Filme

Journal Mittwoch, 12. Oktober 2016 – #12von12

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Heute mit Fotos in Worten.

1. Goldene Camper-Schnürschuhe.
Eines der Paare, mit denen ich gut den ganzen Tag zu Fuß gehen kann und für die ich keine Wechselschuhe einstecken muss, weil sie zu wenig bürotauglich sind (zu hässlich/zu warm/zu schmutzig). Beim Schuhebinden spürte ich den Muskelkater vom vortäglichen Langhanteltraining. Und den ganzen Tag über beim Gehen.

2. Werbeplakat auf dem Weg in die Arbeit.
Das groß abgebildete Objekt hatte ich zunächst für einen Insulin Pen oder Schwangerschaftstests gehalten, schließlich stand auch drunter „Das ändert alles“ – und mich durchaus über den finanziellen Werbeaufwand für solch ein Nischenprodukt gewundert, da musste ja eine mords Marge drinstecken. War bei näherer Betrachtung aber doch nur Werbung für Elektrozigaretten.

3. Großblättriger Grüntee in runder Teedose.
Nach Langem machte ich mir mal wieder eine Kanne Grüntee. Und wieder war ich überrascht, wie schnell Grüntee in mir verschwindet. Zwar reichen 1,5 Liter Verbene- oder Lindenblütentee auch nur bis Mittag, aber grüner Tee ist bereits nach höchstens drei Stunden weg, gestern schon nach zwei.

4. Riesentasse Schwarztee.
Deswegen und weil mir kalt war, machte ich mir gleich im Anschluss nochmal heißen Tee.

5. Oranger Auflauf auf ovalem Teller steht auf aufgeschlagener Süddeutscher.
Süßkartoffelauflauf zum Mittagessen; ich hatte nichts mehr daheim gehabt, was zur Brotzeit taugte, und musste zukaufen.

6. „Guruguru, wauwau“.
Überschrift auf der „Panorama“-Seite der Süddeutschen zum Nachruf auf den Tierheiler Tamme Hanken. Große Liebe für diesen Asterix-Fan in der SZ-Redaktion.

7. Der nachmittägliche Herbsthimmel,
der auf kleinstem Ausschnitt alle Farben von Himmelblau bis Dunkelgrau präsentierte.

8. Theresienwiese von Theresienhöhe aus.
Golden beschienen die Zelte des Oktoberfests, die bereits zum Teil abgebaut sind, und das schwere Gerät, mit dem sie abgebaut werden.

9. Blick in die Kiste mit Ernteanteil.
Ein kleiner Kopf Eichblattsalat von hinten, ein kleiner Wirsingkopf, zwei Fenchelknollen, eine Papiertüte (da waren die Tomaten drin), am Boden sieht man Karotten. Nicht im Bild: zwei grüne Paprika, ein großer Hokkaidokürbis – der erste der Saison. Da Herr Kaltmamsell berufliche Termine hatte, übernahm ich die Abholung unseres Ernteanteils in der Hans-Sachs-Straße. Den Salat und eine Karotte gab es für mich zum Abendessen. (Nachtisch: Zwei Stück Kuchenreste und mehrere Lebkuchen.)

10. Ein Latte macchiato im Glas.
Ich hatte beim Heimkommen großen Hunger und wollte bis zur Fertigstellung des Abendbrots nicht wie am Vorabend wahllos irgendeinen Mist in mich stopfen. Milchkaffee sättigt übergangsweise, zum Glück habe ich koffeinfreien Espresso im Haus. Und gewärmt hat er auch noch!

11. Meine grüne Wärmflasche an Fußende des Betts.
So kalt, wie mir den ganzen Tag war, würde ich mich beim Zu-Bett-Gehen sicher darüber freuen.

12. Auf meinem Nachtkastl (Schubladenkommode neben meinem Bett) kurz vorm Lichtausschalten.
Taschenbuch (Shirley Jackson), Brille, leere Beißschienendose, Migränespray, Ohropaxdöschen, benutztes Taschentuch, Wecker mit Ziffernblatt (zeigt 20 nach 10 an), Wecker mit Digitalanzeige, Smartphone (das mich tatsächlich weckt).

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Lassen Sie sich mitnehmen von Goncourt’s Blog zu einem Besuch bei der italienischen Familie.

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Ärzte ohne Grenzen erklären ausführlich:
„There is no such thing as ‚free‘ vaccines: Why we rejected Pfizer’s donation offer of pneumonia vaccines.“

Denn wie immer: Es ist kompliziert.

They continue to offer donations that give Pfizer a tax break rather than offer a sustainable solution by lowering the price of the vaccine overall. Accepting Pfizer’s donation today would not do anything for the millions of children living in countries like Iraq, Jordan, Philippines, Romania, and Thailand, among many others, where neither their parents nor their governments can afford the expensive vaccine.

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Ein Tweet erinnerte mich an das grandiose Astaire-Rogers Musical The Gay Divorcee von 1934. Ich hatte sofort Musik aus dem Film im Ohr („The Continental“, „Needle in a Haystack“).

Mit Ihnen teilen möchte ich die albernste Nummer aus dem Film:

Gastauftritt von Betty Grable – die damals wohl das beliebteste pin-up girl war und sonst nicht mehr im Film auftaucht.

Ich will ALLE Kleidung in dieser Szene, vor allem die Badeanzüge. Na ja vielleicht mit Ausnahme von Edward Everett Hortons Outfit. Obwohl – die Sandalen?
Und zum wiederholten Mal frage ich mich, wie sich das Frauenbild in Mainstream-Hollywoodfilmen seither derart zurückentwickeln konnte.

Journal Sonntag, 18. September 2016 – Tschick

Montag, 19. September 2016

Der Tag begann mit einem Geburtstagskuchen und vielen Kerzen.

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Es regnete weiter unablässig, zur Turnstunde am Ostbahnhof nahm ich lieber U- und S-Bahn – zumal die mich auch unter dem Oktoberfestumzug durchführten.

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Viel Spaß bei Stepaerobic.

Nach Hause ging ich zu Fuß: Zehn Minuten davon regnete es nicht mal, außerdem wollte ich Pokémon fangen.

Nachmittags lud ich den Geburtstagsmann ins Kino ein: Ums Eck im City läuft Tschick – ich wurde bestens unterhalten. Nicht zufällig übernimmt der Film sogar den Schriftzug des Romans: Er hält sich sehr an die Vorlage. In Kombination mit zwei perfekt besetzten Hauptdarstellern (ich hoffe sehr, dass ich Anand Batbileg bald in weiteren Rollen sehe) wurde ein wirklich schöner Film daraus. Herrndorfs Dialoge sind einfach Kracher, die gleichzeitige befangene Unsicherheit und das selbstvergessene Bravado von 14-Jährigen ist wunderbar eingefangen, der Einfall mit den Windrädern ein Geniestreich. Zu meckern habe ich bloß an der Besetzung von Isa: Sie war gleich ein paar Jahre zu alt. Zudem: Wie hätte es sich wohl auf dem Film ausgewirkt, wenn wirklich als einzige Musik Clayderman verwendet worden wäre? (Und wurde Herr Clayderman eigentlich schon gefragt, wie er seine Rolle in der Geschichte findet?)

Zur Feier des Tages durfte Herr Kaltmamsell selbst kochen: Er wollte chinesisches velveting (Fleischzartmachen mit Backnatron) ausprobieren.

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Funktionierte gut, schmeckte sehr gut.

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Der britische Schauspieler Riz Ahmed erzählt von seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart – und den sich verändernden Stereotypen, auf die er sich einstellen musste.
„Typecast as a terrorist“.

As children in the 1980s, when my brother and I were stopped near our home by a skinhead who decided to put a knife to my brother’s throat, we were black. A decade later, the knife to my throat was held by another “Paki”, a label we wore with swagger in the Brit-Asian youth and gang culture of the 1990s. The next time I found myself as helplessly cornered, it was in a windowless room at Luton airport. My arm was in a painful wrist-lock and my collar pinned to the wall by British intelligence officers. It was “post 9/11”, and I was now labelled a Muslim.

(…)

As I’ve travelled more, I’ve also done more film work, increasing the chances of being recognised by the young Asian staff at Heathrow. I have had my films quoted back at me by someone rifling through my underpants, and been asked for selfies by someone swabbing me for explosives.

Sehr interessant finde ich Ahmeds Beobachtung zu Selbstbild vs. gesellschaftlicher Realität in UK und USA:

Producers all said they wanted to work with me, but they had nothing I could feasibly act in. The stories that needed to be told in the multicultural mid-2000s were about the all-white mid-1700s, it seemed. I heard rumours that the Promised Land was not in Britain at all, but in Hollywood.

The reason for this is simple. America uses its stories to export a myth of itself, just like the UK. The reality of Britain is vibrant multiculturalism, but the myth we export is an all-white world of lords and ladies. Conversely, American society is pretty segregated, but the myth it exports is of a racial melting-pot, everyone solving crimes and fighting aliens side by side.

Journal Freitag, 16. September 2016 – Sex, Lies, and Videotape

Samstag, 17. September 2016

Diese Tage voll Angst, Herzklopfen, Machtlosigkeit und Zusammennehmen haben dazwischen ja auch Nächte. In denen das Zusammennehmen nicht mehr funktioniert, das Herzklopfen mich hochjagt. Mal um halb 4, um 4 Uhr, mal um 5.
Ich nehme es wie’s kommt, was bleibt mir übrig. Und so dachte ich mir Donnerstag schon beim Einschlafen (geht meist gut): Wenn ich wieder so früh hochschrecke, nutze ich die Zeit bis zur Arbeit einfach für Sport.
Was ich dann auch tat, ich holte mit Fitnessblender den Kraftsport vom Dienstag nach, zumindest Bauch und Rücken.

Die zerbröselte Kante meines oberen Schneidezahns wurde mittlerweile renoviert, Karottenabbeißen geht wieder.

Wie geht man am Beginn zweier Urlaubswochen mit dem Wissen um, dass sie enden werden?

Gestern Abend war ich allein, wollte mich dringend ablenken. Ich erinnerte mich dran, dass ich den Film Sex, Lies, and Videotape schon sehr lange mal wieder sehen wollte. 1989 hatte er mich im Kino völlig umgehauen, ich denke sehr oft an den Film, habe viele Bilder davon im Kopf. Also sah ich ihn an.

Ich bleibe dabei: Einer der besten Filme meiner persönlichen Filmgeschichte, dieses kleine Kammerspiel, mit dem Steven Soderbergh sich damals auf die Landkarte des Kinos setzte. Das Drehbuch, die Dialoge (an einer Stelle sogar realistisch durcheinander), die Kamera (immer wieder sehr lange Einstellungen, die mir beim Gucken Zeit lassen, eine Szene zu füllen), die Schnitte (darunter ein bedeutungstragender Bruch mit Realismus): Alles so sorgfältig, aussagekräftig (wenn Konventionen auftauchen, dann um etwas damit zu machen), praktisch perfekt. Andie MacDowell kannte damals niemand, und sie spielt derart gut. Peter Gallagher habe ich hier kennengelernt – und kann ihn seither in keiner Rolle sehen, ohne das Anwaltarschloch John dazuzudenken. Laura San Giacomo und wie sie als Cynthia sagt „Ann. Bishop. Mullany.“ – habe ich seit 27 Jahren vor Augen. James Spader gab es bis damals für mich nicht, und er darf leise so atemberaubend spielen wie – ich müsste erst lang nachdenken, um Vergleichbares zu finden.

Zu quengeln hätte ich höchstens (beim ersten Sehen wie gestern), dass der Fernsehbildschirm im Film eindeutig nicht die Bilder zeigt, die die Videokamera aus der gezeigten Perspektive aufnehmen konnte. Schlucke ich als künstlerische Freiheit hinunter.

Das Gegenüberstellen zweier Arten von Erotik (großhirnlose Fleischeslust/neurotisch gefesseltes Verlangen), was alles nicht erklärt wird (z.B. Cynthia und Topfpflanzen), die Lebensphase meist Ende 20, in der Menschen sich eigentlich für einen grundsätzlichen Weg entschieden haben – und hier die Chance bekommen, ihren tatsächlich eigenen zu finden. Und dann der Zeithintergrund Ende der 80er mit seinen hochtaillierten Röcken und Jeans (Letztere gerade an Graham auffallend) und Blümchenkleidern, Cowboystiefel zum schwarzen engen kurzen Rock und nackten Beinen. Und dann konnte Soderbergh in seinem Erstling auch noch etwas, was die meisten bis ans Lebensende nicht schaffen: Den Film gut zu Ende bringen, in Bild, Timing und Ton.

Was ich völlig vergessen hatte, war die Musik von Cliff Martinez, die die Atmosphäre maßgeblich mit setzt – unter anderem weil sie überhaupt nicht das Erwartete ist.

Ich halte meine Empfehlung des Films überzeitlich aufrecht.
(Außerdem habe ich vom Abspann des Films das Wort „Barfly“ gelernt.)

Für den Guardian schwärmte Henry Barnes vergangenes Jahr:
„My favourite Cannes winner: sex, lies and videotape“.

There’s no such thing as filler in a Soderbergh film. Every shot says something.

Und hier eine zeitgenössische Rezension aus der Washington Post.

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Gestern Abend endete der Spätsommer auch in München, mit Sturzregen und Temperatursturz. In Hamburg waren seine letzten Tage wohl noch besonderer, weil ihnen kein wunderschöner August vorangegangen war. Maximilian Buddenbohm fängt sie großartig ein:
„Kippwoche“.

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Katrin Scheib schreibt aus Moskau die Geschichte eines besonderen Kochgeräts und einer Geschwisterliebe.
„Es steht ein Kasan im Rheinland“.

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Auf 3sat schilderte die Sendung scobel den immer deutlicheren Zusammenhang von familiärer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland – besonders eindrücklich durch die Livezeichnungen von Skizzenblogger Claus Ast (bei ihm gibt’s Fotos vom Dreh)!

Journal Sonntag, 31. Juli 2016 – Star Trek Beyond

Montag, 1. August 2016

Vielleicht teilt sich die Welt ja wirklich in Star Wars- und Star Trek-Anhänger, gerne mit einer großen Schnittmenge. Dem Phänomen Star Wars stehe ich unbeteiligt gegenüber: Gerade mal dass ich Yoda-Sprech für eine Pointe einsetzen kann – kennengelernt habe ich die Filme (die ersten drei) im Grunde aus Mel Brooks‘ Space Balls. Doch als ich gestern Nachmittag im Cinema saß und die ersten Star Trek-Töne erklangen, quietschte ich noch vor dem Einsetzen der Fanfare: Hier bin ich daheim. Star Trek ist das Raumschiff Entprise meiner Kindheit, aus dem ich Beamen lernte, Star Trek sind Nachmittage meiner Studienzeit, bei Freund Frank einige Staffeln Next Generation schauend.

Star Trek Beyond gefiel mir, unter anderem die wunderbaren Kamerafahrten, in denen All-adäquat immer wieder lange offen blieb, wo oben und wo unten ist. Diese immer neuen Perspektiven durchs Schiff unter Beschuss und seine fortschreitende Zerstörung würde ich auch als das eine neue Element bezeichnen. Die beiden aktiven weiblichen Charaktere (an der Zahl wird hoffentlich noch gearbeitet) dürfen Schurken rund machen und Männer retten, Jaylah schneidet Scotty beim Mansplaining auch mal das Wort ab. Ansonsten ein traditioneller Star Trek-Film, was für mich nichts Negatives ist. Schade fand ich, dass das philosophische Thema der Folge ein wenig unterging: Was fördert Fortschritt und Entwicklung mehr, Konflikt oder Einheit? (Vielleicht macht mich das zur Star Trek-Freundin und Star Wars-Unbeteiligten, dass erstere Fiktion immer von philosophischen Fragen vorangetrieben wurde.)

Simon Pegg, den ich mit seiner Cornetto-Trilogie zu schätzen gelernt hatte, spielt nicht nur mit, sondern hat auch das Drehbuch mitgeschrieben. Ich bilde mir ein, seine Handschrift zu erkennen, zum Beispiel im Erzählelement
tödliche Musik: Aus technischen Gründen wird der Feind durch „Sabotage“ von den Beastie Boys besiegt. Das ist der zweite Fall nach Mars Attacks, in dem Außerirdische durch Musik überwunden wurden – da gibt’s doch sicher mehr. Hat jemand eine Liste?
Auch dass sein Scotty eine alles andere als heldenhafte Gestalt ist, schreibe ich Pegg zu, zudem Scherze über die Star Trek-Technik, die wir schon aus der alten Fernsehserie kennen.

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Zuvor war ich vormittags durch leichten Regen zum Sportstudio am Ostbahnhof geradelt, um dort eine lustige Stunde Stepaerobics zu turnen – viel Vergnügen und Schwitzen, wenn auch mit einmal Fußumknicken (nichts geschwollen, kein Ruheschmerz, also wird schon nichts kaputt sein). Auch Rückradeln im Regen, der Tag war düster und kühl.

Zum Frühstück buk Herr Kaltmamsell belgische Waffeln, wir aßen sie unter anderem mit türkischem Johannisbrotkernsirup, der durchaus eigen schmeckte.

Hin und zurück lief ich den Kinoweg zu Fuß, leicht humpelnd, aber ich wollte ja Pokémon jagen. Danach innere Filmverarbeitung bei einer Runde Bügeln.

Abends Lammbraten aus dem Römertopf, sehr schmackhaft.

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„Wieso Afghanistan keine Schweizer Trachten verbietet“.

Wenn sie die Frage, warum Afghanistan das überhaupt tun sollte, für absurd halten: Burkaverbot in Europa?

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„Eisner Nominee Renae De Liz Shares Short Guide for Artists on How to De-Objectify Female Characters“.

Eine einfache, praktische, Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Unbedingt bis zum Ende lesen. (Hihi.)

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Ein wenig Rührung zum Abschluss:
„My Father, the YouTube Star“.

Kevin Pang erzählt, wie sein Hongkong-chinesischer Vater mit Erklärvideos zu typischen Gerichten ins Web ging – und wie er und sein Vater einander dadurch endlich näher kamen.

Journal Mittwoch, 20. Juli 2016 – Hochsommertag mit Reisevorbereitungen

Donnerstag, 21. Juli 2016

Hochsommer: Morgenkaffee auf dem Balkon, zu Fuß in die Arbeit – mit Pokémonfang, während dem ich die Meldung erhielt, mein „Beutel“ sei voll. Im Büro hätte ich für Geld einen neuen gekauft (auch, um die Gelegenheit zu nutzen, für den Spaß mal zu zahlen), doch dazu hätte ich Netzzugang gebraucht.

Reise- und Abwesenheitsvorbereitungen, da ich Donnerstag und Freitag nicht in der Arbeit sein werde. Heimweg zu Fuß durch große, wolkenlose Hitze. In der verdunkelten, angenehm kühlen Wohnung noch ein paar Reisevorbereitungen. Zum Abendessen hatte ich mit Herrn Kaltmamsell Biergarten vereinbart, und er wäre mit mir auch zum Flaucher oder bis in den Hirschgarten geradelt. Doch ich hatte großen Hunger, also wurde es der nahegelegene Schnitzelgarten. Dieser war sehr voll, dennoch waren wir schnell mit Getränken und Speisen versorgt.

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Schriftstellerin Hatice Akyün erzählte gerne, wie wichtig für sie als Kind der Duisburger Bücherbus war. Jetzt hat sie den Herrn getroffen, der das Projekt seinerzeit auf die Beine stellte.
„Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte“.

Ich möchte wild die Fahne schwenken für alle Projekte, die denjenigen Kindern den Zugang zu Lesestoff ermöglich, die ihn eben nicht daheim finden. Meine Einwanderereltern waren bereits die erste Generation nach Analphabetismus, haben beide einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung. Doch ohne die Pfarrbibliothek, später die Schulbücherei und die Stadtbücherei wäre ich leseverdurstet.

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Ein von @dielila gepostetes Foto am

Selbstverständlich birgt PokémonGO-Spielen Gefahren, etwa dieselben wie das Aufnehmen von Selfies: Beides sollte man nicht machen, ohne seine Umgebung zu berücksichtigen.
„‘Pokemon Go’ players fall off 90-foot ocean bluff“.

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Richard Brody im New Yorker über den neuen Ghostbusters-Film.

“’Ghostbusters‘: Bland, Mechanical, and Completely Worth Seeing“.

The story is so gleeful in the telling, so clever in the fit of its parts, so straightforwardly personal in its emotional underpinnings—and so pointed in its identification of precisely the kind of frustrated loner who can’t bear the very existence of this film—that its bland and mechanical realization is all the more disheartening.

(…)

Yet criticism of the new “Ghostbusters” is almost beside the point. What matters is that it exists and that it will, I hope, point the way to other movies starring (and, I also hope, directed by) women that will both reveal the artistry of the makers on both sides of the camera and that will bring their active and distinctive—and refreshing—points of view to themes, stories, and events that have previously been filmed from unchallenged and unconsidered points of views.

Es ist traurig, dass das noch so ist, aber es ist so.
Ich kann’s trotzdem kaum erwarten! (Und bin ausgerechnet zum Kinostart verreist.) Aber ich liege Melissa McCarthy ohnehin so ergeben zu Füßen, dass sie mir die AGB des neuesten iPhone-Updates vorlesen könnte.
Ich muss dringend nochmal Spy gucken.

Interessante Abschlussbeobachtung:

Regardless of its artistic lapses, “Ghostbusters” should very much be seen—first, because what’s good about it is very good and, second, because what emerges from the film, as from most recent studio films, is more a matter of politics than of art. The age of aesthetics in movies is near its end in the studios, and the result is a paradox: even mediocre studio films tend to have multiple dimensions—extra-cinematic, allegorical, metaphorical—that arise from the very corporate, institutional complexity of their production, their baked-in backroom backstory; as a result, even when the viewing experience is dull, the ideas that emerge are fascinating. That’s why there’s often much more to see and ponder in a run-of-the-mill studio movie than in an unexceptional low-budget or Sundance movie: in the latter, apart from the aesthetic, there’s almost nothing. The “Ghostbusters” remake is like the campaign of a major-party political candidate—imperfect, the product of years of fighting within the system, of years of negotiation and struggle and compromise, a campaign that represents and promises progress nonetheless—which is to say, like an important new beginning, no matter what.

Journal Sonntag, 17. April 2016 – Spotlight

Montag, 18. April 2016

Ein konsequent verregneter Sonntag. Ich hatte mich eigentlich auf einen Isarlauf gefreut, doch nachdem ich morgens mit meinem Vater telefoniert hatte (immer noch auf Reha, ihm ist fad), regnete es weiter – das nahm mir die Lust aufs Laufen.

Ich guckte ins Kinoprogramm und entschied mich für eine Mittagsvorstellung Spotlight. Spannender Film, hervorragendes Drehbuch, wunderbare Schauspieler, einige Topoi des Genres nicht bedient – aber den Oscar für den Film verstehe ich nicht so recht. Sehr gut gefiel mir, dass die Mechanismen des Verschweigens transparent wurden, die bewussten wie die unbewussten. Und der kleine Einblick in die Denke seriöser Zeitungsarbeit (wo ist die Geschichte? wann ist warum der richtige Zeitpunkt, sie zu veröffentlichen?).

Daheim gebügelt – ohne Podcast nebenher, ich wollte den Film verarbeiten.

Die Wochenendezeitung gelesen. Zum ersten Mal über eine Todesanzeige in der SZ von dem Tod eines Menschen erfahren, mit dem ich mal viel zu tun hatte: Einer meiner früheren Agenturchefs ist gestorben, nicht viel älter als ich. Das tat mir sehr leid, ich verbinde viele heitere Erinnerungen mit ihm, von einer langen Autofahrt zur CeBIT, auf der er mir die kulinarischen Eigenheiten des jeweils passierten Landstrichs erzählte, bis zum Erlebnis perfekter Marillen- und Zwetschgenknödel bei ihm daheim (sein Geheimnis: große Mengen flüssiger Butter dazu). An Gespräche über PR, die uns eigentlich beruflich verband, erinnere ich mich nicht.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell spanischen Cocido, schließlich galt es den Sud aus den Resten des weihnachtsgeschenklichen Schinkens aufzubrauchen.

Journal Ostermontag, 28. März 2016 – Pupplinger Au

Dienstag, 29. März 2016

Nach Ausschlafen und gemütlichem Bloggen kochte ich mir Porridge mit Gewürzen, das ich nach Duschen und Anziehen mit Quittenkompott und Joghurt frühstückte. Seit für Ostermontag trockenes Wetter angekündigt war, plante ich mit Herrn Kaltmamsell eine Wanderung; die Wahl fiel auf den Weg von Wolfratshausen durch die Pupplinger Au nach Schäftlarn. Wirklich schön war dabei der Abschnitt durch die Pupplinger Au, die wir auf vorherigen Wanderungen von oben gesehen hatten und die Herr Kaltmamsell „Ödnis“ getauft hatte. Davor gingen wir auf Fahrradwegen und Straßen, danach hatten die Wege den Charakter von stark organisiertem Naherholungsgebiet, wie ich sie von den Sonntagsspaziergängen meiner Kindheit kenne. Entsprechend bevölkert waren sie an diesem Ostermontag.

Auf den gesamten 15 Kilometern mussten wir uns aktiv mit Radlern arrangieren, von Renn- über Querfeldein- bis Ausflugsradlern. Insgesamt war die Tour nett mit einigen schönen Entdeckungen, muss ich allerdings nicht unbedingt nochmal machen.

Vom S-Bahnhof Wolfratshausen aus gingen wir an den Stadtrand, bis wir die Isar querten.

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Nach zwei Kilometern bogen wir in die Pupplinger Au.

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Diese rauschende Flussbiegung schaltete in meinem Hirn sofort Marilyn Monroe an, wie sie „River of no return“ singt. Für instagram habe ich ein kleines Filmchen von der Ecke aufgenommen.

Am Pfad die Isar entlang nach Icking sahen wir viele Blumen, neben Buschwindröschen, Seidelbast, Josefsblümerl (hier gelernt, danke!), Schlüsselblumen, Huflattich auch diese Herrschaften.

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Gelbstern?

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Die unterste ernannte Herr Kaltmamsell zum Zombie-Edelweiß, diese Bezeichnung ist möglicherweise nicht botanisch belastbar. Mein Bestimmungsbuch ist wieder einmal unbrauchbar – ob wieder geneigte Leserinnen weiterhelfen können?

Zwischen Isar und Isarkanal weiter nach Schäftlarn.

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An dieser Vogelfutterstation sah ich sogar einen Grünspecht.

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Kloster Schäftlarn. Im Klosterbräustüberl machten wir Rast, wollten gerne ein Bier. Der Namen des Gasthauses hatte mich annehmen lassen, ich könnte ein hiesiges bekommen – leider nicht.

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Na gut, dann halt ein Dachauer Kellerbier.

Die einzige ernsthafte Steigung war die zum S-Bahnhof zurück, aber mit ein wenig Bier im Blut gut zu bewältigen.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch ein Krabben-Curry.