Filme

Journal Sonntag, 26. März 2017 – Kränkliche Muße

Montag, 27. März 2017

Nachts war ich von Halsschmerzen aufgewacht und brauchte mehr Medizin dagegen. Das kenne ich ja gar nicht: Eine Rachenmandel, die nicht nur beim Schlucken schmerzt, sondern einfach so tobt.

Also erklärte ich mich für krank und verbot mir Sport, auch wenn ich mich außer den brutalen Halsschmerzen nicht krank fühlte. Umso egaler war mir die Zeitumstellung – aber würde ich zu einer Meinung gezwungen, verwiese ich darauf, dass ich die längere Feierabendhelligkeit sehr genieße (Balkon! Biergarten!). Beim Umstellen der Ofenuhr in der Küche musste ich gar nicht mehr in die Gebrauchsanweisung gucken.

Ab 10 Uhr hörte ich Radio: Bei Johnny Häusler und Spreeblick waren Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier zu Gast, die einen neuen Podcast „Das kleine Fernsehballett“ machen.

Stefan Niggemeier kenne ich durch sein Blog ungefähr so lange wie das Internet, deshalb war ich verwundert, als Sarah Kuttner sein öffentliches Image mit „strenger, ernster Medienjournalist“ beschrieb – wir sprechen hier schließlich vom Erfinder des „Flausch am Sonntag“. Sarah Kuttner kannte ich nur vom Namen – theoretisch bin ich zwar die erste Generation Kabelfernseherin (in Ingolstadt als Pilotregion ab 1984), kenne MTV, seit ich 16 bin, Viva seit Gründung, und bei Altersgenossinnen lief der Fernseher wie davor das Radio. Nur dass ich nicht fernsehe, weil ich ohne Fernseher 1986 von daheim auszog und erst 1997 wieder einen ins Haus bekam – in dieser Zeit hatte ich diese Kulturtechnik verlernt. (Die ich durch die strenge Fernsehrationierung meiner Kindheit und Jugend eh nie richtig lernte.) Zu schätzen lernte ich Sarah Kuttner auf Twitter. Der Podcast ist leider nichts für mich, weil ich ja keine der besprochenen TV-Serien kenne. (Und weil ich mich immer wieder frage, woher die Leute die Zeit zum Fernsehen nehmen, weiß ich, dass ich offensichtlich völlig andere Prioritäten habe.)

Zum Radiohören verlegte ich das Bügeln auf vormittags und ließ mich von Niggis mitgebrachter Musik zum Quietschen bringen. Allerdings wunderte ich mich, weil ich ihn für 10 Jahre jünger als mich hielt: Wieso kennt der „Es war einmal der Mensch“? Das ist so alt, damals habe ich noch gefernseht. (Stellte sich heraus, dass er bloß zwei Jahre jünger ist.) War eine sehr nette Sendung.

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Kleiner Spaziergang in wundervoller Sonne – warm war’s aber nicht.

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Nachmittags Zeitung ausgelesen, dann Erebos von Ursula Poznanski. Die Grundidee und -struktur des Romans gefielen mir sehr gut, ansonsten ist er schlicht gemacht, wenn auch ohne größere Klischee-Unfälle.

Abends sah ich mir auf 3sat „Wie angelt man sich einen Millionär“ an, den ich tatsächlich noch nie ganz gesehen hatte. Hinreißende Dialoge, wunderschöne Kleider, drei Frauen wirklich im Mittelpunkt: Davon die verehrte Lauren Bacall völlig fehlbesetzt – sie wirkt wie jemand auf der Suche nach einem CEO-Job, nicht nach einem Ehemann. Marilyn Monroe konnte zwar nie für fünf Pfennig schauspielern, doch war sie eine wundervolle Komödiantin. Und Betty Grable (für die Rolle vielleicht das eine oder andere Jahrzehnt zu alt) lieben wir ja seit „Let’s Knock Knees“.

Journal Samstag, 25. März 2017 – Mandelmucken und Egglburg

Sonntag, 26. März 2017

Aufs Angenehmste ausgeschlafen.
Doch aufgewacht mit einer rechten Rachenmandel, die Golfballgröße anpeilte und brüllend schmerzte, bis hinauf ins rechte Ohr.

Als dann auch noch der Himmel bedeckt war, überdachte ich meine Wanderpläne: Ich ließ Herrn Kaltmamsell eine deutlich kürzere Strecke aussuchen als meine ursprüngliche Idee, vom Ammersee nach Tutzing zu wandern.

Während Herr Kaltmamsell eine aufwändige Pastete bastelte und in den Ofen schob, machte ich eine Einkaufsrunde. Jetzt kam tatsächlich die angekündigte Sonne raus, ich freute mich auf den Spaziergang. Wir frühstückten und machten uns per MVV auf den Weg nach Kirchseeon. Doch am Umsteigebahnhof in Trudering strandeten wir erst mal: Wegen eines Notarzteinsatzes fuhren keine S-Bahnen, der schnell eingerichtete Schienenersatzverkehr bestand aus Großtaxis, die hin und wieder vor dem Bahnhof anhielten und für die Menge der Gestrandeten zu wenige waren. (Ja, ich war grantig und sah meine Wanderpläne platzen, doch tatsächlich hatten die MVG innerhalb kürzester Zeit Info-Personal ans betroffene Gleis gestellt und eine Alternative für die gesperrte S-Bahnstrecke organisiert – mir fällt nicht ein, wie sie besser mit der Situation hätten umgehen können.) Nach nicht mal 45 Minuten fuhren die S-Bahnen wieder, wir kamen halt verspätet in Kirchseeon an.

In Sonne und kühlem Wind gingen wir über den Egglburger See und die Ebersberger Weiherkette nach Ebersberg, sahen Bussarde, Falken, fette Hummeln, eine quietschgelbe Schafstelze, meine ersten Schlüsselblumen der Saison und Buschwindröschen, so weit das Auge reichte. Am Egglburger See beobachteten wir Lachmöwen, sahen eine Kormoran-Kolonie auffliegen und weite Schleifen über den See ziehen. Am Ebersberger Marktplatz gab’s das erste Eis der Saison.

Aufstieg zur Egglburger Kirche.

Oberbayerische Begräbniskultur (nicht nur in fernen Landen sind Friedhöfe interessant).

Blick auf die Egglburger Kirche von der gegenüberliegenden Seite des Sees.

Schlüsselblumen, die mich an ihre vielen englischen Geschwister letztes Jahr in den Cotwolds erinnerten.

Nachdem ich auf dem Heimweg einige Male „AUA!“ sagen musste, nahm ich daheim dann doch Schmerzmittel gegen die immer lauter brüllende Mandel.

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Unterwegs unterhielt ich mich mit Herrn Kaltmamsell unter anderem über Blade Runner – für seine Jugend und seine Rezeption nachfolgender Filme hatte das Ridley Scott-Werk große Bedeutung.

Auf dem Blog Typesetinthefuture gibt es vom vergangenen Jahr einen einen ausführlichen Post:
„Blade Runner“.

Vorgeblich geht es um den Einsatz von Typografie im Film, tatsächlich aber ist der Text eine vielfältige Ausstattungsanalyse und Einordnung in seine Entstehungszeit.

via @alexmatzkeit

Ich legte mir gleich mal das heimische Exemplar der Romanvorlage raus (ein Flohmarktfund des Herrn Kaltmamsell aus den 80ern).

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Naomi Alderman (Romanautorin und Erfinderin von Zombies run) schreibt im Guardian über
„Dystopian dreams: how feminist science fiction predicted the future“.

Zentrales Werk ihrer Analyse ist Margaret Atwoods The Handmaid’s Tale1, das derzeit fürs Fernsehen neu verfilmt wird. Unter anderem erklärt Alderman, wie die Lektüre dieses Romans sie zur Entscheidung brachte, niemals ihren Namen gegen den eines Ehemanns zu tauschen.

Das Schöne am Leben mit einem Science-Fiction-Fan ist, dass ich fast alle aufgeführten Autorinnennamen in unserer Bibliothek finde.

  1. Habe ich hier schon mal festgehalten, dass mein claim to fame darin besteht, dass ich an der Uni mit jemandem zusammengearbeitet habe, der sich während seiner Promotion das Büro mit Frau Atwood teilte? []

Journal Donnerstag/Freitag, 23./24. März 2017 – Lippenstift, Level 33 und Blade Runner

Samstag, 25. März 2017

In der Nacht auf Donnerstag eine heftige Migräneattacke, die sich zum Glück mit Triptan schnell brechen ließ. Völlig benommen ging ich dennoch in die Arbeit, ein wichtiger Termin stand an. Auch den Vorsatz, dann halt mittags heim zu gehen, setzte ich nicht um: Mittags war ich nämlich wieder fit.

Nach Feierabend Ersatz für einen geschätzt 15 Jahre alten Lippenstift gesucht, der bereits klebrig war und komisch roch (pft, das Zeug hält nichts aus). Mit der Farbe des Lippenstifts als Suchkriterium war ich offensichtlich ein Exotin: „Sie sucht eine Farbe!“ wurde ich im Drogeriemarkt zweimal an Kolleginnen weitergereicht. Auch mein Hinweis, ich stünde nur deshalb am Dior-Regal, weil es das erste beim Reinkommen war, erntete einen entgeisterten Blick. Nach welchen Kriterien bitteschön wählen denn Vielschminkekäuferinnen ihren Lippenstift aus? Glitzer oder nicht, Glanz oder nicht kann ich ja noch nachvollziehen – aber mit der Farbe fängt es doch eigentlich an? Mit Hilfe der Angestellten fand ich dann auch ungefähr die Farbe des verdorbenen Lippenstifts.
Sehr sehenswert auch bei diesem Drogerieeinkauf das elaborierte und vielschichtige Make-up der jungen Verkäuferinnen, mit dem sie sich offensichtlich auf einen Fernsehauftritt vorbereitet hatten.

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Der gestrige Freitag war ein Nebeltag, die angekündigte Sonne wollte am Nachmittag ums Verrecken nicht herauskommen.

Ich ging wieder sehr müde in die Arbeit: Nach einer kurzen Nacht wegen Ausgehens und einer Migränenacht hatte ich diesmal eine lange Schlafpause in den frühen Morgenstunden eingelegt. Die Aufmerksamkeit reichte aber dafür, dass ich auf dem Weg in die Arbeit bei PokémonGo uplevelte.

EINE MILLION EP FÜRS NÄCHSTE LEVEL?!

Seit der ersten Ankündigung von Blade Runner 2049 wollte ich Blade Runner mal wieder sehen – den ich möglicherweise ohnehin erst zweimal gesehen hatte: die erste Kinoversion (wahrscheinlich erst Ende der 80er auf VHS) und den ersten Director’s Cut, als er 1992 rauskam. Ich unterscheide so fein, weil ich mit einem Bladerunneristen zusammenwohne, der auf meine Bitte: „Schaun wir mal wieder Blade Runner an?“ fragte: „Welche Version?“ Und eine DVD-Box mit fünf Fassungen zückte.1

Gestern Abend war ich endlich in der richtigen Stimmung dafür und hatte genug Aufmerksamkeit.
Hat sich sehr gut gehalten, der Film, ich konnte mich angenehmerweise an fast nichts erinnern.
– Dass ganz am Anfang mal kurz das Setting und die gesamte Vorgeschichte in zwei Abschnitten Text auf der Leinwand erklärt werden, könnte man heute sicher nicht mehr machen.
– Wie klein und kammerspielartig der Film ist. Heute kommt doch kein SciFi-Film mehr ohne regelmäßige Totalen futuristischer Skylines aus. Doch in Blade Runner erzeugen die Dunkelheit und jedes Fehlen von Weite Bedrückung (die völlig unpassende Schlussszene im Grünen ignorieren wir jetzt einfach mal).
– Wodurch klingt der Voice-over-Erzähler so anders als gewohnte Voice-overs?
– Meine Güte, ist Harrison Ford ein grottiger Schauspieler! Er hätte sich lieber auf gar keine Mimik verlegt, um vor allem gegen Rutger Hauer nicht so abzustinken.
– Sehr interessanter Einsatz der Musik (den Soundtrack gab es original wohl nie zu kaufen, nur nachträgliche Einspielungen), die in erste Linie Klangteppiche legt und die Wirkung der Handlung nicht beeinflusst.
– Unangenehm stieß mir auf, dass wir in der Liebesszene mal wieder das Narrativ haben, Männer würden für Frauen attraktiv, wenn sie sich über ihre Wünsche hinweg setzen.

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Ein herzerfrischendes Filmchen – mit dem die französische Supermarktkette Intermarché für sich wirbt. Mögen wir überlegen, ob die Geschichte auch in Deutschland überzeugen könnte?

  1. Was wiederholt Anlass zu Diskussionen über die Frage war, woraus dieses Filmkunstwerk nun besteht: Aus einer der Fassungen des Regisseurs? Aus der offiziellen ersten Kinofassung? Aus allen Fassungen zusammen, die sich in Aussage, Informationsvermittlung und Ende fundamental unterscheiden? []

Journal Samstag, 4. März 2017 – Bagelfail und Moonlight

Sonntag, 5. März 2017

Gestern gab’s ordentlich Frühlingsvorschuss: Über den Tag wurde es immer wärmer, in der letzten Abenddämmerung spazierte ich zu meiner Kinoverabredung in lauer Luft.

Morgens hatte ich Bagels gebacken – oder sowas Ähnliches. Sie waren zu stark gegangen und fielen beim Kochen zusammen:

Wahrscheinlich war die erste Gehzeit am Vortag zu lang gewesen, zwei Stunden hätten gereicht (ich war zu spät von der Mühlenführung heim gekommen). Die zweite Charge kochte ich lieber nicht, wurden halt Bagelsemmeln.

Nach einer Einkaufsrunde radelte ich zum Friedensengel für eine Laufrunde.

Mal wieder in der Streetart Gallery unterm Friedensengel vorbeigeschaut.

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Abends im Cinema Moonlight. Gefiel mir gut, überraschend leise und langsam gefilmt. Auch hier viel Kammerspiel (basiert ja auch auf einem Theaterstück, In Moonlight Black Boys Look Blue von Tarell Alvin McCraney), inklusive Verfremdungseffekten unter anderem durch unrealistische Filter und Kamerfahrten im ersten Drittel, durch den Einsatz der Musik und die Besetzung der Hauptfigur in den drei Episoden – nur durch die Handlung wird klar, dass es sich um denselben jungen Mann handeln soll. Die Coming of age-Geschichte der Hauptperson (es tauchen auch weiterhin fast nur Buben in dieser Lebensphase in Filmen auf) kann vor allem deswegen so neu wirken, weil sie gegen die über Jahrzehnte gefestigten Stereotypen dieser Gesellschaftsschicht arbeitet. A. O. Scott drückt es in der New York Times so aus: (It) „evokes clichés of African-American masculinity in order to shatter them“.

Auch hier erleichternderweise kein Happy End, es bleibt halt schwierig.

(Dass der Oscar-prämierte Mahershala Ali sowie Janelle Monáe sowohl im Oscar-nominierten Hidden Figures als auch in Moonlight zentrale Figuren spielen, fand ich seltsam: Ich kann nicht glauben, dass es so wenige herausragende schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler gibt. Nennen wir es den Tatort-Effekt: Auch dort scheint immer dasselbe Personal engagiert zu werden, als gäbe es nur eine kleine Auswahl.)

§

Da schau her: Es geht überall so zu. Jo Lendle über das heikle Thema Bürokaffee:
„’Ohne meine zimtfarbene Crema kann ich nicht leben‘.“

(Mir fehlte ja die Stimme des Betriebsrat bei der ganzen Sache. Und die der Compliance-Abteilung.)

§

Lassen Sie uns weiterdiskutieren, diesmal anlässlich der Verleihung des „Goldenen Zaunpfahls“ für das bescheuertste gegenderte Produkt. Antje Schrupp:
„Gegen den Geschlechterblödsinn“.

Viele meinen, da könnten wir doch ironisch zwinkernd drüberstehen. Ist doch witzig gemeint! Lach mal, du Feministin, mach dich locker!

Diese Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten.

(…)

Oder stellen Sie sich mal das vor: Sie stehen vor einem Regal und haben die Auswahl zwischen verschiedenen Tütensuppen, nämlich Brokkolisuppe für Menschen mit Englischkenntnissen und Erbsensuppe für Menschen ohne Englischkenntnisse. Was tun Sie? Sie überlegen unwillkürlich, ob Sie eigentlich Englisch können. Anstatt, wie es vernünftig wäre, darüber nachzudenken, ob Sie lieber Brokkoli oder lieber Erbsen mögen. Und genauso geht es einem Kind, das zwischen einem blauen Handwerkskasten für Jungen und einer rosa Puppenküche für Mädchen wählen soll: Es denkt nicht darüber nach, ob es lieber mit einem Handwerkskasten oder mit einer Puppenküche spielen möchte. Sondern darüber, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Das ist für die anstehende Entscheidung aber genauso egal wie der Umstand, ob man Englisch spricht oder nicht für die Auswahl einer Suppe.

Dazu passt auch der Aufsatz von dasnuf:
„Alle sollen Prinzessin sein dürfen“.

Wenn man das Hashtag #goldenerZaunpfahl auf Twitter filtert, stößt man immer wieder auf Frauen, die sinngemäß sagen: „Na und? Ich liebe Prinzessinnen! Ich möchte eben Prinzessin sein. Warum könnt ihr mir das nicht lassen?“

Diese Frauen möchte ich gerne ein bisschen zärtlich schütteln und ich frage mich: Wann werden sie es verstehen?
Wann werden sie verstehen, dass niemand ihnen das Prinzessinsein nehmen will (also ich zumindest nicht) – sondern, dass eine bestimmtes Prinzessinnen-Stereotyp erst dann ein Problem ist, wenn es die einzige Wahl, die einzige Phantasie, das einzige Vorbild für aufwachsende Mädchen ist.

Und hier zum Mitsingen:


Journal Freitag, 3. Februar 2017 – Eskalapatie

Samstag, 4. März 2017

Wer Eskalapatie1 nicht kennt, kennt wahrscheinlich auch weder Othelloweit2 noch Esamusawasa3. Hat also nie Volkslieder und/oder Chor gesungen.4
Egal.5

Gestern konnte Herr Kaltmamsell endlich den Punkt „Mühlenführung“ von seiner Erinnerungsliste löschen, den ich ihn vor Jahren darauf zu setzen gebeten hatte. (Es hat sich in diesem Hause eingebürgert, dass er sich aufschreibt, was ich ihm mit „Erinnere mich doch, dass ich…“ zurufe. Vor Jahren war das „… dass ich an einem freien Tag die freitägliche Führung durch die Hofbräuhaus Kunstmühle mitmachen will.“)

Er kam sogar mit.
Wir waren eine 15-köpfige Gruppe inklusive vier Kindern, auf die besonders eingegangen wurde.

Am längsten verweilten wir im Walzboden, in dem die acht alten Walzmaschinen aus dem Jahr 1921 (ich hätte sie „Mühlen“ genannt) mit je vier Metallwalzen für die insgesamt 16 Mühlgänge standen. Wie zu Krabats Zeiten muss der Müller sie selbst reparieren können.
Im Hintergrund sieht man den Mehl-Paternoster für den Abtransport zum Sieben.

Verarbeitet wird hier nur Weizen.

Kontrollanzeigen alt und hochmodern – letztere hinter der Steinmühle für Spezialschrot:

Mitarbeiterin Heidi – ja, sie ist für die Mäuse zuständig.

Zum nächsten Mahlgang führen Rohre in andere Stockwerke.

Die Mehltüten werden mit einer Handmaschine zugenäht (und ich öffne sie immer erst mal an der falschen Seite, von der aus ich sie nicht mit einem Zug aufribbeln kann).

Besonders stolz ist die Mühle auf ihr Farina Tipo OO: Nach eigenen Aussagen backen 70 Münchner Pizzerien mit der Mischung aus drei Weichweizensorten. Auch sonst ist Müller Blum wohl dahinter, die letzten Münchner Kleinbäcker als Kunden zu halten oder zu gewinnen. Der Weizen wird eigenen Angaben zufolge von Landwirten aus dem Umland geliefert.

Aufregend: Die Rutsche, auf der die Mehlsäcke zur Verladung transportiert werden.

Freude zum Abschluss: Lutz Geißlers Brotbackbücher in der Auslage des Mühlenladens.

Die Roggenmehle im Mühlenladen sind zwar zugekauft (außer dem in der Steinmühle gemahlenen Roggenvollkornmehl, das so grob ist, dass ich es als Roggenschrot einsetze), aber wenigstens kriege ich hier fast alle Typen, die ich zum Brotbacken brauche.

Fall es noch nicht implizit klar geworden ist: Große Empfehlung dieser Mühlenführung – so mitten in einer Großstadt und mit dieser Geschichte ist der Betrieb wirklich etwas ganz Besonderes. Auch als Tipp für Münchenurlauber: Wenn Sie mal Freitagnachmittag in München sind, schaun Sie sich das an.

Als der freundliche Führer erklärte, dass es auf dem Walzboden bei laufenden Maschinen viel zu laut wäre, um ihn zu verstehen, fiel mir ein, dass ich vor 30 Jahren als Volontärin einen Radiobeitrag über die damals letzte Mühle in Ingolstadt gemacht habe, über die Schaumühle. Vielleicht mögen Sie sich die zwei Minuten ja anhören – tut mir leid, lauter habe ich’s nicht (und seien Sie gnädig mit den vielen Anfängerfehlern).

§

Schon davor war der gestrige ein sehr schöner Tag gewesen: Ich war morgens zum Schwimmen ins Olympiabad geradelt, hatte mich anschließend mit Herrn Kaltmamsell zum Mittagessen bei Marietta getroffen.

§

Sehr schöne Geschichte als Dokufilm auf Facebook:
„How one woman is fighting food waste in Denmark.“

Es sollte mehr Kochbücher zur Verwendung von Resten oder nicht mehr frischen Zutaten geben. Wer kochen kann, wirft sicher viel weniger weg als Leute, die auf Vorproduziertes angewiesen sind. Doch auch diesen Umgang mit Lebensmitteln kann man doch lernen.

§

Füttert die Wildvögel! Vor allem wenn ihr ländlich wohnt!
„‚Die kleinen Vögel verhungern'“.

§

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ist Arrival mein Filmfavorit des vergangenen Jahres.

Hier ein ausführlicher und ganz großartiger Überblick über den wissenschaftlichen Hintergrund des Films, inklusive zahlreichen Interviews. (Achtung Spoiler!)
„The Science of ARRIVAL“.

via @alexmazkeit

  1. Die ersten drei Wörter des Volkslieds „Es klappert die Mühle“. []
  2. Anfang von „Oh Täler weit, oh Höhen. []
  3. Nicht ganz Volkslied: Aus Das weiße Rössl das Lied „Es muss was Wunderbares sein…“ []
  4. Falls Sie sich schon immer gefragt haben, woher die Leute kommen, die „zum Bleistift“ lustig finden. []
  5. Ich bin sicher, ohne Auerhaus hätte ich das nicht geschrieben. []

Oscarnacht 2017

Montag, 27. Februar 2017

Zur Selbsterinnerung: Die eigentliche Show beginnt um 5.30 pm PST, das ist 2.30 Uhr Münchner Zeit, Wecker also auf 2 Uhr.

Moin!

Und gleich mal die Strafe fürs frühe Zuschalten: Ich muss erst deutsche Moderatorinnen und Moderatoren ertragen. Nostalgie für Zeiten, als wir uns bei dem einen Menschen im Freundeskreis trafen, der die Oscarverleihung per Satellitenfernsehen direkt aus USA reinbekam, weil es keine Übertragung im deutschen Fernsehen gab.

Oh, Dakota Johnson goes Ferrero Rocher. Sehr 30er, das Kleid – aber das haben wir doch schon in der US-Politik.

Emma Stone und Nicole Kidman glitzern auf dem roten Teppich Richtung nude, akzeptabel, Emma sogar mit Fransen, nett.

Justin Timberlake kommt für die Eingangsnummer von hinten durchs Publikum, grovende Superstars in Nahaufnahme – Partystimmung! Ungewöhnliche Bilder zum Einstieg. Shirley Maclaine, wie großartig!

Bühnenbild very Great Gatsby. Meryl Streep in großartigem Petrol.

„I got a sitting ovation!“, Jimmy Kimmel mit sympatischem Auftritt. Witze über „uniting this country“ mit Seitenhieb auf Mel Gibson „there is only one Braveheart, and he’s not going to unite us either“. Dank an Donald Trump: „Remember when the Oscars seemed racist?“

Scherze mit Anspielungen auf Moonlight und Elle – mageres Gelächter: „You didn’t see them, did you?“ (Keiner der nominierten Filme war ein Kassenschlager.)

Meryl Streeps 20. Oscarnominierung bekommt stehende Ovationen (und ihr petrolfarbenes Glitzerkleid ist großartig).

Kimmel verspricht: „One of you will give a speech the president will tweet about!“

Alicia Vikander in brathendlfarbener Haut, ahem? Actor in a supporting role (Dev Patel ist NEBENdarsteller?): Mahershala Ali – stehende Ovationen. Er dankt teachers and professors, das ist ungewöhnlich. Erste Tränen auf der Bühne – und er erzählt, dass er vor vier Tagen eine Tochter bekommen hat.

Slipeinlagenwerbung bei den Oscars, wundervoll! (Letztes Jahr war’s Dallmayr glaube ich, Luxus ist so offensichtlich passend, pah.)

Kate Mckinnon! Der Make up-Oscar geht an Suicide Squad.
Warum haben wir den nochmal nicht gesehen, Herr Kaltmamsell?
„Weil er DC ist? Und richtig schlechte Kritiken bekommen hat?“
Italienischer Akzent auf der Bühne, muss sein. „This is for the immigrants.“
Und genau: Diesmal gucke ich zu zweit! Auch ein Lehrer hat morgen frei (Faschingsferien).

Costume Design geht an Fantastic Beasts – es ist Coleen Atwoods dritter, wow! Sehr gefasste Dankesrede.
(Bissken enttäuscht von Mckinnon, durfte sie nicht mehr?)

Ich serviere Marmorkuchen – sogar mit Schokoüberzug! (Will heißen, wir haben uns das Anschneiden lange genug verkniffen.)

Drei Hidden Figures-Darstellerin auf der Bühne, um die Nominierung für Best Documentary zu präsentieren. *KRAHAISCH* – Katherine Johnson wird rausgerollt, in bezauberndem Blau! Oscar für O.J.: Made in America – gewidmet „victims of police violence“.

Dwayne Johnson sieht gut aus in dunkelblauem Samt. Er präsentiert Best Song aus Moana. Ist ja eine Kategorie, die ich für extrem überholt halte. Statt dessen den Technikoscar in die Hauptshow holen?
Allerdings sehe ich die Funktion der Auflockerung ein, die Choreografie mit blauen Fahnen im Hintergrund ist schon auch nett.

Uff, Dallmayr-Werbung UND Rolex, jetzt sieht’s nach Luxus aus.

President of the Academy Cheryl Boone Isaacs – die war ja schon letztes Jahr interessant: Beschwört die steigende Diversity der Academy: „Art has no borders.“

Jimmy Kimmel lässt Bonbons an Schirmchen aufs Publikum regnen: „Movies need candy.“

Sofia Boutella und Chris Evans präsentieren Sound Editing, der bekanntlich damit eingeleitet werden muss, dass das ganz ganz wichtig ist: Arrival – gebt dem Film alles, was ihr habt. Wird mit französischem Akzent entgegen genommen, haben wird das also auch.
Jetzt Sound Mixing (viel Bumm, Krach unter den Nominierungen): Hacksaw Ridge, wieder einer, den La la Land nicht gekriegt hat (bleiben zwölf mögliche). Große Mütterbedankung.

Erinnerungswürdige Roben habe ich bislang noch nicht auf der Bühne gesehen, weder im Guten noch im Schlechten.

In der Werbepause Trailer für Nocturnal Animals – sieht gut aus. Und mit Amy Adams.

Vince Vaughn erzählt vom Governor’s Award: Jacky Chan als einziger ganz unbescheiden. Publikum steht schon wieder – trying to work off those candy calories?

Mark Rylance präsentiert Actress in a supporting role („opposing role“?): Viola Davis, jawoll! Ich verstehe die Zuordnung „supporting“ auch hier nicht, aber whatever worked. Weitere stehende Ovationen. Sehr bewegte und leidenschaftliche Rede für all diejenigen, die ihr Potenzial nicht umsetzen konnten, deren Geschichten erzählt werden sollten. Tränen beim Dank.

Kimmel kündigt an: Sie haben einen Touristenbus ins Dolby-Theater umgeleitet und behauptet, sie würden hier eine Ausstellung sehen.

Charlize Theron erzählt von ihrer Inspiration durch Shirley Maclaine – und da sind sie schon beide auf der Bühne! Best Foreign Language Film: The Salesman, keine Überraschung hier. Iranischer Regisseur ist nicht gekommen aus Protest gegen den Muslim Ban, seine Dankesrede wird vorgelesen: Appell, das Leid auf der Welt zu zeigen.

Dev Patel führt den nächsten Song ein: Sting. Joah, Heisereien zu Gitarre.

Hailee Steinfeld und jemand mit García im langen Namen präsentieren Best animated short film (einen habe ich sogar gesehen!): Piper, ein niedliches Vögelchen. Kalendersprüche zum Dank, Facebook schreibt mit.
Es geht weiter mit dem Presenter-Paar, es wird politisch: Gegen jede „wall“. Best animated feature film: Zootopia, wenigstens ein Kassenschlager unter den ausgezeichneten.

Das Kleid von Dakota Johnson ist wirklich schlimm. Sie präsentiert Production Design: La La Land, es geht los. Die Preisträgerin trägt das wahrscheinlich bequemste Kleid des Abends (schwarzer Kaftan mit Knopfleiste vorne).

Touristenbusgruppe kommt in den Zuschauerraum, Kimmel stellt sie den Stars in der ersten Reihe vor. Händegeschüttel, Gequietsche, Kimmel hat ein bisschen Schwierigkeiten, sie wieder rauszukriegen. (Große Filmfans werden sie ja nicht erwischt haben, wenn sie während der Oscarverleihung nicht Fernseh schauen, sondern eine Bustour machen.)

Felicity Jones und schon wieder jemand, den ich nicht kenne. Visual Effects geht an Jungle Book – soll ja ganz erfolgreich gewesen sein, war aber derart schnell aus meinem Sichtfeld verschwunden, dass ich auch den verpasst habe. Der erste Preisträger im doppelreihigen Anzug, hmja. Seth Rogen schwärmt von Back to the future als Inspiration, kann ich total nachvollziehen. Kommt auf die Bühne mit Michael J. Fox, yay! Film editing: Hacksaw Ridge. Interessiert mich weiter nicht.

Mehr Bonbons von der Decke.

Salma Hayek sieht weiterhin großartig aus, selbst wenn das Oberteil an ein Negligee gehört. Documentary short subject: The White Helmets (schon zweite Nominierung). Diesmal darf auch die Dame auf der Bühne danken. Dank appelliert, an den Krieg in Syrien zu denken.
Live action short film: Sing. Dankesrede widmet den Preis Kindern.

Kimmel twittert Trump an, weil der noch nicht auf die Oscars reagiert hat – sein Telefonbildschirm auf die Leinwand projiziert.

John Cho und Leslie Mann stellen sich blöd, dass sie den Scientific Award zwar verliehen, aber nicht kapiert haben – tut den Wissenschaften keinen Gefallen. Aber lustig, „science so specific that none of you were invited“.

Javier Bardem schwärmt von Bridges of Madison Counry, kommt mit Meryl Streep auf die Bühne, sie zu seinen Komplimenten „Thank you, I felt underappreciated.“ Cinematography: La La Land, ochja, war schön gefilmt.
Kann es sein, dass die Bärte zumindest kürzer werden?

Oscar edition of mean tweets! Nette Idee.

Emma Stone und Ryan Gosling präsentieren die beiden nominierten Songs aus La La Land (die wirklich schön sind).

Orchester wird gezeigt und vorgestellt, wieder halb unter der Bühne.
Samuel L. Jackson präsentiert Original Score: La La Land, ja, wahrscheinlich die Filmmusik des Jahres, die man am längsten hören wird.

Scarlett Johansson – oh Gott, was hat sie an?! Rosa Frischhaltefolie? Best original song: „City of stars“, echter Ear Catcher. Zum dritten Mal wird „teachers“ gedankt, nett.

Jennifer Aniston kündigt die Verstorbenen an – immer mein Highlight.

Kimmel verarscht die Inspiration-Sache, indem er einen Matt-Damon-FLop zeigt, mit sensationell schlechten Dialogen.

Ben Affleck und Matt Damn präsentieren Screen play (Orchester versucht Damon von der Bühne zu spielen – dirigiert von Kimmel): Manchester by the Sea – das freut mich sehr, super Drehbuch von Kenneth Lonergan.

Amy Adams (in gravity defying Ausschnitt) präsentiert Adapted screenplay: Moonlight. Schön, dass die Oscar-Bühne diesmal nicht rein weiß ist.

Kimmel lässt jetzt „cookies and doughnuts“ von der Decke regnen. Dann ruft er nach Kaffee.

Halle Berry lenkt durch was Riesiges auf dem Kopf von ihrem Kleid ab. Dabei ist das Kleid echt ok. Director: La La Land – das ist ja wohl symbolisch und nicht ernsthaft. Die Verlierer halten sich auch nicht besonders gut. Vielleicht ist der Film ja Lyrik? Die verstehe ich auch nicht.

Brie Larson präsentiert Actor in a leading role: Casey Affleck, halleluja. Wenn sie den Oscar in diesem Line-up Gosling gegeben hätte, wäre es lächerlich gewesen. Er erwähnt seinen Bruder Ben sehr nicht beim Danken (der ihn in Interviews lächerlich machte, als der Film Manchester by the Sea Furore zu machen begann).

Leonardo Dicaprio präsentiert Actress in a leading role: Emma Stone – sie war das Brillianteste an La La Land, insofern ok. Sie würdigt erst mal die anderen Nominierten. Gibt zu, dass das nur durch die Kombination von „luck and opportunity“ möglich war, sie strahlt wirkliche Bescheidenheit aus.

Warren Beatty und Fay Dunaway präsentieren besten Film. Erstmal Plädoyer für „freedom and diversity“. Die Nominierungen wurden dieses Mal nicht über die Show verteilt, sondern werden erst jetzt gezeigt.
La La Land, pft.

Während der Dankesrede stellt sich heraus: War ein Irrtum, Oscar geht an Moonlight; der Zettel wird gezeigt.
Warren Beatty erklärt die Verwechslung: Offensichtlich hatte er den Zettel für Best Actress bekommen, „Emma Stone, La La Land„, deshalb habe er so lange mit dem Vorlesen gebraucht.
Durcheinander auf der Bühne, es ist sehr voll, Produzentin versucht irgendwie eine Dankesrede zu halten.

Ok, Moonlight muss ich noch sehen, will ich auch wirklich. Dieses Jahr hatte ich wirklich viele der nominierten Filme gesehen, den noch nicht.

Aufräumen, noch ein bisschen schlafen, bevor der Putzmann spätestens um 10 Uhr kommt.
Vertipper und Fehler besser ich noch aus.

Bis auf das Durcheiander am Ende (Kimmel: „I knew I would screw up.“) durchschnittliche Show, aber eine weitere.

Journal Samstag, 25. Februar 2017 – Manchester by the Sea

Sonntag, 26. Februar 2017

Ein sonniger, kalter Tag. Ich war mit Kopfweh aufgewacht und sah meine Laufpläne bereits durchkreuzt, doch über den Vormittag ging es mir besser. Ich spazierte in Laufkleidung an die Isar, um dort zu entscheiden, ob ich lieber weiter spazierte oder doch losjoggte.

Am Westermühlbach sah ich endlich reichlich Winterlinge, jetzt glaube ich, dass Frühling werden könnte.

Meine Taktik funktionierte: An der Wittelbacherbrücke fühlte ich mich fit genug für einen Dauerlauf.

§

Nachmittags in die Museumslichtspiele geradelt, um Manchester by the Sea zu sehen, eine weitere Oscar-Nominierung. Wieder ein anstrengender Film, doch einer, der klein, harmlos und leise daher kommt, sich ganz auf der Hintergrundebene entfaltet. Und dort sind entsetzliche Erlebnisse und große Schmerzen. Mir gefiel der Realismus der Charakterzeichnungen und des zwischenmenschlichen Umgangs. Es geht um normale Leute, im Mittelpunkt der völlig gebrochene Lee. Und die sprechen halt nicht über ihre inneren Vorgänge und ihr Gefühle, auch wenn sie einander zugewandt sind, einander sehen. Als sein Bruder stirbt, soll Lee die Vormundschaft seines 16-jährigen Neffen übernehmen. In unmarkierten, daher oft angenehm verwirrenden Rückblenden wird erzählt, warum Lee aus dem Ostküstenort Manchester by the Sea fortgezogen ist, warum das Testament seines Bruders ihn überfordert. Und Casey Affleck spielt ihn ohne Schauspiel, mit nahezu unbewegtem Gesicht.

Auch den 16-jährige Patrick erkannte ich (ideal besetzt mit Lucas Hedges), der eben nicht niedlich ist, sondern zwischen kindlicher Egozentrik und Autarkiebestreben schwankt. Mich rührte, wie Lee einerseits hilflos ist im Umgang mit diesem Verhalten, dem Neffen aber dennoch beharrlich und ungelenk voll Liebe beisteht – ich fühlte mich an meinen Vater erinnert.

Und das Filmende liefert weder Erlösung noch menschlichen Wandel. Sondern halt das Finden einer Lösung, mit der sich irgendwie leben lässt.

(Matthew Broderick taucht auch kurz auf – creepy Spießertypen scheinen ihm Spaß zu machen.)

Die Rezension von Tobias Kniebe in der SZ gefällt mir sehr gut:
„In eine Seele schauen, in der nichts mehr ist“.

§

Schmunzeln am Sonntagmorgen:
„10+ Animals That Look Like They’re About To Drop The Hottest Albums Of The Year“.

via Felix M