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Journal Donnerstag, 26. Mai 2016 – Brighton 5 – Ausflug nach London

Freitag, 27. Mai 2016

Gestern war Londontag. Ich konnte mich nicht aufraffen, High Tea oder ein interessantes Abendessen zu reservieren, auf dem Plan standen nur Einkauf in Neal’s Yard Dairy und die beiden Ausstellungen, die mir Kevin Meredith, lomokev, empfohlen hatte. Aber erst mal Frühstückskaffee im Redroaster; Herr Kaltmamsell probierte Turmeric (= Kurkuma) Latte, was wohl gerade der heiße Scheiß ist (sein Urteil: zu ingwerig).

Von Brighton gibt es Direktzüge nach London Bridge, dem Bahnhof direkt bei Borough Market – sehr praktisch. Dort sahen wir uns erst mal um.

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„Free from“ ist auch im Supermarkt inzwischen eine eigene Abteilung – die Briten schaffen es, selbst dem Ernährungsreligionsirrsinn hintergründigen Humor abzugewinnen.

Obst und Gemüse wird auf Borough Market noch weniger angeboten als früher, dafür gibt es mehr Lebensmittel aus britischer Produktion, ob Käse, Wurst oder Brot – und das Brot sieht jetzt endlich wirklich professionell aus, noch vergangenes Jahr erinnerten mich vor allem einige angebotene Roggensauerteigbrote an meine eigenen Anfangsversuche. Dazu kommen fast ebenso viele Stände mit Kuchen/Keksen und Snacks, die inzwischen ja Street Food heißen. Ich frühstückte eine Semmel mit langsam gegartem Louisiana Beef und Meerrettich.

Bei Neal’s Yard Dairy ließ ich mir einige Käse empfehlen: Die Verkäuferin brachte mich von meinen ursprünglichen Wünschen ab (z.B. zwei möglichst verschiedene Caerphillys) und lenkte mich zu den Sorten, die im Moment besonders gut seien; stimmt, Käse hat ja auch seine Jahreszeiten je nach Futterlage der Tiere und Reifephase.

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In der London Guildhall stellt Martin Parr gerade das Ergebnis seiner Zeit als offizieller Fotograf der City of London aus. Nicht zu verwechseln mit Gesamtlondon: Während der eben gewählte Menschenrechtsanwalt Khan erst der dritte Gesamtlondoner Bürgermeister überhaupt ist, hat die City of London bereits seit 800 Jahren einen, dazu eine komplexe, verwirrende und haarsträubende Regierungsstruktur samt Ritualen. Und diese drei Eigenschaften passen zu Martin Parr als Chronist wie Arsch auf Eimer.

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Die Ausstellung heißt „Unseen City“ und ich habe den starken Verdacht, dass Martin Parr sammelt, wer alles genau diese Ansicht des Eingangs im Internet postet – ich sah allein schon zwei weitere, die sie fotografierten, und es war sehr wenig los.

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Die Fotos sind ganz großartig. Bemerkenswert fand ich, dass die Exponate in Form von Papierabzügen mit Magneten an die Wand getackert waren. Joan Collins kommt auch drin vor – wohnt die in der City? Auffallenderweise war sie auch auf der Buckingham Palace Garden Party. (JAHAHA, ICH KANN AUCH TRIVIA!)

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In einem Gebäude der Guildhall fanden anscheinend gerade graduation-Feiern statt. Wir blieben noch eine Weile draußen im Hof stehen und guckten Graduierte samt festlicher Familien (klar erfüllte ich gerne Bitten, Fotos mit deren Handys zu machen!).

In der nächsten Fotoausstellung durften man sehr nicht fotografieren: Die Barbican Art Gallery zeigte „Strange and Familiar: Britain as Revealed by International Photographers„. Diese Ausstellung hat Martin Parr kuratiert; der Blick von 23 nicht-britischen Fotografinnen und Fotografinnen auf Großbritannien, von Henri Cartier-Bresson und Tina Barney bis Shinro Ohtake. Kevin Meredith war an der Presseeröffnung dort und durfte fotografieren.

Mir gefiel die Auswahl sehr gut. Am meisten blieben mir die Aufnahmen von Sergio Larrain im Gedächtnis, hier sein Portfolio bei Magnum (einige der ausgestellten London-Bilder sind auch darunter).

Was ich noch mitnahm: Ich sollte vielleicht nicht alle meine Fotos nachträglich geraderücken, sondern ein Bild auch mal schief lassen.

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Den Rückweg traten wir von London Brackfriars aus an, die Aussicht oben hat man am Bahnsteig 1. Und gerieten in britische Bahnunbillen: Während die Hinfahrt eine Stunde gedauert hatte, brauchten wir im Gezuckel der Rückfahrt inklusive halbstündigem Stopp auf freier Strecke (technische Probleme des Zugs davor) mehr als zwei Stunden. Davon die ersten 30 Minuten bis East Croyden im Stehen – ich weiß die Bodensitzplätze der deutschen Züge hiermit noch mehr zu schätzen, die Thameslink-Züge sind enger bemessen.

Journal Mittwoch, 25. Mai 2016 – Brighton 4, Wanderung um Glynde

Donnerstag, 26. Mai 2016

Bloß dass wir fünf Tage durch die Cotswolds gewandert sind, heißt ja nicht, dass wir nicht ein wenig durch die South Downs wandern können.

Nach ausführlichem Bloggen und Teetrinken (wenn ich doppelt so viel von den Twinings English Breakfast nehmen, schmeckt er deutlich besser) schlüpften wir in unsere Wanderklamotten (endlich wieder anständige und saubequeme Schuhe! eigentlich trüge ich meine Wanderstiefel am liebsten immer), ich strich uns ein paar Butterbrote für die Fahrt, dann nahmen wir einen Zug nach Glynde. Die Halbtageswanderung von dort hatten wir vor ein paar Jahren schon mal gemacht; ich wollte gerne wissen, wie sie ohne Regen aussehen würde.

Wieder kreuzten wir einen Golfplatz. So wenig mir Kühe und Schafe auf Weiden ausmachen – vor Golfgeschoßen fürchte ich mich dann doch. Ich nahm meine Jacke ab, um mit meinem krachrosa Shirt möglichst gut sichtbar zu sein, ich grüßte laut jeder Golfgruppe, die wir passierten, schaute mich ständig um.

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Im Brennnesselwald.

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Eine Bodenfarbe, die wir in den Cotswolds nicht hatten: Kreide. (In diesem Foto ist ein kleines Kaninchen versteckt. Mitte. Schatten.)

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Blick auf Lewes.

Fürs Abendessen hatten wir einen Tisch in einem Lokal reserviert, das uns beim Vorbeispazieren aufgefallen war: rootcandi. Mir gefiel das Konzept, für ein Menü die Geschmäcker einer kulinarischen Region zusammenzustellen. Dass das Ganze vegan ist, schien mir eher nebensächlich – so soll es sein. Wir entschieden uns für das asiatische Set.

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– Steamed carrot buns: filled with spicy barbecue carrot paste, served with carrot hoisin sauce. (Teig sehr gut, Füllung ein bisschen fad.)
– Sushi: quinoa with courgette, bamboo shoots, avocado; sticky rice, avocado, carrot and butternut squash. Served with a tamari and wasabi dipping pot. (Quinoa statt dem gewohnten angesäuerten Reis – ok, aber keine Sushi.)
– Gyoza: filled with quinoa, tofu, peanuts, and spring onion. Served with a Vietnamese dipping sauce. (Sehr gut, herzhafter Bratgeschmack.)
– Crispy tofu: marinated in a sweet Japanese sauce, with a broccoli and sesame stir fry. (Sehr schöner Gesamtgeschmack, als ich dorthin kam, leider schon kalt und nicht mehr kusprig.)
– Bok choy: served with Chinese mustard and pickled ginger. (Mein Favorit: Pak choy und eingelegter Ingwer passen bestens, die Mischung Meerrettich-scharf und Chilli-scharf fand ich genial.)
– Pancake rolls: marinated soya in rice wine vinegar, tamarin, ginger, garlic, chilli and coriander. Roasted and served with cucumber, spring onion, plum sauce and pancakes to wrap. (Ganz wunderbar, frisch und bratig zugleich.)

Die Servierform auf der Etagere war charmant, doch das gleichzeitige Servieren von sechs Gerichten hatte zwangsläufig zur Folge, dass die meisten kalt und etwas abgestanden schmeckten, bis sie dran waren – selbst wo ich die kalten Sushi für den Schluss aufhob. Die Servierform der kleinen Teller bei Market zwei Abende davor stellte sicher, dass sie immer frisch gegessen wurden.

Dazu trank ich einen Wodka-Cocktail „Coriander and Ginger Lemonade“ – frischer Koriander ist eine hervorragende Idee in einem Cocktail.

Nachtisch gab’s auch: Birne Helene für mich, Hirse-Crème brûlée mir Rhabarber (blärch) für den Herrn.

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Journal Dienstag, 24. Mai 2016 – Brighton 3, Wanderung nach Rottingdean

Mittwoch, 25. Mai 2016

Den Morgen mit Bloggen und Teetrinken verbracht. Der Tee zum B&B-Frühstück in Wotton-under-Edge ist hatte mir so gut geschmeckt, daran kamen die nachfolgenden Teebeutel einfach nicht ran. Es war loser, feinstkrümliger Tee gewesen (wir bekamen ein kleines Sieb zum Einschenken dazugestellt), sehr wahrscheinlich English breakfast. Aber welcher? Ich hatte am Montag Twinings English breakfast gekauft, der schmeckt aber auch nicht viel besser als Teebeutel. Sollte ich mal Ostfriesentee probieren? Ich möchte einen kräftigen, herzhaften Schwarztee, den ich auf englische Art mit Milch und mit viel Zucker trinken kann.

Das Wetter war wieder wunderschön, wir spazierten am Strand entlang zu Redroasters. Während Herr Kaltmamsell den Cappuccino holte, machte ein Mann im Café mit einer Profikamera Fotos. Ich erkannte ihn sofort: lomokev. Und sprach ihn spontan an (natürlich plump mit: „Aren’t you lomokev?“), brabbelte an ihn hin, dass ich ihm auf instagram folge und wie sehr ich ihm für seine Fotos aus Brighton danke. Er reagierte sehr freundlich und sortierte erst mal mein Gebrabbel. Als er erfuhr, dass ich einen Tag in London plane, empfahl er mir zwei Martin-Parr-Ausstellungen, die er auch in seinem Blog besprochen hatte. Wunderbarer Tipp, ich hatte noch nicht entschieden, welches Museum oder welche Ausstellung ich ansehen würde.

Im Sonnenschein wanderte ich mir Herrn Kaltmamsell den Undercliff Walk nach Rottingdean. Bei dieser Gelegenheit besah ich die neuen Wohnblöcke in Brighton Marina: Ja, sie stehen an der Mole mehr oder weniger im Meer.

In Rottingdean setzten wir uns in Kipling Gardens ans Croquet Green; zum ersten Mal sahen wir es auch bespielt. Mittagessen im White Horse Inn, dann nahmen wir den Bus zurück nach Brighton. Dort klapperte ich auf der Suche nach roten Sandalen ein halbes Dutzend Schuhläden ab, mit mittlerem Erfolg (ein akzeptables Modell gesehen, aber noch nicht anprobiert).

Einkaufen fürs Abendbrot in Waitrose: Markknochen zum Braten und Auslöffeln, also längs halbierte Rinderknochen. Wir hatten am Montag entdeckt, dass es die hier im Supermarkt gibt. Mein Lieblingsmetzger Herrmannsdorfer musste mich ja enttäuschen, als ich um aufgesägte Rinderknochen bat: Der Knochen passe nicht hochkant in die Säge.
Ich bin mit Knochenmark als Delikatesse aufgewachsen: Bei uns in der Familie bekamen die Kleinsten das Mark der Lammkoteletts angereicht, und jeder kratzte das Mark aus seinen Rinderbeinscheiben. Bei uns wurde ohnehin begeistert Knochen abgenagt: Gab es Brathähnchen, galten die Schenkel als die begehrtesten Teile, der Knochen der Schweinshaxe war dem Familienoberhaupt vorbehalten.

Dazu hatte ich im möglicherweise ältesten Ökoladen Brightons, Infinity Foods, ein Weizensauerteigbrot gekauft (Roggensauerteig gab es da auch, aber in Kastenform und mit ganz viel „without“, da war ich dann doch misstrauisch). Es schmeckte erstklassig. Auch der Nachtisch Erdbeeren mit Sahne.

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Wohnen auf dem Meer.

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Aussicht und Blume in Kipling Gardens.

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Bei 220 Grad für 20 Minuten in den Backofen.

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Gutes Brot können sie inzwischen auch in England.

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Das Einzige, was ich nach dieser Fettbombe vermisste: Schnaps.

Journal Montag, 23. Mai 2016 – Brighton 2, Laufen und Essen

Dienstag, 24. Mai 2016

Ausgeschlafen bis nach sieben. Beim Aufziehen der Vorhänge stellte sich heraus: Wolkenloser Himmel, die Morgensonne schien direkt ins Schlafzimmer und dort aufs Bett.

Eine Tasse Tee getrunken, den Nachtschweiß abgewaschen, ab zum Laufen ans Meer – darauf hatte ich mich wieder seit Monaten gefreut. Wie erwartet machte mein Körper bei der sportlichen Betätigung selbst keine Mucken.

Auf dem Weg beobachtete ich den Fortschritt von i360, sah außerdem schon von Ferne, dass sie auf die Marina drei Wohnblocks gebaut haben. Etwa ins Meer? Die genaue Lage werde ich bei einem Spaziergang herausfinden müssen, gestern bog ich weg in den Undercliff Walk.

Bunte Distelfinken gesehen, Stare, Möwen, viele Blumen.

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Weil das „No cycling“ gestern auf Instagram und Twitter für ein wenig Unmut sorgte: Es gibt einen eigenen Fahrradweg, auf dem ich beim Fotografieren stand.

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Rechts hinten die neuen Wohnblöcke – die gemäß meinem Ortsgefühl hinterm Sporthafen im Meer stehen müssten.

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Wie immer ein Highlight des Laufs am Undercliff Walk: Dass es fast am Ende ein Klo gibt.

Auf dem Rückweg besorgte ich Zeitungen für Herrn Kaltmamsell, die er las, während ich duschte und bloggte.

Zusammen gingen wir am Strand entlang zu Redroasters auf den Cappuccino, der mir auf der Welt am besten schmeckt.

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Der i360-Turm ist fast fertig (Eröffnung im Sommer). Unter den Infos auf den Bauzäunen fand ich besonders interessant, dass die Finanzierung des Projekts transparent gemacht wird:

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Mit großem Hunger gingen wir auf ein frühes Mittagessen zu Food for friends, wo auch in diesem Jahr jeder einzelne Gegenstand schön und jedes Gericht köstlich ist.

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Für mich gab’s eine Burrata mit Pesto sowie Tomaten und Melone; gegenüber war die Vorspeise Tempeh-Satespieße mit einem Chilli-Mango-Bohnensprossen-Kräutersalat.

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Dann hatte ich einen Salat mit frischen Feigen und geräuchertem Ricotta, Herr Kaltmamsell „Open ravioli of roasted butternut squash, beetroot, walnuts and wilted spinach with a white wine and Brighton blue cheese sauce“.

Einkaufsbummel: Langweilige Dinge wie Ibuprofen (hier ohne Rezept und billig zu haben) und Feinkniestrümpfe (die von Marks&Spencer sind haltbar und kosten wenig), dann ausführliches Schlendern durch die Regale bei Waitrose. Vor der Fleischtheke dort (wir sahen bereits, was wir uns am nächsten Abend zubereiten würden) erreichte mich eine SMS der wohnungshütenden Mutter: Aus heiterem Himmel war der Austausch des Wasserzählers angekündigt worden, ich musste sie ein wenig über Küchenbefindlichkeiten unterrichten.

Als Abartigkeit der Saison kauften wir zwei Einzelportionen Erdnussdrink und bereiteten ihn in unserer Airbnb-Wohnung zu. Ja, wie heiße, verdünnte Erdnussbutter.

Apropos Wohnung: Das ist hier tatsächlich eine von der Anbieterin selbst bewohnte Wohnung, die sie an Urlauber abgibt – das hatte ich bei Airbnb zuvor nur einmal, sonst waren es immer Ferienwohnungen. Sie hat einen Teil ihres Kleiderschranks und der Schlafzimmerkommode für uns freigeräumt, viele Details der Wohnung erzählen von ihr, die Küche ist voll ausgestattet. UND – es gibt Bügelbrett und Bügeleisen. Beides nutzte ich gestern Nachmittag; ich hatte nur für eine Woche Kleidung dabei, die ich am Sonntag für die zweite Woche gewaschen hatte.

Für den Abend hatten wir einen Tisch im ehemaligen Graze reserviert. Kommentatorin Thea hatte mich rechtzeitig darauf hingewiesen, dass es das Restaurant nicht mehr gibt, so konnte ich über die Lokalberichterstattung herausfinden, dass die Inhaber am selben Ort ein neues Restaurant aufgemacht hatten: Market.

Das neue Konzept basiert auf kleinen Tellern, die auf der Karte nach Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse sortiert sind und von denen vier pro Gast als Mahlzeit empfohlen werden. Wir aßen grünen Spargel mit einem scharfen Paprikamus, gegrillte Artischocke mit Za’atar (ausgezeichnete Idee!), Brokkolischößlinge mit Grünkohlchips und Tahini, Scons mit Mais und geräuchertem Kartoffelpüree, Miesmuscheln in einer Weißwein-Kapern-Chorizo-Soße, Jakobsmuscheln mit Wildschweinschinkenchips, Schweinebacke mit Blaukraut und Selleriepüree, Rippchen mit bunten Paprika. Alles schmeckte ganz wunderbar, es ist halt derselbe Koch wie vorher im Graze.
Nachtisch schafften wir auch noch:

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Sticky Toffee Pudding mit Muscovado-Eis, hinten Cheesecake mit Popcorn.

Die Weinkarte ist klein, aber offensichtlich sorgfältig ausgesucht. Am gespannentesten war ich auf den rumänischen Pinot Noir, also bestellte ich ihn:

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Auch der schmeckte mir sehr gut. Abraten kann ich nur vom Espresso zum Abschluss: Der war grässlich sauer-wässrig.

Schon auf den 50 Metern zu unserer Wohnung stellte ich fest, dass ich ausgesprochen überfressen war. Aber das war es wert!

Journal Sonntag, 22. Mai 2016 – Bath-Brighton

Montag, 23. Mai 2016

Ich hatte auf den Vollmond zur Herstellung guten, tiefen Schlafs gehofft, aber auch in der Nacht auf gestern weckten mich die Hüft-Bein-Schmerzen immer wieder. Jajaja, ich gehe daheim zum Orthopäden. Der wieder feststellen wird, dass in der Hüfte nichts kaputt ist und mich zum MRT überweist. Wohin ich dieses Mal tatsächlich gehen werde (eine Überweisung vor zwei Jahren bei einem anderen Orthopäden hatte ich verfallen lassen), ohne Hoffnung, dass die Diagnose (sehr wahrscheinlich beengter Nerv in der LWS) zu einer Therapie führen wird. Ähnliches habe ich schließlich mit HWS-Nerv und Arm, da meinte der Neurochirurg schlussendlich auch nur, es sei noch nicht schlimm genug für einen operativen Eingriff.

Diese Seite des Alterns habe ich seit Jahren sehr wohl im Blick, seit ich begriff, was die Ärztinnen und Ärzte mit „degenerativ“ in ihrer Diagnose meinten. Deshalb bin ich immer noch irritiert, wenn Klimakterium und Altern gleichgesetzt werden. Muss ich noch drüber nachdenken: Klar, Klimakterium ist Teil der Alterns, aber mein Altern besteht aus sehr, sehr viel mehr.

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Blick aus unserem Hotelfenster.

Morgens rollkofferten wir zum Bahnhof von Bath, holten unsere Tickets nach Brighton ab (weil die Tickets Kärtchen mit Magnetstreifen sind, die man für das Betreten und Verlassen der Bahnsteige braucht, gibt es keine Online-Tickets), frühstückten in einem benachbarten Café.

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In praktisch jedem Café, jedem Pub deutlich sichtbar angebracht: Zugangscode zum WLAN.

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Endlich mal als Frühstück bestellt: Porridge. Es war mit Milch gekocht und schmeckte gut, meines ist besser (ich röste die Flocken in Butter mit Gewürzen an und gieße Wasser auf). Dafür war deren Geschirr schöner.

Mit Umsteigen in Reading und Gatwick Airport kamen wir nach Brighton Bahnhof. Unter düsterem Himmel rollkofferten wir rüber nach Hove und bezogen unsere wunderschöne Airbnb-Wohnung.

Spätes Mittagessen: Dim Sum im China Garden, wo es auch um drei noch bummvoll war.

In der Wohnung Wäschewaschen, ums Eck für den Abend einkaufen. Ich hatte Lust auf eine riesige Schüssel Salat, fand dafür bei Taj sogar eine milde spanische Zwiebel. Wir richteten uns häuslich ein.

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§

„Redraw the Balance“ – gibt es ähnliche Kampagnen in Deutschland? Mit so schönen Beispielen?

Journal Samstag, 21. Mai 2016 – Museen in Bath

Sonntag, 22. Mai 2016

Eigentlich war ja Rosentag: Doch da es schlicht zu unpraktisch gewesen wäre, einen Strauß riesiger Rosen am Sonntag mit dem Zug durch Südengland zu transportieren, verschob ich das Begängnis auf zurück in München. (Der Blumenhändler in der Thalkirchner Straße macht sich hoffentlich keine Sorgen, wenn ich dieses Jahr am 21. Mai nicht auftauche.)

Geplant war ein Museumstag, der bei durchgehend regnerischem Wetter genau das Richtige war.

Morgencappuccino traditioneller Art (kein Wandern -> kein B&B-Frühstück) im empfohlenen Jacobs Coffee House: Es sitzt sich sehr schön dort im 1. Stock mit Aussicht auf die Roman Baths, und der Kaffee schmeckt.

Erst durch die Bath-Tipps der Kollegin war mir klar geworden, dass Bath mittlerweile als Jane-Austen-Stadt gesehen wird. Ich hatte damit immer viel mehr Fanny Burney und ihre Romane verbunden: Zum einen decken ihr Leben und ihr Werk die wichtigste, goldene Zeit Baths ab, nämlich Georgian mit den riesigen Kleidern und der dicken Bleischminke, zum anderen befasste ich mich im Studium viel mit Burney und reise auf ihren Spuren zum ersten Mal vor 23 Jahren nach Bath. In Burneys Romanen finden sich viele der Details, von denen Mayor’s Guide Islay am Vortag gesprochen hatte: Die Einkäufe bei Stoffhändlern, milleners, haberdashers – und in welche finanziellen Schwierigkeiten das eine junge Frau bringen konnte.

Aber in den Jahren seither waren es die großen Verfilmungen von Jane-Austen-Romanen, die die öffentliche Wahrnehmung von Bath prägten. Und so besuchte ich das Jane-Austen-Center, ließ mir über Leben und Werk erzählen, besichtigte Exponate (Colin Firth als Darcy spielt im Merchandising die zentrale Rolle) – und nahm dann doch die Gelegenheit war, die für Fotos bereitgestellten Klamotten (über meinen) anzuziehen.

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Aufgenommen von Herrn Kaltmamsell.

Farmers Market war gestern auch in Bath. Wieder bedauerte ich, dass ich nicht für eine Küche einkaufen konnte. Käse aus Somerset nahm ich trotzdem mit.

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Zurück in die Georgianik, und zwar zu den Assembly Rooms. Den Ballsaal und den tea room durften wir nicht betreten, sie waren gerade an eine Hochzeitsgesellschaft vermietet.

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Netterweise standen die Türen offen.

In diesem Gebäude ist auch das Fashion Museum untergebracht. Mein Besuch dort vor 20 Jahren hatte mich sehr beeindruckt, ich hatte bei einer Führung einige grundlegende Dinge über das Bekleiden und Feine-Leute-Kleidung im 18. Jahrhundert gelernt. Heutzutage besteht das Museum aus „A History of Fashion in 100 Objects“ mit Audio Guide und konzentriert sich mehr auf Details – auch diese sehr interessant. Wie in vielen Museen ist nur ein Bruchteil des Bestands ausgestellt, ein weiterer Besuch in drei Jahren ist sicher wieder spannend. Das einzige der derzeit gezeigten Kleider aus vier Jahrhunderten, das nicht zu einem sehr schlanken Frauenkörper gehörte, war übrigens eines von Queen Victoria.

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Spannend war auch das Eintreffen der Hochzeitsgäste, während ich abschließend im Museumsshop kruschte: spektakuläre Aufzüge der Damen.

Anschließend wollte ich einen Tisch fürs Abendessen reservieren, doch das Wunschlokal war schon ausgebucht. Wir gingen also erst mal auf das eine oder andere Pint in einen (empfohlenen) Pub und lasen gemütlich, dann erforschten wir englische Pizza (Pizzaexpress):

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War schon ok, die Bechamelsauce auf meiner irritierte nur wenig.
Auf dem Weg zurück ins Hotel holten wir uns Nachtisch bei Charlotte Brunswick Chocolates – die machen unter anderem interessante Sachen mit gerösteten Kokosflocken.

Journal Freitag, 20. Mai 2016 – Führung durch Bath

Samstag, 21. Mai 2016

Eine Arbeitskollegin, die vor Kurzem erst in Bath studiert hat, hatte mich mit einer Liste Tipps für die Stadt versorgt – so umfassend, dass ich keinen Anlass für ausgiebige weitere Recherchen sah. Wir brachten unser Gepäck vom B&B (eggs florentine zum Frühstück, mmhhh!) über den Avon zum Abbey Hotel, wo ich zwei weitere Übernachtungen in Bath gebucht hatte.

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Zu diesen Tipps der Kollegin gehörte auch eine Stadtführung durch die Mayor of Bath Honorary Guides: Volltreffer. Die große Gruppe am Treffpunkt wurde geviertelt, jeder Teil aus etwa 20 Bathbesucherinnen und -besuchern zog mit einem Guide los, in unserem Fall war das die reizende Islay (gesprochen „Ayla“). Über zwei Stunden zeigte sie uns Häuser, Plätze, Straßen, Höfe und Winkel, erzählte viel über die Geschichte Baths, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert.

Anschließend schlängelten wir uns zu einer weiteren Kolleginnenempfehlung durch.

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Kaffee im Colonna & Small’s – ein zeitgenössischer Kaffeeladen mit allen möglichen Zubereitungsarten ausgewählter Kaffeesorten, die vor allem durch „Fruchtigkeit“ glänzen und zu denen Zucker nicht mal angeboten wird. War ok, aber ich habe noch weit hin, bis ich nicht mehr meinen Cappuccino aus schwarz gerösteten Espressobohnen bevorzuge.

Ein Tipp von Katha auf Instagram führte uns zur Bäckerei Bertinet.

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Vergeblich aber suchten wir nach einer Quelle für Cotswold Gin, den wir in Painswick bekommen hatten. Man schickte uns von einer Spirituosenhandlung zur nächsten, wir hätten sogar Bath Gin bekommen, nicht aber Cotswold Gin.

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Sehr beeindruckt aber war ich von der Auslage eines örtlichen Metzgers – wie schade, dass wir keine Küche für die Zubereitung hatten. Wir spazierten weiter durch Bath.

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Als Abendessen gab es einen Berg gebratenes Rindfleisch sowie Dessert in The Herd.

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§

Nachtrag zu den Kniekissen: Zum einen fand ich in Bath Markets dieses.

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Genau damit werden die Kissen bestickt. Und „Tapisserie“ hatte ich immer für die englische Übersetzung von Gobelin gehalten – was nicht ganz stimmt. Kommentatorin saumselig erläuterte das ein wenig: Kein Gobelin.
Zum anderen weist Kommentatorin Frau Schmitt auf diese Information über die für Kirchenkissen übliche Stickerei hin.

§

Auch sonst hatte ich genug Zeit, um im großen, schönen Hotelzimmer nichts zu tun. Also Internet zu lesen und anzuschauen.

Mit Bezahlbloggen habe ich mich nie sehr beschäftigt, weil es für mich aktiv nicht in Frage kommt und weil ich es zu langweilig zu lesen finde. (Menschen sind verschieden: Für andere mag es eine großartige Sache zu machen oder zu lesen sein – wunderbar, nur zu!)

Der Vortrag von Heather Armstrong dazu aber bereitete mir wirklich Gänsehaut: Worauf man sich beim Bezahlbloggen einlässt – und warum sie vergangenes Jahr damit aufhörte.

§

Spät abends kam eine Doku über Queen im Fernsehen (über die Band, nicht über Ihre Majestät): „From Rags to Rhapsody“. Sehr spannend, unter anderem, weil 40 Jahre Interviewmaterial mit den Bandmitgliedern verarbeitet wurden.