Filme

Journal Sonntag, 31. Januar 2016 – The Danish Girl und Zweinutzungsgockel

Montag, 1. Februar 2016

Das Wetter machte auf richtig greislich: Schneeregen, Regen. Ich blieb zum Sport daheim: Eine Runde Bauchgymnastik bei Fitnessblender, ein Stündchen Crosstrainer.

Vormittagsvorstellung The Danish Girl im Citykino (ich kann mich kaum mehr erinnern, wann ich zuletzt in einer Abendvorstellung war). Das ist eines der drei Münchner Kinos mit handgemalten Plakaten. Draußen freute ich mich vor auf Hail, Caesar!:

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Die Wände des City 2 waren mit besonders schönen Plakaten vergangener Filme geschmückt.

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The Danish Girl gefiel mir sehr gut. Ich fand ihn eindringlich gemacht, gleichzeitig war ich von seiner Schönheit, seiner visuellen Opulenz fasziniert (Gretas Kleider ab Paris will ich ALLE) – die sich möglicherweise ein wenig zu sehr in den Vordergrund schob. Schon bei den ersten Bildern und den ersten Takten Musik war ich überzeugt, dass der Filmscore dafür nur von Alexandre Desplat stammen konnte: Volltreffer.
Alicia Vikander spielt umwerfend: Dieser zarte Mädchentyp ist völlig überzeugend eine souveräne, autarke und feministische Frau. Eddie Redmayne war schon eher nach Typ gecastet, machte seine Sache hervorragend. Zu meckern habe ich höchstens am Drehbuch, das vielleicht ein bisschen zu viel wollte.

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Gefrühstückt, Granola gemacht, Internet gelesen, gebügelt, Hähnchen zubereitet.

Der junge Metzger beim Herrmannsfdorfer am Viktualienmarkt hatte mich eindringlich darauf hingewiesen, dass das nicht das übliche Hähnchen sei, dass es bis zu vier Stunden fürs Garen brauchen könne. Aber das Fleisch sei unglaublich geschmacksintensiv. Ich möge es auch besser in einem Topf schmoren statt im Ofen zu braten, sonst könnte es trocken werden. Alles klar, sagte ich: Kann ich, mach ich.

Er erzählte dann, wie sie diese Rasse in Glonn mit viel Versuch und Irrtum gezüchtet hatten. Dass die italienische Einkreuzung gar nicht funktioniert habe, weil die Rasse so aggressiv gewesen sei. Mit der französischen Rasse seien sie dann zum Ziel gelangt.

Also zerteilte ich das Tier und briet es mit ein paar kleinen Zwiebeln (Ernteanteil) und Knoblauch in Olivenöl an, löschte mit Weißwein ab, gab ein wenig Rosmarin und ein wenig kochendes Wasser dazu. Dann Deckel drauf und bei 160 Grad in den Ofen. Nach anderthalb Stunden gab ich Kartoffeln (Ernteanteil) dazu, garte weitere anderthalb Stunden.

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Schmeckte wirklich sehr gut, aber eine Stunde weniger hätt’s auch getan.
Das eigentliche Problem: Der Preis. 38 Euro für einen 2-Kilo-Gockel werde ich so schnell nicht mehr zahlen. Zwar weiß ich, dass anständige Viehwirtschaft einen hohen Kilopreis nach sich zieht und bin bereit, 16 Euro (Stand des Konradhofs auf dem Klenzemarkt) bis 24 Euro (gewohnter Herrmannsdorferpreis) für einen großen Bratgockel zu zahlen. Aber das Zweinutzungskonzept kann mit dieser Preisstruktur nicht funktionieren.

Bis Mitternacht wach geblieben, um Eintrittkarten als Geburtstagsgeschenk zu reservieren.

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Arthurs Tochter macht sich Gedanken über das Verschieben von Freude:
„Für gut…
…FÜR NICHTS“

Selbst habe ich das als junge Erwachsene gelernt: Dass Dinge (vor allem Nahrungsmittel), die ich „für besondere Gelegenheiten“ aufhob, am End‘ verdarben und weggeworfen wurden. Seither ist die besondere Gelegenheit die, zu der ich wirklich Lust darauf habe. Fertig.

Gleichzeitig kenne ich noch Familien (ich komme aus einer Gegend und einer Gesellschaftsschicht, in der der Wunsch nach selbst gebautem Eigenheim zur Grundausstattung gehörte), die im Keller ihres selbst gebauten Eigenheims wohnten, der mit Gebrauchsmöbeln und einer voll funktionsfähigen Küche ausgestattet war. In der eigentlichen Wohnung mit edler Küche hatten die fabrikneuen Möbel im Wohnzimmer Plastiküberzüge, die nur für hohe Gäste abgenommen wurden. Normale Gäste, also zum Beispiel Freunde, die zum Kartenspielen vorbei kamen, saßen gemütlich mit im Keller. Nun bin ich wirklich die allerletzte, die Ahnung vom Lebenschöpfen hat (Sie erinnern sich: Ich würde lieber nicht) – aber diese Art von Stellvertreterleben finde ich schon sehr gruslig.
Bei mir bleiben nach Ableben wahrscheinlich immer noch zu viele Bücher (ich möchte mich schon jetzt bei den Menschen entschuldigen, die das ausmisten und wegwerfen müssen), aber ganz sicher nichts, das auf besondere Gelegenheiten wartet.

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Mary Beard (schon wieder, ich weiß) wünscht sich ein Revival des Kommentars „Ich stimme nicht zu“ – und zwar statt „Sie wissen nicht, wovon Sie sprechen“ oder „Ich bin enttäuscht von Ihnen“ (im deutschen Kommentar-Bingo würde ich ergänzen „Sie sollten sich schämen“). Denn „ich stimme nicht zu“, „ich bin anderer Meinung“ oder „das sehe ich anders“ ist eigentlich gemeint und wäre die konstruktive Einleitung des Gegenarguments. Aber dazu müssten die Diskussionsteilnehmer den Reflex bekämpfen, die Person statt das Argument anzugreifen.
„How to say ‚I disagree‘ in the 21st century“.

I’d like to observe just one thing. That it is possible to disagree over all kinds of things (tactics, short term aims etc) without being enemies. That’s life.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Januar 2016 – The Big Short

Sonntag, 17. Januar 2016

In den frühen Morgenstunden des Freitags erwischte mich eine Migräne. Ich konnte sie mit meinem Triptan-Nasenspray vor dem großen Kotzen brechen, brauchte aber Schlaf. Um nicht zu spät in die Arbeit zu kommen, ließ ich Kaffee und Schminken aus, nahm das Fahrrad (vorsichtiges Radeln, denn es hatte geschneit, die Radwege waren zum Teil vereist). Bis zum Abend war ich einigermaßen wiederhergestellt.

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Auf Samstag hatte es ernsthafter geschneit. Als ich nach langem Schlaf aufstand, schneite es immer noch. Das sah sehr nach einer Schwimmrunde im Dantebad aus, mit Schneeflockenkitzeln auf den Armen.

Doch beim Morgenkaffee missfielen mir die Aussicht auf den Hinweg und die Materialschlacht in der Umkleide immer mehr. Ich ließ das Schwimmen bleiben. Statt dessen folgte ich dem Tipp von jongleurin und probierte fitnessblender.com aus. Ich klickte an Ausstattung Hanteln an, als Trainingsschwerpunkt Total Body, mittleren Schwierigkeitsgrad und als Trainingslänge 20 bis 30 Minuten. Unter den Treffern suchte ich mir dieses Training aus (auch hier muss ich über „fat loss“ hinwegsehen). Anleitungsgemäß wärmte ich mich selbst auf und turnte dann die acht Übungen jeweils drei Runden lang mit. Gefielen mir gut, waren machbar, ich schwitzte ordentlich. Vielen Dank für den Tipp, das sieht nach Zukunft aus.
Allerdings werde ich mir dann doch eine Turnmatte besorgen: Nur Handtuch auf Parkett ist bei manchen Bodenübungen arg hart (z.B. Brücke: schmerzende Hals- und Brustwirbel).

Nachmittag spazierte ich ums Eck ins Kino: The Big Short (Trailer). Ein kleiner Film um eine große Sauerei, sah nach schmalem Budget und genau nicht großem Hollywoodkino aus. Zwar hieß es auch hier „nach einer wahren Begebenheit“, doch der Film erzählte herrlich gebrochen. Immer wieder sprachen die Figuren in die Kamera, zum Beispiel um darauf hinzuweisen, dass einer der hilfreichen Zufälle in der Handlung in Wirklichkeit gar nicht so passiert war. Es geht um die Subprime-Blase, die die US-amerikanische Wirtschaft in die Krise stürzte, mit ihr weite Teile der Weltwirtschaft – da werden fachliche Details schon mal kompliziert. Doch da sie für die Handlung essenziell sind, werden sie kurz außerhalb der Handlung freundlich und anschaulich erklärt – von echten Menschen wie vom Koch Anthony Bourdin oder dem Disney-Star Selena Gomez.
Ich schließe mich dem Urteil von SZ-Rezensenten Jörg Hentzschel an (auch wenn der Einstieg in seine Besprechung nicht stimmt: Nein, das knurrt nicht Brad Pitt, das steht als eingeblendetes Zitat auf der Leinwand – gibt es als Pendant zu voice over den Ausdruck write over? – zumindest nicht in der englischen Originalversion). Empfehlung.

Gestern vor zehn Jahren starb meine polnische Oma. Ich hatte meiner Familie ein Treffen aus diesem Anlass vorgeschlagen, doch die zog nicht recht. Also gedachte ich ihrer abends nur zusammen mit Herrn Kaltmamsell und mit einem Abendessen nach Omarezepten: Schweinhals aus dem Ofen (lässt sich vielleicht durch Ablöschen mit Bier verfeinern) und Kopytka.

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Journal Samstag, 26. Dezember 2015 – Nizza 1

Sonntag, 27. Dezember 2015

Nizza! Der Himmel vereinbarungsgemäß blau, die Sonne strahlend, die Luft lau, die Ferienwohnung wunderschön, die Gassen wuslig weihnachtlich.

Erst mal Freude über freie Sicht den ganzen Flug über.

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München ist wirklich nicht besonders groß.

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Die Alpen machen als Wintersportgebiet erst mal Pause.

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Monte Carlo.

Mit dem Linienbus nach Nizza hinein (der Flughafen ist hier so zentral wie der Münchner weit weg ist), Schlüsselübergabe für die Ferienwohnung unterm Dach in der Altstadt.

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Ausblick vom Balkon.

Eine Runde Lebensmitteleinkäufe gleich im Viertel, der 26. Dezember ist hier kein Feiertag. Unterwegs die erste Socca (Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl) auf die Hand, köstlich. Schlendern durch Gassen und Prachtstraßen Nizzas: Wiedersehen mit bekannten Ecken, Entdecken neuer.

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Sonnenuntergang an der Promenade inmitten vieler, vieler anderer Menschen.
Viele Möwen und Tauben, Starenschwärme in Bäumen. Das kleine dunkle Geflatter an der Promenadenmauer waren dann doch Fledermäuse. Sie begleiteten uns auch in das Village de Noël: ein Christkindlmarkt im umzäunten Stadtpark. An der Pforte standen Sicherheitsleute, die alle Taschen kontrollierten, manche auch ganzkörpercheckten, die Zeiten haben sich geändert.

Das Weihnachtsdorf war deutlich ans deutsche Vorbild angelehnt: Viel Krimskrams und Kunsthandwerk. Es gab zwar keine Bratwurst, dafür Churros mit einem Töpfchen Nutella zum Dippen.

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Mit Palmen wirkt so ein Christkindlmarkt eigentlich authentischer.

Fernsehabend: Es kamen drei Folgen aus der letzten Staffel Downton Abbey mit französischen Untertiteln. Ich fühle mich zumindest in diesem Bildungspunkt aufgefrischt.

Dass die Ferienwohnung nicht allzu ruhig sein würde, hatte ich mir schon gedacht: Sie liegt an einem kleinen Platz mit vielen Straßenlokalen, da tönt bis spät in die Nacht Menschenlärm. Ich habe Ohropax dabei. Überrascht war ich allerdings vom Glockenlärm der benachbarten Kirche (Luftlinie Schlafzimmer-Glocke ca. 10 Meter) – dabei habe ich doch ein Semester in Augsburg in ähnlicher Entfernung zu einer Kirchenglocke gewohnt und hätte es besser wissen müssen.

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Das Rätsel guter schlechter Filme. Christopher Orr nimmt Love actually auseinander: Orr hatte ihn schon bei Kinostart verrissen und rauft sich jetzt die Haare, warum ausgerechnet dieser Film ein Weihnachtsklassiker geworden ist:
Love Actually Is the Least Romantic Film of All Time“.

Ich gebe Orr in praktisch jedem Punkt recht – und liebe den Film trotzdem.

Journal Samstag, 14. November 2015 – Weltereignisüberschattung

Sonntag, 15. November 2015

Noch bevor ich den Rechner aufgeklappt hatte, holte ich die Süddeutsche herein – und erfuhr zum ersten Mal seit Jahren von einem Weltereignis aus der Tageszeitung.

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Alle Pläne fahren lassen, erst mal hinterhergelesen, was da passiert war, genauer: was man zu diesem Zeitpunkt darüber wusste. Große Niedergeschlagenheit, gleichzeitig Angst, dass diejenigen den Terroranschlag würden büßen müssen, die vor genau solchem Terror geflohen sind.

Irgendwann doch zum Laufen aufgerafft, vielleicht würde mich das beruhigen.

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Half nicht wirklich. Außerdem ärgerte ich mich, dass meine Laufschuhe nach gerade mal zwei Jahren Nutzung im Schnitt alle zwei Wochen bereits auseinander fallen. Ich habe nachgerechnet: Das waren etwa 1.150 Kilometer. Muss ich mich damit etwa genauso abfinden wie mit abfallenden Wanderschuhsohlen? Diese Laufwebsite nennt 500-1000 Kilometer als Lebensdauer – schaut wohl so aus. Zefix.

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Nach dem Frühstück versuchte ich es mit therapeutischem Bügeln.

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Als ich dabei dieses Etikett im neuen Oberteil von Manomama entdeckte, war ich sehr gerührt.

Zum Cinema in die Nachmittagsvorstellung des neuen Bond-Märchens Spectre geradelt. So wenig ich die Begeisterung für die Star Wars-Reihe nachvollziehen kann (was ich allerdings noch deutlich besser kann als die Begeisterung für Lord of the Rings): Ich mag den James-Bond-Kosmos schon sehr. Eigenartigerweise durfte ich Bond-Filme schon verhältnismäßig jung fernsehen (Sie erinnern sich: Mein TV-Konsum war sehr reglementiert und verknappt.), und während meine Mutter neben mir nicht müde wurde sich zu echauffieren, wie „völlig unrealistisch“ und „so ein Schmarrn“ die Filme waren, war ich angezogen von der 007-Coolness und
-Lebensart. Gestern genügte bereits wieder der swagger, mit dem Bond auf den mexikanischen Mauern zum Töten geht, und ich beschloss sofort, mir genau diesen Gang anzutrainieren.

Ansonsten: Ja, schon ein ganz guter Bond. Ich fand ihn nicht so gut wie Skyfall, doch auch diesmal bekam ich einiges geboten. Immer wieder begeistert bin ich vom aktuellen Q, Ben Wishaw (kennengelernt im Remake von Brideshead Rivisted). Verschwendet fand ich Christoph Waltz als Bösewicht – da hatten wir schon interessanter gezeichnete. Und wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, wie Madeleine im Hotelzimmer in Tangier im Kleid einschlafen und im Nachthemd aufwachen kann?
Selbstverständlich bis zum Schluss des Abspanns sitzengeblieben: Wir Alten wissen, dass ein Bond erst zu Ende ist, wenn „James Bond will return“ auf der Leinwand steht. In Zeiten des abspannlosen Fernsehens geht dieses Wissen wahrscheinlich verloren.

Journal Samstag, 17. Oktober 2015 – Genesung bei A Royal Night Out

Sonntag, 18. Oktober 2015

Mich den ganzen Vormittag gegrämt, dass ich im Bett lag, statt auf einer Leiter im Apfelbaum zu stehen: Was hatte ich mich seit Monaten auf die Apfelernte mit dem Kartoffelkombinat in Schönbrunn gefreut! Aber das stand gesundheitlich völlig außer Diskussion. Überm Morgenkaffee sah ich auch noch, dass der Himmel aufriss. Jetzt wurde ich wirklich ärgerlich, das Konzept Krankheit erschließt sich mir immer weniger.

Mit hängenden Flügeln kehrte ich zurück ins Bett – und stand 30 Minuten später darin senkrecht: Vor dem (geschlossenen) Schlafzimmerfenster fand ein Raudauwettbewerb zwischen mehreren Rasenmähern und Laubbläsern statt. Also erklärte ich die Bettruhe für beendet – mir ging es auch schon bedeutend besser. Ich duschte und kleidete mich an, aß viel Hühnersuppe.

Neil Gaimans Coraline ausgelesen – ich brauchte nach der unwilligen und anstrengenden Lektüre von Amos Oz‘ Black Box (so ein überzeichneter, überkandidelter Schmarrn) dringend garantierten Lesegenuss. Funktionierte wunderbar.

Die beiden Balkonpflanzen hereingeholt.

Ich fühlte mich fit genug für ein wenig draußen und blätterte im Kinoprogramm: von A Royal Night Out hatte ich mal einen Trailer gesehen, der unterhaltsam wirkte, ich fuhr brav mit der Straßenbahn in die Museumslichtspiele (statt wie sonst mit dem Rad oder zu Fuß hinzukommen). Ein netter Film (die Bilder aus dem Trailer stammen übrigens zu 80% aus den letzten 10 Minuten des Films), zu einem etwas seltsamen Erzähltempo geschnitten. Hat jemand die deutsch synchronisierte Version gesehen und kann mir sagen, wie die überdeutliche Einordnung der Figuren durch ihre Akzente gerettet wurde? Im Englischen musste eine Figur ja nur den Mund aufzumachen und war klar working class oder middle class – die Prinzessinnen mussten praktisch nur husten, um sie als upper class zu markieren (plus Missverständnisse im Vokabular – „to go to the ladies“, hihi).

Auf dem (brav langsamen) Weg zurück zur Straßenbahnhaltestelle gesehen, dass die Isar überraschend wenig Wasser führt.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell das Suppenhuhn in Geflügelsalat verwandelt (mit Fenchel aus dem Ernteanteil, Nachbars Walnüssen und Ananas aus der Dose).

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Es wird einen Schulfilm übers Bloggen geben, in dem ich etwas sage – und hinter mir sieht man vorm Fenster ein Eichhörnchen einen Ast entlangrennen. My work is done.

Journal Sonntag, 11. Oktober 2015 – Inside Out

Montag, 12. Oktober 2015

Nach dem Bloggen (wenn ich endlich lernte, den Fotoapparat gerade zu halten, dauerte die Bildbearbeitung deutlich kürzer) zum Sport an den Ostbahnhof geradelt, sehr viel Spaß in einer Stepstunde gehabt. Vorturner hatte neue Musik dabei: Er verwendet sowie so nie den Standard-Kirmestechno, diesmal aber war es durchgehend wunderbarste Rentnerinnenmusik (Bonnie Tyler, Gloria Gaynor, Flashdance etc.).

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Auf Rückweg dann doch in die Verkehrssperren wegen des Münchenmarathons geraten, obwohl ich die Strecke vorher recherchiert und ohnehin einen Umweg gewählt hatte.

Nach dem Frühstück ins Kino: Inside Out. Ich hatte mich seit dem Trailer auf den Film gefreut und fand ihn großartig. (Allerdings: Könntet ihr das mit dem penetranten 3D endlich mal lassen? Nein, das braucht es nicht unbedingt! Und die Brille über der Brille drückt.) Ich mochte die Hauptfigur Riley sehr, unter anderem weil sie in erster Linie ein Kind ist, nicht ein Mädchen. Die Gefühle Joy, Fear, Anger, Disgust und Sadness sind wunderbar gezeichnet und geführt. Sprecherin ist erst mal Joy – naheliegend bei einer unbeschwerten 10-Jährigen.

Von Sadness weiß Joy nicht so recht, wozu sie gut sein sein soll. Als die Umstände etwas unangenehmer werden (Umzug in eine fremde große Stadt) taucht Sadness immer häufiger auf, entschuldigt sich aber ständig dafür und dass sie den anderen alles kaputt macht. Joy erinnert in ihren Anfeuerungsrufen („let’s have fun!“, „think positive!“) immer mehr an die Animateurin im Camp Chippewa der Addams Family (oder an Autorinnen von Lebenshilfe-Bestsellern). Was passiert, wenn Sadness keine Rolle spielen darf, hat Pixar ebenso wie die neurologische Struktur des Menschen wunderbar in Bilder und Metaphern übersetzt.

Empfehlung!

Auf dem Rückweg geriet ich in den Absperrungen wegen des Open Airs am Königsplatz – das hatte ich als Verkehrshindernis nicht auf dem Schirm gehabt.

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Rote Beete (Ernteanteil) und Linsen gekocht, um diesen Salat nachzubauen, für Brotzeit und Abendessen am Montag.

Herr Kaltmamsell bereitete das Abendbrot zu: Wirsing und Kartoffeln aus Ernteanteil, Grünkohlwürste von der Metzgerei Clasen.

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Möglicherweise habe ich Ihnen noch nicht oft und breit genug von Ronald Blythes Akenfield vorgeschwärmt. Also nutze ich den Umstand, dass eine US-amerikanische Neuauflage herauskommt, mit diesem neuen Vorwort:
„Portrait of an English Village“.

The experience of reading Akenfield feels like standing before a rich but outwardly inaccessible painting and finding its deepest beauties slowly emerge, both as individual details and as a unified whole. Blythe’s first wish had been to be a painter, after all, and it’s no accident that Akenfield is subtitled Portrait of an English Village.

(…)

The great subject of Akenfield, and the reason it remains such a vital book to read now, even in America, thousands of miles from its milieu, is the ways people grapple with changes in the patterns of life in their own time—whether through social flux, cultural variation, demographic shifts, technological progress, environmental degradation, or some combination. Blythe recognized that under the placid surface of a place as seemingly unchanging as Akenfield lay a clash of virtual tectonic plates, as a class-riven, tradition-bound, nearly feudal community began to erupt and fissure.

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Überraschend unblödeliges Interview:
„Titanic“-Chef: ‚Ich bin traurig, dass Benedikt nicht mehr Papst ist'“

STANDARD: Ein Religionsvergleich: Wer bietet am meisten Reibungsfläche?

Wolff: Beim Islam ist das Problem, dass es keinen irdischen Vertreter gibt. Klar kann man auch Scherze mit Mohammed treiben, der ist aber schon lange tot, und wir konzentrieren uns lieber auf das Irdische. Und ich muss gestehen, hier in Deutschland benehmen sich die Muslime gut. Sie liefern uns nicht genügend Stoff für Satire. Jetzt im Ernst: In Deutschland und Österreich haben die katholische und die evangelische Kirche einen ganz anderen politischen Einfluss als der Islam und bleiben deswegen unser Hauptziel. Und Juden haben wir praktisch keine. Über wen sollen wir da noch Witze machen?

Journal Samstag, 10. Oktober 2015 – Bizarre Laufbegegnung

Sonntag, 11. Oktober 2015

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Ich hatte gerades diese Foto aufgenommen und setze an zum Weiterlaufen. Da schimpfte neben mir eine eben überholende Läuferin völlig aufgebracht: „Ja klar, genau wenn ich neben dir bin, läufst du wieder los!“, drehte um und lief zurück. In Laufkleidung und mit Baseballmütze über den langen Haaren wirkte sie wie eine ganz normale Isarläuferin. Verdutzt schaute ich mich um: Es war sonst niemand zu sehen, sie musste mich gemeint haben. Oder telefonierte sie gerade? Unwahrscheinlich.

Ich lief weiter, wunderte mich, welche Läuferetikette ich möglicherweise verletzt hatte, beruhigte mich aber und genoss weiter die bunten Herbstauen der Isar südlich des Tierparks.

Etwa 15 Minuten später überholte die Frau wieder, diesmal beschimpfte sie mich direkt laut: „Blöde Kuh! MANN, ist das ein Gerumpel. Blöde Kuh!“ Jetzt lief ich dann aber doch vor zu ihr: „Womit habe ich Sie denn verärgert?“

Sie blieb stehen:
„Wegen dir habe ich schon zweimal anhalten müssen!“

„Aber was habe ich Ihnen denn getan?“

Jetzt machte sie einen aggressiven kleinen Schritt auf mich zu:
„Geh weg! Lass mich in Ruh!“
Sie trat wieder etwas zurück, sah an mir herunter. „Nimm mal ab! Mit deiner Wampe!“

Das brachte mich dann doch zum herzhaften Lachen. Sie lief weiter.

Das Dumme: Obwohl klar war, dass die Dame ein gesundheitliches Problem hatte (war gestern nicht sogar World Mental Health Day?), hatte sie mich sehr wütend gemacht (ich hätte mich gerne mit ihr geschlagen). Woran könnte ich nur schrauben, um auf solche Angriffe kranker Menschen nicht mit Wut, sondern mit Erbarmen zu reagieren?

Sonst war der Herbstlauf in leichtem Nebel wunderschön und unbeschwert (ich zahlte erst nach dem Duschen mit heftigen Hüftschmerzen dafür – vielleicht ist das ja gar nicht mein krummes Kreuz, sondern ich habe wie Stephen Fry Piriformis Syndrom?)

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Die Brudermühlbrücke wird gerade wieder frisch angemalt, manche Flächen sind erst grau grundiert, manche schon fertig.

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Morgens hatte ich Maisbrot gebacken, wieder in Kooperation mit Herrn Kaltmamsell (ich erledigte alles inklusive Start der Stückgare, Herr Kaltmamsell Vorheizen, Einschießen und Backen).

Das Ergebnis war ok (ich war nur an dem Rezept hängen geblieben, weil wir noch Maismehl im Haus hatten), unterm Strich aber zu wenig besonders für einen Nachbackwunsch.

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Zum Abendessen machte ich David Lebovitz‘ Meatball Sandwichs – weil uns daran vor allem die Fleischklößchen und der geschmolzene Käse geschmeckt hatten, gab es sie im Schüsselchen mit Provolone überbacken und ohne Brot.

Nach der Tagesschau stolperten wir in die West Side Story-Verfilmung von 1961. Ich kannte die Musik von Kindesbeinen an, die Schallplatte mit dem Sound Track gehörte zu den wenigen Platten meiner Eltern. Das reduzierte Design des Covers hat sich mir tief eingeprägt, die Musik kenne ich bis ins Detail – schon als Kind merkte ich, wie anders sie war als alles andere, was ich sonst mitbekam; an den komplexen Rhythmen konnte ich mich nicht satt hören. Gestern fiel mir wieder ein, dass meine Mutter mir die Handlung der West Side Story detailliert erzählte, inklusive der Erklärung, dass sie eine moderne Version der Geschichte von Romeo und Julia sei und wo die Parallelen lagen. Das Musical war also meine erste Begegnung mit Shakespeare.
Den Film selbst sah ich erst sehr viel später als Erwachsene. Und als ich dann an der Uni endlich auch das Vorbild Romeo and Juliet las, war ich enttäuscht: Zwei doofe Teenager in pubertären Gefühlsstürmen.

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„Flüchtlinge zeigen, was sie mit Deutschland verbinden“.

via… Ach, wissen Sie was? Ich mach’s mir einfach: Schaun Sie einfach zu Herrn Buddenbohm, der hat diesen und viele andere, durchwegs verfolgenswerte Links zu Flucht und Fremdenfeindlichkeit gesammelt.

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Die Coen Brothers! Clooney in einer weiteren Deppenrolle! SWINTON! Busby-Berkeley-Wasserchoreografien! Scarlett Johansson! Frances MacDormand! Tanzeinlagen! Was kann da schon schief gehen?!