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Journal Samstag, 31. Januar 2015 – Kuchengebatzl

Sonntag, 1. Februar 2015

Puh, das war aber auch ein langer Monat. Silvester scheint bereits ein halbes Jahr zurück zu liegen.

Nach Ausschlafen verbrachte ich den Vormittag mit der Herstellung des Batzlguglhupfs der Küchenschabe (die Geschichte zum Rezept ist ganz besonders bezaubernd). Wie schon in deren Blog gewarnt, blieben viel Topfenfülle (1/3) und Powidl (1/2) übrig – ich sehe mittlerweile eine Kuchenfüllenlobby am Werk, die dafür sorgt, dass in Rezepten praktisch immer deutlich zu viel Füllung angegeben wird.

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Schmeckte sehr gut, nur war der Hefeteig nicht angemessen aufgegangen. Es rächte sich sehr wahrscheinlich, dass ich die Anweisung übergangen hatte, den rohen Kuchen in der Form nochmal bis zur doppelten Höhe gehen lassen: Es hatte mich zu sehr zum Sport gezogen, durch die aufwändige Kuchenpusselei war es bereits Mittag.

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Für einen Blick aufs gestrige Münchenwetter, bitte hier klicken. (Ich lasse diesmal fotografieren.)

Eigentlich hatte ich einen Isarlauf geplant, plötzlich aber doch mehr Lust auf Schwimmen. So radelte ich hinaus ins Olympiabad und holte mir auf dem Weg Sonne, zudem im glitzernden Schwimmbecken.

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Zum Nachtmahl hatte ich am Freitagabend bei Verdi Fische besorgt, zwei hübsche ganze, auf die ich lediglich gezeigt hatte: “Die beiden da, bitte.” Und so musste ich zum ersten Mal einen größeren Fisch selbst ausnehmen (zumindest geschuppt war er weitestgehend). Mit einem herzhaften “Na, wie schwer kann das schon sein?”, das schon manchen bleibenden Schaden verursacht hat, machte ich mich ans schleimige Werk. Schon bald wechselte ich unter fließendes Wasser und merkte, dass ich vielleicht auch zu dieser handwerklichen Tätigkeit mal besser erst YouTube-Videos geguckt hätte. Oder erst ins Web hätte seufzen sollen, denn kaum hatte ich dieses Instagram-Bild getwittert, lernte ich nicht nur, wie ich den Fisch anzusprechen hatte (Dorade), sondern bekam auch eine Menge nützlicher Tipps zu Vor- und Zubereitung. Das mit dem ganzen Fisch werde ich definitiv noch üben.

Gestern gab es die Doraden in Alufolie aus dem Ofen, seinen Bauch voll Petersilie und Zitronenscheibe. Er schmeckte sehr gut, doch ich war eher erleichtert als erfreut.

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Stephen Fry antwortet auf die Frage, was er Gott erzählen würde, stellte sich nach seinem Tod heraus – wider Frys tiefe Überzeugung -, dass es Gott doch gibt:

(Das Gesicht des Fragers!)

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Es war nur eine Frage der Zeit: In den USA hat die wachsende Impffeindlichkeit von Religiösen und Esoterikern (ich unterscheide lediglich aus Höflichkeit) zu einem Ausbruch von Masern in 14 Bundesstaaten geführt. Nun fühlen sich die Impffeinde durch die Konsequenzen – wait for it – diskriminiert.
“Vaccine Critics Turn Defensive Over Measles”.

Journal Freitag, 30. Januar 2015 – Pandaaugen im Schneesturm

Samstag, 31. Januar 2015

(Ihnen mag die Veröffentlichung dieses Journaleintrags spät vorkommen – aber ich habe eben erst gefrühstückt.)

Viel zu früh aufgewacht, müde überm Kaffee gesessen, auf den Crosstrainer gestiegen – und dort neue Bestzeit gestrampelt. Mit meinem Stoffwechsel stimmt vermutlich wirklich irgendwas nicht. Ich hatte beim Strampeln sogar Ideen!

Als ich das Haus Richtung Büro verließ, tanzten ein paar Schneeflocken. Nach fünf Minuten setzte ein Schneesturm ein, der mich von Kopf bis Fuß weiß schneite und meine Brille unbrauchbar machte. Ich genoss es, durchgepustet zu werden. Allerdings verwandelte das Erlebnis mein Augen-Make-up in den perfekten Panda-Look – und ich vergaß, ein Foto davon zu machen!

Ausgeprochen emsiges Arbeiten, darunter ein Angstjob: Mit fehlerhaften Ausdrucken zum Copyshop gehen und reklamieren. Lief optimal, der dortige Chef entschuldigte sich, stornierte die Rechnung, und eine Fachkraft erklärte mir später am Telefon, was da höchst wahrscheinlich schief gegangen war.

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What the WHAT?! Eine Bestsellerautorin und Yale-Forscherin stirbt, und einem Nachrufschreiber fällt zu ihr als erstes “plain of feature, and certainly overweight” ein? Twitterer fanden darauf die passende Antwort:
“#MyOzObituary: Colleen McCullough fans mock obituary in the Australian”.

Witzigerweise tauchte der Vorfall in meiner Timeline so auf:

McCullough

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“Three Brothers Recreate Their Weirdest Childhood Photos As A Gift For Their Mom”.

Wobei ich mir sowas mehr vom Mitbewohner wünsche als von meinen eigenen Kinderfotos.

via @happyschnitzel

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Hakan Tanriverdi hat für die SZ eine großartige Seite 3 über einen Berliner Imam geschrieben (einen der wenigen, die sich offen Position gegen gewalttätigen Islamismus zu beziehen trauen), die die SZ hinter einer Paywall versteckt (nein, man kann nicht für diesen einen Artikel zahlen, zefix).

Auf kleinerdrei macht sich Hakan Gedanken, was der Unterschied zum Bloggen ist:
“Gut gesagt”.

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Wolle bisske lache?
“Broken door at work. Well, that escalated quickly …” (Die Bilder sind deutsch.)

via @ankegroener, die endlich auch beim studentischen Humor angekommen ist

Journal Donnerstag, 29. Januar 2015 – Pendelahnung

Freitag, 30. Januar 2015

Resturlaubstag.
Ausgeschlafen, eigentlich hatte ich Schwimmpläne gehabt, dann schrieb und bloggte ich so lange, dass es mir dafür zu spät wurde (ich hatte einen Nachmittagstermin). Ergebnis war unter anderem die Geschichte fürs Techniktagebuch, wie ich ein altes CMS überlistete.

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Mit einem Sack Kleingeld zur Sparkasse und den dortigen Münzzähler damit gefüttert (ich höre bereits von selbst die unablässige Aufforderung der Techniktagebuchherbergsmutter im Redaktionschat: “Aufschreiben!”). Das ist nämlich weiterhin meine und des Reisebegleiters Urlaubskasse: Jeden Abend leeren wir die Kleingeldfächer unserer Geldbörsen in einen alten Tontopf, egal wie viel sie enthalten. Wenn der Topf voll ist, zahle ich das Geld ein. Übers Jahr kommen damit mehr als 1.000 Euro zusammen, von denen wir dann unseren Urlaub bezahlen. Das war nützlich in unseren Anfangszeiten als Paar, als wir recht wenig Geld hatten. Dazwischen war es eher ein lieb gewonnenes Ritual. Und jetzt ist für mich wieder nützlich, da ich auf Urlaub sparen muss.

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Meine Schneestiefel mit sich lösenden Sohlen brachte ich zum alten Schuster:

Schuster: “Wie konn i heyfn?”
Kaltmamsell: “Mein Stiefel verliert die Sohle!”

Schuster sieht das Logo auf der Rückseite (ein B für Bogner): “Mh, der war teia.”
(Und von mir seinerzeit für ca. 50 Euro im Schlussverkauf erschnäppt.)

Er klappt die fast abgelöste Sohle weg: “Oh mei.”
Kaltmamsell: “Na ja, ich trag die jetzt schon ein paar Jahre.”
“Zehn Jahr, dad i sag’n.”
(Könnte hinhauen.)

Schuster: “Zwoahundatfuchz’ge ham die scho kost.”
Er füllt den Auftragszettel aus: “Werd’ fünfazwanz’g Euro.”
“Deutlich weniger als neue Stiefel.”

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Ausführlicher Lebensmitteleinkauf im neuen Basitsch an der Müllerstraße, der durch den seltsamen Grundriss sehr labyrinthig ist. Auf der Suche nach Sesam durchkreiste ich den Laden dreimal: Fand ihn nicht bei den Trockenfrüchten, nicht bei den Hülsenfrüchten, auch nicht bei den Backzutaten. Die Kassenkraft wies mich dann auf ein weiteres Regal hin, das einsam neben den Äpfeln stand.
Dass der Pfandautomat nach der Kasse kommt, führt sicher ebenfalls zu mancher Extraschleife.

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Nachmittagstermin. Beim anschließenden 15-minütigen Warten in der schneematschigen Kälte auf die verspätete S-Bahn eine Ahnung bekommen, was Pendeln in einen weit entfernten Arbeitsplatz mit sich bringt. Erst in der S-Bahn gemerkt, dass die Personalerinnenfrage: “Und wie versuchen Sie nach einem besonders stressigen Tag zu entspannen?” wahrscheinlich die Alkoholikerfalle war. (Nicht reingetappt.)

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Bagels gebacken – sie bleiben löchrig, auch mit Frischhefe.

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Vor zehn Jahren starb Ephraim Kishon. Eigentlich bin selbst ich zu jung für Fantum aus erster Hand. Aber in meinem Freundeskreis zu Studienzeiten wurden ja auch Lach- und Schießgeschichten aus den 50ern zitiert sowie Qualtinger-Hörstücke. Das mit dem Flott-und-Trendy konnte ich möglicherweise schon sehr früh nicht.

Der Deutschlandfunk hat den Sohn Kishons, Rafael, in Tel Aviv besucht (er scheint ganz der Papa zu sei):
“Auf Spurensuche in Tel Aviv”.

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Die SZ schreibt über den Umzug unseres Kartoffelkombinats nach Schönbrunn:
“Agrar-Revolution in grünen Kisten”.

Das ist eigentlich nicht vermeldenswert, die Geschichte ist einfach gutes journalistisches Futter. Aber: SIE HABEN DEN TEXT ONLINE GESTELLT!

Journal Mittwoch, 28. Januar 2015 – Bavaria im Schnee

Donnerstag, 29. Januar 2015

Hm, was ist weniger schlimm: Tief und durchschlafen, sodass mich das Weckerklingeln komplett desorientiert, oder eine Stunde vor Weckerklingeln mit steigendem Anspannungspuls von selbst aufwachen und halt aufstehen? Ich bin unentschlossen. Gestern hatte ich auf jeden Fall gut geschlafen.

Es hatte nochmal geschneit. Auf dem Weg in die Arbeit sah ich aus dem Augenwinkel die überzuckerte Theresienwiese und bog ab, um den Anblick auf einem Umweg genauer zu genießen.

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Im Büro festgestellt, dass sich die Sohle von einem meiner dicken Schneestiefel löst – vermutlich dieselbe Materialermüdung wie bei Bergstiefeln, diese Schuhe habe ich seit mindestens acht Jahren und trage sie witterungsbedingt selten. Zefix.

Arbeit: Hektik und Anspannung vor einem wichtigen Kundentermin, Kundentermin, Liegengebliebenes abarbeiten.

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Abend allein daheim, meinem berstenden Feedreader hinterher gelesen.
Dabei Katrin Scheibs Geschichte entdeckt, in der sie über ihre technische Aufrüstung beim Chorsingen schreibt:
“Eine Konzert-Saison mit ForScore”.

Und dann war Katrin auch noch so nett, die Geschichte zur Zweitveröffentlichung dem Techniktagebuch zu überlassen.

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Es ist wahr! Ghostbusters 3 bekommt eine Frauenriege!
“Everybody Scream: Here Are the Stars of the All-Female Ghostbusters”.

After many rumors surrounding the all-female Ghostbusters remake, the official cast has been announced. Kate McKinnon! Leslie Jones! Melissa McCarthy! Kristen Wiig! Stop screaming!

Melissa McCarthy würde ich derzeit am liebsten eh alles spielen lassen. (Gastrolle in Downton Abbey? Yes please!) Ich kann’s wirklich kaum erwarten.

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Welche Schlüsse man von Google-Daten aus dem Sexualverhalten von US-Amerikanern ziehen kann:
“Searching for Sex”.

Unbedingt auch den Schlussteil lesen, in dem der Autor die Aussagekraft der Daten hinterfragt.

Journal Dienstag, 27. Januar 2015 – Corriemirror

Mittwoch, 28. Januar 2015

Es gibt eine heikle Facette zwischenmenschlichen Umgangs, die niemand besser beschrieben hat als Douglas Adams in seinem The Meaning of Liff:

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Anlässlich der gestrigen Sportstunde im Fitnessstudio wurde mir klar, dass es auch Corriemirror gibt (der zugehörige Ort müsste halt schnell gegründet werden, das kann ja wohl nicht so schwer sein).

Mit der Zeit kennt man sich beim Turnen, die Langhantelstunde am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr, für die meisten vor dem Arbeitstag, wird tendenziell von Spinnerinnen wahrgenommen (ich war erleichtert, als ich vor Weihnachten feststellte: Ich bin nicht die einzige, die auch an freien Tagen her kommt). Selbst in den gefährlichen Monaten Januar und Februar tauchen hier keine Vorsatzsportlerinnen auf.

Irgendwann gesteht man durch einen direkten Blick und ein Lächeln Wiedererkennen, und bei der nächsten Begegnung in der Turnstunde wird daraus ein Gruß. Wenn man den richtigen Moment erwischt.

Begegnet man einander während des Aufbaus des Turngeräts (Step holen, diesen auch die korrekte Höhe stellen / Lanhhantelstange und Gewichtsklipps holen / Gewichtscheiben breitstellen / ebenso Kurzhanteln / Turnmatte holen) ist das noch einfach: Man kommt in den Turnsaal, und wenn die Mitturnerin aufblickt, sagt man Hallo. Brenzlig ist die Situation in den Minuten vor Beginn der Stunde, wenn alle an ihrem Platz stehen und meist nach vorne in den Spiegel schauen. Jetzt ist man von lauter Bekannten umgeben, von denen man im schlechtesten Fall noch keine einzige gegrüßt hat. Guckt sie im Spiegel gerade zu mir? Man versucht ein Lächeln. Sie reagiert nicht, also hat sie wohl doch nicht geguckt. Oder eine Zehntelsekunde zu spät das Lächeln bemerkt, das sie nun erwidert, während man gespielt beiläufig bereits in eine andere Richtung schaut. Was man über die Spiegelwand mitbekommt, doch jetzt guckt sie schon wieder woanders hin. Also tut man die ganze Stunde so, als hätte man sie gar nicht erkannt oder sei völlig verschlafen und abwesend.

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Gestern schneite es immer wieder nass, nach Einbruch der Dunkelheit sogar verbunden mit Gewitter.

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Abends Friseurbesuch, ich ließ mich mit aktuellen Verschwörungstheorien versorgen (u.a.: total verräterisch das die Morde in Paris sofort als islamistischer Anschlag ermittelt wurden, solche Erkenntnisse brauchen in Wirklichkeit viel mehr Zeit), genoss wieder die Atmosphäre in diesem Laden – einen Tanz zwischen Haarschneiderin und Kundin im Sessel mit Färbemittel-verkleiserten Haaren sieht man ja sonst nur in Hollywoodfilmen mit Julia Roberts, und dann muss am Schluss jemand sterben.

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Ein weiteres großartiges “Was machen die da?”: Glasermeister Böttcher (es gibt da draußen sicher auch einen Fassmacher namens Glaser).
“Kay-Alexander Böttcher, Glasermeister und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger”.

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Inzwischen gibt es nach meiner Beobachtung ein Marketing-Web und ein Echtmensch-Web. Wenn die aufeinanderprallen, fliegen meist die Funken, die seit zwei Jahren “Shitstorm” heißen. Umso herzerfrischender ist es, wenn diese Funken zu Glitzer werden.1 Zum Beispiel wenn die Marketingleute von Bertolli sich mit Werbelinks in die Kommentare bei Foodbloggerinnen setzt und diese auf Facebook Revanche üben. Dafür auch gleich noch ein neues Wort erfinden: Dishstorm.

Thomas Knüwer beleuchtet denn Fall aus professioneller Sicht (er ist ja beruflich Übersetzer zwischen den beiden Welten):
“Bertolli im Pestogate – und was Digitalmarketing-Leute daraus lernen können”.

  1. Dafür will ich bitte Pluspunkte auf meinem Metaphernkonto. []

Journal Sonntag, 25. Januar 2015 – Schnee, Essen bei Eltern

Montag, 26. Januar 2015

Wieder gut ausgeschlafen.

Den Soundtrack von Imitation Game heruntergeladen – zwischen den vier Mal im Jahr, die ich mir Musik von Amazon hole, hat sich der Prozess jedes Mal verändert, und ich stolpere über neue unerwartete Hürden. Diesmal musste ich mir ein amazon.com-Konto anlegen, um an meine Musik zu kommen – NACH dem Kauf.

Die Musik von Alexandre Desplat war mir an Heilig Abend in der Preview des Films positiv aufgefallen. Kaufen konnte ich sie aber erst nach dem offiziellen Start des Films. Alexandre Desplat ist ganz oben in meiner Liste liebster Filmkomponisten, seit er mich mit Girl with a Pearl Earring umhaute. Dieses Jahr ist er für gleich zwei Soundtrack-Oscars nominiert (Imitation Game und Grand Budapest Hotel), die ich beide sofort haben wollte. Nominiert war er zwar vorher schon sechs Mal, diesmal wird hoffentlich ein Preis rausspringen.

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Nachdem am Samstag instagram von Schneebildern aus Deutschlands Norden dominiert war, hatte der Schnee nun auch München erreicht, schwer und nass.

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Vormittags nahm ich einen Zug zum Elternhaus, in Stapfkleidung.

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Ich reiste mit großem Korb, denn das riesige Brot hatte ich am Vortag für meine Eltern gebacken, außerdem ist derzeit wieder eine spanische Freundin der Familie im Land, der ich Münchner Gin versprochen hatte (sie hatte mir bei der letzten Begegnung erzählt, dass in Spanien Gin Tonic gerade ein großes Revival feiere und dass das ihrer und ihrer Freundinnen Lieblingsdrink sei), außerdem habe ich vor Kurzem wieder einen Schwung Vanilleschoten bei Madavanilla gekauft und brachte meiner Mutter zehn davon, tiefgefroren.

Es gab Zunge in Porreesoße – in meiner Familie wird Rinderzunge praktisch nur so serviert. Mit Kartoffelpüree. So gut schmeckt mir Zunge nirgends sonst.

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Abends den aus dem Internet geladenen The Heat geguckt, auch beim zweiten Mal herzerfrischend.

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Hannah Beitzer schreibt für die Süddeutsche Zeitung, was die Pegida-Bewegung für die bedeutet, die ihr nicht zustimmen:
“Der Rückzug ins Private muss aufhören”.
Und das, wo ich gerne erzähle, wie erleichternd für mich seit vielen Jahren der menschliche Kontakt übers Internet ist: Für ein wenig Rudelwärme muss ich nicht mit der Nachbarin und der Hausmeisterin ratschen, deren menschliche und politische Ansichten mir die Haare zu Berge stehen lassen. Sondern kann mich mit Menschen umgeben, die auf der Basis ähnlicher Prämissen denken und agieren wie ich. Das Ergebnis:

Die Lebens- und Gedankenwelt der Menschen auf der Demonstration ist mir in etwa so fremd, wie ihnen die meiner muslimischen Nachbarn in Berlin sein dürfte.

Bin ich daran möglicherweise selbst schuld?

Journal Freitag, Samstag, 23./24. Januar 2015 – In the bleak midwinter

Sonntag, 25. Januar 2015

Auch am Freitag verging das morgendliche Stündchen auf dem Crosstrainer im Flug, weil ich so viel zu denken hatte. Den Impuls, diese Zeit durch Anhören von Podcasts und Musik zu nutzen, habe ich immer wieder – doch ich nehme an, dass die Stunde scheinbaren Leerlaufs fürs Gehirn mir ebenso gut tut wie die Muskelbetätigung und der erhöhte Puls.

Auf dem Fußweg in die Arbeit stand ich an einer roten Ampel, als mich die Frau neben mir ansprach: “Ich muss Ihnen sagen, das sieht super aus.” Ich freute mich und dankte. Als sie nachsetzte: “Echt mutig!”, war ich allerdings ein bisschen verunsichert.
Sie bezog sich wahrscheinlich hierauf:

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Stelle hiermit die These auf: Wenn man sich vom Ziel “hübsch” verabschiedet, kommen die wirklich interessanten Styling-Ideen.

Auf dem Heimweg bei Verdi Kalbskoteletts gekauft, gab’s zum Abendbrot mit dem ersten selbst gemachten Waldorf Salad: Halbe Sellerieknolle (geraspelt) und zwei Äpfel (in Stücken) aus Ernteanteil, gehackte Walnüsse, ein paar eingeweichte Rosinen, Idiotenmajonese, etwas Zucker (der die Mischung interessanterweise salzig schmecken ließ). Er schmeckte überdurchschnittlich köstlich, den machen wir wieder.

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Sehr lang geschlafen (halb neun!). Samstagvormittag mit Brotbacken verbracht, dann raus zum, wie mir auffiel, ersten Isarlauf des Jahres. Das englische Wort bleak beschreibt das Draußenlicht treffend: Wenn der Januar vorlügt, der Winter würde niemals aufhören. Ohne Graffiti hätte ich gar keine Farbe gesehen.

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Durch Brotbacken und Lauferei Frühstück erst um 15 Uhr. Dabei auch Vanillekrapfen von der Hofpfisterei, auf der Suche nach einem Vanillekrapfen in München, der an die Benchmark Bäckerei Wolf in Augsburg heranreicht. Der vom Högl hat eine nach meinem Geschmack zu wassrige Füllung, der vom Rischart wird auseinandergeschnitten – wenn ich Bienenstich will, kaufe ich Bienenstich. Leider war der Vanillekrapfen der Hofpfisterei eine Enttäuschung: Füllung wohlschmeckend, aber deutlich zu flüssig, und der Teig schmeckte, als wenn der Krapfen schon gestern gebacken worden wäre. Als nächstes folge ich der Empfehlung zum Käfer.

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Abends auswärtige Essenseinladung.
Sagen Sie: Sind gemalte Augenbrauen wieder Schminkstandard? In den vergangenen Wochen fielen mir mehrfach Frauen auf, die ihre Brauen in einer Art Comicform ausgemalt hatten.

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Aber selbstverständlich kann man Missstände in Israel kritisieren. Und leider ebenso immer noch selbstverständlich ist diese Kritik oft in Wirklichkeit Antisemitismus. (Context, baby.)
Ein Beispiel:

Am 22. Januar 2015 wurde im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas.

Der Stadtrat David Greenfield reagierte mit einer leidenschaftlichen Rede. Hier als YouTube-Video und übersetztes Transkript:
“‘Ich zittere!'”.

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Sehr sympathisch, weil alpenfrei: Skifahren im Harz. Andrea Diener hat ihre Achtklass-Skifreizeitkenntnisse aufgefrischt.
“Weißer Rausch am Wurmberg”.

Wir teilen uns den Waldweg mit Langläufern, Spaziergängern und Familien, die ihre Kinder im Schlitten hinter sich herziehen. Hier können wir ausprobieren, was wir außer Pizza und Pommes noch brauchen, um einen Hang hinunterzukommen. Wir hüpfen, bremsen, wenden, kurven vor uns hin. Ab und zu lassen wir einen Hund vorbei, dann kurven wir wieder. Ich habe Skifahren nicht so entspannt in Erinnerung, was aber vermutlich daran liegt, dass ich im Verbund mit dem Schulumfeld ungefähr gar nichts als entspannt in Erinnerung habe.

Wobei “Schlepplift” bis heute mein “Reinemachefrau” ist (selbst als Alpenanrainerin Ski gefahren von 3 bis 18, dann nochmal einen Winter lang 2001/2002). Ich bestand bis zuletzt darauf, mich nur einzeln in solch einem Anker schleppen zu lassen, weil ich als Hälfte der üblichen Doppelbesetzung immer in verkrampfte Panik geriet und regelmäßig aus der Spur plumpste.

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Weiter anarbeiten gegen Körperstereotypen:
“19 Badass Instagrammers Who Prove Yoga Bodies Come In All Shapes And Sizes”.