Filme

Journal Sonntag, 16. Februar 2014 –
American Hustle

Montag, 17. Februar 2014

Mit ordentlichem Muskelkater vom gestrigen Krafttraining aufgestanden (wenn er schneller als nach 24 Stunden kommt, sorge ich mich ja gerne, dass ich was falsch gemacht habe), und zum Klang des Regens, der meine Laufpläne durchkreuzte.

Bunte Strumpfhose zur Aufmunterung.

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Statt Isarlauf Kino: American Hustle.

Ich habe schon lange kein so gutes Drehbuch gesehen: Auch wenn sich der Film um bekannte Topoi drehte (Con Men, korrupte Politiker, überfeifrige Ermittler), blieben die Details der Handlung und vor allem die Charaktere ganz weit weg von Klischees. Das Resultat waren unerwartete Verhaltensweisen, Dialoge, Entwicklungen. Die Schauspieler und Schauspielerinnen konnten auf dieser Basis zu Höchstform auflaufen: Allen voran gab Amy Adams eine überaus kluge Gaunerin, die bei allem Selbsterhaltungstrieb nie zynisch wirkte (ebenso wenig wie der herzerweichende Christian Bale), Jennifer Lawrence war sehr überzeugend die reichlich unterbelichtete und dadurch verantwortungslose Figur, die sich für besonders schlau hält. Ich mochte auch sehr die Erzählstruktur, vor allem den Anfang, der uns Zuschauerinnen völlig im Unklaren lässt, was da eigentlich passiert und wie die Personen zueinander stehen. Danach werden erklärende Off-Stimmen der beiden Hauptfiguren vorbildlich zum Vorantreiben der Handlung eingesetzt.
Etwas irritierte mich die konsequente 70er-Ausstattung und -Kleidung, die vermutlich nicht mal in den 70ern so 70er-haft war – wieder gut gemacht allerdings durch geschickte Umgehung von Perfektion (unvorteilhaft zerlegene Haare, verschmierter Lippenstift).

American Hustle ist für zehn Oscars nominiert. Ich wünsche ihm den für beste Hauptdarstellerin, bestes Originaldrehbuch, beste Regie, bestes production design (der Link führt zur Pinterest-Seite, die Hintergründe zu diesem Design erklärt).

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Zeitungen weggelesen, gebügelt, zum Nachtmahl Kathas Unsichtbaren Salat gemacht.

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Gelesen:

Sehr erhellend erklärt Norbert Mappes-Niediek in der Frankfurter Rundschau Armutszuwanderung und die Ökonomie dieser Armut (die einfach und aus guten Gründen anderen Regeln folgt als unsere Ökonomie des Wohlstands): “Warum wir Roma nicht verstehen”.

Wer in einem südosteuropäischen Elendsviertel lebt und dort vielleicht schon groß geworden ist, verhält sich am besten so, wie Slumbewohner das auf der ganzen Welt aus guten Gründen tun: Er setzt sich seine Existenz wie aus einem Flickenteppich zusammen. Man verrichtet Gelegenheitsjobs, sammelt Eisen oder Flaschen, treibt ein wenig Handel, beantragt Transferleistungen, wenn es so etwas gibt. Reicht das nicht aus, kommen vielleicht auch Betteln, Prostitution und kleine Diebereien hinzu.

Das Grundgesetz des Überlebens im Slum lautet: Nie alles auf eine Karte setzen! Ein Arbeitsplatz, eine Lohnersatzleistung – das sind flüchtige Versprechen. Man nimmt sie mit, wenn man kann. Aber es wäre viel zu gefährlich, wegen eines Arbeitsplatzes oder wegen Hartz IV den Wohnort zu wechseln. Der Job oder die Leistung sind schnell weg, und dann steht man wieder vor dem Nichts. Alle hier haben die Erfahrung schon gemacht: Nie das Netzwerk aufgeben, nie sich vereinzeln lassen! Wenn es ernst wird, helfen mir kein Staat und kein Arbeitgeber, nur die Familie tut es und vielleicht die engsten Freunde.

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Wenn Sie auch nur halb so leicht zu erheitern sind wie ich: Etwas Spaß zum Montag.

Journal Mittwoch, 4. September 2013 -
Filmdreh, Filmguck

Donnerstag, 5. September 2013

Schon am Abend zuvor hatte ich mich darauf gefreut, morgens vor der Arbeit zum Isarlaufen zu gehen. Und es war wundervoll! Mild und immer sonniger, immer noch voller Sommerferiengerüche. Überrascht hat mich lediglich, wie viele andere Läufer gestern unterwegs waren; vor zwei Wochen genoss ich bei ähnlicher Witterung Einsamkeit.

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Besonderheit: Zwischen Wittelsbacher Brücke und Braunauer Eisenbahnbrücke arbeitete ein vielköpfiges Filmteam an und in der Isar.

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Mittags bei Marietta gab es scharfe Calamari mit Artischocken auf Ruccola, mein Gegenüber hatte Pappadelle mit Pfifferlingen und Speck.

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Abends kam Garp und wie er die Welt sah auf Arte. Nein, ich hatte nicht vergessen, wie großartig der Film ist (ich wunderte mich eher, wie genau ich ihn kannte – mehr als zwei, drei Mal habe ich ihn doch nicht in den vergangenen 20 Jahren gesehen?). Aber ich wurde traurig, weil es unvorstellbar ist, dass er heute gemacht würde. Eine Transsexuelle, über die sich überhaupt nicht lustig gemacht wird! Die selbst die guten Pointen hat! Klar, Irvings Romanvorlage ist bereits großartig, aber es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, einen darauf basierenden Film zu versemmeln. Tatsächlich darf der groteske rote Faden, den der frühe Irving so meisterhaft spann, auch den Film tragen. Und sehr wahrscheinlich habe ich von Roberta mein Faible für Kaftans als Hauskleidung.
(Bei kurzer Recherche endlich herausgefunden, warum ich den Film erst Jahre nach seinem Entstehen im Kino sah, übrigens in der klapprigen Filmbühne in Augsburg: Garp kam erst 1987 in Deutschland heraus, fünf Jahre nach seinem Erscheinen in USA.)

Journal Sonntag, 25. August 2013 – Familienverbandelungen

Montag, 26. August 2013

Ich erwachte zu Regenrauschen und Kälte, plante also kurzerhand den Morgensport in eine Kino-Matinee um und sah mir Mr. Morgan’s Last Love an.

Schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass das möglicherweise keine gute Idee gewesen war: Nicht weil der Film einen schlechten Eindruck machte, sondern weil er mich zu sehr mitnehmen würde. So sehr, dass ich über die Qualität des Films nichts sagen kann. Haltlosigkeit im Leben, die existenziell tiefe Beziehung zu einem Menschen, Väter und das komplizierte Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern – diese Themen gehen mir derzeit zu nahe. Und dann spielt Michael Caine diese Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben wurde, auch noch mit all seinem Können.

Um ein Haar wäre ich dankbar gewesen um die Musik Hans Zimmers: Der Ekel vor dem völligen Klischee der Muster, vor dem Kitsch der g’schiss’nen Zimmer-Klarinette, holte mich immer wieder aus der Berührtheit. In vielen Szenen setzt allein die Schubladenmusik die Stimmung. Zum Beispiel sind anfangs Morgans kurze Gänge durch die Pariser Innenstadt hoffnungslos traurig; doch Zimmer kleistert munteres Klavier darüber und zwingt uns auf, es handle sich um munteres Schlendern. Nur eines halte ich ihm zugute: Obwohl der Film in Paris spielt, erklingt kein Akkordeon.

Was mir bei der Gelegenheit dieses Films auffiel: Wenn es von einer Person heißt “lights up a room”, handelt sich immer um Frauen. Bechdeltest übrigens nicht bestanden, Frauen haben in diesem Film fast ausschließlich Rollen im Leben eines Mannes. Nur Mr. Morgans Tochter scheint ein wirklich eigenständiges Leben zu haben, und gerade sie wird ausgesprochen unsympathisch gezeichnet.

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Also halt dann Geburtstagskaffee mit Eltern. Ich nutzte die Gelegenheit, meiner Butterkuchen-liebenden Mutter den Luxemburger Schuedi vorzuführen; er schmeckt frisch am besten, so frisch, wie ich ihn beim Mitbringen nie servieren könnte.

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(Keine Angst, Kaffeetafeln sehen bei mir nicht immer so aus. Genau gesagt, gibt’s bei mir sonst gar keine Kaffeetafeln.)

Meine Eltern wurden für ihr Insistieren mit 60 Minuten Stillstand im Autobahnstau gestraft, ich natürlich mit ebensolangem Warten, während der Schuedi unfrisch und der Kaffee kalt wurde. Mein Verständnis für die Freude am Geburtstagfeiern wollte dabei nicht so recht wachsen.

Aber ich freute mich dann, meinen Vater vom kürzlichen Spanienurlaub in seiner Heimat erzählen zu hören. Er hatte mit meiner Mutter viele Verwandte auf dem Land besucht (meine aus Nordkastilien stammende Großmutter hatte über zehn Geschwister), mit dem einen Vetter und seiner Familie in der Garage gefeiert (meine Muttern lernte, welch Fauxpas es ist, einen Landwirt nach der Anzahl seiner Kühe zu fragen), sich von der anderen Kusine meines Vater zu einer Paella einladen lassen. Nur bei Kusine Lupe (Abkürzung für den Vornamen Guadalupe) wurde nicht mal das Angebot eines Getränks angenommen: Sie hatte umgekehrt bei einem Besuch nichts annehmen wollen, also instruierte mein Vater meine Mutter vor dem Betreten ihres Hauses, dass sie alles abzulehnen habe. Mein Vater ist da manchmal ein wenig … äh … korsisch. Aber er erzählte die Begebenheit schmunzelnd.

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Wäschewaschen, -trocknen, -räumen. Das dünne Sommerbett verräumt, jetzt brauche ich eine wärmere Decke zum Schlafen.

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Internet-Beifang:

Bridget Christie hat den renommiertesten Comedy-Preis der UK gewonnen, und ich wünschte, in Deutschland läsen sich Komikerinnen-Rezensionen wie diese hier.

Der Fotograf Kai Fagerström hat den Verfall eines finnisches Landhauses begleitet. Das Resultat: Niedliche Tierfotos.

Iron Man 3

Samstag, 4. Mai 2013

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Ein bestandener Bechdeltest, hurra! Es war der Mitbewohner, der mich von rechts im Kino anstupste: Eben hatten sich in Iron Man 3 Pepper und Maya im Auto auf der Flucht darüber unterhalten, was genau Maya als gelernte Biologin macht, was dieses Extremis eigentlich ist und anrichtet. Waren also
1. at least two women,
2. who talk to each other,
3. about something besides a man.
Falls es Ihnen bislang noch nicht aufgefallen ist: Diese scheinbar minimalen Anforderungen erfüllt fast keine Hollywoodproduktion.

Ansonsten ist der Film dicht erzählt, vermittelt viele Informationen indirekt oder mit Pointe, Robert Downey Jr. hat offensichtlich einen Heidenspaß, Tony Stark ist weiterhin eine wunderbare Mischung aus wirklichem Genie und komischer Selbstüberschätzung, über die er sich wiederum lustig macht.
Ben Kingsley war nie besser (ernsthaft) – warum, kann ich leider nicht erklären ohne zu spoilern. Doch allein seine Szenen (mit Fußball im Fernsehen!) verschaffen dem Film einen Sonderplatz in der Filmgeschichte.
Ein Kind kommt auch drin vor; die Interaktionen zwischen ihm und Tony Stark grätschen angenehm aus der Erwartbarkeit aus.

Wenn Sie also Vergnügen aus Konfetti-buntem Popcornkino aus Hollywood ziehen können, empfehle ich Ihnen den Film als besonders schönes Exemplar der Gattung.

Jahreszeitliches

Sonntag, 13. Januar 2013

1. Schnee
Ich versuche ihn mit so viel Haltung wie möglich zu ignorieren. Er erschwert mir halt wieder das Fahrradfahren mit seiner Kälte und Glitschigkeit. Bei dieser Gelegenheit: Seit vergangener Woche habe ich ein Nabendynamo und neue Fahrradlichter (LED mit SO EINER LEUCHTKRAFT) – ein Traum.

2. Vorsatzsportler
Fast hätte ich vergessen, den Punkt auf dem ewigen Bloggerkalender abzuhaken: Maulen über die Vorsatzsportler. Dabei bin ich ihnen bereits in Vielzahl und typischer Formation an der Isar begegnet (nämlich pärchenweise zur gegenseitigen Motivation), ebenso werden während meiner Strampelzeiten im Fitnessstudio auffallend viele Neukundinnen mit dem Gelände vertraut gemacht. Vielleicht habe ich deshalb darauf vergessen, weil es noch keinen störenden Vorfall mit ihnen gab. Maule ich einfach mal blanko.

3. Kino

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Die Oscar-Nominierungen sind draußen. Zunächst war ich angesichts der neun nominierten Filme gelangweilt, doch das lag vermutlich daran, dass ich von vielen so gut wie nichts wusste. Auch dieses Jahr versuche ich sie vor der Award-Verleihung zu sehen. Mit Ausnahme der Filme, die aktiv nicht sehen will, als da wären
Argo. Ich habe überhaupt keine Lust, in die amerikanische Botschaft in Teheran 1980 zurückzukehren. Ja, die Revolution in Persien war das erste Weltereignis, wegen dem mich die Tagesschau zu interessieren begann (ich war 12). Vielleicht mag ich mir deshalb nicht ihre Fiktionalisierung aus US-amerikanischer Sicht anschauen.
Les Misérables. Die Standbilder sehen ganz, ganz schlimm aus, nämlich nach völliger Abwesenheit von Brechung oder gar Humor. Und auch wenn ich weiß, dass Hugh Jackman, also Wolverine, vom Musical kommt, finde ich Wolverine in solcher Umgebung lächerlich. Zu allem Überfluss habe ich ein Problem mit der Musik von Andrew Lloyd Webber (Korrektur: Selbst wenn sie gar nicht von ihm, sondern von Claude-Michel Schönberg stammt.)
Life of Pi. Das Buch kam umgehend auf meine ewige Bestenliste, hauptsächlich wegen seiner Erzählkunst in Wörtern (habe mir zahlreiche Passagen angestrichen/rausgeschrieben). Ich will nicht sehen, wie sich jemand anderer die Geschichte in Bildern vorstellt.
Zero Dark Thirty. Wo Bigelow draufsteht, sind US-amerikanische Elitesoldaten drin. Will ich sowas von nicht sehen.

Bleiben fünf, von denen ich schon gesehen habe
Amour. Großartig und herzzerreißend.
Silver Linings Playbook. Nett. Entweder nicht komisch genug oder nicht ernst genug. Vielleicht aber gehen mir überzeugende Darstellungen von erkrankten Seelen auch zu nahe. Reicht die Botschaft “By all means, do take your medication”, wenn es um bipolare Störungen geht? Pluspunkte: Es kommt Tanzen drin vor (sogar ein Ausschnitt aus Singing in the Rain), und Jennifer Lawrence fand ich ganz ausgezeichnet. Der Abspann überraschte mich mit der Information, dass Tim Burtons Hauskomponist Danny Elfman für die Filmmusik verantwortlich war – mir war kein einziger eigens komponierter Akkord aufgefallen, ich hatte nur Evergreens und Pop gehört.
Beasts of the Southern Wild. Wollte ich sehen, obwohl ich wusste, dass die Hauptfigur ein kleines Kind ist. Der Film erzählt aus der Perspektive dieses (komplett niedlichkeitsfrei gezeigten) Kindes, vom hippie-artig selbstbestimmten Leben in einem Südstaaten-Sumpf, vom seltsamen Vater, der viel trinkt, vom Schulunterricht mit seinen Warnungen vor Erderwärmung und gefährlichen Auerochsen, vom großen Sturm, der alles überflutet. Wir als Erwachsene entnehmen den Bildern viel mehr und ganz andere Informationen als die kleine Hushpuppy, doch auch ihre sparsam eingesetzte voice over wird nicht zu witzigen kindlichen Fehlinterpretationen missbraucht. Ihre Vorstellung von der Rückkehr der Mutter und von den anrückenden Auerochsen vermischt sich immer wieder mit den Ereignissen, doch eine Unterscheidung ist auch nicht wichtig. Sehr amerikanisch, dieser Film, mit seinem Hochhalten der individuellen Selbstbestimmung und des Gleichgewichts im Universum, also Sundance-Filmfestival-amerikanisch (das Sundance Institute hat auch mitfinanziert).
Auch hier eine überraschende Information im Abspann: Es handelt sich um ein verfilmtes Theaterstück. Diese Geschichte kann ich mir auf der Bühne gar nicht vorstellen.

4. #609060

Winterwetter führt zu Verwahrlosung.

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Deutsches Fernsehen in Gut: Der Tatortreiniger

Donnerstag, 3. Januar 2013

Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass das wirklich, wirklich deutsches Fernsehen ist, auch noch Öffentlich Rechtliches: Der Tatortreiniger. Die nächsten Tage verreise ich ein bisschen, amüsieren Sie sich doch derweil mit der ersten neuen Folge auf YouTube, die sehr großartig ist.

Sehen Sie sich bitte den Trailer an (den womöglich nur die älteren unter uns goutieren können) und lesen Sie Niggemeier zur Serie.

Kino 2012

Montag, 31. Dezember 2012

Nur noch die Kinotickets, dann ist das Kalenderjahr gut aufgeräumt.

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