weil ich wirklich Lust darauf hatte und nicht, damit sie weggelesen sind.

Zum Einkaufen ging ich, weil ich wirklich abends Ofengemüse essen wollte (da ich nicht radeln musste, konnte ich mich für Rock entscheiden).

Gewürzkuchen backte ich, weil ich wirklich große Sehnsucht danach hatte, Gewürzkuchenbackdüfte in der Wohnung zu riechen – wie eigentlich immer so um den ersten Schnee. Mittlerweile habe ich auch ein ganz hervorragendes Rezept dafür, hier habe ich es notiert.

Der Mitbewohner ist über ein verlängertes Wochenende zum Rollenspielen verschwunden (WEHE, das zahlt sich in der Zombieapokalypse nicht aus!), das und das angekündigte Wetter wollte ich zum Film-DVD-Gucken verwenden. Da man mir den Tipp gegeben hatte, die Münchner Stadtbücherei biete eine große Auswahl Filme an, meldete ich mich letzte Woche dort an. Für 20 Euro Jahresgebühr habe ich jetzt nach 15 Jahren wieder einen Bibliotheksausweis im Geldbeutel. Zwei Filme hatte ich gleich ausgeliehen. Die Neuverfilmung von Brideshead Revisited sah ich gestern aber nur an, weil ich sie wirklich gerne sehen wollte, nicht etwa, um den Plan zu erfüllen (schöner Film, besonders freute es mich, mal wieder Greta Scacchi zu begegnen).

Selbst das Verkochen des Grünkohls wollte ich wirklich echt ehrlich und genoss es, beim Schneiden, Waschen, Blanchieren, Hacken, Braten über die Zeitungslektüre nachzusinnen. U.a.: Alexandros Stefanidis spielt leidenschaftlich Poker von Kindesbeinen an und hatte nicht im Kopf, wann die Weltmeisterschaft in Las Vegas stattfindet? Glaube ich nicht, halte ich für eine artikeldramaturgische Lüge.

Das Draußen gab der Wettervorhersage recht und schaltete den Winter zu. Ab Mittag ging der kalte Regen in Schnee über, abends schneite es richtig, nachts blieb der Schnee sogar liegen. Für meinen Geschmack kam das viel zu früh, die Pflanzen vom Balkon holte ich dann doch recht hektisch herein. Ich hoffe auf die eine oder andere milde Woche im November und im Dezember.
Ich bereute dann doch, letzte Woche nicht gleich die Hausverwaltung verständigt zu haben als ich entdeckte, dass nur einer von den beiden Heizkörpern im Wohnzimmer funktioniert: So richtig warm wurde mir nur mit heißem Tee und voll aufgedrehtem Thermostat.

Ja, ich gebe zu: Gammeln im Sinne des Mitbewohners war das immer noch nicht. Wie würde er unter anderem betonen? “Du bist ja sogar geduscht!”

Auszeitjournal Sonntag, 14. Oktober 2012 – Sport unter Leuten

Montag, 15. Oktober 2012

Große Pose in ach.com/egal-Kleidung. In Abendrobe kann ja jede.

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Manche Menschen treiben Sport am liebsten unter möglichst wenigen anderen Menschen: leere Schwimmbäder, einsame Laufwege. Zu denen gehöre ich.
Andere Menschen haben es am liebsten, wenn sie dabei unter möglichst vielen anderen Menschen sind: Ein paar tausend davon blockierten gestern mit ihrem Marathonlauf München.

Auf meiner Radfahrt zum Olympiabad (ich hatte mich wegen heftiger Fersenschmerzen trotz schönem Wetter gegen Dauerlauf entschieden) erging es mir wie vor Jahren in der Karwoche in Südspanien: Jeder Versuch, durch einen Haken die Prozessiondie Läufer zu umfahren, brachte mich lediglich von einer anderen Seite an die Laufstrecke. Die freundlichen Polizisten und Polizistinnen, die die Strecke sicherten, konnten mich auch nur nach Neuhausen schicken, von wo aus ich mich dem Olympiapark übers Tollwoodgelände näherte.

Auf meinem Rückweg waren bereits deutlich weniger Läufer unterwegs, ich konnte die Strecke zweimal schiebend kreuzen und musste nur wenige aufwendige Haken schlagen.

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Antje Schrupp erklärt nachvollziehbar und an drei Beispielen Frauenfeindlichkeit (oder eben nicht).

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Da ich nichts recht mit dem sonnigen Wetter anzufangen wusste, ging ich ins Kino: Die Wand.
Die Romanvorlage hatte ich vor 24 Jahren gelesen, seither stand das Buch auf meiner Liste “Beste Bücher, die ich je gelesen habe”. Den Film wollte ich vor einer erneuten Lektüre sehen.
Ich hätte wissen müssen, dass Haushofers Worte mich heute und in meiner derzeitigen Lebenslage noch viel mehr anpacken würden als damals. Und es waren die Worte, von der schon lange verehrten Martina Gedeck aus dem Off gesprochen, diese seltsam gereihten, scheinbar gewöhnlichen Wörter, die den Film ausmachten. Die Bilder, durchaus gut gewählt und großartig, dienten eher der Illustration, als Hintergrund.
So viele Dinge formuliert Haushofer, die in den letzten Jahrzehnten zu meinem Seinskern geworden sind. Vielleicht waren sie mir sie damals beim Lesen nicht aufgefallen, wahrscheinlich sind sie für den Film brillant ausgewählt.

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Abends köstliche Germknödel aus Katharina Seisers Österreich vegetarisch.

The Sound of Heimat

Donnerstag, 4. Oktober 2012

“Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Mal ‘El Condor pasa’ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht.” Regisseur Arne Birkenstock schickte den jungen neuseeländischen Musiker Hayden Chisholm mit dieser Erfahrung durch Deutschland auf die Suche nach lebendigen Volksliedern. Daraus wurde der sehr schöne Film The Sound of Heimat.

Jeder und jede Deutsche mit ein bisschen Interesse an Menschen und Musik hat im Ausland vermutlich Ähnliches erlebt, wie es im Film Rainer Prüß von Liederjan erzählt: Sie spielten in einer irischen Kneipe irische Lieder – und dann baten die Iren nachvollziehbarerweise: “But now give us a German song”. Liederjan kam über die erste Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“ nicht hinaus.

Wir sitzen um Lagerfeuer und singen mit internationalen Pfadfindern “Blowing in the wind” bis “Country roads”, die Spanier und Engländer packen spanische und englische Sauf- und Trinklieder aus, die Italiener singen italienische Schlager aus den 50ern, die Russen springen zu einem Tänzchen mit selbst gesungener Musik auf. Doch wir Deutschen ziehen peinlich berührte Gesichter. Das hat Gründe, ist aber ein bisschen schade.

Der Film zeigt Beispiele für die ungeheure Vielfalt an Volksliedern Deutschlands, an Liedern, die vor allem zum Singen gedacht sind, nicht zum Zuhören. Gleich am Anfang in Köln wird klar, dass die nicht Jahrhunderte alt sein müssen. Im Kölner Weißen Holunder wird jeden Sonntag gesungen, und auf die Frage, welches Lied sie als das am verbindendste, typischste ansehen, sind sich die Leute einig: „En unserem Veedel“ aus den 1970ern (und sind sich durchaus bewusst, dass es “schon recht sozialromantisch” sei).

Wir hören und sehen danach unter anderem gerappte Kölsche Lieder, Jodler und Wanderinnen im Allgäu (ich musste sehr an Ilse denken), den Gewandhauschor Leipzig (der beim ersten Versuch, Hayden mit “Morgen muss ich fort von hier” zu verabschieden, an einem chortypischen Hindernis scheitert), den Antistadl im Bamberg mit Volxmusik, die Wellküren daheim und mit ihren Brüdern beim Tanz (Hayden muss Zwiefachen lernen), die Rockmusikerin Bobo, die bezaubernde Dinge mit Volksliedern anstellt.

Ganz Neues bescherte mir die Begegnung mit Rudi Vodel, einem der letzten Musiker, der noch die alten Lieder des Erzgebirges kennt und spielt, und mit seinem Bandoneon. Dass ich keine der schönen Lieder dieser Gegend kannte, ist kein Zufall: Die SED verbot in der DDR alle als unpassend angesehenen Texte – in denen Aufrührerisches oder Könige vorkamen. Volksmusikgruppen mussten jedes Jahr zur Überprüfung antreten.

Auch nach weiteren Gründen für das schwierige Verhältnis der Deutschen zur Musik ihrer Heimat wird gesucht, auf sehr berührende Weise.

Wenn ich dem Film etwas ankreide, dann die Unehrlichkeit mancher gestellten Szene; ich reagiere bei Dokumentarfilmen zum Beispiel empfindlich darauf, dass so getan wird, als begegneten sich zwei Menschen vor der Kamera eben gerade, wo doch offensichtlich ist, dass sie nach vorheriger Besprechung so tun sollen, als begegneten sie sich eben. Unnötig.

Doch der Film machte mir sehr Lust Volkslieder zu singen, zumal ich früher im Chor viele kennengelernt habe. “Die Gedanken sind frei” ist gar nicht so schwer, dieses alte Revoluzzerlied kann man doch auch für den Einsatz in internationaler Runde parat haben.
Volkstanz habe ich ja schon vor einigen Jahren mit dem Mitbewohner aufgenommen, und sei es nur ein-, zweimal im Jahr. Jetzt suche ich mal schöne Volkslieder heraus und stelle Booklets mit Texten zusammen – die ich in gemütlicher Runde herausziehen kann.

Schaun Sie sich The Sound of Heimat an, hier stehen die aktuellen Vorführorte.

Und vielleicht mögen Sie gleich mal mit mir das ganz zauberhafte und bockige “Es saß ein klein wild Vögelein” singen? Hier wird es vorgesungen. (Es stimmt halt doch: Volkslieder halten für jede Lebenssituation etwas bereit.)