Fotos

Journal Montag, 20. März 2017 – Knospenausbruch

Dienstag, 21. März 2017

Morgens einen ganzen Schwung Sommerkleidung bestellt, ich hatte beschlossen: Nach ein paar Jahren Kleidungsdiät darf ich wieder.

Auf dem Weg durch den Bavariapark drei Spechte gleichzeitig klopfen gehört, in verschiedenen Tonhöhen.

Schulkinder auf dem Schulweg in fröhlichem Geplänkel, der eine ruft: „Du landloser Spacko!“ Kennt jemand das Bezugssystem?

Auf dem Heimweg viel Freude am Anblick berstender Knospen.

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Neurowissenschaftler Bobby Kasthuri erklärt den Fachbegriff „Konektom“ auf fünf Arten: einem Kind, einem Teenager, einer Studentin, einer Doktorandin und einem Kollegen. Nicht nur die Erklärungen sind interessant, sondern auch die Nachfragen.
„Watch a Scientist Brilliantly Explain a Difficult Concept to Everyone from a Child to a Fellow Ph.D.“.

Journal Sonntag, 19. März 2017 – Familienmuster

Montag, 20. März 2017

Meine Eltern hatten in mittelgroßer Familienrunde zur Geburtstagsfeier meines Vaters nach Unteremmendorf ins Altmühltal eingeladen.

Im Gasthof Wagner gab es köstlichen Karpfen im Bierteig.

Mit Bruder und Vater tauschte ich Berufliches aus – und erkannte grundsätzliche Muster zwischen uns drei. Vor allem als mein Vater (gelernter Elektriker) erzählte, wie seine Laufbahn in der großen Autofabrik 1966 bis in die 70er, also bis zu seiner Position als Gruppenmeister eigentlich ausgesehen hatte – bis gestern kannte ich nur unzusammenhängende Bruchteile. Die Grundhaltung hinter seinen Geschichten kam mir sehr bekannt vor, mein Bruder und ich erzählen Ähnliches:

– „Ich hatte nicht genug zu tun, die haben mich ja nur die Neonröhren auswechseln lassen. Da habe ich beim Aufbau von der neuen Anlage zugeschaut. Einer war sehr nett und hat mir viel erklärt, was die da machen. Als die Anlage lief, war ich der einzige in der Truppe von der Instandhaltung, der sich schon damit auskannte.“

– „Es war keiner da, den ich fragen konnte, da habe ich das halt selbst rausgefunden.“

(Jetzt müsste ich mir nur noch das Schlitzohrentum aneignen, mit dem Papa sich Annehmlichkeiten ertrickste. Zum Beispiel eine Klimaanlage für sein Kabuff unterm Dach der Werkhalle – als einziges Kabuff dieser Art: „Hab‘ ich den Computer paar Mal abstürzen lassen und gesagt, ist wegen der Hitze. Dann hab‘ ich die Klimaanlage bekommen.“)

Genauer nachfragen werde ich noch zur Anmerkung meines Vaters, einige Kollegen hätten anfangs ziemlich Schwierigkeiten damit gehabt, Anweisungen von einem Ausländer anzunehmen. Er erinnerte daran, dass es damals nur wenige Ausländer im Werk gegeben habe, und wenn, dann als Bandarbeiter.

Im Elternhaus daheim gab es dann noch Kaffee und Torten – die mitgebrachte Mokkatorte machte mir keine Schande.

Ich genoss die fröhliche Runde sehr.

Journal Dienstag, 14. März 2017 – Ich bleibe

Mittwoch, 15. März 2017

Morgens zum Langhantel-Krafttraining. Ein wenig Schwierigkeiten, weil durch den beengten Nackennerv wieder die linke Schulter-Arm-Seite schwächer ist.

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Berufliche Entscheidung getroffen: Ich bleibe. Und arbeite an inneren Distanz und Wurschtigkeit. Die Verhältnisse werden sich nicht ändern, also muss ich meine Haltung dazu ändern.

Theresienwiese zu Feierabend.

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Abendessen.
Das ist einer meiner Alleinessensstandards, und erst gestern fiel mir auf, dass er doch eher speziell ist: Ein lauwarmes Pastagericht, das keine Kultur vorsieht. Vielleicht ist es für andere sogar widerlich. Es entstand während meiner Studienzeiten auf dieser Basis:
1) Ich lehne Nudelsalat ab.
2) Ich liebe den Geschmack von Majonese.
3) Ich mag Nudeln.
4) Ich mag Tomaten, Gurken, Paprika.
Irgendwann wurde daraus eine Mahlzeit aus frisch gekochten Nudeln, während deren Garzeit ich in einer großen (weil es darf ruhig viel sein, so lange es gut schmeckt) Schüssel viel Joghurt mit ein zwei Löffeln Majo, Salz und Pfeffer verrührte, frische Tomaten/Paprika/Gurke/Stangensellerie (was halt gerade da war oder worauf ich Lust hatte, immer aber Tomate) reinschnippelte. Und dann die Nudeln untermischte. Das ist auf KEI-NEN FALL Nudelsalat.

Herr Kaltmamsell kehrte von einer Dienstreise zurück, große Freude.

Journal Sonntag, 12. März 2017 – #12von12

Montag, 13. März 2017

Das ist #12von12.

Ein nahezu prototypischer Sonntag in meinem Leben außerhalb des Sommers.

1 – Gleich nach dem Aufstehen zog ich mein Bett ab und steckte die Überzüge mit anderer heller Wäsche in die Waschmaschine.

2 – Auf dem Weg zum Turnen im Sportstudio. Am Wasserstand der Isar und an der milchigen Farbe ihres Wassers sieht man: In den Alpen hat die Schneeschmelze eingesetzt.

3 – Blick aus der Sportstudioumkleide: Herrlichstes Sonntagswetter.

4 – Vor der halben Stunde Krafttraining in Kleingruppe reservierte ich im Turnsaal für das anschließende Stepaerobic meinen Lieblingsplatz: Hier muss ich am wenigsten von mir im Spiegel sehen.

5 – Auf dem Heimweg entdeckte ich, dass jemand an der Muffathalle seit Jahren Primeltöpfe ausgewildert haben muss (wenn Sie genau hinsehen, finden Sie die Büschel bis kurz vors Gebäude).

6/7 – Ich spazierte noch ein wenig an der Muffathalle vorbei: In München ist selbst Graffiti hübsch.

8 – Zu den beiden vorherigen und zu diesem Bild von St. Lukas müssen Sie sich Lärm vorstellen: Das Wasser aus den Schleusen war höllisch laut.

9 – Zum Frühstück erst mal Far Breton. Schon beim Schneiden merkte ich, dass ich die Form hätte fetten müssen – aber beim ersten Mal halte ich mich sklavisch ans Rezept, und wenn dort nichts von Fetten steht, mache ich das auch nicht. Die Masse war überraschend fest, fast schon gummig. Aber Kuchen mit eingeweichten Trockenpflaumen schmeckt immer gut. Allerdings steht jetzt noch die Einweichflüssigkeit aus schwarzem Tee und Rum herum – die ist doch wohl nicht zum Wegkippen gedacht?

10 – Stillleben mit Bügelwäsche.
Und bei Stilleben ist natürlich jeder Gegenstand allegorisch:
– Die Narzissen stehen für den anbrechenden Frühling.
– Die Rosinen dahinter (die stecken in dem Plastiktütchen und warten darauf, an die Amseln verfüttert zu werden) für Vergänglichkeit – besonders weil sie in einer Obstschale liegen, die ich von meiner vor elf Jahren verstorbenen polnischen Oma geerbt habe, so dass sie gleichzeitig für Fürsorglichkeit und Kontinuität stehen.
– Das Glas der Tischplatte (Reflexion!) für stille Einkehr (achten Sie auf den bedeutsamen Sprung!).
– Die Bügelwäsche für den ewigen Kreislauf des Lebens und für die zwei Stunden Bügeln, die der Aufnahme des Fotos folgten.

11 – Für mein montägliches Abendessen Kartoffelsuppe aufgesetzt – Herr Kaltmamsell wird außer Haus sein, ich muss mich selbst versorgen. Und da ich meist sehr hungrig heimkomme und dann nicht erst lang kochen will, kochte ich vor.

12 – Am Ende des Tages (!) vergaß ich, ein Foto von mir beim Lesen vor Einschlafen aufzunehmen.

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Vielen Dank für die Tipps zu ernsthaften Wäscheläden in der Münchner Innenstadt, die Sie mir per E-Mail und hier in den Kommentaren genannt haben! Jetzt ist mir nicht mehr bang vor der Zukunft ohne Treml.

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Ich weiß nicht, ob es erleichternd ist oder zum Haareraufen, dass die Digitalisierung der Gesellschaft nie schneller gehen wird, als sich menschliche Befindlichkeiten verändern lassen: Kristin schildert im Techniktagebuch das mühsame Eröffnen eines Bankkontos per Smartphone:
„Mobile only ist im Kommen“.

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Sehr schöne Gedanken bei Maximilien Buddenbohm über Punk – und was man als Siebzehnjähriger vom Auflehnen gegen die Gesellschaft weiß:
„Ist das noch Punk?“

(Dummerweise fallen mir bei „hat sich konsequent totgesoffen“ nur Männer ein, die ihre Partnerinnen und Kinder damit in ein nie endendes Elend gestoßen haben. Aber das ist echtem Punk ja egal.)

Journal Samstag, 11. März 2017 – Angewandert: Kirchseeon nach Aying

Sonntag, 12. März 2017

Für dieses Wochenende war sonniges Wetter angekündigt, das nutzten wir fürs erste Wandern des Jahres. Vorläufige Idee war ein kurzes Stück gewesen, doch dann hatten wir Lust auf einen längeren Marsch: auf die Wanderung von Kirchseeon über Moosach und den Steinsee nach Aying, die in den aktuellen Bücherln Wandern mit dem MVV gar nicht mehr verzeichnet ist.

Nach Ausschlafen und Bloggen ging ich noch eine kleine Runde Einkaufen, mit Frühstück (Käsebrezen und Nussschnecken) setzten wir uns am späten Vormittag in die S-Bahn nach Kirchseeon.

Die Strecke kennen wir mittlerweile so gut, dass wir mit Hilfe von GPS und Karte auf dem Tablet auch improvisieren konnten. Zum Beispiel fand Herr Kaltmamsell zwischen Schlacht und Lindach einen Weg durch Feld und Wald, der uns den größten Teil der eigentlich vorgesehenen Landstraße ersparte.

Es war sonnig, aber auch nur in der Sonne warm genug, dass ich den Anorak öffnete, zumindest brauchten wir weder Mütze noch Handschuhe. Wir sahen Schmetterlinge (Zitronenfalter und einen Kleinen Fuchs), einige Bussarde kreisten am blauen Himmel, als wir an einem Holzstapel vor Lindach Rast machten, flog hinter uns mit einem Pfiff ein Falke auf.

Blick auf Moosach.

Am Steinsee liebe Gedanken an 356 days, deren Swimming Pool das ist.

Ein seltener Anblick: Unrenoviertes in Schlacht.

Päuschen mit Panorama.

Kurz vor Aying ein Zeugnis von Volksfrömmigkeit:

„Überlebte eine unerklärliche Rettung um wenige Wochen“ hat als Anlass für den Bau und die Pflege eines Heiligtum etwas leicht Bizarres, doch ich bin sicher, der Erbauer hat Freude daran.

Schweinshaxn und Starkbier für mich, Bierbratl und Kellerbier für Herrn Kaltmamsell. Auch der Biergarten des Ayinger Bräustüberls war bei unserer Ankunft gut besucht, dafür war es mir aber entschieden zu kalt.

Gewandert etwa 23 Kilometer in viereinhalb Stunden mit einer Pause.

Uns fiel die neue und ausführliche Ausschilderung des Wanderwegs für Radler auf: Sehr wahrscheinlich ist die Strecke im weiteren Jahresverlauf für Fußgänger nicht mehr so gemütlich. (Wobei ich grinsen musste über den Trupp Mountainbiker, der am Waldrand wieder zurück auf die Landstraße drehte, weil sie ein Stück Matsch vor sich entdeckt hatten – die Prinzipien des Radelns auf dicken Profilreifen und ohne Schutzbleche erschließen sich mir einfach nicht.)

In den Orten begegneten wir vielen Motorradfahrern, auch diese Saison scheint begonnen zu haben.

Zurück daheim (die S-Bahn-Mobilität um München ist schon ein Luxus – aber vielleicht sehe ich das nur so, weil ich nicht damit arbeitspendeln muss) buk ich noch Bretonischen Pflaumenkuchen, von den Kommentatorinnen profitierend, die wichtige Informationen fürs Rezept nachträglich erfragt hatten.

Journal Freitag, 10. März 2017 – Münchnerisches

Samstag, 11. März 2017

Diese Arbeitswoche zog sich derart hin, dass ich mich schon fast nicht mehr über den Freitag freute.

In der Mittagspause las ich im Lokalteil der Süddeutschen eine große Abschiedsgeschichte über meine Lieblingswäschehändlerin.

So gut ich Frau Elmpaks Gründe nachvollziehen kann (und sie hatte mir bei meinem letzten Einkauf noch einige Aspekte erzählt, die im Artikel nicht genannt werden): Jetzt muss ich mich dahinterklemmen, noch das eine oder andere helle Set für den Sommer bei ihr zu bekommen. Hat eine von Ihnen Erfahrungen mit dem MCL-Shop in der Klenzestraße? Der sieht zumindest beim Vorbeigehen aus, als könnte er den verschwindenden Treml ersetzen. (Gerne als E-Mail an die Adresse links oben in der Seitenleiste.)

Auf dem Heimweg (bunter Himmel, zapfige Temperaturen, schneidender Wind) nachgesehen, ob die Bavaria nach ihrem Auftritt am Nockherberg wieder gut heim gekommen ist.

Vielleicht sollte Luise Kinseher das nächste Mal den Löwen mitbringen, damit die Diskussion über zu viel oder zu wenig Bissigkeit ihrer Ansprache erst gar nicht aufkommt. (Mir hatte sie gefallen – auch wenn die eigentliche Show das großartige Singspiel war. Hier in der BR-Mediathek zum Nachgucken.)

Herr Kaltmamsell hatte seinen Ehrgeiz daran gesetzt, möglichst viele vorhandene Lebensmittel für das Abendessen aufzubrauchen: Es wurde ein köstliches Chili von carne, Quesadillas hatte er auch dazu gemacht.

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Wegen dieses Tweets über Influencertum im Web nachgedacht: Ja, so funktioniert das tatsächlich.
Giardino bloggt über Kuchen mit Trockenpflaumen drin – kommt auf den Backplan fürs Wochenende.
– Alle paar Jahre kaufe auch ich Nagellack – da ich keine Ahnung habe und keine Lust mir eine anzulesen, erinnere ich mich an die Begeisterung von Vielnagellacklerin Frau Brüllen und gehe im Drogeriemarkt schnurstracks auf die Essie-Palette zu.
– In den vergangenen Wochen schmerzen mich beim gewohnten Seitenschlafen meine Schultern und es schlafen meine Arme ein – das Neue ist, dass das auf beiden Seiten so ist, bislang musste ich nur links aufpassen. Da mein linker Arm auch wach derzeit regelmäßig kribbelt, nehme ich an, dass wieder der Knochensporn im Wirbelkanal eines Halswirbels den Nerv reizt. Vielleicht doch ein anderes Kopfkissen? Und ZACK! fällt mir als Erstes dieses Eva-Kissen ein, dass 2016 quer durch die Blogs meines Internets gesponsert getestet und für gut befunden wurde. In diesem Fall ist mir allerdings das Risiko zu groß und teuer, bei Nichtfunktionieren Müll zu erzeugen, ich würde dann doch ins Fachgeschäft gehen und mich beraten lassen.

Influencertum? Das funktioniert halt wie im Kontakt mit Arbeitskolleginnen, Nachbarn, der Obsthändlerin: Wenn ich jemandes Einschätzung vertraue, nehme ich Tipps an.

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Gefahren des Homeoffice: Man sieht, wie eklig Papa wirklich ist.
(Interessanterweise war im englischsprachigen Raum die Annahme verbreitet, die Retterin sei das Kindermädchen.)

Nachtrag: Und schon gibt es eine gründliche und lustige Fachanalyse der Szene.
„Breaking Down the Father on BBC Being Interrupted by His Children“.

Journal Montag/Dienstag, 6./7. März 2017 – Wie komme ich zu mehr Sport?

Mittwoch, 8. März 2017

Das Montagswetter war dann doch nicht so greislich wie angekündigt, ich kam trocken in die Arbeit und wieder heim.
Früh ins Bett, weil ich von der unruhigen Nacht (das wird in der Nacht vor ersten Arbeitstag nach Urlaub in diesem Leben wohl nicht mehr anders werden) erschöpft war.
Zum Abendbrot gab’s Bestell-Sushi, viel davon.

Dienstagmorgen zum Langhanteltraining. Es belastet mich, dass ich während der Arbeitswoche so wenig Bewegung bekomme. Zwar hoffe ich auf das abends längere Licht zur Sommerzeit, aber leider lässt mich mein Körper (Achillessehnen, Lws) nicht so oft dauerlaufen, wie es mein Geist bräuchte – mehr als einmal die Woche zahle ich mit bösen Schmerzen. Nach Feierabend auf den heimischen Crosstrainer? Dazu müsste ich mich mit so viel Energie zwingen, dass es den Spaß nicht aufwöge.

Überraschenden Anruf erhalten, berufliche Alternative könnte sich auftun (mehr in einer Woche).

Bei eisigen Temperaturen nach Hause. Über den Anblick dieses Hauses freue ich mich jedes Mal.

Ich wurde mit köstlichem Garnelen-Kung Pao empfangen.

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Nach der Erklärung von Frau Brüllen, warum Honig und Obst sicher nicht zuckerfrei sind (mein Zucker ist ja zu 100 Prozent aus Rüben, rein pflanzlich), erklärt Frau Rabe ebenso tief, aber verständlich, was der menschliche Stoffwechsel mit den verschiedenen Zuckern macht:
„Zucker macht Spaß“.

Mit dem wichtigen Fazit:

Glauben sie nix, was ihnen irgendwer als allein selig machend verkaufen will. Der Körper ist komplex.