Filme

Oscarnacht 2015

Montag, 23. Februar 2015

Bühnenbild very 50s – I like.

Herr Cumberbatch in weißem DJ? Hm. Aber spielt beim Eingangssong mit – Neil Patrick Harris in einer sehr broadway Nummer unter Beteiligung von Anna Kendrick! Und mit Versuch von kritischen Tönen.

Uiui, der Witz über das Vermögen von Oprah kam nicht gut an (“diese Seite des Publikums steht für die eine Hälfte der Filmeinnahmen, die andere Hälfte ist Oprah”) – ihrer Reaktion nach vor allem nicht bei ihr.

Es folgt: Übertragungsausfall bei Pro7, über den Rest der Eröffnungsrede (DER ERÖFFNUNGSREDE!) kann ich nichts sagen.

Habe ich zumindest Zeit für eine Statusbeschreibung: Im Sessel vorm Fernseher, der eigens dafür gedreht wurde (sonst sitze ich beim Fernsehen am Esstisch), neben mir, auf einem eigens dafür bereit gestellten Tischchen, Gummibärchen, Salznüsschen und m&ms, auf einem eigenen holzschonenden Untersetzerchen eine Tasse Roibuschtee.

Mich selbst sehen Sie in bleigrauem Nickianzug, dazu ein langes, graues Unterziehshirt.

Zurück! Wo sehe ich den ersten Oscar?

Liam Neeson präsentiert die Nominees Grand Budapest Hotel und American Sniper.
Witz von Neil Patrick Harris über die Todesrate im Irak, verglichen mit den killings von Weinstein, uiuiui, macht er so weiter?

Dakota Johnson präsentiert nominierten Song – welchen? Eh nicht wichtig.

Erste Werbepause. Nicht genug um herauszufinden, was ich verpasst habe, Mist.

Erster Witztreffer, den ich mitbekommen habe: Oscars, auch genannt “The dependent spirit awards”.

Jennifer Lopez (die Ingenieurskunst hinter ihrem Ausschnitt beeindruckt mich wirklich) and Chris Pine: Costumes. Grand Budapest! Oh, der war so bezaubernd. Die Dame dankt besonders Wes Anderson. Ab einem bestimmten Alter hindert nicht mehr die Pflicht, Eltern und Lehrern zu danken.

Reese Witherspoon präsentiert Make-up: Noch einer für Grand Budapest!
Jetzt erst sehe ich, dass auf der Bühne ein bisschen Budapest Hotel steht, mit Lift Boys, schöne Idee. Wieder dickster Dank an Wes Anderson. Hier aber auch Dank an Familie.

Channing Tatum präsentiert “gifted stars of tomorrow” – ein erstes Mal oder war ich da bislang immer aufm Klo?

WAS? ICH HABE DEN NEBENDARSTELLEROSCAR VERPASST? Na, wenigstens an den richtigen: J.K. Simmons. Wann gab’s denn schon mal einen Übertragungsausfall, zefix?

Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor präsentieren Best foreign language film: Ida. Herr Pole macht Witze! (“I made a film about the need for silence and withdrawal and now I’m in the epicenter of noise and attention.”)
Überzieht ordentlich, lässt sich von Musik nicht stören.

Shirley Maclaine sieht großartig aus! Präsentiert Best Picture Nominierungen Boyhood, Theory of Everything, Birdman.

Marion Cotillard! Aber in einem furchtbaren Kleid, warum tut diese wundervolle Frau mir das an? Moment, ist das ein nominierter Song? Dem Kleid angemessen, brrr. Wohl aus Lego.

Kerry Washington and Jason Bateman: Best Life Action Short Film. The Phone Call. Kerry Washington wischt dem einen Preisträger vor der Rede ihren Lippenstiftabdruck vom Bussi von der Wange, wie süß!

Gleich noch Best Documentary Short – tolle Kleider auf der Bühne! Und die linke Dame ist wirklich sensationell gestylt. Das dritte Mal, dass jemand von der Bühne runtergespielt wird – ist die Redezeit kürzer geworden?

Viola Davis – eine der allerschönsten! Und in einem wundervollen Kleid in Hellrosa. Governor awards – so viele tolle Leute dort.

Neil Patrick Harris spielt böse auf die durchgehend weißen Nominierungen an, als er sich den britischen Darsteller von Martin Luther King, David Oyelowo, aus dem Publikum pickt und der Saal applaudiert: “NOW you like him!”

Gwyneth Paltrow in akzeptablem Kleid (man weiß bei ihr ja nie), nächster Song. Der tut wenigstens nicht weh.

Neil Patrick Harris spielt eine Szene Birdman – natürlich die Unterhosenszene. In Unterhose auf der Oscarbühne.
Die junge Dame kenne ich nicht (Margot ?), Miles Teller habe ich verstanden: Science and Technical Awards, Rückblick auf die extra Verleihung.

Sienna Miller und Chris Evans präsentieren Sound Mixing and Sound Editing. Sienna Miller ist ja Britin! (Kannte ich bislang nur aus Gofug.) Sound Mixing geht an Whiplash. Der zweite dafür, jetzt haben wir zweimal Grand Budapest Hotel und zweimal Whiplash. Sound Editing geht an American Sniper.

Jared Leto präsentiert im hellblauen Tux Nebenrollen weiblich, scherzt, dass vier Frauen nominiert seien, plus “according to Californian state law, Meryl Streep”. Ob Herr Leto traurig ist, dass 1/3 der jungen Männer in Berlin Mitte aussehen wie er? Nur in verschiedenen Haarfarben?
Patricia Arquette gewinnt, wie schön. Ihr Kleid sieht so großartig aus – hatten sie wirklich keine Zeit mehr, ihre Haare zu machen? Die noch weggebunden sind fürs Schminken?
YES! Sie brauchte offensichtlich die Zeit, um ihre Rede zu schreiben, in der sie atemlos für “equal rights” plädiert. Deal.

Josh Hutcherson kenne ich nicht. Der angekündigte nominierte Song ist mein Tipp für den nächsten Wiesnhit – SCHUNKEL! KLATSCH! (Das Mulletkleid ist grauenhaft.)

Visual Effects präsentiert von zwei weiteren Menschen, deren Namen ich nicht kenne, zumindest die Dame habe ich schon mal gesehen. Visual Effects: Interstellar, hoffentlich bloß eine Gnadengabe.

Kevin Hart und Anna Kendrick: Animated Short geht an Feast. Sympathische echte Menschen auf der Bühne – nach meiner Zählung die ersten.

Zoe Saldana, Dwayne Johnson: Animated Feature Film geht an Big Hero 6 – auf den freue ich mich.

Das Orchester sieht man gar nicht mehr, oder? Gibt es überhaupt noch ein Orchester? Irgendwann wanderte es vom Orchestergraben in die Balkone (aber es gehörte immer noch zur Eingangsrede, den Dirigenten zu begrüßen), kommt die Musik jetzt vom Band?

Gummibärchentüte zu einem Drittel weg, ein paar m&ms, zweite Riesentasse Tee.

Academy-Präsidentin, schnarch, aber in einem sehr schönen Kleid.

Chris Pratt und Felicity Jones präsentieren Production Design: Grand Budapest Hotel, yes!

Idris Elba und Jessica Chastain präsentieren Kamera: Welcher Film? Es wird nur der Gewinner genannt. Ah, Birdman! Wurde auch Zeit, und genau dieser ist sehr nachvollziehbar, Kamera war eine der Hauptrollen.

Meryl Streep kündigt die Trauerrolle an. So viele Gute. (Sie zählen Gabriel García Márquez zur Hollywood-Crowd? Waren das alles Academy Mitglieder?) Nachtrag: Hier die In Memoriam-Bildergalerie.

Naomi Watts und Benedict Cumberbatch präsentieren Schnitt: Whiplash. Ist das ein Kleid, das Frau Watson trägt? Oder schnell mit Sicherheitsnadeln aus Duschvorhang und Bikini zusammengeworfen? Die bislang emotionalste Rede.

Terrence Howard darf alleine die nächsten Filmnominierungen vorstellen: Whiplash, Imitation Game und Selma. Er ist ein bissl auseinander, der Herr Howard, schubst fast das Mikro um.

Jennifer Aniston (mittelgutes Kleid) und David Oyelowo (mittelguter Anzug) präsentieren Best Documentary: Citizen Four. !!.

Nächster Werbeblock von Neil Patrick Harris angekündigt mit: “And to counterbalance the search for truth and justice.”

Octavia Spencer (lovely colour!) kündigt noch einen Song an. Für mich seit vielen Jahren die verzichtenswerteste Oscarkategorie. Er ist aus Selma und gibt dem Publikum zumindest eine Gelegenheit, das Thema per gesammeltem Aufstehen zu würdigen.

Jetzt wird endlich erklärt, wo das Orchester ist: In einem anderen Gebäude!

Idina Menzell und John Travolta räumen die Songs auf – davor elaborierte Witze über Travoltas Missgeschick beim Aussprechen ihres Namens letztes Jahr, den Oscar bekommt “Glory” aus Selma. Ihm haben sie sogar Selbstironie reingeschrieben, steht ihm gut. Dankesrede verweist darauf, dass heutzutage in USA mehr African Americans inhaftiert sind, als jemals gleichzeitig Sklaven waren.

Scarlett Johansson – stunning! Praktisch jede sieht besser aus mit kurzen Haaren, Farbe und Form des Kleides sind der Hammer.

50 Jahre Sound of Music! Riesige Zusammenschau aus dem Film und danach, äh, Medley-Nachgesang von äh, Lady Gaga. Die zumindest nur Julie Andrews imitiert und sich nicht am Material vergeht. Wow, die kann aber singen! Jetzt bekommt wohl auch Deutschland mit, welche zentrale Rolle der Film in anglo-amerikanischer Kultur spielt. Dass sie ihm ein gefühltes Viertel der Oscar-Show zugestehen, hat auch mich überrascht. Inklusive Standing Ovations nach dem Medley.

Jetzt Julie Andrews selbst – wie glorios! (Allerdings hätte ich so gerne gesehen, wie ihr Gesicht in Alt aussieht statt in Operiert. Nun: Ihr Gesicht, ihre Entscheidung.) Sie präsentiert Filmmusik. YESYESYES! Alexandre Desplat für The Grand Budapest Hotel. Das wurde aber auch Zeit. Somit haben wir zudem den verpflichtenden französischen Akzent auf der Bühne.

Eddie Murphy (den gibt’s noch?) präsentiert Originaldrehbuch: Birdman! Definitiv nachvollziehbar. Nun auch hispanic Akzent. Michael Keaton kaut im Publikum aggressiv Kaugummi – er hat hoffentlich eine medizinische Ausrede für dieses Flegelbenehmen. Auf der Bühne wird auch noch “toda la Argentina” gedankt, na gut.

Oprah Winfrey – finde ich einfach wunderschön. Präsentiert adaptiertes Drehbuch: The Imitation Game, freut mich. Und der Herr spricht sehr emotional und persönlich allen Mut zu, die jetzt glauben, sie könnten nie dazugehören.

Ben Affleck steht für den Regie-Oscar auf der Bühne: Birdman, hätte ich nicht gedacht. Wenn überhaupt, hätte ich auf Linklater oder Anderson gewettet. Zeigt, wie wenig Ahnung ich habe.

Cate Blanchett ist SO schön, präsentiert beste Hauptdarsteller: Eddie Redmayne. Wirklich? Sticht die Behindertenkarte immer noch unschlagbar? Michael Keaton oder Benedict Cumberbatch hätte ich erheblich einfacher verstanden. Sehr emotionale Rede. Sollte mich Herr Kaltmamsell jemals als partner in crime bezeichnen, werde ich ihn töten müssen. Death by cliché.

Matthew McConaughey (die Schreibung habe ich schon mal vorsorglich aus Wikipedia kopiert). Der wiederum schaut erwartbar schrecklich aus. Weibliche Hauptrolle (ursprünglicher Verschreiber “weinliche” – yes, it helps): Julianne Moore. Jetzt wünscht sie sich, sie hätte sich für das andere Kleid entschieden, das weniger aussieht, als sollte man es erst mal schuppen und die Zusammenhaltebänder entfernen.

Lahme Zaubernummer von Neil Patrick Harris: Er öffnet seine am Anfang der Show eingeschlossenen Oscar-Vorhersagen – die natürlich alle zutreffen.

Sean Penn kommt zur Musik von Dances with Wolves auf die Bühne. Warum?
Wir hatten auch schon am Anfang und mit genauso wenig Zusammenhang Musik aus Chitty Chitty Bang Bang. Warum?
Der Oscar für besten Film geht an Birdman! Ok, einverstanden.

Mal sehen, ob etwas von der Show selbst hängen bleibt. Der Presenter in Unterhose vielleicht?
Ich mache jetzt Kaffee und gehe dann in die Arbeit. Nachdem das letztes Jahr so gut geklappt hat, habe ich auch dieses Jahr der Kollegin den freien Nach-Oscar-Tag überlassen.

Journal Samstag, 21. Februar 2015 – Bowling

Sonntag, 22. Februar 2015

Zweiter Isarlauf dieses Jahres, diesmal radelte ich zum Friedensengel und lief von dort los – auf einer deutlich matschigeren und glatteren Strecke, als ich es nach den beiden trockenen Wochen erwartet hätte.

150221_01_Isarlauf

150221_02_Isarlauf

150221_07_Isarlauf

150221_09_Isarlauf

150221_11_Isarlauf

150221_13_Isarlauf

§

Ein zweites Rezept aus Nickys Reisehunger ausprobiert: Nuss-Tahini-Schnecken.

150221_Tahinischnecken

Sehr wohlschmeckend. Aber weil ja Fastenzeit ist, hörte ich nach drei Schnecken auf.
Na ja, eine Stunde später nach der vierten.

§

Abends Geburtstagsfeier mit fast ausschließlich Offline-Freunden im Bavaria Bowling. Es müsste nach meiner Zählung das dritte Mal gewesen sein, dass ich überhaupt bowlte, und es war ein Heidenspaß.

150221_Bowling_9

(Dazu lief gerade Nik Kershaw, “The riddle”.)

Der Laden ist ohnehin eine Zeitreise in die 80er, wie ich sie sogar selbst erlebte. Ein anderer Bowlinggast hatte Geburtstag, und schon erklang “Happy Birthday” von Stevie Wonder – wie zu meinen Tanzschulzeiten! Die Getränkekarte bot auch Rüscherl an, die Muster der Polsterstühle erinnerten mich an Eisdielen meiner Jugend, und unter den zahllosen Schriftarten auf Printmaterial innen und außen (es handelt sich möglicherweise um ein Typografiemuseum in Nebenfunktion) waren auch einige, die ich zuletzt in Verbindung mit diesem Getränk gesehen hatte.

Die Bowlingbahn schien ein richtiger Nachbarschaftstreff zu sein: Nach 22 Uhr sprach der DJ (!) beim Strike-Wettbewerb (!) zwischen den Bahnen praktisch jeden mit Namen an.

§

Andere fühlen sich angesichts von gewachsenen oder erwachsenen Kindern alt – das passiert mir nie. Ich bin durchaus überrascht, wenn die piepsige Kindergarten-Natalie kurz vorm Bachelor steht, das Sabberbaby Tobias schon in die Schule kommt, setze das aber nie in Bezug zu mir. Wo ich hysterisch werde, ist bei der Tatsache, dass Lettermans bescheuerte Oscarnummer “Uma” – “Oprah” SCHON ZWANZIG JAHRE HER IST!

Vanity Fair erzählt die ganze Oscarnacht 1995 nach, mit Bildern (da gab’s Ellen Barkin und Julia Ormond noch! ich vermisse beide sehr):
“The Oscars 20 Years Ago: Live-Blogging the 1995 Academy Awards”.

Wow, das war ein verdammt gutes Filmjahr.
Und ich liebte Sarah Jessica Parker noch für Miami Rhapsody.
“After the little clip reel, Jamie Lee says congrats to ‘all the men and not one woman’ who won.” – Sie war einfach schon immer der Hit.

§

Prinzessinnenreporter retten den Online-Journalismus“.

§

Basiert auf denselben Erkenntnissen wie der Washington Post-Artikel gestern, ist aber pointierter – und auf YOUTUBE!
“The Science of Anti-Vaccination”.

via @DonnerBella

Journal Dienstag, 17. Februar 2015 – faschingsfrei

Mittwoch, 18. Februar 2015

Am frühen Morgen wieder im Fitnessstudio schwere Sachen gehoben, einschließlich mich.

§

Nachmittags faschingsfrei.

Weißwürscht und Schokoküsse gegessen zur Feier des Faschings, Boyhood angesehen zur Feier des freien Nachmittags.

Ich sah den Film gerne, auch wenn ihm eine Länge unter zwei Stunden gut getan hätte. Hochrespektables künstlerisches Experiment (ich wage auf einen Oscar zu wetten), habe viel über amerikanischen Alltag gelernt, Schauspieler und Schauspielerinnen großartig (allen voran Patricia Arquette), Kinder und Teenager in ihrer Selbstbezogenheit nachvollziehbar dargestellt.

Die ständigen Gardinenpredigten gingen mir allerdings bald auf die Nerven – genau die machten wahrscheinlich die 45 Minuten aus, die mir der Film zu lang war. “Jetzt lasst’s den Buben doch endlich in Ruh”, dachte ich mir bald und begann zu überlegen, ob diese lebenlehrenden Mahnworte überhaupt jemals bei dem oder der Angesprochen ankommen. Möglicherweise gehören sie zum selben biologischen Programm, das Eltern irgendwann sagen lässt: “Oder brauchst du eine Extra-Einladung, Frolleinchen?” Glaubwürdiger erschien mir da schon, dass eine Frau, die einen irgendwie beeindruckt, sagt: “You are smart. You should go to school.” Und man daraufhin sein Leben umkrempelt.

§

Palmenblüte im Wohnzimmer.

150217_Blüte_2

§

Wieder zwei Absagen.

§

Mich zum Nachtmahl bekochen lassen mit einem Ottolenghirezept aus dem Internet: Aubergine Pilaf Cake.

150217_Auberginenpilaf_3

150217_Auberginenpilaf_6

§

Wachsender Antisemitismus in Deutschland (jüdischer Friedhof in Oldenburg erneut geschändet – ist überregionalen Medien nicht mal mehr eine Meldung wert), auch in München:
Beitrag aus dem 2DF Heutejournal “Jüdischer Alltag: Bleiben oder Gehen?”
Mir wird ganz schön übel.

§

Lizas Welt schreibt über Dan Uzan, “Der Held von Kopenhagen”.

Sehr schrecklich. Halb lachend, halb weinend erinnere ich mich daran, wie ich ca. 2005 bei einem nächtlichen Spaziergang durch Kopenhagen (Geschäftsreise) die Synagoge erst auf den dritten Blick als solche erkannte: Ein Gebäude ohne massiven, sichtbaren Polizeischutz kannte ich aus Deutschland nicht als Synagoge.

Journal Samstag, 7. Februar 2015 – an der Laterne vor dem großen Tor

Sonntag, 8. Februar 2015

Morgens diesen Orangenkuchen von Moey’s Kitchen gebacken, der sich später als ganz hervorragend herausstellte: Innen fluffig, und das Icing ist sensationell.

150207_Orangenkuchen_1

150207_Orangenkuchen_5

§

Ein Paar Schuhe zum Schuster gebracht, im Schlussverkauf doch noch einen Wintermantel erstanden – nicht annähernd so schön, warm und hochwertig wie der gestohlene, doch ich habe in den vergangenen Wochen gemerkt, dass der in unseren Breiten tatsächlich notwendige Standardausstattung ist. Möge dem Wintermanteldieb/der Wintermanteldiebin die Nase abfallen.

§

Die Sicherheitskonferenz in München, auch als Klassentreffen der deutschen Landespolizeien bekannt, führte einerseits zu Behinderungen der Innenstadtwege. (Dass sie auch weiterhin an einem so unpraktischen Ort wie dem Bayrischen Hof mitten in München stattfindet, begrüße ich inzwischen sogar: Schön, wenn nicht alles wirtschaftlichen oder auch nur pragmatischen Faktoren untergeordnet wird.) Andererseits brachte die Konferenz auch dieses Jahr einen Berliner Militärexperten nach München, mit dem ich mich auf ein mittägliches Stündchen traf.

§

Den Roman von Uhly ausgelesen, Empfehlung.

§

Zum Nachtmahl aus Steckrübe und Gerste im Ernteanteil ein Orzotto bereitet. Als Joghurtsoße verlängerte ich Reste des donnerstäglichen Safranjoghurts mit Joghurt, Zitronensaft, Kresse.

150207_Steckrübenorzotto

Dazu beim Fernsehen in den Film Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Seeking a Friend for the End of the World) gestolpert: Hatte ich vor zwei Jahren als interessant wahrgenommen, aber, wie so viele Filme, dann doch nicht im Kino geschafft. Damals hatte ich das Set-up gemocht: Ein Asteroideneinschlag wird die Erde in drei Wochen zerstören, ganz bestimmt. Vor diesem Hintergrund eine kleine persönliche Geschichte, drumrum wird durchgespielt, wie unterschiedlich die Gesellschaft auf das ihr bevorstehendes Ende reagiert – eher unaufgeregt. Gefiel mir sehr gut, inklusive Keira Knightley in einer für sie ungewöhnlichen Rolle.

§

Menschen, Tiere, Sensationen – schön und gut. Aber Maschinen!

Canadian National Railway locomotive 2304 (ES44DC) plows through huge snow drifts

via @mspro

Journal Sonntag, 1. Februar 2015 – Birdman

Montag, 2. Februar 2015

In einer Matinee Birdman gesehen – Münchner Cineasten entnehmen diesem Foto, wo:

150201_Foyer_Cinema

Das ist ja ein Theaterfilm! Hatten wir schon lange nicht mehr, und in dieser ernsthaften Qualität möglicherweise noch nie. Klein und kammerspielartig, gleichzeitig mit betont cineastischen Techniken: Die Kamera hätte eine Nominierung für einen Nebenrollenoscar statt für Kamera verdient, eigentlich auch der Ton (sehen Sie sich den Film in einem gut ausgestatteten Kino an). Michael Keaton und Edward Norton spielen sensationell, das Drehbuch (nominiert) ist ein Ausnahmehit, das Set gruslig gut.

§

Während der Matinee ging der Dampfnudelteig fürs Mittagessen, eine Stunde nach Heimkehr waren sie fertig.

150201_Dampfnudeln

Ich servierte mit Vanillesoße und Zwetschgenröster.

§

Wochenend-SZ gelesen, den Wochen alten Wäschestapel weggebügelt, dabei WRINT mit Andrea Diener in Japan gehört.

Abends Treffen auf ein alkoholisches Getränk im Mariandl, das Sonntagabend nicht nur geöffnet ist (in München ist die Gastronomie Sonntagabend eher geschlossen), sondern auch angenehm leer. Mag sich mal jemand an einen Gastroführer für Sonntagabende in München machen?

§

Wenn überhaupt irgendwo, dann hier: Die Humorkritik “Les Amis de Charlie” in der Titanic.

via @bov

§

Mama’s notes reagiert auf eine Forderung, die mal wieder Frauen auf dem einen Planeten verortet, Männer auf einem anderen (Men are from earth, women are from earth – deal with it):
“Frauen müssen lernen, Aufgaben klar zu verteilen? – Nein, finde ich nicht!”

Genau so. Mein Wort dafür ist Haushaltslogistik (Mama’s notes nennt es Haushaltsmanagement). Schon bald nach dem Zusammenziehen mit Herrn Kaltmamsell vor 15 Jahren sah ich nämlich Anzeichen, dass der Herr auf Anweisungen von mir wartete. Es war sehr klar, dass häusliche Dinge unser beider Aufgaben waren, und er wollte sich in keiner Weise drücken. Aber er wartete auf meine Anweisungen: Bitte Klopapier und Milch besorgen, bitte Altpapier wegbringen. Da sprach ich zu ihm: “Ähm”, sagte ich, oder so ähnlich, “ähm. Ich finde übrigens nicht, dass nur ich für die Haushaltslogistik zuständig bin. Du kannst genauso mitdenken. Wenn Klopapier oder Milch zu Ende gehen, müssen die Posten auf die Einkaufsliste. Dass der Stapel Altpapier weg muss, kannst du ebenfalls selbst sehen.” Mehr musste ich nicht sagen, seither ist das genau so, wie es ideal ist: Die Haushaltslogistik ist unser beider Sache. Es hat sich über die Jahre eine gewissen Aufteilung ergeben (Wäsche mache eher ich, Klopapier/Milch/Altpapier-Dinge eher er), aber für das Management fühlen wir uns beide gleich verantwortlich.

Und wir geben regelmäßig zu verstehen, dass wir die Anstrengungen des/der anderen sehen und schätzen: “Ah, du hast den Geschirrspüler ausgeräumt! Danke.” “Gerade wollte ich die Flaschen wegbringen, aber das hast ja du schon gemacht – wie schön.” Mögen wir auch andere Schwierigkeiten haben, diese zum Glück schon mal nicht.

§

“Daft Punk – Get Lucky | Played by 10 Epic Famous Guitar Players | Andre Antunes”

via @giardino

Filme 2014

Mittwoch, 31. Dezember 2014

filme2014

Journal Montag, 29. Dezember 2014 – gefilterter Steakgeschmack

Dienstag, 30. Dezember 2014

Weiterhin krank, jetzt nahm sich der Infekt die oberen Atemwege vor, ohne die Bearbeitung der unteren aufzugeben.

Kurzer Lebensmitteleinkauf im Schneetreiben, um raus zu kommen. Mich in der Apotheke mit Erkältungssymptombekämpfungsmitteln eingedeckt.

Den Amseln weiterhin Rosinen auf den Balkon gelegt, jetzt ergänzt durch ein Schälchen Streufutter, das vielleicht auch andere Vögelein anlockt (der Meisenknödel ist weiterhin gut besucht). Aber müssen die Amseln beim Fressen das Futter denn unbedingt über den ganze Balkon verteilen, tststs?

Nachmittags in den Museumslichspielen Paddington angesehen und gemocht. Schön beobachtet: Die von embarassment befallene Tochter, der Hippievater, der durch die Erstvaterschaft schlagartig nur noch aus Vorsicht bestand. Wunderschön und irreböse kann Nicole Kidman einfach am besten.

Zum Abendbrot wundervolles T-Bone-Steak, das ich leider nur gefiltert schmeckte.

141229_T_Bone

§

Schöne Geschichte im Techniktagebuch über eine uralte Kaltmangel in Dresden, die immer noch genutzt wird.

§

Mal wieder sehr verliebt in novemberregen: Sie erklärt uns, warum manche eiskalte Getränke erst beim Öffnen der Flasche gefrieren, weil ihre Familie es nicht hören will.