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Journal Dienstag, 30. August 2016 – Liegestützscheitern

Mittwoch, 31. August 2016

Wieder ein schöner Sommertag. Ich radelte im Morgengold zum Krafttraining, diesmal machte es wirklich Spaß. Enge Liegestütz auf Bank kann ich allerdings so wenig, dass mein Trizeps praktisch gar nicht trainiert wird.

Sonniges Radeln in die Arbeit; ich war den ganzen Tag über gut beschäftigt. Vergnügen beim Öffnen der Abteilungspost: An an einen längst ausgeschiedenen Abteilungsleiter war Nigeria-Spam adressiert – auf Papier.

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Abends erledigte ich noch Bankgeschäfte und Häusliches, bevor ich mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen in den Schnitzelgarten ging. Ein Zimmergenosse meines Vaters im Garmischer Klinikum hatte erzählt, wie er nach dem Krieg in dieser Gegend aufgewachsen war – und wie der Krablergarten damals ausgesehen hatte: Statt eines Gebäudes habe es zur Thalkirchner Straße hin nur einen Zaun gegeben. Und die zugehörige Wirtschaft sei gegenüber am Eck zur Müllerstraße gelegen.

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Das Handelsblatt berichtet, dass PokémonGO nicht mehr mit der Begeisterung des Anfangs gespielt wird (d’oh?). Mag ja sein. Aber am Montag hielt ich auf dem Heimweg an der gerade blauen Arena Schwanthalerhöhe kurz an, entdeckte, dass ich ein Pokémon reinsetzen konnte und tat das. In diesem Moment hörte ich fünf Meter rechts von mir eine Gruppe Buben (ca. 8/9 Jahre alt): „Boah! Jetzt ist auch ein Blitza drin!“ „Ein Blitza!“ Das war meins und das vergnügte mich sehr.

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Jens Scholz erinnert sich an die 29 Jahre, die er die Mutter seiner Söhne inzwischen kennt. Und Anlass ist, dass er sie an diesem Datum auch mal geheiratet hat – eine schöne Geschichte.
„So ein paar Jahre“.
(Und mir ist schon klar, dass die meisten Menschen mit Eheschließung eine Menge Gefühle verbinden. Gefühle sind nicht logisch – auch meine zu diesem Thema sind das nicht.)

Journal Sonntag, 28. August 2016 – Brüllsonne und Garmischausflug

Montag, 29. August 2016

Es war der letzte wirkliche Hochsommertag angekündigt, bevor das Wetter gemischt werden und die Temperaturen auf spätsommerliche Höhe fallen sollten.

Ich stand also früh auf, um vor meinem geplanten Krankenbesuch in Garmisch noch zum Schwimmen zu kommen. Nochmal Morgenkaffee und Bloggen auf dem Balkon, allerdings unter fast bedecktem Himmel, dann großartiger Morgensonnenspaziergang zum Schyrenbad.

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Die Pappeln an der Lindwurmstraße mag ich sehr.

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Der Name dieses Herrn auf dem Südfriedhof mag bis zur Unleserlichkeit verwittert sein – die Sonne macht ihn mit Direktbestrahlung dennoch prominent.

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Schon um neun brannte die Sonne ganz schön heiß.

Das Schyrenbad war erwartungsgemäß licht besetzt, ich schwamm genussvoll meine 3 Kilometer über glitzerndem Beckenboden. Auch wenn man mir diesen Genuss anschließend nicht unbedingt ansah.

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Fußmarsch nach Hause, dort ausführliches Duschen und Cremen.

Mit einer Brotzeit und Lesestoff setzte ich mich in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen, um meinem Vater im Krankenhaus zu besuchen. Leider ist er wegen dermatologischer Komplikationen noch nicht in Reha und klingt am Telefon bei aller Munterkeit doch hitze-erschöpft und ungeduldig. Ums Garmischer Klinikum gibt es auch keine Grünanlage, in die er sich setzen oder in der er spazieren könnte – ich kam eigens zu Fuß vom Bahnhof, um mich unterwegs gründlich umzusehen: Nein, da ist gar nichts. Also drehte ich mit ihm nur seine gewohnte Übungsrunde mit Krücken ums Gebäude.

Rückfahrt durch wunderschöne Hochsommerlandschaft – ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausblick von der Autobahn auch nur halb so schön ist.

Abends Resteessen mit Tatort-Gucken. Es ging um Internetdinge, und selbst ich Laiin hatte das Bedürfnis, die Ermittlerin wegzuschubsen: „Lass mich mal.“ Vor lauter Fachschmarrn konnte ich mich auf die Handlung nicht einlassen.

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Mal was ganz anderes. Im Englandurlaub hatte ich mir eine Körpercreme gekauft, die mir in einem Hotel sehr gut gefallen hatte. Gestern war sie alle. Das Besondere:

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Sie war wirklich, wirklich leer. Ich hatte schnell gesehen, dass die Creme nicht direkt im Behälter, sondern in einer Plastiktüte steckte und anfangs noch den Kopf über dieses vermeintliche Chichi geschüttelt. Doch zum ersten Mal erlebte ich, dass ich einen abgeschlossenen Behälter wirklich bequem (also ohne Aufschneiden) leeren konnte. Das geht sonst nur bei Töpfchen, und die sind wegen des ständigen Reingreifens nicht so hygienisch. Ich bin begeistert.

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Auf jetzt.de fragt sich Charlotte Haunhorst
„Warum heiraten wir so rückschrittlich?“

Und ich fuchtle bei jedem Satz unterstützend mit dem Krückstock (außer natürlich beim Eingangssatz – eine solche Hochzeit hätte ich sicher nicht als perfekt empfunden).

… beharren wir nicht sonst immer auf der Vielseitigkeit des Menschen? Darauf, dass er mehr als eben diese Klischees ist? Beim Thema „Hochzeit“ macht dieses Denken eine Pause.

Und ich hüstle bei

Dann dürfen alle, zumindest für einen gewissen Zeitraum, wieder in ganz altmodische Rollenbilder verfallen, ohne dass das jemand komisch findet.

Denn das fand ich schon immer nicht nur komisch, sondern so absurd, dass mir nur spezielle Brauthormone als Erklärung einfielen.

Inzwischen und nach einem weiteren Jahrzehnt immer wahnsinniger werdendem Hochzeitskult habe ich allerdings eine andere Erklärung: Marketing. Hochzeiten sind ein riesiger, millionenschwerer Markt, der nicht nur von Hollywoodbildern profitiert, sondern diese Bilder schon lange selbst produziert und zu Erwartungen sowie Wünschen macht.

Journal Samstag, 27. August 2016 – Einkochen; ein Hochsommersamstag in drei Kapiteln

Sonntag, 28. August 2016

Der Samstag war ein Hochsommertag in drei Kapiteln. Nach Kaffee auf dem Balkon mit Bloggen ging ich kurz einkaufen – verlängerte die Runde aber willkürlich, um bei diesem wunderschönen Licht (und bereits beachtlicher Hitze) durch die Gegend zu spazieren.

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Ickstattstraße

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Unterer Anger

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Isartor Sendlinger Tor (ich habe immer noch nicht verinnerlicht, dass die Sendlinger Straße jetzt den Fußgängern vorbehalten ist und schlängle mich erst mal weiter durch die Touristen auf den Gehsteigen)

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Sonnenstraße – bei dieser Hitze sicher nicht die angenehmste Arbeit

Am karg bestückten Klenzemarkt (August halt) kaufte ich ausführlich Käse (bei dem Herrn, der immer höchst Österreichisch fragt: „Brauchen’S a Sackerl?“), unterwegs Laugenzöpferl, beim Body Shop Körpercreme, beim dm Spülmaschinenreiniger und Klopapier.

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Zweites Kapitel war nach dem Frühstück die Fahrt mit Herrn Kaltmamsell (ebenfalls Genossenschaftler) nach Schönbrunn (S-Bahn mit Fahrrad): Gestern kochten wir Kartoffelkombinatler und -kombinatlerinnen wieder Tomatensugo ein, der in den dunklen und Wurzelgemüse-lastigen Winterwochen den Ernteanteil bunter machen soll.

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Ich übernahm einen Posten in der Küche zum Gemüseschnippeln und zerteilte fünf Stunden lang Tomaten, Tomaten, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Tomaten. Wie vergangenes Jahr war die Aktion bestens organisiert, Koch Wolfgang sorgte für Professionalität (und Kriegsgeschichten aus mehreren Jahrzehnten Kocherei), wir erzählten einander Geschichten und Gedanken. Und schwitzten ganz beachtlich in der Kombination Hochsommerhitze und Herdfeuer.

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Kapitel 3: Auf der Rückfahrt stiegen wir an der Station Hirschgarten aus und radelten rüber in selbigen. Abendessen in einem Münchenklischee.

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Im Hirschgarten muss man sich den Bierkrug selbst holen.

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Zu meiner großen Freude war ein Tisch direkt an der Tiershow frei.

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Wieder mal fiel mir auf, wie sehr ein Biergarten Bevölkerungsschichten mischt. Ich kenne wirklich niemanden in München, für den Biergartenbesuche nicht zum Sommer gehören. Oktoberfestverächter gibt es nicht nur mich, aber „Nee, Biergarten ist nichts für mich“ habe ich noch nie gehört. Entsprechend bunt ist dort das Bild. (Nur so als Tipp für Ethnologinnen auf der Suche nach einem Forschungsthema.)

Während es hier mit Einbruch der Dunkelheit spürbar kühler wurde, radelten wir in die Stadtmitte auch zurück in die Hitze. Aber keineswegs mit so schlaffeindlichen Graden, wie wir es aus dem Sommer 2015 kannten.

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Maximilian Buddenbohm verlinkt einen lesenwerten Artikel über den Umstand, dass Expertentum inzwischen mehr als lästig denn als nützlich angesehen wird:

„Fachwissen:
Hört auf die Experten!“

(Die) Mehrheit mag sich nicht mehr belehren lassen von denen da oben. Und mit oben sind, anders als früher, nicht nur die Paläste gemeint, sondern immer öfter die Podien. Lieber als auf den Rat der Experten hört man jetzt auf Menschen, die Emotionen wecken, Ängste und Ressentiments. Die Abwägen als Zaudern abtun und Genauigkeit als Erbsenzählerei.

(…)

Das Problem des Experten ist (…), dass er auf die einfachen Fragen nach dem Weg aus der gesellschaftlichen Malaise keine einfachen Antworten hat.

(…)

Für jemanden, der um seine Zukunft fürchtet, klingt dieses Einerseits-andererseits-Gelaber schnell wie ein Nach-Ausreden-Suchen. Lavieren so nicht die Mächtigen, wenn man sie beim Lügen ertappt? Und ist der Experte nicht bloß ihre Marionette, die den Schlamassel entschuldigen soll?

Journal Mittwoch/Donnerstag, 24./25. August 2016 – Explosion mit Folgen und Bloggeburtstag

Freitag, 26. August 2016

Muskelkater aus der Hölle. Po, hinterer Oberschenkel, Innenseite Oberschenkel – Gehen fast unmöglich. Das war nicht nur hinderlich, sondern auch seltsam: Selbst wenn ich nicht mehr regelmäßig Hot Iron betreibe, mache ich doch Sport und dabei zweimal die Woche Krafttraining. So heftig und bald hätte ich keinen Muskelkater bekommen dürfen.

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Mittwochmorgen nochmal Kaffee auf dem Balkon. Wir bekommen eine weitere Hochsommerwoche geschenkt, allerdings mit bereits deutlich kürzeren Tagen und kühlen Nächten.

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Ärger in der Arbeit. Ich reagierte auf eine Aufforderung garstig, aggressiv und patzig (nein, nicht beleidigend) – die Wut dieses höchstens 60-sekündigen Austauschs hielt noch Stunden. Ganz eindeutig wurde ich von irgendwas geritten. Das stieg erst am Nachmittag ab und hinterließ den dringenden Wunsch, mich für mein Verhalten zu entschuldigen. Doch das konnte ich erst am nächsten Morgen, ich bat in aller Form um Entschuldigung, mein Verhalten sei komplett unangebracht gewesen und es tue mir sehr leid. Die Entschuldigung wurde mir verweigert: „Zu spät.“
Und jetzt arbeite ich allein in meinem Büro.

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Mittwoch war Bloggeburtstag. Es ist jetzt 13 Jahre alt. Wenn ich davon erzähle, löst es immer noch Verwunderung aus: Zwar muss ich meist „Blog“ nicht mehr erklären, doch immer noch jedes Mal, was mich daran fasziniert, anderen Menschen beim Leben und Denken zuzusehen, mein Leben und Denken ins Internet zu schreiben. Es wird immer noch als ein exotisches Hobby angesehen; allerdings habe ich schon seit Jahren nicht mehr gehört: „Du musst ja Zeit haben.“ Zumindest Leben im Internet ist nicht mehr exotisch.

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Auf Donnerstag die dritte Nacht in Folge sehr schlecht geschlafen, mit mehrstündiger Pause. Zumindest habe ich so endlich The Moonestone ausgelesen, doch den halben Donnerstag verbrachte ich in fast migränehafter Benommenheit und Wahrnehmungsverzögerung.

Gestern Abend für unsere Leserunde Han Kang, The Vegetarian angefangen – in englischer Übersetzung statt in der deutschen, weil sie nur weniger als halb so viel kostet. Geht lesenswert und mit Tempo los.

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Abendessen: Mittwoch Salade niçoise.

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Donnerstag probierte Herr Kaltmamsell aus Kichererbsenmehl Farinata aus, sowas ähnliches wie Socca. Dazu Gurkensalat mit Joghurt. Ausgesprochen köstlich.

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Novemberregen erlebt:
„Die Senioren und die Pokémon“.

Journal Dienstag, 23. August 2016 – Schimmelekel und Biergartenglück

Mittwoch, 24. August 2016

Früh aufgestanden und früh aus dem Haus, um in goldenem Morgenlicht zum Langhantelheben „Hot Iron“ zu radeln. Neue Trainerin (eine dafür ausgebildete), neues Programm inklusive neuer Aufwärmroutine – obwohl es mitten im Quartal war.

Das Programm war gut zu schaffen, wurde gut erklärt. Verzögerungen gab es lediglich durch eine Mitturnerin, die ihren Turnplatz im überraschend vollen Turnsaal direkt vor der Trainerin aufgebaut hatte und die Stunde mit einem Einzeltraining verwechselte: Ständige Kommentare zu den Erklärungen, ständige Statusmeldungen über ihr eigenes Befinden („das habe ich letzte Woche schon gemacht“, „boah, das schaffe ich nicht“, „oh, da merke ich die Zerrung“ etc.). Und die Trainerin ging freundlich kurz darauf ein.

Auch diesmal begann mein Muskelkater schon am Abend.

Im Sommermorgen in die Arbeit geradelt.

Zu meinen Aufgaben gehörte wie schon in der Woche zuvor und am Montag Aussortieren und Wegwerfen mehr als zehn Jahre alter Rechnungen. Und auch die gestrige Charge war verschimmelt.

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Der letzte Lagerort war trocken, doch ganz offensichtlich sind viele Regalmeter Ordner irgendwann sehr nass geworden – und nie ausgetrocknet. Ich hatte mir am Wochenende Atemschutz besorgt: Zwar halte ich mich in Gesundheitsdingen nicht für übervorsichtig, aber Schimmelsporen mag ich nicht in großen Mengen in den Atemwegen.

Zuhause wartete schon Herr Kaltmamsell auf mich: Zusammen spazierten wir zum Flaucher-Biergarten. (Zu Fuß wegen Pokémon, schon klar, oder?)

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An der Wittelsbacherbrücke wurde gerade gefilmt, für „München Mord“.

Wir aßen am Flaucher eine typische leichte Biergartenmahlzeit (Spare Ribs und Schweinshaxe zu zwei Maß Radler) und genossen es. Ein Genuss war auch der Heimweg zur blauen Stunde mit herrlichen Sommerabendgerüchen.

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Die derzeitige Auseinandersetzung zwischen Automobilzulieferer Prevent und Volkswagen beobachte ich besonders interessiert. Es ist der erste Mal, dass ein Zulieferer sich wehrt gegen die ausgesprochen unfairen Konditionen, mit denen die Automobilmarken arbeiten. Mir hat vor vielen Jahren ein Artikel in der brand eins die Augen geöffnet – na ja, offen waren sie da schon, denn ich betreute als PR-Beraterin einige Automobilzulieferer.
„Wenn der Kunde jede Rechnung kritisiert“.

Der Titel ist deutlich harmloser als die Geschichte dahinter. Und fairer ist der Umgang seither wohl nicht geworden.
Zusätzlich lernen wir derzeit bei dieser Gelegenheit die Bedingungen für Kurzarbeit, gell?

(Anlass für großen Dank an brand eins fürs kostenlose Online-Archiv: Ich fand den Artikel mit zwei Stichworten – und konnte ihn hier zum Lesen verlinken. <3)

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Bei Futurezone regt sich Florian Aigner auf:
„Die Krankheit als Sprache der Seele
Mit einer Krankheit will uns die Seele etwas mitteilen, behaupten Esoteriker. Kann sich die Seele nicht ein bisschen freundlicher ausdrücken?“.

Die Seele ist offenbar so etwas Ähnliches wie eine grummelige alte Großtante, die nie klar sagt was sie will, aber an unserem Leben permanent etwas auszusetzen hat.

In einem Punkt haben diese Seelenkrankheitsschwurbler schon recht: Emotionale Probleme können sich in körperlichen Leiden äußern, und psychosomatische Erkrankungen können eine schlimme Sache sein. Aber alle Krankheiten irgendwelchen seelischen Balancestörungen zuzuschreiben, ist nicht nur falsch, sondern auch noch dumm und gefährlich. Es gibt nun mal Krankheiten mit einer eindeutigen, messbaren, physischen Ursache, die bekämpft werden muss. Viren und Bakterien lassen sich nicht mit bedeutungsschwangeren Worten wegdiskutieren, und wenn man Medikamente braucht, dann helfen keine weisen Sprüche.

Danke! Die Vorstellung, man sei im Grunde selbst schuld an Erkrankungen, haben ganz offensichtlich sehr viele Menschen bereits so verinnerlicht, dass ich letzthin eine Kollegin im Büro stehen hatte, die aussah wie das Leiden Christi in Schmalz rausgebacken, aber hilflos mit den Händen wedelte: „Ich verstehe das nicht! Jetzt kommt diese Bronchitis schon wieder, dabei habe ich doch gar keinen Stress mehr!“

Meine letzte Analystin hat mich damit auch verlässlich auf die Palme gebracht: „Hmmm, gerade jetzt eine Erkältung… Das sollten wir uns mal ansehen…“ (Nein, als nächstes hob sie keineswegs ein Holzstaberl und untersuchte meinen Rachen.)

Journal Sonntag, 21. August – Garmisch-München

Montag, 22. August 2016

In Garmisch hatte es über Nacht heftig geregnet, das Bergpanorama hing voller Wolken. Aber auch das kann Garmisch.

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An manchen Ecken schien die Zeit stehen geblieben.

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Wir sahen auch an der kleinen Rehaklinik vorbei, die meinen Vater ab Dienstag wieder in vollen Einsatz bringen soll.

Beim Auschecken war ich umschwirrt von Amateurradprofis in hochinteressanter und sehr teuer aussehender Kunstfaserkleidung von den Haarspitzen bis um die Füße, ihre Renngeräte unterm Arm.
Wir frühstückten mit Gepäck wieder bei Hoffmanns, diesmal wegen schlechten Wetters drinnen.

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Pralinenkauf beim Konditor Krönner – wir hörten mit, wie eine Fremdenführerin erzählte, dass dies hier das älteste Konditorengeschlecht Bayerns sei. Die Pralinen stellten sich nach dem Abendbrot als durchaus empfehlenswert heraus.

Diesmal nahmen wir den Bus raus in die Garmischer Klinik, um meinen Vater nochmal zu besuchen. Er ist weiterhin bester Dinge, fühlt sich gut versorgt – ihm fällt aber durchaus auf, dass selbst Schwesternschülerinnen manchmal die 12 Stunden Ruhe zwischen Schichten nicht einhalten: Personalmangel.

Bus zum Bahnhof, Zug heim nach München.

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Zuhause kruschen und räumen, die eine oder andere Stunde Bügeln. Dann brachte ich mal wieder ein Säckchen Urlaubskassenkleingeld zum Einzahlen, verlängerte den Heimweg, um über den frisch Regen-gewaschenen Südfriedhof Pokémon zu jagen. Über einen Pokéstop entdeckte ich ein Grabmal mit frischer Rose – so hieß der Stop.

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Das hier war mir aber schon vor Wochen und ohne Pokéstop aufgefallen.

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Das Abendessen bestritt wieder Herr Kaltmamsell. Er wagte sich nochmal an Spaghetti carbonara – und diesmal waren sie perfekt.

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Wie ist es eigentlich als Online-Redakteur im Lokalen? Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier schildert seine vergangenen beiden Jahre:
„Wie wir mit der Hetze fertig geworden sind“.

Da waren echte Heldinnen und Helden am Werk. Was mich unglaublich erleichtert:

Ich habe mir (…) die Mühe gemacht und auf alle Nachrichten und E-Mails sehr ausführlich geantwortet, erklärt, wann ich von der Auseinandersetzung erfahren habe, was ich dann getan habe, mit wem ich telefoniert habe. Warum es nicht sinnvoll ist, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. Und dass eine halbe Stunde eine lange Zeit für jemanden ist, der auf eine Nachricht wartet, aber eine kurze für jemanden, der versucht, die Polizei ans Telefon zu kriegen, die gerade ihren größten Einsatz des Jahres zu koordinieren hat. Mit einigen der Leser hatte ich daraufhin längere Zeit Kontakt; sie zeigten ernsthaftes Interesse an der Arbeit unserer Redaktion, von der sie – teils jahrzehntelange treue Abonnenten – keine große Vorstellung hatten.

Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber auch nicht – wie wir lange Zeit dachten – ein Kampf gegen Windmühlen. Im Gegenteil. Einige der Leser, die uns damals unterstellt hatten, ungefähr alles vertuschen zu wollen, melden sich heute regelmäßig auf der Facebookseite unserer Zeitung zu Wort und machen, wie wir scherzhaft sagen, einen guten Job. Wir beobachten mit Freude, wie sie nunmehr ihrerseits – nicht nur beim Flüchtlingsthema – anderen Lesern erklären, wie wir arbeiten, uns in Schutz nehmen und neuerdings sogar unsere Paywall verteidigen.

Bis dato hatte ich zu meiner Bestürzung annehmen müssen, dass sachliche Erklärungen völlig nutzlos seien. Sind sie wohl nicht immer, zum Glück.

via @spreeblick

Journal Freitag/Samstag, 19./20. August 2016 – Garmisch

Sonntag, 21. August 2016

Ich hatte mich am Freitag für nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell am Zug verabredet: Plan war, in Garmisch meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen (neues Knie) und zu wandern. Allerdings war schlechtes Wetter vorhergesagt, wir würden flexibel sein müssen.

Von Garmisch hatte ich nur vage Vorstellungen. Meine Besuche hatten sich in der Vergangenheit aufs örtliche Kino beschränkt (davon unten mehr), an den Rest hatte ich kaum Erinnerungen (gab es nicht gegenüber vom Kino eine Pizza Hut?).

Unterkunft hatte ich in der Altstadt gebucht; auf der Karte sah der Ort so übersichtlich aus, als könne kein Weg länger als 20 Minuten dauern. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Schon vom Bahnhof (pünktliche Ankunft, allerdings in einem unklimatisierten Backofen) zum Marienplatz gingen wir 20 Minuten – durchgeschwitzt von der Bahnfahrt durchaus anstrengend.

Das Restaurant, dass ich vorher recherchiert hatte, war dann aber wirklich nah: Vaun.
Ich aß Kürbismousse mit Zwetschen, Staffelseerenke mit Kräutersaitlingen und Asiareis, dazu lernte ich Welschriesling aus der Steiermark, von Skoff. Schmeckte mir sehr gut, passte wunderbar zum Kürbis, ist nicht verwandt mit Riesling. (Was die Empfehlerin nicht wusste.)

Am Samstag ausgeschlafen, zu sonnigem Sommerwetter aufgewacht.

Dafür, dass ich aus Oberbayern komme, empfinde ich Alpen-hohe Berge schon als sehr exotisch. Na gut, aus dem nördlichsten Oberbayern. Tatsächlich konnte ich schier nicht mit BOAH!-Fotos aufhören.

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Zudem sieht Garmisch an jedem Eck wie ein 50er-Jahr-Film aus, statt der omnipräsenten Damen in Niquab erwartet man Peter Alexander mit Band auf einem Pferdewagen oder Heinz Erhardt an Pettycoat-Mädel. Vielleicht halt ein 50er-Film von Buñuel.

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Vor allem aber gibt es in Garmisch dieses Kino:

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Als ich Ende der 80er, Anfang der 90er in Augsburg studierte, waren amerikanische Streitkräfte in beachtlicher Stärke in Garmisch stationiert. Und für sie liefen in diesem Kino US-Filme nicht nur unsynchronisiert, sondern auch immer bereits zum US-Start. Regelmäßig packten wir das eine im Freundeskreis vorhandene Auto voll und fuhren auf zwei bis vier Filme nach Garmisch. Mit einer Pause für Pizza in der Pizza Hut gegenüber. Hier sah ich unter anderem Jurassic Park und Sliver.

Gestern frühstückten wir unter Obstbäumen im Garten des Hoffmanns.

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Doch langsam wurde ich unruhig: Wir wollten vor unserer Wanderung über Kochelbergalm und Partnachalm ja noch meinen Vater im Krankenhaus besuchen, und für den Nachmittag war ein Wetterumschwung angekündigt. Der Routenplaner von Google Maps gab trocken an, dass es zur Klinik zu Fuß knapp 4 Kilometer und eine gute dreiviertel Stunde waren. Wir hasteten los.

Tatsächlich wurde das erst mal ein kurzer Besuch: Mein Vater hatte um 11 Uhr einen Physiotermin, er konnte uns gerade noch versichern, dass es ihm gut ging. Wir verabredeten uns für nach dem Wandern.

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So eine Skischanze ist schon ein eher absurdes Sportgerät.

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Kochelbergalm mit Fischweiher (und Hühnern und mächtigen Gänsen und Schweinen).

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Mittagspause auf der Partnachalm: Ich hatte Spaghetti Bolognese, Herr Kaltmamsell abgebräunten Leberkäse mit Kartoffelsalat. Ich hoffe, wir haben den Kellner durch Anwesenheit, Hunger und den Wunsch zu zahlen nicht zu sehr belästigt.

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Verlass dich niemals auf ein Wörterbuch.

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Partnachklamm von oben.

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Wir üben Selfie. (Irgenwann klappte es besser.)

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Partnachklamm von drinnen.

Das Wetter schlug wie vorhergesagt um. Als wir kurz vor vier wieder in die Klinik kamen, hatten uns erste Regentropfen angespritzt.

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Unglaublich, was die Medizin heute kann. Mein Vater stand bereits zwei Tage nach der OP wieder auf eigenen Beinen (unterstützt von Krücken, na gut).

Der Regen war stärker geworden. Doch Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass wir jetzt in geschützter Umgebung testen konnten, wie regendicht unsere Wanderjacken und -hosen tatsächlich waren – wir gingen die knappe Stunde zu Fuß zum Hotel. (Ergebnis: Nach einer halben Stunde Starkregen wird man auch innen nass.)

Und Abendessen gab es aus Nostalgiegründen gegenüber vom Garmischer Kino: in der Pizza Hut. Cheese Crust ist möglicherweise eine der akzeptableren Erfindungen der Nahrungsmittelindustrie.