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Dienstag, 19. August 2014

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Was es damit auf sich hat, steht im Techniktagebuch.

Wirklich langes Wochenende

Montag, 18. August 2014

Dank dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt (wir erinnern uns: immer direkt vor Mariä Einschulung) dauerte dieses Wochenende drei Tage lang.

Zur Feier des Wochenendes gab es am Donnerstagabend ein köstliches Nachtmahl:

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Die beiden hübschen Tintenfische vor der Zubreitung:

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Auf den feiertäglichen Isarlauf freute ich mich sehr, doch gerade als ich losradeln wollte, begann es energisch zu regnen. Ich verschob den Lauf um eine halbe Stunde und trat ihn mit Regenjacke an – die dann auf den Wegen zwischen Wittelsbacherbrücke und Großhesselohe weniger Nässe abhalten als mich wärmen musste. Egal, ich trabte praktisch schmerzfrei und genoss den Lauf sehr.

Für den Abend hatte ich fest geplant, noch ein möglicherweise letztes Mal den Schnitzelgarten zu besuchen. Tatsächlich blieb das Wetter trocken, doch als ich ums Häusereck in den Biergarten bog (wegen der Kälte halt in dicken Socken, Jacke und Schal), war da kein Biergartenbetrieb. Und mochte das ersatzweise Essen im Vietnamesen gegenüber noch so gut sein – ich war auf Schnitzelgarten eingestellt gewesen und enttäuscht.

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Am Samstag hatte ich mich zum Ernteeinsatz im Kartoffelkombinat gemeldet, genauer in Sigis Gärtnerei, die die Hauptquelle für unser Gemüse ist.
Hintergrund: Auch dieses Jahr wird die große Schwemme an Gemüse zentral eingekocht (Tomatensugo, eingelegte Gurken), um unsere Gemüsekisten in den mageren und rübenlastigen Wintermonaten bunter zu machen. Die Einkochtage liegen organisationsbedingt in der Arbeitswoche, deshalb kann ich zu meinem großen Bedauern nicht mitkochen. Aber am Samstag dafür ernten, das kann ich.

Wir waren ein gutes Dutzend Helfer und Helferinnen draußen in Eschenried (später erfuhr ich, dass noch nie so viele an einem Mitgärtnersamstag dabei waren), einer der Gärtner erklärte uns fröhlich und geduldig, was zu tun war. Dann fuhr er die leeren Kisten (und eine Waage und Getränke) mit dem Traktor zum Gewächshaus mit unseren Tomaten. In dem Moment, in dem der Bulldog ansprang, wurde ich wieder ein neunjähriges Kind: BULLDOG! (So hießen Traktoren in meiner Kindheit, im Süddeutschen wohl bis heute.) Ich erkundigte mich sofort, wie oft mal wohl mitgärtnern muss, bis man mal Bulldogfahren darf, und tatsächlich erzählte eine regelmäßige Mitgärtnerin, dass sie zumindest schon mal mitfahren durfte. BULLDOG!

Wir ernteten fünf verschiedene Sorten Tomaten und bekamen davon leuchtend grüne Finger. Zwischen diesen Stauden wuchsen wunderschöne Auberginen und beeindruckende Artischockenbüsche, eine Mitgärtnerin holte sich eine Tüte voll von dem Franzosenkraut, das überall in Gewächshaus wucherte: Sie kocht es wie Spinat und prophezeite ihm eine ähnliche Karriere vom Unkraut zum Modegemüse wie sie die Rauke hatte.

Weil wir in nur einer Stunde die angepeilten 500 Kilo Tomaten zum Einkochen beisammen hatten (sogar deutlich mehr), ernteten wir auch noch Schlangenkurken (pieksige Angelegenheit). Mit ein paar anderen ließ ich mich zum Küchendienst bitten, nach dem Mitgärtnern wird zusammen gegessen: Pellkartoffeln, frisch gekochte Tomatensoße mit Kräutern, Tomatensalat, Gurkensalat, Ruccolasalat, dazu Mojo (Sigi zerstieß frische große Chilis und Zwiebelwürfelchen mit Salz, rührte weißen Essig unter – köstlich) und ein Salatsößchen. Bei Essen erfuhr ich, wie der Stand des Gärtnerns ist: Zu nass, eigentlich würde jetzt Spinat gepflanzt, doch der würde absaufen. Zu kühl, das Gemüse reift deutlich langsamer als sonst um diese Jahreszeit.

Beim Zurückradeln zur S-Bahn-Station Karlsfeld regnete es, und im Regen macht mir das Radeln auch mit schützendem Umhang keinen rechten Spaß.

Nachtmahl wurde genau das Richtige für kalte Abende: Kaiserschmarrn.

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(Ja, diese Portion essen wir zu zweit.)

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Am Sonntag endlich ernsthafter Sonnenschein: Ich radelte ins Schyrenbad zum Schwimmen und fotografierte ausgiebig.

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Nachmittags wurde daraus eine Bahnenvorstellung im Schwimmblog Freistilstaffel und ein kleiner Text über den Schwimmbeckenfahrstuhl für das Techniktagebuch.

Hätte der Mitbewohner es nicht zum Termin erklärt, wäre ich sicher wieder nicht ins Kino gegangen. So aber spazierten wir ins Cinema und sahen Lucy. Hmja. Scarlett Johannsson darf nur in den ersten zehn Minuten des Films schauspielen, und das Ganze ist insgesamt dann doch eher schwach auf der Storybrust. Optisch sind gerade mal die Collagen aus Dokubildern originell.

Viel lustiger: Auf dem Weg zum Kino fotografierte ich im Bahnhofsviertel endlich die Werbung für den Luftkurort Bad Angel, der bekanntlich zusammen mit Bad Hausen und Bad Bank zu den wichtigsten und traditionsreichsten Kurbädern Bayerns gehört.

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Abends dann doch noch in den SCHNITZELGARTEN! Dicke Socken und Schal brauchte ich nicht, aber die Tage sind bereits wieder deutlich kürzer.

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Ich bin gerne stark

Freitag, 15. August 2014

Das Wohnblockkinderrudel, in dem ich meine ersten sieben Lebensjahre verbrachte, verglich begeistert Muskeln, vor allem Oberarmmuskeln:
“Ich bin stärker als du!”
“Nein ich!”
“Fass mal an – meiner ist größer.”
“Nein meiner!”
Und dann musste ein Armdrücken oder eine kleine Rauferei zeigen, wer recht hatte.

Außerdem war ich von klein auf Team Pippi.

Wenn Sie mein Imponiergehabe kennen und meine Unfähigeit, mich durch Hilflosigkeitsposen attraktiv zu machen, wird es Sie nicht überraschen, dass ich gerne stark bin. Und schon immer war. Hat vermutlich ein wenig mit meinem enormen Autarkiebdürfnis zu tun.

Was mein Balzverhalten angeht: Es haben bislang immer die passenden Männer mit Bewunderung und glitzernden Augen auf meine Kraft reagiert.

Eben fiel mir ein Beleg ein:

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Das bin ich, damals noch Sopran 2, 19-jährig auf einer Chortournee in Schottland. Und was ich da hebe, ist ein Bass.

(Noch eine, die gerne stark ist, ist Frau Nessy. In “Animalische Anstrengung” macht sie sich kluge Gedanken, warum Frauen mit ihrer körperlichen Kraft ein Problem haben.)

Ein etwas längeres Wochenende

Montag, 11. August 2014

Die Bügelwäsche ist weg, Donna Tartts The Goldfinch ausgelesen, sogar zu zweimal Ausschlafen und einmal Mittagsschlaf hat es gereicht.

Nur mit dem Wetter habe ich mich wieder verschätzt. Der Samstag begann mit Badewetter.

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Also packte ich nach dem Fertigstellen der Aprikosentarte (Rezept ein wenig verbessert) Schwimm- und Badesachen, radelte damit zum Schyrenbad. Nur dass nach meinen 3.000 Metern der Himmel energisch bedeckt war und ich keinen Grund für längeren Aufenthalt fand. Am frühen Nachtmittag regnete es dann und kühlte so stark ab, dass ich zum Lesen Wollsocken und Strickjacke trug. Ein wenig warm wurde mir erst beim Bügeln.

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Der Sonntag wiederum ließ sich bedeckt an – passendes Laufwetter. Doch bis ich nach Morgenkaffee, Bloggen und Internetlesen aufs Radl an die Isar stieg, war Sommer ausgebrochen. Der Lauf wurde wunderschön, doch ich hätte gerne Trinkwasser dabei gehabt.

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Erst habe ich sie fotografiert, die beiden Erdbeerchen, dann gegessen. Schmeckten nach überhaupt nichts.

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Zum anschließenden Frühstück backte der Mitbewohner Hefewaffeln. Herzlichen Dank für die wundervollen Rezepttipps!

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Das Backen dauerte deutlich länger als veranschlagt, doch frisch schmeckten sie wirklich köstlich. Abgekühlt weniger.
Die nächste Runde sind dann Rührteigwaffeln.

Tiefer Mittagsschlaf, den Nachmittag über auf dem Balkon The Goldfinch ausgelesen und genossen. Jetzt will ich aber erst mal wieder etwas Kürzeres lesen.

Abends eine Geschichte von 1990 aus der Autofabrik fürs Techniktagebuch umgearbeitet.
Am Vormittag hatte ich eine spürbare Zeit gebraucht herauszufinden, in welchem Jahr genau das war. In der Überzeugung, ich hätte alle Kontoauszüge meines Lebens aufgehoben, nämlich als historische Quellen, suchte ich erst mal dort – und stellte fest, dass ich die von vor 1994 irgendwann weggeworfen hatte. Aufschluss brachten meine Gehaltszettel: Die habe ich tatsächlich noch alle, alle.
(Ja, das könnte ich alles mal scannen und digital archivieren. Vielleicht an langen Winterabenden.)

Neues vom Munich Wildlife

Samstag, 9. August 2014

Am Donnerstagmorgen strampelte ich mal wieder auf dem heimischen Crosstrainer mit Blick aufs Draußen. Erst sah ich ein Eichhörnchen über den Wiesenstreifen vorm benachbarten Forschungsinstitut hoppeln, dann die kranke Krähe (zu ihr gleich mehr) herabsegeln. Doch wenige Minuten vor Ende meines Strampelstündchens die Sensation: Das graue Tier auf der Wiese war eindeutig ein Häschen! Es saß, schnupperte, hoppelte zum Metallzaun des Nachbargrundstücks, schnupperte wieder, hoppelte durch den Zaun. Mit dem Ruf “HÄSCHEN!” lief ich zum Mitbewohner, beide sahen wir aus einem anderen Fenster das Tier auf dem Nachbargrundstück, dann war es weg.

Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Pah! Morgentau, Wiese, Häschen – das gehört doch fast zusammen! Doch wir befinden uns hier so mitten in München, wie es eine U-Bahn-Station vom Marienplatz entfernt nur sein kann. Und unter dem vielen und verschiedenen Getier, das ich über die Jahre hier gesehen habe (und ich schaue viel aus dem Fenster, glauben Sie mir, der Ausblick ist das Wichtigste und Schönste an dieser Wohnung), war noch nie ein Hase/Kaninchen.

Gestern Abend stand ich in der Dämmerung auf dem Balkon und genoss die warme und duftende Luft, als das Häschen wieder auftauchte. Diesmal holte der Mitbewohner seinen Superduperfotoapparat und erwischte es:

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Der kranken Krähe geht es eigentlich ganz gut. Würde eine Tierrettung auf die Kastanie klettern, um sie zu holen? Oder stundenlang unter der Kastanie warten, bis sie herabsegelt, um sie einzufangen? Ich habe den Eindruck, sie kommt besser zurecht, als ich zunächst vermutete. Jeden Tag sehe ich sie in der Kastanie vor dem Balkon sitzen, und wenn ich ihr Erdnüsse in Schale auf den Zaun davor lege, kommt sie inzwischen umgehend herunter (einmal hat ihr ein Eichhörnchen die Nüsse weggegessen, vielleicht hat sie daraus gelernt, dass sie schnell sein muss). Manchmal sehe ich sie über die umliegende Wiese schreiten. In den vier Wochen unserer Bekanntschaft nahm ich keine Verschlechterung ihres Zustands wahr. Eichhörnchen, Meisen, Tauben turnen zwar so nah um die Krähe herum, dass klar ist, wie wenig sie sie als Gefahr ernst nehmen. Doch sie scheint ganz gut auf sich aufpassen zu können.

Der Mitbewohner hat sogar mal eingefangen, wie sie vom Boden auf ihren Lieblingsast kommt.

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Die Miniermotten werden wohl nicht mehr verschwinden. Dieses Jahr haben sie die Kastanien vorm Balkon bislang mittelschwer zugerichtet:

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Wandern zum Deiniger Weiher – nur zum Teil gelungen

Montag, 4. August 2014

Manche Wochenenden sind deutlich kürzer als andere. Am Ende von diesem blickte ich auf die ungelesene Zeitung, auf die ungebügelte Wäsche, auf den kaum weitergelesenen Roman, auf die immer noch übrigen vier Folgen Kir Royal, dachte an den immer noch nicht gesehenen Film, an den immer noch unvollständigen Blogpost über Frühstücken in München, an den wieder nicht stattgefundenen Marktbesuch mit Suche nach heimischen Renekloden und Mirabellen. Ein Wochenende wäre jetzt recht, dachte ich.

Das mochte aber damit zusammenhängen, dass mich die Wanderung am Samstag enttäuschte, auf die ich mich die ganze Arbeitswoche hindurch gefreut hatte. Der Mitbewohner hatte aus dem Büchl Wandern mit dem MVV einen Rundweg von Deisenhofen zum Deiniger Weiher und zurück ausgesucht, der hauptsächlich durch Wald führte: In der zu erwartenden Hitze wollten wir lieber schattig gehen. In leichter Kleidung, mit Sonnenschutz auf Haut und Haupt, zogen wir los.

Zum einen hatte das Wanderbüchl verschwiegen, dass der gut zehn Kilometer lange Hinweg in erster Linie ein Radl- und Mountainbikeweg ist – kontinuierliches Ausweichen machte gedankenverlorenes Gehen mit Blick auf interessante Details des Waldes unmöglich. Und dann brach auch noch ein Gewitter über uns herein, verformte des Mitbewohners edlen Panamahut zu bäuerlicher Arbeitskleidung, durchnässte uns beide gründlich (auch meine Regenjacke ist nicht auf Wolkenbrüche ausgelegt). Als es uns erwischte, hatten wir den Weg zum Deiniger Weiher bereits zu drei Vierteln hinter uns, es schien uns gescheiter weiterzugehen und im Schutz der dortigen Gaststätte auf ein Ende des Gewitters zu warten als umzukehren.

Das Gewitter (ganz erstaunlich, wie dunkel es am hellichten Tag werden kann) ging tatsächlich vorüber, doch es wurde abgelöst von sanftem Landregen, in dem wir halt dann die gut zwei Stunden Rückweg wanderten. Na, ich will mich nicht zu sehr beschweren: In der letzten halben Stunde hörte der Regen immer wieder auf, so dass wir sogar ein wenig trockneten. Auf abschließendes Einkehren mit Brotzeit hatte ich in den klammen Klamotten aber keine Lust.

Doch, doch, es gab auch schöne Seiten: Ich naschte wilde Himbeeren, auch zwei frühreife Brombeeren, wir sahen und hörten einen Bussard, sahen ein junges Reh davonspringen.

Über einen Tunnel raus aus Deisenhofen:

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Vorbei an einem arg unpräzisen Marterl (ich bin auf solchen Marterln mehr Details über Umstände und Todesart gewöhnt):

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Am Deiniger Weiher versuchte das Personal, den Biergarten irgendwie auch im Regen nutzbar zu halten (das Drinnen war von einer Hochzeitsgesellschaft belegt), viele der Radler von vorhin machten hier Halt:

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Ebertshausen sieht ohne Regen sicher noch bezaubernder aus:

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Bei Jettenhausen:

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In Kreuzpullach:

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Am Sonntag versuchte ich heldinnenhaft, aus einem Spätzleteig Ciabatta zu backen (nach diesem Rezept) – offensichtlich hatte ich mein Können überschätzt, ich kam mit dem flüssigen Teig überhaupt nicht zurecht.

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Der Marmorkuchen dagegen funktionierte und schmeckte wie gewohnt.

Gerade als sich der sonnige Sonntagmorgen in einen bewölkten Vormittag verwandelte, radelte ich für eine Schwimmrunde ins Schyrenbad und hoffte, dass es lediglich regnen würde, nicht auch noch gefährlich gewittern. Tatsächlich schwamm ich fast durchgehend im Sonnenschein, die Wolken verzogen sich. Auch diesmal hatte ich mich also im Wetter verschätzt, und mangels Sonnencreme sieht man nun auf meinem Rücken, wo der Badeanzug ihn bedeckte (zumindest nicht verbrannt).

Nachmittags traf ich mich im Biergarten mit einer bezaubernden angehenden Kunsthistorikerin und lernte eine Menge über die Anfänge des heimischen Klosterwesens.

Zum Abendbrot bereitete ich Eggplant Parmigiana nach Ilse.

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Na gut, hübsch geht anders, aber sie schmeckte köstlich.

Danach war gerade mal noch Zeit für ein wenig Bildverarbeitung und Internetlesen, während der Fernseher lief (Mord im Spiegel – ganz erstaunlich, wie lange Angela Lansbury schon alt ist).

Die kranke Krähe

Montag, 28. Juli 2014

Aufmerksam wurde ich auf sie vor gut drei Wochen: In einer der beiden riesigen Kastanien vor unserem Balkon sah ich aus dem Augenwinkel eine Krähe von Ast zu Ast hochhüpfen, ohne richtig zu fliegen, schwankend auf den dünnen Ästlein, die sie kaum trugen. Bei genauerem Blick stellte sie sich als eine reichlich zerrupfte Krähe heraus: Von ihren Schwanzfedern waren nur zwei seltsam verdrehte übrig, ihr Gefieder sah fleckig und löchrig aus. Ich nahm an, dass sie aus einem Krähenkampf als Verliererin hervorgegangen war, oder einen Autounfall gehabt hatte, vielleicht sogar mit einem der hier ansässigen Sperber aneinandergeraten war. Fast flugunfähig und ohne Schwarm gab ich ihr kaum Überlebenschancen, schließlich laufen hier Katzen und Ratten herum. Die zerrupfte Krähe rührte mich, doch ich hielt mir vor Augen, dass der Kreislauf da draußen nun mal so funktioniert.

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Doch seither sehe ich sie immer wieder, mal auf der Wiese vorm Haus, immer wieder in der Kastanie auf einem ganz bestimmten Ast sitzend, mit dem Rückteil zu unserem Balkon. Immer schweigt sie, immer ist sie allein. Am Wochenende habe ich begonnen, ihr Erdnüsse in Schale auf die Mauer zu legen, die das Grundstück mit der Kastanie umgibt. Vielleicht erkennt sie mich von meinen Balkonaufenthalten wieder. Beim ersten Mal sah ich beim Hinlegen immer wieder zu ihr hin, und sobald ich weg war, kam sie angehüpft und holt sich die ersten. Die zweite Hand voll Erdnüsse am nächsten Tag bewegte sie nicht.

Gestern Nachmittag hörte ich die Rufe einer Krähengruppe und beobachtete, wie drei auf der Wiese unter der Kastanie herumhüpften. Die zerrupfte Krähe versuchte, zu ihnen zu fliegen, doch dazu hat sie zu wenige Federn. Sie landete unsanft auf der Wiese. Als die drei davonflogen, sah sie ihnen nach.

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