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Journal Montag, 16. Januar 2017 – Schnee statt Licht

Dienstag, 17. Januar 2017

Ein weiterer Tag mit viel Schnee, aber was soll ich sagen: Ich fange an, mich zu gewöhnen. Nach der Rückkehr von Mallorca fand ich das Winterding abscheulich, doch jetzt, in Weiß und bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, finde ich es ganz ok. Weiterhin bevorzuge ich, schnell und ohne lange Anziehgymnastik aus dem Haus gehen zu können, warme Sonne auf der Haut zu spüren, Blüten und Laub zu sehen. Aber der Schnee macht tatsächlich die Dunkelheit ein wenig wett.

Arbeitsweg.

Arbeitstag.

Abends stellte Herr Kaltmamsell Asiatisches zusammen, inklusive mit Krabben gebratenem Hackfleisch, Korianderblättern, Karotten- und Lauchstiften, dazu asiatische Sößchen aus der Flasche, was wir zum einen zu Reispapierröllchen falteten, zum anderen mit Glasnudeln zu Salat vermischten.

Dazu und einfach zur Feier des Tages öffneten wir das Mitbringsel des Luxemburger Gasts von Dezember:

Den Luxemburger Crémant Alice Hartmann, der uns beiden tatsächlich so sensationell schmeckte wie angekündigt, sanfte Blüten und Früchte, nicht knochen-, sondern lediglich trocken. Wir recherchierten sofort eine Bezugsquelle und bestellten ein Kistchen.

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Der beste Carrie Fisher-Nachruf, den ich gelesen habe, stammt von der Blogess:
„Stay afraid. But do it anyway.“

Journal Sonntag, 15. Januar 2017 – Sonntagsschnee mit Bügeln

Montag, 16. Januar 2017

Gestern war ein Bilderbuch-Schneetag: Es schneite immer wieder, der Himmel war bunt und ließ zwischen den Schneeschauern auch mal die Sonne durch. Postkartenlandschaft erzeugte er allerdings nicht, dazu war es zu windig und zu mild.

Ich ging zu Fuß zum Ostbahnhof für eine Runde Sport.

Eine halbe Stunde Krafttraining und eine Stunde Step Aerobics später spazierte ich zurück.

War mir schon bei meinem samstäglichen Isarlauf aufgefallen: Der Sturm in der Woche zuvor scheint heftiger gewesen zu sein, als mir bislang bewusst war.

Nach ausgiebigem Frühstück Wäscheversorgung: Zwei Maschinen gewaschen und getrocknet, zwei Stunden brav gebügelt, auch im Winter muss es irgendwann sein, Bett frisch überzogen. Dazu Filmmusik: Erst La La Land, dann Grand Budapest Hotel.

Herr Kaltmamsell kochte zum Nachtmahl Paneer-gefüllte Auberginenröllchen mit roten Linsen (und Senfkörnern, Curry, Spinat, gebratenen Curryblättern und Koriander) – sehr köstlich.
(Und zack! Wieder ein Wochenende unabsichtlich vegetarisch. Was halt passiert, wenn man wirklich gerne isst, praktisch alles.)

Journal Samstag, 14. Januar 2017 – Schneelauf

Sonntag, 15. Januar 2017

Zu Milchkaffee begann ich den Tag nach Ausschlafen mit ausführlichem Bloggen und Twitterlesen, als der Kaffee leergetrunken war, machte ich mir Tee.

Ich hatte mich auf einen Isarlauf gefreut, noch dazu hatte die Wettervorhersage eine Schneeapokalypse angekündigt – also das, was wir früher Schneien nannten. Vormittags schneite es tatsächlich ein wenig, doch als ich mich auf den Weg machte, hatte es bereits aufgehört. So blieb es auch bis auf ein paar Minuten am Nachtmittag.

Auch über die dünne Schneedecke war ich froh, weil sie die darunter zum Teil gefrorenen Wege griffig machte. Ich rutschte nur einmal aus und fiel auch gleich hin: Über den Weg an der Isar auf Höhe Aumeister war ein Auto gefahren, die Reifen hatten eine glatte Spur hinterlassen (alles gut, wird halt einen blauen Fleck am Knie ergeben).

Ich hatte meine Route über Hofgarten und Englischen Garten gelegt, weil ich gelesen hatte, dass der Monopteros fertigsaniert ist und wieder ganz frei liegt.

Zwei berittenen Polizistinnen begegnet, die sehr fröhlich wirkten, wir lachten einander an.

Straßenbahnfahrt vom Tivoli nach Hause, ordentlich Pokéstops geräumt.

Endlich beendete Menstruation zehn Tage böse Brustschmerzen. Gegen die Unterleibskrämpfe gleich mal Ibu eingeworfen – das praktischerweise die Folgen des Zweistundenlaufs (Achillessehnen, Hüfte) mitversorgte.
(Menopause, mach hinne!)

Amaretti gebacken (ich hatte drei Eiweiß übrig von der Crème brûlée, von der Donnerstagabend ich für gestern die halbe Menge gemacht hatte).

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell aus dem Hokaido des Ernteanteils Kürbislasagne nach Don Dahlmann zu.

Abendunterhaltung war eine hervorragende ARD-Doku über das Dark Net: Unvoreingenommen und offen, viel Hintergrund, aufwendig mit vielen Selbstversuchen und Beispielen mit Interviews vor Ort, ohne Polarisierung.

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Richard Rauch, Katharina Seiser, Die Jahreszeiten Kochschule Winter fertiggelesen. Ich bin unsicher, an wen sich das Konzept des Buchs richtet: Einerseits an Leute, denen man in den Warenkunde-Kapiteln erklären muss, dass Pastinaken echt gut sind und welche Teile vom Rind sich zum Brühekochen eignen. Andererseits an Menschen, die mit Yuzu-Saft und Verjus hantieren, daheim Gerichte mit Schäumen servieren und denen man nicht mehr zeigen muss, wie man Fisch filetiert. Am attraktivsten fand ich die Hefeteigrezepte. An den drei Menüzusammenstellungen möchte ich den Zeitplan loben – inklusive dem Schritt „Umziehen (ab jetzt Küchenkleidung nicht mehr nötig)“. Und das Zitronen-Rahmherz hatte wirklich köstlich geschmeckt.

Als Erstes hatte ich übrigens das Grundrezept Mayonnaise nachgeblättert: Jede andere Methode als die Idiotenmethode hätte das Buch für mich unglaubwürdig gemacht.

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Aus der Süddeutschen:
„München wird immer sicherer – und die Menschen immer ängstlicher“.

Was mich halt immer hilflos macht.

Journal Freitag, 13. Januar 2017 – Tod des britischen curry house und wie geht’s der deutschen Dönerkultur?

Samstag, 14. Januar 2017

Derzeit wieder großes Was-soll-bloß-aus-mir-werden. Und alles in mir mit Ausweichmanövern beschäftigt, um keine Konsequenzen ziehen zu müssen.

Die Tage werden spürbar länger; selbst beim gestrigen schlechten Wetter war es auf dem Heimweg um fünf noch nicht ganz dunkel. Derzeit ist Winter, wie er in unseren Breiten eigentlich normal ist – in den vergangenen Jahren aber nicht vorkam (was mir ja sehr recht war). Die großen Medien machen aus den Begleiterscheinungen eine solche Sensation, dass man nur mit Sarkasmus reagieren kann.

Zum Nachtmahl kochte ich einen Eintopf aus Ernteanteilteilen dieser Woche (Zwiebeln, Rote Bete, Kartoffeln, Lauch) plus Gemüsebrühe und Ingwer.

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Indische Restaurants sind für mich so britisch wie das pub quiz. Da ich mein Auslandsjahr im Studium 1991/1992 in Wales und nicht in England verbrachte, lernte ich sie zwar erst später gründlich kennen, doch dass sie Teil der britischen Kultur waren, sah ich überall.
Das scheint sich zu ändern.
„Who killed the great British curry house?“

Via @konstantinleben

Dieser sehr ausführliche Artikel (aka Longread) von Bee Wilson verdeutlicht mal wieder, wie eng gesellschaftliche Entwicklung und Kulinarik verwoben sind.

Though hardly acknowledged by restaurant critics, except for mocking asides about their red flock wallpaper, curry houses were one of the great successes of the postwar restaurant industry in Britain. In her 2005 book Curry: A Biography, the historian Lizzie Collingham argued that the Sylheti curry cooks converted “unadventurous British palates” to a new flavour spectrum. Goodbye, mince and potatoes; hello, chicken bhuna. “More than any other ethnic food,” Collingham wrote, “the British have made curry their own.”

Doch die zweite und dritte Generation ist (wie meist von den eingewanderten Eltern erträumt) gesellschaftlich aufgestiegen und hat einen Berufsweg außerhalb der Gastronomie gewählt, zudem schneiden verschärfte Einwanderungsgesetze den Zufluss neuen Personals ab.

Ever since the Conservative-Liberal Coalition assumed power in 2010, with David Cameron elected on an impossible pledge to reduce net migration into Britain to the “tens of thousands”, the Bangladeshi Caterers’ Association (BCA), of which Oli Khan is senior vice-president, has warned of a curry crisis. The BCA says that if nothing is done to support the industry, as many as a third of Britain’s curry houses – around 4,000 in total – will close over the next couple of years.

(…)

For a few decades from the 1970s to the 2000s, the curry house – like its high street companion, the pub – looked like a permanent feature of British life; maybe even an emblem of Britishness itself. Yet it is now clear that our passionate relationship with these restaurants was a product of particular circumstances. For the high street curry house to flourish in its classical form, British tastes needed to stay fixed and south Asian cooks needed to be free to work here. Neither of these conditions now holds.

Ich lernte aus dem Artikel den Begriff widower curry (eine Abkürzung der aufwändigen Rezepte für den Fall, dass die geübte Köchin nicht da ist) und dass man aus dem Namen des indischen Restaurants schließen kann, in welcher Zeit es eröffnet wurde. Außerdem wirft er die Frage auf, was eigentlich „authentische“ Küche ist:

Does a cuisine belong to the people who eat it or the ones who cook it?

Die Briten interessierten sich erst Ende der 70er für die regionalen Unterschiede indischer Küche und verlangten nun, dass ihre Vorstellung davon in den indischen Restaurants umgesetzt würde – egal, welche Absichten Wirte, Köchinnen und Köche des Lokals eigentlich hatten.

Mir fällt bei curry house immer Rowan Atkison ein – dessen klassische Nummer unten ein Beleg für die Verwurzelung in der britischen Kultur ist:

(„Deceptively flat“ ist schon lang Teil unseres Ehejargons.)

Interssanterweise zitiert der Artikel oben aber eine andere Nummer von Rowan Atkinson:

an old bit from the early 80s comedy sketch show Not the Nine O’Clock News, in which Rowan Atkinson plays a Tory politician speaking at his party conference: “I like curry, I do [pause]. But now that we’ve got the recipe, is there really any need for them to stay?”

Ich wünsche mir einen ähnlichen Artikel über die Rolle und Entwicklung der Dönerbuden in der deutschen Gesellschaft. Sie waren möglicherweise das erste Take-away-Essen, das sich in Deutschland wirklich durchsetzte. (In England entstand die Take-away-Kultur im frühen 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung: Massenzuzug in die Städte, Unterkünfte ohne Küchen, die gesamte Familie schuftete in den Fabriken, Mahlzeiten mussten nach Feierabend auf dem Heimweg gekauft werden.)

Ich ahne Verbindungen zur deutschen Wiedervereinigung: Vorher waren sowohl Döner als auch das Ausgehen spät nachts mit Döner auf dem Heimweg typisch für Berlin; die Wiedervereinigung mit ihrer Reiseerleichterung nach Berlin verbreitete diese Kultur auch im Rest der westlichen Republik.

Gleichzeitig gab es in Westdeutschland türkische Schnellrestaurants (Münchner Landwehrstraße), die schnelle türkische Hausmannskost mit Hinsetzen anboten, Zielgruppe Einwanderer. Seit einigen Jahren erlebe ich in München, wie immer mehr anspruchsvolle Dönerläden mit Hinsetzen eröffnen, die neben Döner auch das eine oder andere frische Tagesgericht mit türkischen Wurzeln anbieten.
Hier sehe ich eine Parallele zum Burger: Auch der war in den 80ern eines der ersten Schnell- oder Mitnehmessen in Deutschland; seit etwa zehn Jahren nun gibt es dafür immer mehr Lokale mit Anspruch, deren Burger dezidiert nicht zum Mitnehmen gedacht sind.

Mich würde interessieren, wie es um die deutsche Dönerkultur steht (dass sie deutsch ist, ist nicht-deutschem Besuch schon lange klar – in Kairo macht demnächst ein „Best German Döner Kebap“-Laden auf): Gibt es Nachwuchs? Sind das neue Einwanderer oder zweite/dritte Generation? Soweit ich sehen kann, steckt ein ganzer Industriezweig dahinter, der Ausstattung, Brot, Dönertier liefert: Wie groß ist er und wie strukturiert? Sind die Dönerdrehmaschinen aus deutscher Fabrikation?
(Darf man als Abonnentin Artikel bei der Süddeutschen bestellen?)
Nachtrag: Auf Twitter wies mich @ellebil auf ein geschichtswissenschaftliches Werk von 2012 hin: Maren Möhring, Fremdes Essen. Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland.

Journal Montag/Dienstag, 9./10. Januar 2017 – Tante Migräne und J.L. Carr, A Month in the Country

Mittwoch, 11. Januar 2017

Montagmorgen klappte endlich der Download des Soundtracks von La La Land (ich hole mir nur drei bis vier Mal pro Jahr Musik und stelle mich dabei jedes Mal an, als säße ich zum ersten Mal am Internet): Die Musik ist wirklich, wirklich schön. Das hier habe ich seither als Ohrwurm:

Etwas verdutzt war ich ja schon über die sieben Golden Globes für den Film, ich muss eine Menge übersehen haben. Und dann nannte die geschätzte Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen ihn auch noch ein „Wunder“. Vielleicht nochmal gucken?

Angesetzt hatte ich sie schon am klirrend kalten Samstag: Eine Eislaterne für den Balkon. Am Montagabend durfte sie dann auch leuchten.

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Wenn mein Bett morgens so aussieht, habe ich sicher nicht gut geschlafen.

Ich war am gestrigen Dienstag einerseits froh, als der Wecker die unruhige Nacht beendete, andererseits fühlte ich mich so elend, dass ich nicht zu dem Sport gehen wollte, wegen dem er so früh geklingelt hatte. Einiges an diesem Elend legte zudem den Verdacht nahe, dass mal wieder Tante Migräne zu Besuch war. Also meldete ich mich in der Arbeit krank, regelte das eine und andere von daheim aus, ging zurück ins Bett.

Mittags war ich fit genug fürs Aufstehen, kochte mir Porridge zum Frühstück. Draußen leuchteten Schnee und Sonne um die Wette, ein kleiner Spaziergang dortselbst tat mir erfahrungsgemäß an Migränetagen gut.

Nur dass ich diesmal vergeblich auf Erleichterung und Entspannung wartete, mein Körper signalisierte lediglich, dass Spazierengehen für ihn verdammt anstrengend war.
Daheim schlief ich nochmal eine Runde, dann fühlte ich mich halbwegs zurück auf normal Null. Zur abendlichen Leserunde fuhr ich lieber mit der Straßenbahn.

Wir unterhielten uns über J.L. Carr, A month in the country. Der dünne Roman von 1980 erzählt mit der Stimme der Hauptfigur Tom Birkin von einem Restaurator, der kurz nach dem 1. Weltkrieg in der Kirche des englischen Dorfs Oxgodby ein Jahrhunderte altes Wandgemälde freilegen soll. Tom ist von schrecklichen Kriegserlebnissen traumatisiert, außerdem hat ihn gerade (mal wieder) seine Frau sitzen gelassen. Vor der Kirche sucht ein Archäologe für die selbe Auftraggeberin nach einem Grab, auch er ist frisch aus dem Militärdienst entlassen. Mit wenigen Informationen eröffnet Carr immer wieder Welten, einen Sommer lang lernen wir die Leute im Dorf kennen, die Landschaft, die Kirchengemeinde und sehr indirekt auch den Hintergrund der Protagonisten. Den Spannungsbogen der Geschichte spannt die Freilegung des Wandgemäldes: Die Erzählerstimme lässt uns teilhaben an Toms Analysen von Farben und Werkstoffen und an den Schlüssen, die er anhand der Ergebnisse über die Entstehung des Gemäldes zieht. Uns allen gefiel der Roman sehr gut – und ich war erstaunt, wie viel in gerade mal 130 Seiten passt.

Jetzt erst stelle ich fest, dass das Buch 1987 als Verfilmung rauskam – mit einem vor lauter Jugend schier nicht erkennbaren Colin Firth und mit Kenneth Branagh in den Hauptrollen.

Journal Sonntag, 8. Januar 2017 – Schneetag mit La La Land

Montag, 9. Januar 2017

Über Nacht hatte es geschneit, den ganzen Tag über tat es das auch immer wieder. Gleichzeitig waren die Temperaturen auf eine gemütliche Höhe um den Gefrierpunkt gestiegen.

Ich stapfte quer durch die halbe Stadt zur Turnstunde.

Nach ausgiebigem Heben und Hüpfen stapfte ich zurück.

Da ich zur eigentlichen Abendessenkochzeit im Kino sitzen würde, kochte ich die Fabada fürs Abendessen schon mal vor – Eintopf schmeckt aufgewärmt eh am besten. Währenddessen bastelte ich mit zwei Mitsprecherinnen an der Einreichung eines Talks für die nächste re:publica.

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Am späten Nachmittag sah ich eine special preview von La La Land, auf den ich mich seit Kenntnis gefreut hatte. Ein schöner Film um eine Nachwuchsschauspielerin und einen Jazz-Pianisten in Los Angeles mit schöner Musik – aber mir wurde nicht klar, wieso er als „Musical“ verkauft wird. Die Tanzszenen waren wenige und ganz offensichtlich nicht die Priorität der Macher, da habe ich in den vergangenen Jahren deutlich bessere gesehen. Beispiele für Filmmusicals, die wirklich welche waren: The Producers, Mamma Mia.

Doch mir gefielen das immer wieder nicht-realistische Erzählen, die gleichzeitig realistische Charakterzeichnung und -darstellung. Emma Stone spielt ganz wunderbar (sie war mir in Birdman aufgefallen), handwerklich beeindruckend in den Casting-Szenen, Ryan Gosling macht seine Sache sehr gut. Doch die Tanzszenen sind lediglich ein liebevoller hat tip in Richtung ruhmreicher Vergangenheit (in der Szene vor Sonnenuntergang sind sogar Kameraführung und Schnitt imitiert), rufen aber gerade deshalb in Erinnerung, was ihnen fehlt. Es ging wohl nicht darum, Tanzszenen zu zeigen, sondern auf frühere zu vereisen. Dafür kommt die Geschichte gut zum Tragen. Die auf jeden Fall sehenswert ist.

Journal Freitag, 6. Januar 2017 – Kl. Kälte und Kochen mit Herz

Samstag, 7. Januar 2017

Feiertag!
Eigentlich hätte ich große Lust auf Laufen gehabt, zumal die Sonne schien, doch die angekündigte Kälte war tatsächlich gekommen: Minus zehn Grad. Und aus Erfahrung weiß ich, dass deutliche Minusgrade beim Laufen sehr unangenehme Dinge mit meiner Lunge tun.

Also statt dessen Schwimmen in Olympiabad, mit langsamem Rausradeln, um nicht zu sehr aus der Puste zu kommen. Und, wie es sich herausstellte, um keine Fußgänger umzufahren, die ortsunkundig nicht wussten, dass sich unter der Schneedecke, auf der sie gerade spazierten, ein Radweg befand.

Winterradeln: Dicker Pulli, Schneeschuhe, Wintermantel, dicke Mütze, dicker Schal, Warnweste (auch als Windbraker), Skihandschuhe.
(Sommerradeln: Straßenschuhe. Vielleicht Jacke.)

Das Schwimmbecken war überraschend leer; am Feiertag nach Jahreswechsel hatte ich reichlich Vorsatzsportelnde erwartet. Nun bin ich gespannt, wie lange diesmal der Chlorschnupfen anhält; der vom Montag war mit gut anderthalb Tagen ein Rekord.

Nach dem Frühstück zur späten Mittagszeit ging ich sogar nochmal raus, zum Spazierengehen, Sonne Gucken, Pokémon Jagen und Schritte Einlaufen für das blöde Xiaomi Mi, das Schwimmen nicht als Bewegung erkennt. Trotz der knackigen Kälte waren viele Leute unterwegs, darunter wieder viele mit Schlitten.

Das Abendessen bereitete ausnahmsweise ich zu: Zitronen-Rahm-Herz aus der Jahrezeiten-Kochschule Winter von Richard Rauch und Katharina Seiser. Das hatte ich schon länger geplant, und dann verbloggte die Autorin das Rezept auch noch.

Auch die Rezepte für die eingeforderte Rinderbrühe und für die Semmelnknödel entnahm ich dem Kochbuch (mache ich beides sonst immer aus der Lameng, aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, etwas zuzulernen) und hielt mich streng an Rezept – obwohl mich bei den Knödeln die fehlenden Semmelbrösel wunderten. Prompt zerfielen sie beim Kochen (aus missglückten Experimenten lernt man bekanntlich am meisten: keine Semmelnknödel ohne Semmelbrösel).

Auch sonst ist das Rezept nicht perfekt:
800 Gramm sind nie und nimmer 1 Rinderherz, sondern ein halbes. Die Rüben- und Zwiebelmenge ist mit Gramm präzisiert, „1/4 Sellerieknolle“ aber nicht – Sellerieknollen können sehr unterschiedlich groß sein. „Bund“ als Mengenangabe für Kräuter lässt mich immer seufzen: Je nach Jahreszeit und Quelle können die sich um 100 Prozent unterscheiden.

Geschmeckt hat das Zitronen-Rahm-Herz ganz hervorragend (auch die Knödel mit ihren in viel Butter gebratenen Zwiebeln).

Das nächste Mal koche ich das Herz aber wahrscheinlich nicht in eigens gefertigter Rinderbrühe: Zum einen habe ich sonst statt für einen für drei Tage gekocht (eigentliches Gericht, Suppenfleisch, Suppe), zum anderen wird durchs Kochen des Herzens aus Wasser eh eine Brühe, die ich während des Auskühlens des Fleisches auf die 600 ml für die Sauce konzentrieren kann.

Dazu ein minimalinvasiv ausgebauter Riesling, den mir Vinoroma als Beweis für Interessantes von der Mosel geschickt hatte:Vade Retro Melsheimer.

Zum einen passte er ganz hervorragend zur Zitronenschale und zum schwarzen Pfeffer. Zum anderen entwickelte er sich schon in der ersten Stunde so interessant, dass wir ein Drittel für den nächsten Tag aufhoben – offen. Mal sehen, was der in 24 Stunden so macht.

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Ich freue mich sehr, dass auch die verehrte Evelyn Roll so richtig sauer werden kann:
„Bezahlung von Frauen in den Medien
Auf den billigen Plätzen wird es unruhig“.