Filme

Journal Sonntag, 31. Juli 2016 – Star Trek Beyond

Montag, 1. August 2016

Vielleicht teilt sich die Welt ja wirklich in Star Wars- und Star Trek-Anhänger, gerne mit einer großen Schnittmenge. Dem Phänomen Star Wars stehe ich unbeteiligt gegenüber: Gerade mal dass ich Yoda-Sprech für eine Pointe einsetzen kann – kennengelernt habe ich die Filme (die ersten drei) im Grunde aus Mel Brooks‘ Space Balls. Doch als ich gestern Nachmittag im Cinema saß und die ersten Star Trek-Töne erklangen, quietschte ich noch vor dem Einsetzen der Fanfare: Hier bin ich daheim. Star Trek ist das Raumschiff Entprise meiner Kindheit, aus dem ich Beamen lernte, Star Trek sind Nachmittage meiner Studienzeit, bei Freund Frank einige Staffeln Next Generation schauend.

Star Trek Beyond gefiel mir, unter anderem die wunderbaren Kamerafahrten, in denen All-adäquat immer wieder lange offen blieb, wo oben und wo unten ist. Diese immer neuen Perspektiven durchs Schiff unter Beschuss und seine fortschreitende Zerstörung würde ich auch als das eine neue Element bezeichnen. Die beiden aktiven weiblichen Charaktere (an der Zahl wird hoffentlich noch gearbeitet) dürfen Schurken rund machen und Männer retten, Jaylah schneidet Scotty beim Mansplaining auch mal das Wort ab. Ansonsten ein traditioneller Star Trek-Film, was für mich nichts Negatives ist. Schade fand ich, dass das philosophische Thema der Folge ein wenig unterging: Was fördert Fortschritt und Entwicklung mehr, Konflikt oder Einheit? (Vielleicht macht mich das zur Star Trek-Freundin und Star Wars-Unbeteiligten, dass erstere Fiktion immer von philosophischen Fragen vorangetrieben wurde.)

Simon Pegg, den ich mit seiner Cornetto-Trilogie zu schätzen gelernt hatte, spielt nicht nur mit, sondern hat auch das Drehbuch mitgeschrieben. Ich bilde mir ein, seine Handschrift zu erkennen, zum Beispiel im Erzählelement
tödliche Musik: Aus technischen Gründen wird der Feind durch „Sabotage“ von den Beastie Boys besiegt. Das ist der zweite Fall nach Mars Attacks, in dem Außerirdische durch Musik überwunden wurden – da gibt’s doch sicher mehr. Hat jemand eine Liste?
Auch dass sein Scotty eine alles andere als heldenhafte Gestalt ist, schreibe ich Pegg zu, zudem Scherze über die Star Trek-Technik, die wir schon aus der alten Fernsehserie kennen.

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Zuvor war ich vormittags durch leichten Regen zum Sportstudio am Ostbahnhof geradelt, um dort eine lustige Stunde Stepaerobics zu turnen – viel Vergnügen und Schwitzen, wenn auch mit einmal Fußumknicken (nichts geschwollen, kein Ruheschmerz, also wird schon nichts kaputt sein). Auch Rückradeln im Regen, der Tag war düster und kühl.

Zum Frühstück buk Herr Kaltmamsell belgische Waffeln, wir aßen sie unter anderem mit türkischem Johannisbrotkernsirup, der durchaus eigen schmeckte.

Hin und zurück lief ich den Kinoweg zu Fuß, leicht humpelnd, aber ich wollte ja Pokémon jagen. Danach innere Filmverarbeitung bei einer Runde Bügeln.

Abends Lammbraten aus dem Römertopf, sehr schmackhaft.

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„Wieso Afghanistan keine Schweizer Trachten verbietet“.

Wenn sie die Frage, warum Afghanistan das überhaupt tun sollte, für absurd halten: Burkaverbot in Europa?

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„Eisner Nominee Renae De Liz Shares Short Guide for Artists on How to De-Objectify Female Characters“.

Eine einfache, praktische, Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Unbedingt bis zum Ende lesen. (Hihi.)

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Ein wenig Rührung zum Abschluss:
„My Father, the YouTube Star“.

Kevin Pang erzählt, wie sein Hongkong-chinesischer Vater mit Erklärvideos zu typischen Gerichten ins Web ging – und wie er und sein Vater einander dadurch endlich näher kamen.

Journal Mittwoch, 20. Juli 2016 – Hochsommertag mit Reisevorbereitungen

Donnerstag, 21. Juli 2016

Hochsommer: Morgenkaffee auf dem Balkon, zu Fuß in die Arbeit – mit Pokémonfang, während dem ich die Meldung erhielt, mein „Beutel“ sei voll. Im Büro hätte ich für Geld einen neuen gekauft (auch, um die Gelegenheit zu nutzen, für den Spaß mal zu zahlen), doch dazu hätte ich Netzzugang gebraucht.

Reise- und Abwesenheitsvorbereitungen, da ich Donnerstag und Freitag nicht in der Arbeit sein werde. Heimweg zu Fuß durch große, wolkenlose Hitze. In der verdunkelten, angenehm kühlen Wohnung noch ein paar Reisevorbereitungen. Zum Abendessen hatte ich mit Herrn Kaltmamsell Biergarten vereinbart, und er wäre mit mir auch zum Flaucher oder bis in den Hirschgarten geradelt. Doch ich hatte großen Hunger, also wurde es der nahegelegene Schnitzelgarten. Dieser war sehr voll, dennoch waren wir schnell mit Getränken und Speisen versorgt.

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Schriftstellerin Hatice Akyün erzählte gerne, wie wichtig für sie als Kind der Duisburger Bücherbus war. Jetzt hat sie den Herrn getroffen, der das Projekt seinerzeit auf die Beine stellte.
„Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte“.

Ich möchte wild die Fahne schwenken für alle Projekte, die denjenigen Kindern den Zugang zu Lesestoff ermöglich, die ihn eben nicht daheim finden. Meine Einwanderereltern waren bereits die erste Generation nach Analphabetismus, haben beide einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung. Doch ohne die Pfarrbibliothek, später die Schulbücherei und die Stadtbücherei wäre ich leseverdurstet.

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Ein von @dielila gepostetes Foto am

Selbstverständlich birgt PokémonGO-Spielen Gefahren, etwa dieselben wie das Aufnehmen von Selfies: Beides sollte man nicht machen, ohne seine Umgebung zu berücksichtigen.
„‘Pokemon Go’ players fall off 90-foot ocean bluff“.

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Richard Brody im New Yorker über den neuen Ghostbusters-Film.

“’Ghostbusters‘: Bland, Mechanical, and Completely Worth Seeing“.

The story is so gleeful in the telling, so clever in the fit of its parts, so straightforwardly personal in its emotional underpinnings—and so pointed in its identification of precisely the kind of frustrated loner who can’t bear the very existence of this film—that its bland and mechanical realization is all the more disheartening.

(…)

Yet criticism of the new “Ghostbusters” is almost beside the point. What matters is that it exists and that it will, I hope, point the way to other movies starring (and, I also hope, directed by) women that will both reveal the artistry of the makers on both sides of the camera and that will bring their active and distinctive—and refreshing—points of view to themes, stories, and events that have previously been filmed from unchallenged and unconsidered points of views.

Es ist traurig, dass das noch so ist, aber es ist so.
Ich kann’s trotzdem kaum erwarten! (Und bin ausgerechnet zum Kinostart verreist.) Aber ich liege Melissa McCarthy ohnehin so ergeben zu Füßen, dass sie mir die AGB des neuesten iPhone-Updates vorlesen könnte.
Ich muss dringend nochmal Spy gucken.

Interessante Abschlussbeobachtung:

Regardless of its artistic lapses, “Ghostbusters” should very much be seen—first, because what’s good about it is very good and, second, because what emerges from the film, as from most recent studio films, is more a matter of politics than of art. The age of aesthetics in movies is near its end in the studios, and the result is a paradox: even mediocre studio films tend to have multiple dimensions—extra-cinematic, allegorical, metaphorical—that arise from the very corporate, institutional complexity of their production, their baked-in backroom backstory; as a result, even when the viewing experience is dull, the ideas that emerge are fascinating. That’s why there’s often much more to see and ponder in a run-of-the-mill studio movie than in an unexceptional low-budget or Sundance movie: in the latter, apart from the aesthetic, there’s almost nothing. The “Ghostbusters” remake is like the campaign of a major-party political candidate—imperfect, the product of years of fighting within the system, of years of negotiation and struggle and compromise, a campaign that represents and promises progress nonetheless—which is to say, like an important new beginning, no matter what.

Journal Sonntag, 17. April 2016 – Spotlight

Montag, 18. April 2016

Ein konsequent verregneter Sonntag. Ich hatte mich eigentlich auf einen Isarlauf gefreut, doch nachdem ich morgens mit meinem Vater telefoniert hatte (immer noch auf Reha, ihm ist fad), regnete es weiter – das nahm mir die Lust aufs Laufen.

Ich guckte ins Kinoprogramm und entschied mich für eine Mittagsvorstellung Spotlight. Spannender Film, hervorragendes Drehbuch, wunderbare Schauspieler, einige Topoi des Genres nicht bedient – aber den Oscar für den Film verstehe ich nicht so recht. Sehr gut gefiel mir, dass die Mechanismen des Verschweigens transparent wurden, die bewussten wie die unbewussten. Und der kleine Einblick in die Denke seriöser Zeitungsarbeit (wo ist die Geschichte? wann ist warum der richtige Zeitpunkt, sie zu veröffentlichen?).

Daheim gebügelt – ohne Podcast nebenher, ich wollte den Film verarbeiten.

Die Wochenendezeitung gelesen. Zum ersten Mal über eine Todesanzeige in der SZ von dem Tod eines Menschen erfahren, mit dem ich mal viel zu tun hatte: Einer meiner früheren Agenturchefs ist gestorben, nicht viel älter als ich. Das tat mir sehr leid, ich verbinde viele heitere Erinnerungen mit ihm, von einer langen Autofahrt zur CeBIT, auf der er mir die kulinarischen Eigenheiten des jeweils passierten Landstrichs erzählte, bis zum Erlebnis perfekter Marillen- und Zwetschgenknödel bei ihm daheim (sein Geheimnis: große Mengen flüssiger Butter dazu). An Gespräche über PR, die uns eigentlich beruflich verband, erinnere ich mich nicht.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell spanischen Cocido, schließlich galt es den Sud aus den Resten des weihnachtsgeschenklichen Schinkens aufzubrauchen.

Journal Ostermontag, 28. März 2016 – Pupplinger Au

Dienstag, 29. März 2016

Nach Ausschlafen und gemütlichem Bloggen kochte ich mir Porridge mit Gewürzen, das ich nach Duschen und Anziehen mit Quittenkompott und Joghurt frühstückte. Seit für Ostermontag trockenes Wetter angekündigt war, plante ich mit Herrn Kaltmamsell eine Wanderung; die Wahl fiel auf den Weg von Wolfratshausen durch die Pupplinger Au nach Schäftlarn. Wirklich schön war dabei der Abschnitt durch die Pupplinger Au, die wir auf vorherigen Wanderungen von oben gesehen hatten und die Herr Kaltmamsell „Ödnis“ getauft hatte. Davor gingen wir auf Fahrradwegen und Straßen, danach hatten die Wege den Charakter von stark organisiertem Naherholungsgebiet, wie ich sie von den Sonntagsspaziergängen meiner Kindheit kenne. Entsprechend bevölkert waren sie an diesem Ostermontag.

Auf den gesamten 15 Kilometern mussten wir uns aktiv mit Radlern arrangieren, von Renn- über Querfeldein- bis Ausflugsradlern. Insgesamt war die Tour nett mit einigen schönen Entdeckungen, muss ich allerdings nicht unbedingt nochmal machen.

Vom S-Bahnhof Wolfratshausen aus gingen wir an den Stadtrand, bis wir die Isar querten.

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Nach zwei Kilometern bogen wir in die Pupplinger Au.

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Diese rauschende Flussbiegung schaltete in meinem Hirn sofort Marilyn Monroe an, wie sie „River of no return“ singt. Für instagram habe ich ein kleines Filmchen von der Ecke aufgenommen.

Am Pfad die Isar entlang nach Icking sahen wir viele Blumen, neben Buschwindröschen, Seidelbast, Josefsblümerl (hier gelernt, danke!), Schlüsselblumen, Huflattich auch diese Herrschaften.

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Gelbstern?

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Die unterste ernannte Herr Kaltmamsell zum Zombie-Edelweiß, diese Bezeichnung ist möglicherweise nicht botanisch belastbar. Mein Bestimmungsbuch ist wieder einmal unbrauchbar – ob wieder geneigte Leserinnen weiterhelfen können?

Zwischen Isar und Isarkanal weiter nach Schäftlarn.

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An dieser Vogelfutterstation sah ich sogar einen Grünspecht.

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Kloster Schäftlarn. Im Klosterbräustüberl machten wir Rast, wollten gerne ein Bier. Der Namen des Gasthauses hatte mich annehmen lassen, ich könnte ein hiesiges bekommen – leider nicht.

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Na gut, dann halt ein Dachauer Kellerbier.

Die einzige ernsthafte Steigung war die zum S-Bahnhof zurück, aber mit ein wenig Bier im Blut gut zu bewältigen.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch ein Krabben-Curry.

Journal Freitag, 25. März 2016 – Karfreitag mit Room

Samstag, 26. März 2016

Ich war bereits auf dem Weg ins Bad, um mich fürs Schwimmen fertig zu machen, als ich innehielt: Eigentlich wollte ich an diesem trüben Tag gar nicht raus. Ich blies die Schwimmpläne ab, wählte lieber sowas wie Erholung.

Seit Gründonnerstag beobachtete ich auf Twitter und Instagram, dass Ostern inzwischen vorgefeiert wird: Ab Gründonnerstag tauchen Bilder von gedeckten Ostertafeln auf, es werden Pinzen und Ostereier serviert, Osterfeuer angezündet, an Karfreitag wird „Frohe Ostern!“ gewünscht. Das mag damit zusammenhängen, dass immer mehr Menschen den religiösen Hintergrund der Feiertage nicht kennen, verdutzt mich aber dennoch. Vielleicht ziehen die Menschen aus Unkenntnis Parallelen zu Weihnachten, an dem man ja auch schon viele Tage vor Heilig Abend „Frohe Weihnachten“ wünscht? Wissen tatsächlich so wenige, dass die Tage vor Ostern mit anderen Ritualen besetzt sind? Selbst ich als sehr unreligiöser Mensch mag den von christlichen Mythen geprägten Rhythmus, nach dem an Gründonnerstag Grie Soß gegessen wird (und ich mich sogar noch zu gläubigen Zeiten mit Freunden zum Leben des Brian-Gucken traf), an Karfreitag Fisch – bei mir geht’s immer ums Essen. Nach dem in der Osternacht große Feuer angezündet werden.
Da sich aber auf Twitter bereits über Leute wie mich lustig gemacht wird, die darauf hinweisen, dass Karfreitag nicht Ostern ist, muss ich einsehen: Ich habe eine gesellschaftliche Entwicklung verschnarcht, „Ostern“ ist inzwischen halt diese vier freien Tage im Frühling, die komischerweise jedes Jahr an einem anderen Datum sind. Wahrscheinlich ist die seltsame Terminierung der einzige Umstand, der den einen oder die andere zur Verwunderung führt, woher diese Feiertage eigentlich kommen.

Ich mache mich darauf gefasst, dass schon dieses oder nächstes Jahr „Weihnachten“ halt diese vier Wochen im Dezember sind, in denen alles glitzert. Und dass ab dem 1. Advent „Frohe Weihnachten“ gewünscht werden.

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Ich machte mich an den wochenlang gewachsenen Bügelberg und hört dabei einen großartigen Podcast: Holger Klein aka @holgi hat sich für Bayern 1 mit der Braumeisterin des Klosters Mallersdorf unterhalten, Schwester Doris. Es geht darum, warum jemand ins Kloster geht, wie Bierbrauen funktioniert und um das Kloster Mallersdorf selbst. Allein Schwester Doris‘ Akzentmischung aus Fränkisch (unilaterales L ftw!), Oberbayrisch und Oberpfälzisch ist das Anhören wert – weniger Sprachinteressierte können von ihrem Humor und ihren klugen Reflexionen profitieren.

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Raus ging ich dann doch noch. Ich spazierte durch den Regen zu den Museumslichtspielen, um dort Room zu sehen. Von dem Film hatte ich zum ersten Mal gehört, als Brie Larson den Oscar für die beste Hauptdarstellerin bekam (und weiß jetzt auch, warum in der Show immer wieder die Meldodie von „Big Rock Candy Mountain“ gespielt wurde).

Ich war von Anfang an gefangen von der Erzählperspektive des Films: Er wird aus der Wahrnehmung des fünfjährigen Jack geschildert. Natürlich sehen wir erwachsene Zuschauerinnen viel mehr als er – zumal er ja sein ganzes Leben in einem winzigen Zimmer verbracht hat, dem titelgebenden room. Auch wenn schon der Trailer klar macht, dass Jack und seine Mutter dem Gefängnis entkommen, ist der Film spannend. Dadurch, dass er immer bei Jack bleibt, wir sehr Vieles nicht erklärt, Bilder und Geschehnisse verweben sich zu einer Welt mit unendlich vielen Geschichten. Großartiges Drehbuch, sensationelle Schauspielerinnen und Schauspieler, ein ganz kleiner, riesiger Film.

Die Besprechung im Guardian beschreibt das sehr gut:
„Room review – to see the world within four walls“.

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Während meiner Abwesenheit (auch auf dem Rückweg regnete es kalt) hatte Herr Kaltmamsell Abendessen zubereitet: Der Schweinbauch mit Datteln und Marsala ist vermutlich die am wenigsten karfreitägliche Speise, die man sich vorstellen kann, schmeckte aber köstlich.

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Wahrscheinlich werden mir hiermit alle polnischen Gene aberkannt.

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Fernsehabend: Ich sah mir den RTL-Spielfilm über die Dassler-Brüder an, Gründer der Sportmarken Adidas und Puma. Unter anderem weil ich vor Jahren die Kommunikationsleitung von einer der beiden Marken kennengelernt und von dieser viele haarsträubende Geschichten aus Herzogenaurach gehört hatte. So bekam ich zum Beispiel den Tipp, bei einem Termin bei einer der beiden Firmen Schuhe der anderen zu tragen: Die Wahrscheinlichkeit, dass mir umgehend neue Schuhe angeboten würden, sei hoch.

Den Film fand ich für eine deutsche Fernsehproduktion gar nicht schlecht, die Dialoge hätte man noch entfloskeln müssen („bei allem Respekt“ in einer Werkstattumgebung der 1930er beamte mich umgehend auf die Brücke der USS Enterprise).

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Jimmy Kimmel verdeutlicht in einem Gespräch mit Hillary Clinton mansplaining – und warum Frauen in Führungspositionen nur falsch auftreten können:
„Jimmy Kimmel ‚mansplaining‘ to Hillary Clinton was a perfect sendup of campaign trail sexism“.

Journal Sonntag, 31. Januar 2016 – The Danish Girl und Zweinutzungsgockel

Montag, 1. Februar 2016

Das Wetter machte auf richtig greislich: Schneeregen, Regen. Ich blieb zum Sport daheim: Eine Runde Bauchgymnastik bei Fitnessblender, ein Stündchen Crosstrainer.

Vormittagsvorstellung The Danish Girl im Citykino (ich kann mich kaum mehr erinnern, wann ich zuletzt in einer Abendvorstellung war). Das ist eines der drei Münchner Kinos mit handgemalten Plakaten. Draußen freute ich mich vor auf Hail, Caesar!:

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Die Wände des City 2 waren mit besonders schönen Plakaten vergangener Filme geschmückt.

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The Danish Girl gefiel mir sehr gut. Ich fand ihn eindringlich gemacht, gleichzeitig war ich von seiner Schönheit, seiner visuellen Opulenz fasziniert (Gretas Kleider ab Paris will ich ALLE) – die sich möglicherweise ein wenig zu sehr in den Vordergrund schob. Schon bei den ersten Bildern und den ersten Takten Musik war ich überzeugt, dass der Filmscore dafür nur von Alexandre Desplat stammen konnte: Volltreffer.
Alicia Vikander spielt umwerfend: Dieser zarte Mädchentyp ist völlig überzeugend eine souveräne, autarke und feministische Frau. Eddie Redmayne war schon eher nach Typ gecastet, machte seine Sache hervorragend. Zu meckern habe ich höchstens am Drehbuch, das vielleicht ein bisschen zu viel wollte.

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Gefrühstückt, Granola gemacht, Internet gelesen, gebügelt, Hähnchen zubereitet.

Der junge Metzger beim Herrmannsfdorfer am Viktualienmarkt hatte mich eindringlich darauf hingewiesen, dass das nicht das übliche Hähnchen sei, dass es bis zu vier Stunden fürs Garen brauchen könne. Aber das Fleisch sei unglaublich geschmacksintensiv. Ich möge es auch besser in einem Topf schmoren statt im Ofen zu braten, sonst könnte es trocken werden. Alles klar, sagte ich: Kann ich, mach ich.

Er erzählte dann, wie sie diese Rasse in Glonn mit viel Versuch und Irrtum gezüchtet hatten. Dass die italienische Einkreuzung gar nicht funktioniert habe, weil die Rasse so aggressiv gewesen sei. Mit der französischen Rasse seien sie dann zum Ziel gelangt.

Also zerteilte ich das Tier und briet es mit ein paar kleinen Zwiebeln (Ernteanteil) und Knoblauch in Olivenöl an, löschte mit Weißwein ab, gab ein wenig Rosmarin und ein wenig kochendes Wasser dazu. Dann Deckel drauf und bei 160 Grad in den Ofen. Nach anderthalb Stunden gab ich Kartoffeln (Ernteanteil) dazu, garte weitere anderthalb Stunden.

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Schmeckte wirklich sehr gut, aber eine Stunde weniger hätt’s auch getan.
Das eigentliche Problem: Der Preis. 38 Euro für einen 2-Kilo-Gockel werde ich so schnell nicht mehr zahlen. Zwar weiß ich, dass anständige Viehwirtschaft einen hohen Kilopreis nach sich zieht und bin bereit, 16 Euro (Stand des Konradhofs auf dem Klenzemarkt) bis 24 Euro (gewohnter Herrmannsdorferpreis) für einen großen Bratgockel zu zahlen. Aber das Zweinutzungskonzept kann mit dieser Preisstruktur nicht funktionieren.

Bis Mitternacht wach geblieben, um Eintrittkarten als Geburtstagsgeschenk zu reservieren.

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Arthurs Tochter macht sich Gedanken über das Verschieben von Freude:
„Für gut…
…FÜR NICHTS“

Selbst habe ich das als junge Erwachsene gelernt: Dass Dinge (vor allem Nahrungsmittel), die ich „für besondere Gelegenheiten“ aufhob, am End‘ verdarben und weggeworfen wurden. Seither ist die besondere Gelegenheit die, zu der ich wirklich Lust darauf habe. Fertig.

Gleichzeitig kenne ich noch Familien (ich komme aus einer Gegend und einer Gesellschaftsschicht, in der der Wunsch nach selbst gebautem Eigenheim zur Grundausstattung gehörte), die im Keller ihres selbst gebauten Eigenheims wohnten, der mit Gebrauchsmöbeln und einer voll funktionsfähigen Küche ausgestattet war. In der eigentlichen Wohnung mit edler Küche hatten die fabrikneuen Möbel im Wohnzimmer Plastiküberzüge, die nur für hohe Gäste abgenommen wurden. Normale Gäste, also zum Beispiel Freunde, die zum Kartenspielen vorbei kamen, saßen gemütlich mit im Keller. Nun bin ich wirklich die allerletzte, die Ahnung vom Lebenschöpfen hat (Sie erinnern sich: Ich würde lieber nicht) – aber diese Art von Stellvertreterleben finde ich schon sehr gruslig.
Bei mir bleiben nach Ableben wahrscheinlich immer noch zu viele Bücher (ich möchte mich schon jetzt bei den Menschen entschuldigen, die das ausmisten und wegwerfen müssen), aber ganz sicher nichts, das auf besondere Gelegenheiten wartet.

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Mary Beard (schon wieder, ich weiß) wünscht sich ein Revival des Kommentars „Ich stimme nicht zu“ – und zwar statt „Sie wissen nicht, wovon Sie sprechen“ oder „Ich bin enttäuscht von Ihnen“ (im deutschen Kommentar-Bingo würde ich ergänzen „Sie sollten sich schämen“). Denn „ich stimme nicht zu“, „ich bin anderer Meinung“ oder „das sehe ich anders“ ist eigentlich gemeint und wäre die konstruktive Einleitung des Gegenarguments. Aber dazu müssten die Diskussionsteilnehmer den Reflex bekämpfen, die Person statt das Argument anzugreifen.
„How to say ‚I disagree‘ in the 21st century“.

I’d like to observe just one thing. That it is possible to disagree over all kinds of things (tactics, short term aims etc) without being enemies. That’s life.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Januar 2016 – The Big Short

Sonntag, 17. Januar 2016

In den frühen Morgenstunden des Freitags erwischte mich eine Migräne. Ich konnte sie mit meinem Triptan-Nasenspray vor dem großen Kotzen brechen, brauchte aber Schlaf. Um nicht zu spät in die Arbeit zu kommen, ließ ich Kaffee und Schminken aus, nahm das Fahrrad (vorsichtiges Radeln, denn es hatte geschneit, die Radwege waren zum Teil vereist). Bis zum Abend war ich einigermaßen wiederhergestellt.

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Auf Samstag hatte es ernsthafter geschneit. Als ich nach langem Schlaf aufstand, schneite es immer noch. Das sah sehr nach einer Schwimmrunde im Dantebad aus, mit Schneeflockenkitzeln auf den Armen.

Doch beim Morgenkaffee missfielen mir die Aussicht auf den Hinweg und die Materialschlacht in der Umkleide immer mehr. Ich ließ das Schwimmen bleiben. Statt dessen folgte ich dem Tipp von jongleurin und probierte fitnessblender.com aus. Ich klickte an Ausstattung Hanteln an, als Trainingsschwerpunkt Total Body, mittleren Schwierigkeitsgrad und als Trainingslänge 20 bis 30 Minuten. Unter den Treffern suchte ich mir dieses Training aus (auch hier muss ich über „fat loss“ hinwegsehen). Anleitungsgemäß wärmte ich mich selbst auf und turnte dann die acht Übungen jeweils drei Runden lang mit. Gefielen mir gut, waren machbar, ich schwitzte ordentlich. Vielen Dank für den Tipp, das sieht nach Zukunft aus.
Allerdings werde ich mir dann doch eine Turnmatte besorgen: Nur Handtuch auf Parkett ist bei manchen Bodenübungen arg hart (z.B. Brücke: schmerzende Hals- und Brustwirbel).

Nachmittag spazierte ich ums Eck ins Kino: The Big Short (Trailer). Ein kleiner Film um eine große Sauerei, sah nach schmalem Budget und genau nicht großem Hollywoodkino aus. Zwar hieß es auch hier „nach einer wahren Begebenheit“, doch der Film erzählte herrlich gebrochen. Immer wieder sprachen die Figuren in die Kamera, zum Beispiel um darauf hinzuweisen, dass einer der hilfreichen Zufälle in der Handlung in Wirklichkeit gar nicht so passiert war. Es geht um die Subprime-Blase, die die US-amerikanische Wirtschaft in die Krise stürzte, mit ihr weite Teile der Weltwirtschaft – da werden fachliche Details schon mal kompliziert. Doch da sie für die Handlung essenziell sind, werden sie kurz außerhalb der Handlung freundlich und anschaulich erklärt – von echten Menschen wie vom Koch Anthony Bourdin oder dem Disney-Star Selena Gomez.
Ich schließe mich dem Urteil von SZ-Rezensenten Jörg Hentzschel an (auch wenn der Einstieg in seine Besprechung nicht stimmt: Nein, das knurrt nicht Brad Pitt, das steht als eingeblendetes Zitat auf der Leinwand – gibt es als Pendant zu voice over den Ausdruck write over? – zumindest nicht in der englischen Originalversion). Empfehlung.

Gestern vor zehn Jahren starb meine polnische Oma. Ich hatte meiner Familie ein Treffen aus diesem Anlass vorgeschlagen, doch die zog nicht recht. Also gedachte ich ihrer abends nur zusammen mit Herrn Kaltmamsell und mit einem Abendessen nach Omarezepten: Schweinhals aus dem Ofen (lässt sich vielleicht durch Ablöschen mit Bier verfeinern) und Kopytka.

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