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Journal Samstag, 23. Juli 2016 – Berlinurlaub mit Party

Sonntag, 24. Juli 2016

Zum Frühstück war ich gestern verabredet, im Hall & Klee.

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Zum einen aß ich dort den möglicherweise besten Obstsalat meines Lebens. Zum anderen aber und eigentlich saß ich dort in einer Runde mit drei Bloggerfreundinnen, stundenlang und in ergiebigsten Gesprächen.

Nachmittags ließ ich mir von einer der drei die dörfliche Struktur des Richardplatzes zeigen, dann wollte ich eigentlich zu Fuß zurück nach Weißensee in meine Unterkunft. Ich freute mich auf die zwei Stunden, hatte allerdings übersehen, dass ich ja ein Kleid trug: Es war recht heiß, und schon nach kurzer Zeit rieben sich meine Beine aneinander wund. Ich spazierte also nur bis zur Warschauer Straße und nahm dort die Tram.

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Abends dann der eigentliche Anlass meiner Berlinreise: Der runde Geburtstag einer Studienfreundin. Es war eine großartige Party, ich traf zahlreiche Menschen aus meiner Augsburger Zeit wieder, lernte neue Menschen kennen, bekam Köstliches zu essen und zu trinken. Ich fühlte mich so entspannt und ausgelassen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr auf einem Fest – fast wie zu Studienzeiten.

Journal Freitag, 22. Juli 2016 – Massenmord im fernen Daheim

Samstag, 23. Juli 2016

Eigentlich bestand der Tag aus einem ausführlichen Zufallsgespräch, einem ausführlichen Frühstück, einem ausführlichen Spaziergang und einem ausführlichen geplanten Gespräch.

Doch abends auf der Tramfahrt zurück ins Hotel erreichte mich die erste besorgte Nachfrage per SMS aus der Schweiz: Ein Freund schrieb, das Fernsehen berichte von einer Schießerei in München, ob es mir gut gehe? Ich recherchierte sofort nach dem Grund der Frage – und verbrachte, unterbrochen vom Abendbroteinkauf im Supermarkt, den Abend über Meldungen aus München. Im Olympiaeinkaufszentrum hatte jemand mehrere Menschen erschossen und war auf der Flucht, München stoppte den Öffentlichen Nahverkehr und forderte die Menschen auf, möglichst da zu bleiben, wo sie waren.

Sobald es die Möglichkeit gab, markierte ich mich bei Facebook als „safe“ – was ganz offensichtlich (Likes) schnell registriert wurde. Herr Kaltmamsell meldete unsere Wohnung auf Twitter als #offeneTür, damit in der Innenstadt Gestrandete dort unterkommen konnten. Ich las zwischen Twitter und Techniktagebuchchat, blieb dann aber am Ticker der Süddeutschen Zeitung hängen: Die hatte mehrere Hand voll Personal vor Ort und fand die Balance zwischen Tempo und Verlässlichkeit. Gegen 23 Uhr machte ich mir klar, dass ich weder etwas tun konnte noch irgendetwas in nächster Zeit bestätigt werden würde und ging ins Bett.

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Bis dahin: Morgens verließ ich das Haus erst mal für einen Kaffee.

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Diesen Ort, den Antonplatz, erkannte bei Twitter eine langjährige Twitterfreundin, die gleich ums Eck wohnt: Sie stürzte umgehend aus dem Haus und fing mich ab. Sie begleitete mich bis zum Lokal, das ich mir fürs Frühstück ausgesucht hatte, zum Pasternak. Genug Zeit, einander auf den neuesten Stand des Lebens zu bringen.

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Da ich ja schon Kaffee gehabt hatte, trank ich zum Frühstück Kwas, den ich hier zu schätzen gelernt hatte.

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Ich ergötzte mich an den völlig distanzlosen Spatzen. Der im Bild hatte gerade das kleine Croissant aus meinem Brotkorb gezupft (und es dann fallen gelassen, ich konnte es mir wiederholen).

Nachmittags war ich in Charlottenburg verabredet. Da ich Zeit hatte und das Wetter perfekt sommerlich war, ging ich zwei Stunden zu Fuß – und entdeckte dabei unter anderem den Landwehrkanal (wo auch endlich PokémonGo funktionierte und ich ein paar von den Viechern fangen konnte).

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In Charlottenburg frischte ich dann eine sehr langjährige Bloggerinnenfreundschaft auf – um den Preis, dass wir uns mit Schmerzen trennten und unter dem Seufzer, dass wir einander dringend viel öfter sehen müssen.

Zurück ging ich wieder den Landwehrkanal entlang, bis ich dem Umstand ins Auge sehen musste, dass auch noch so bequeme Sandalen irgendwann scheuern und Blasen verursachen. Also ging ich zum nächstgelegenen S-Bahnhof (Tiergarten).

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Laurie Penny berichtet von der US-Präsidentschaftskandidatenwahl der Republikaner, hier besonders persönlich und gleichzeitg analytisch. Unter anderem, wie sie von einem rechtsradikalen Demagogen zu den Wichtigs der Szene mitgenommen wurde.
„I’m With The Banned“.

Geert Wilders is also a true believer. I am introduced to the euro-fascist and his dead-badger hair by a genial young Dutchman I met earlier on Tinder. He tells Wilders that I am a left wing journalist, and Wilders does not alter his tone of voice as he turns to me and starts vaguely explaining how the whole of France is about to be abolished and replaced with a giant Halal kebab.

Wilders is the most obviously disturbed member of the neo-right suicide squad in attendance. He cannot finish a sentence. His voice drifts, and he trails away, already out of the room. There is a dustbin fire behind the blank eyes of his human suit.

Wilders is a less polished, wholly charmless rendition of the neo-right demagogue character creation sheet that gave us Donald Trump and Boris Johnson. These people do not have personalities, they have haircuts. Ugly ones. And we have fallen through the looking glass in which they see themselves reflected as small gods.

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In der aktuellen Ausgabe der New York Review of Books kommt Zadie Smith mit einem Essay über Brexit und ihrer Erklärung des Wahlergebnisses zu Wort:
„Fences: A Brexit Diary“.

Sehr lang und ausführlich, absolut lesenswert. Smith führt zum Thema, indem sie über die Gegend Londons schreibt, in der sie aufgewachsen ist und in der sie vorübergehend ihre Kinder zur Schule schickt. Am Unterschied des Verhältnisses der Bevölkerungsschichten früher und heute zeigt sie auf, was seither schief gegangen ist. Und worin die Hybris der gebildeten Mittelschicht besteht, die vom Brexit-Ergebnis schockiert war.

„What have they done?” we said to each other, sometimes meaning the leaders, who we felt must have known what they were doing, and sometimes meaning the people, who, we implied, didn’t.

Now I’m tempted to think it was the other way around. Doing something, anything, was in some inchoate way the aim: the notable feature of neoliberalism is that it feels like you can do nothing to change it, but this vote offered up the rare prize of causing a chaotic rupture in a system that more usually steamrolls all in its path. But even this most optimistic leftist interpretation—that this was a violent, more or less considered reaction to austerity and the neoliberal economic meltdown that preceded it—cannot deny the casual racism that seems to have been unleashed alongside it, both by the campaign and by the vote itself.

(…)

Extreme inequality fractures communities, and after a while the cracks gape so wide the whole edifice comes tumbling down. In this process everybody has been losing for some time, but perhaps no one quite as much as the white working classes who really have nothing, not even the perceived moral elevation that comes with acknowledged trauma or recognized victimhood. The left is thoroughly ashamed of them. The right sees them only as a useful tool for its own personal ambitions. This inconvenient working-class revolution we are now witnessing has been accused of stupidity—I cursed it myself the day it happened—but the longer you look at it, you realize that in another sense it has the touch of genius, for it intuited the weaknesses of its enemies and effectively exploited them. The middle-class left so delights in being right! And so much of the disenfranchised working class has chosen to be flagrantly, shamelessly wrong.

(…)

While we loudly and rightly condemn the misguided racial attitudes that led to millions asking “them” to leave “us,” to get out of our jobs and public housing and hospitals and schools and country, we might also take a look at the last thirty years and ask ourselves what kind of attitudes have allowed a different class of people to discreetly maneuver, behind the scenes, to ensure that “them” and “us” never actually meet anywhere but in symbol. Wealthy London, whether red or blue, has always been able to pick and choose the nature of its multicultural and cross-class relations, to lecture the rest of the country on its narrow-mindedness while simultaneously fencing off its own discreet advantages. We may walk past “them” very often in the street and get into their cabs and eat their food in their ethnic restaurants, but the truth is that more often than not they are not in our schools, or in our social circles, and they very rarely enter our houses—unless they’ve come to work on our endlessly remodeled kitchens.

Journal Donnerstag, 21. Juli 2016 – Fahrt nach Berlin

Freitag, 22. Juli 2016

Am Samstag bin ich zu einem Fest in Berlin eingeladen. Ich nutzte die Gelegenheit für ein paar Tage Berlinurlaub und nahm schon gestern einen Zug nach Nordosten.

In München hatte sich der Hochsommer schwül verdüstert, kurz vor meiner Abfahrt setzte ein Wolkenbruch ein. (Neues Hindernis fürs Pokémonspielen: App findet kein GPS-Signal.) Der Regen hielt in verschiedener Stärke an bis Leipzig. In Berlin war es zwar bedeckt, aber trocken und warm, über den Nachmittag verschwanden auch die meisten Wolken.

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Unterwegs las ich Bov Bjergs Die Modernisierung meiner Mutter zu Ende. Die Geschichten gefielen mir sehr; da sie für Lesebühnenauftritte geschrieben waren, hatte ich Launigkeit befürchtet. Doch obwohl die Geschichten oft lustig sind, fehlt ihnen jede Launigkeit: Komisch sind die beschriebenen Inhalte, die Bov beobachtet. Fast alle Geschichten leben von der Dörflichkeit und Provinzialiät, in der sie spielen – möglicherweise ist aber gerade diese nur aus der Warte der Großstadt erkennbar. Blick und Menschlichkeit erinnerten mich mehrfach an Hanns Dieter Hüsch, dazu kommt aber bei Bov die Reflexion dieses Blicks; ich fürchte, wir1 können nicht anders, wir bestehen aus purer Befangenheit.
Meine Lieblingsgeschichte ist „Im Kreisel“. Zum einen als Metapher für genau diese Befangenheit, zum anderen als beste Schilderung gesellschaftlicher Mechaniken anhand eben dieser Kreisverkehre, wie sie in den vergangenen 20 (30?) Jahren vor Dörfern und Kleinstädten aufkamen.

§

Untergekommen war ich in einem billigen Hotel im nördlichen Prenzlauer Berg; das ebenerdige Zimmer ist geräumig und mit Fenstern in den Hinterhof kühl.

Zum Abendessen war ich im Cordobar verabredet. Ich spazierte durch den sommerlichen Spätnachmittag eine gute Stunde hin (neues Hindernis fürs Pokémonspielen: Es tauchte kein einziges Pokémon auf.)
In anregender Begleitung saß ich in einem schönen Innenhof. Die Lage des Lokals hatte mir ein völlig unbekanntes Berlin gezeigt, das mich eher an Wien denken ließ.

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Sophienkirche

Wir aßen ganz ausgezeichnet eine Vielzahl kleinerer Gerichte, die wir uns teilten.

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Ein winziger, mit Frischkäse gefüllter Kohlrabi

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Gurke mit Hollerblüten und Dill

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Ochsenherztomate mit Kimchi und Entenleber (Knaller!)

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Blutwurstpizza mit Roter Bete, Feta, Wasabi (die Blutwurst ist die Unterlage)

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Gegrillte Erdbeermargherita mit schwarzen Oliven und Thymian (es war eine kleine Pizza mit Erdbeeren)

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Ausgelöstes Tandoorihühnchen

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Wie kompliziert alles immer ist. Modeste erzählt von drei sehr verschiedenen Müttern.
„Drei Mütter“.

  1. Nein, ich weiß nicht genau, wen ich mit „wir“ meine; ich weiß bloß, dass ich dazu gehöre. []

Journal Sonntag, 17. Juli 2016 – Regen und Serverausfall

Montag, 18. Juli 2016

Am Vorabend hatte ich Herrn Kaltmamsell nur kurz daran erinnert, dass am Sonntagmorgen der diesjährige Kocherlball stattfinden würde – doch ihm war genauso wenig danach wie mir.

Aus unruhigen Träumen aufgewacht, während Kaffeetrinken und Bloggen begann es heftig zu regnen. Ich nahm also für die Fahrt zur Aerobicstunde am Ostbahnhof die U- und S-Bahn.

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Düstere Aussicht im Vergleich zum Vorsonntag. Ich hatte viel Spaß beim Turnen, konnte mich gut auf die komplizierte Choreo konzentieren.

Hätte meine Pokémon-App funktioniert, wäre ich zu Fuß heimgegangen, denn der Regen hatte aufgehört und es war warm geworden. Doch sie steckte immer noch fest. Über den Tag brachte ich sie einmal für 12 Minuten und einmal für 5 Minuten zum Laufen bis zum nächsten Absturz – sobald ich sie hatte aktivieren können, lief ich aus dem Haus (ich brüte doch gerade!). Bis ich wieder eines dieser Bildschirmbilder hatte:

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So ähnlich müssen sich in den 90ern die ersten PC-Spiele angefühlt haben. Dieses Pokémonproblem gab es wohl überall, nur wenige beneidete Spielende twitterten von Arenakämpfen und ausdauernden Fangspaziergängen.

Dazwischen wusch ich Wäsche und las alte Wochenend-SZ auf. Abends kochte Herr Kaltmamsell ein selbst erfundenes Rote-Bete-Risotto, das sehr gut schmeckte.

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Dazu lief im Fernseher A Long Way Down – ganz nett, eine Komödie um Suizid hätte viel danebener gehen können; der einzige konstruiert wirkende Charakter war der Fernsehmensch Martin Sharp, aber der war halt Satire. Toni Colette beim Schauspielen zuzusehen ist immer großartig.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Juli 2016 – Gefühlshaushalt

Sonntag, 17. Juli 2016

Schlechter Nachtschlaf? Hormone? Gründe ungekannt, aber derzeit sehe ich meinen Gefühlen eher befremdet zu (ja, ich sehe denen in erster Linie zu, das ist ja mein Problem).

Die Welt fiebert fremden Männern beim Sporttreiben mit (aka Fußballeuropameisterschaft): Ich reagiere belästigt und genervt.

Die Welt spielt ein Spiel auf ihren Smartphones: Ich bin gerührt und begeistert.

Ich zerbreche beim Abspülen im Büro meine schöne Rosenthal-Bürotasse: Breche fast in Tränen aus. (Hinter mir ein lieber Nebenabteilungskollege aufmunternd: „Ist ja nicht schlimm! Hauptsache, Sie haben sich nicht verletzt!“ Diesmal entschied ich mich gegen Jovialtät, weil mein Herz wirklich schmerzte, und murmelte: „Das können Sie doch gar nicht wissen, ob das schlimm ist.“ Er völlig betroffen: „Oh… ich dachte… oh…“ Dann tat’s mir schon wieder leid.)

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Nach schlimmer Nacht auf Freitag (jetzt wird’s mir auch nachts schlecht und ich wache davon auf) erster Blick ins Internet: 84 Tote in Nizza, ein Irrer war mit einem Lkw durch die Menschenmenge gerast, die den 14. Juli gefeiert hatten. Genau auf der Promenade des Anglais, die ich vor einem halben Jahr noch entlanggejoggt bin.

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Freitagabends zum feinen Chinesen – zu Fuß, denn ich hatte dann doch das Pokémonspiel installiert. Das war nicht einfach gewesen, Download, Installation und Registrierung blieben über zwei Tage immer wieder hängen. Doch jetzt entdeckte ich Pokéstops im Klinikviertel und fing auf der Theresienwiese wilde Pokémons.

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Besonders köstlich war dieses Auberginengericht. Auf dem Foto oben sieht man die anderen beiden Gerichte, die wir bestellten: Doppelt gebratenen Schweinbauch mit schwarzen Bohnen und gedünstetes Grüngemüse. Dazu tranken wir einen halbtrockenen Riesling, der sehr gut passte.

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Auf dem Rückweg hatte das Pokémonsammeln bald ein Ende: Die App stürzte wieder ab. Herr Kaltmamsell sprang freundlicherweise auf dem Kaiser-Ludwig-Platz als wildes Taubsi ein.

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Ließ sich auch fangen und mit heim nehmen.
Auf dem Mäuerchen um die Alte Medizinbibliothek saßen in der Abenddämmerung auffallend viele Leute, die auf ihr Smarthphone schauten: Ein Pokéstop. (Und bessere Verbindung zum Server als ich.)

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Samstagmorgen schon wieder ein erster Blick auf die Zeitung, der ein „Ach du Scheiße“ hervorrief.

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In der Sondertagesschau um halb neun stand bereits fest, dass der Putsch gescheitert war.

Ich ging zum Schwimmen ins Schyrenbad – wieder zu Fuß und quer über den alten Südfriedhof, denn nun lief das Pokémonspiel wieder.

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Das Becken war unter bedecktem Himmel angenehm leer, ich schwamm mit Genuss. Der Rückweg ging schneller – die Pokémon-App klemmte beharrlich. Kleinere Lebensmitteleinkäufe unterwegs.

Daheim buk ich den Quarkstriezel von Frau Brüllen – wieder zickte die Trockenhefe, die sich schon bei der letzten Runde Bagels nicht wirklich kooperativ verhalten hatte.
Das Ergebnis war dennoch köstlich.

Ich las Zeitung und bügelte wieder ausführlich – erstaunlich, wie viel Wäsche allein die paar Tage Sommer ums vorherige Wochenende erzeugt hatten.

Abends briet uns Herr Kaltmamsell Merguez zum Mangold aus Ernteanteil, danach gab’s Eton Mess mit wahrscheinlich letzten Erdbeeren.

§

Ich freue mich SO für Bov! Am Freitag kam Bov Bjergs neueste Buch als Leseexemplar bei mir an, gesammelte Lesebühnentexte. Herzlichen Dank, ich freue mich schon darauf.

In der Welt unterhält sich ein Nachbar von Bov mit ihm, was alles jetzt anders geworden ist für ihn:
„So ist er eben, der Prenzlauer Bjerg“.
(Ich weiß nicht, ob ich den Überschriftenredakteur hauen oder knutschen will.)

Wir sitzen am Hang, ein Jahr später. Hinterm Wedding ist die Sonne verschwunden. Bov sagt: „Klett bringt demnächst eine Schulbuchversion heraus, so richtig mit Zeilenzahlen an der Seite.“ Zwei andere Verlage sitzen an Erläuterungsbänden zum Buch. Im Oktober hat „Auerhaus“ Premiere am Deutschen Theater, bislang zwölf weitere Theater im Bundesgebiet folgen mit ihren Inszenierungen nach. Der Erfolg hat alle Vorstellungen aller Beteiligten gesprengt. Eine hymnische Besprechung folgte der nächsten, über Monate, im ZDF-Quartett war „Auerhaus“ das erste Buch, auf das sich alle Anwesenden einigen konnten, Buchhändler klagten über Nachschubprobleme.

Ich sage: „Jetzt musst du bloß noch die Filmrechte verkaufen.“ Hat er aber schon. Es gab vier oder fünf Angebote, zunächst wohl als Fernsehfilm geplant, aber Bov, der Drehbuch gelernt hat, ist heilfroh, dass sein Buch nicht durch die Mühle öffentlich-rechtlicher Entscheidungsträger und Meta-Entscheidungsträger muss. Verkauft hat man schließlich an Constantin Film.

Journal Donnerstag, 14. Juli 2016 – Abendregenlauf

Freitag, 15. Juli 2016

Den Tag über jeden Regenguss verflucht, jeden Sonnenstrahl bejubelt: Ich wollte abends an die Isar zum Laufen. Da der Stand bei Feierabend sonnig gemischt mit Wolken war, ging ich zeitig, zog mich daheim um und radelte an die Wittelsbacherbrücke.

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An der Brücke Maria Einsiedel war der Spaß vorbei: Wolkenbruch. Ein paar Minuten stellte ich mich unter einen Baum, doch allem Anschein nach würde es so schnell nicht aufhören. Außerdem wurde mir kalt. Ich schützte mein Telefon so gut es ging in der Hosentasche und lief weiter. Der Schirm meiner Mütze sorgte dafür, dass zumindest meine Brille funktionsfähig blieb. Nach 15 Minuten war ich ordentlich nass an der Großhesseloher Brücke, der Regen hörte auf.

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Die Überraschung, als ich nach Hause kam: Hier war alles trocken, in der Stadtmitte hatte es nicht geregnet.

Journal Dienstag, 12. Juli 2016 – #12von12

Mittwoch, 13. Juli 2016

Was #12von12 ist.

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Nachts hatte mich ein Gewitter aus ohnehin unruhigem Schlaf geweckt, der Sommer war erst mal vorbei. In den Räumen (Wohnung, Turnraum, Büros) stand noch die schwüle Luft des Vortags, aber draußen waren die Temperaturen abgesackt.

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Ich kam noch vor sieben am Turnstudio an, musste ein paar Minuten aufs Öffnen warten.

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So sieht mein Turnplatz für die Langhantelstunde aus. Da mir die Übungen vergangene Woche leicht gefallen waren, legte ich ein wenig Gewicht auf – das erst nach dem Aufwärmen auf die Stange geschoben wird, davor gibt es Übungen mit leerer Stange.

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Auf dem Weg ins Büro regnete es kräftig, ich schwitzte unter dem Umhang ordentlich. Dass in dieser Kombination beim Warten an roten Ampeln meine Brille beschlägt, kann mich immer wieder überraschen.

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Eigentlich hatte ich mein Mittagessen am Schreibtisch fotografieren wollen, das aber vergessen: Zwei Brezen aus der Cafeteria, außerdem eine Schüssel Aprikosen und Pfirsiche mit Hüttenkäse.

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Das Wetter blieb gestern den ganzen Tag düster und in verschiedenen Stärken regnerisch; mehr als oben gab der Blick aus meinem Bürofenster nicht her.

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Feierabend. Ich nahm wie meist auf dem Weg nach draußen die große Showtreppe des Bürogebäudes – so kam mein wieder notwendiger Regenumhang optimal zur Geltung.

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Herr Kaltmamsell war aushäusig, und auf dem Heimweg wollte ich nass und in Regenumhang nirgends zum Einkaufen stehenbleiben – es gab also Nudeln mit Tomatensugo (selbst eingekocht im Kartoffelkombinat), schwarzen Oliven und Parmesan. Gut!

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Meine Twittertimeline wird weiterhin von dem VR-Handy-Spiel PokémonGO dominiert – bis ich mal kapiert hatte, wovon die Leute reden! Das kommt davon, wenn man überhaupt keine elektronischen Spiele spielt, nie. Aber was nicht ist, kann ja: Ich probierte aus, ob ich mich auch mit der Kamera meines Telefons als Spiegel abschminken kann. Ja, geht. (Schminken ist was Anderes.)

160712_27_Schimmeltarte

Großes Ärgernis: Beim Ausräumen des Geschirrspülers wunderte ich mich über die Abwesenheit der Tarteform. Ich war davon ausgegangen, dass Herr Kaltmamsell das restliche Viertel gegessen hatte. Ein Blick in den Backofen ergab: Nein, wir hatten den Kuchenrest beide vergessen. Und jetzt musste ich ihn wegwerfen. Der Schmerz darüber machte mir klar, dass wir inzwischen tatsächlich praktisch nie Lebensmittel wegwerfen: Selbst aus Karottengrün wird Pesto, nicht essbare Gemüseschalen, -blätter, -stängel sammeln wir in einer Tüte im Gefrierschrank zum Auskochen als Brühe. Eingekauft wird fast ausschließlich für bereits geplanten Einsatz oder um Vorhandenes herumgeplant. Und wir sind sehr unempfänglich für Mindesthaltbarkeitsangaben: Riecht ok, ist schimmelfrei, bewegt sich nicht – wird gegessen.

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Letzter Check vor Zuklappen des Rechners: Woraus wird der Ernteanteil am Mittwoch bestehen?

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„Wieso sind Sie so dick, wo Sie doch so hübsch sind?“

Anke Gröner wird unverschämt angesprochen – lässt sich aber auf ein Gespräch ein. Davor allein habe ich schon höchsten Respekt. Und sie findet dabei viel über sich heraus.

Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass sich da draußen in puncto Dünnheitsdiktat praktisch nichts geändert hat – da mag ich noch so erleichtert in einer Umgebung leben und denken, in der der Wahnsinn dahinter entlarvt ist.

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Zurück zu Pokémon Go und seine mögliche Auswirkungen (nein, nicht in erster Linie „WIR WERDEN ALL STERBEN!1!!“) – dieser Artikel hat mich ernsthaft dafür interessiert.
„AR is an MMO“.

Wobei AR augmented reality heißt und MMO massively multiplayer online (game). Hier schreibt ein Experte, der deutlich erfahrener im Spielen ist und gründlicher kritisch denkt als die reflexartigen „Aber Datenschutz!“-Rufer.