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Journal Samstag, 29. August 2015 – Chiemgauer Obstbäume im Sommer

Sonntag, 30. August 2015

Am Samstag wollten wir wandern, und mir fiel als Erstes der Obst- und Kulturweg Ratzinger Höhe ein: Ich war ihn mit Herrn Kaltmamsell schon mal im Herbst gegangen, mit meinen Eltern vergangenes Jahr zur Blütezeit – nun wollte ich ihn im ausgehenden Sommer sehen, ich erhoffte mir ganz viele Zwetschgen, Äpfel und Birnen an den Bäumen. Bedenken hatte ich, weil die Strecke nur wenig beschattet ist und für den Tag wolkenlose 30 Grad angekündigt waren. Wir gingen trotzdem, mit viel Wasser im Rucksack, Kappen auf dem Kopf und in kurzen Hosen. Da ich den Weg gut kannte, erschienen mir meine Wanderstiefel überdimensioniert: Große Teile sind geteert, raues Gelände gar nicht dabei. Ich entschied mich für meine ausgemusterten, halbhohen Aerobischuhe, die sich als genau richtig herausstellten. Eine weniger gute Idee war es, mich nicht wirklich gründlich mit Sonnenschutz einzucremen: Meine Schultern hätten das ganz gut vertragen.

Es war eine wundervolle Wanderung. Wir sahen wie erhofft eine Menge Obst in allen Farben: Die Äpfel und Birnen brauchten alle noch ein paar Wochen bis zur Ernte, an Zwetschgenbäumen wurde bereits geerntet, ich lernte die hellrot-gelbe Pflaume Königin Viktoria kennen (ebenfalls noch nicht reif – die würde ich gerne mal probieren), ich sah riesige alte Bäume, frisch gepflanzte und mittelgroße junge Bäume. Tiere waren gestern eher sparsam verteilt: Ein paar Pferde, Kühe, Schafe, Hühner, Krähen – aber kein einziger lebendiger Greifvogel (lediglich ein toter im Stettener Bach). Wasser hätten wir durchaus noch mehr mitnehmen können: Die Bächlein, an denen wir vorbeikamen, führten so wenig Wasser, dass ich nicht recht daraus trinken wollte. Es war völlig wolkenlos und heiß, doch immer wieder ging ein angenehmer Wind. Abschließend eingekehrt beim Schützenwirt im Eichental.

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Auf der Rückfahrt waren wir am Priener Bahnsteig und im Zug umzingelt von bayerisch kostümierter Jugend. Sie stiegen alle in Rosenheim aus. Spätere Recherche ergab: Gestern hatte dort das Herbstfest begonnen. Mittlerweile weiß ich ja, dass man auf diese Art von Party seit ein paar Jahren nur noch verkleidet geht.

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Abends The Princess Bride von DVD. Es muss doch mehr Gelegenheiten geben zu zischen: „Hello, my name is Inigo Montoya. You killed my father. Prepare to die.“

Journal Freitag, 28. August 2015 – der Riesenkohlrabi

Samstag, 29. August 2015

Es war morgens mild genug für Kaffee am Balkon, untermalt vom Geräusch einander Baumstämme hoch und runter jagender Eichhörnchen.

Mein Fußweg in die Arbeit war überraschend verhangen von düsterem Wolkenhimmel, der sich aber im Lauf des Vormittags auflöste. 50 Meter vorm Bürogebäude zwei Kaninchen im Gebüsch entdeckt, mich sehr gefreut: Vor unserem Balkon habe ich schon seit Wochen kein Kaninchen mehr gesehen.

Sehr emsig gearbeitet; jetzt habe ich erst mal genug von Papierstapeln.

Auf dem Heimweg eine handliche Tastatur ohne Ziffernblock rechts gekauft: Mir ist aufgefallen, wie schief ich an meinem Büroschreibtisch sitze, weil die Mouse neben der mächtigen Tastatur so weit rechts liegt.

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Zum Nachtmahl den größten je erlebten Kohlrabi verarbeitet: Das Trumm der Sorte Superschmelz war am Mittwoch in der Kiste mit Ernteanteil ins Haus gekommen, gestern verarbeitete ich ihn zu einem großen Topf Kohlrabigemüse.

Abendprogramm: Maybritt Illners Diskussionsrunde zur Flüchtlingssituation in Deutschland vom Vorabend.
Interessantes Format: Eine Moderatorin, die parteiisch mitdiskutierte (gefiel mir nicht so gut) und den Gesprächsablauf sehr deutlich durch Wortzuweisung dirigierte (gefiel mir gut, weil diese Methode viel faktischen Hintergrund hervorbrachte; wildes Durcheinandergerede wie bei Jauch schafft das nicht). Tatsächlich wäre mir lieber gewesen, wenn neben Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine weitere halbwegs vernünftige Vertreterin von Ressentiments teilgenommen hätte: Um sie sichtbar zu machen und zu diskutieren. Sascha Lobo wies zurecht auf den tief liegenden Rassismus unserer Gesellschaft hin – ich fürchte nur, dass er missverstanden wurde, weil den anderen Diskussionsteilnehmern und -teilnehmerinnen dieser strukturelle Rassismus (im Gegensatz zu persönlicher Ablehnung) nicht bewusst war.

Journal Sonntag, 23. August 2015 – Autofahren

Montag, 24. August 2015

Gestern musste ich nach Ingolstadt zur Familie – diese weigert sich nämlich weiterhin, den 22. August zu ignorieren, egal wie ernsthaft ich darum bitte. Und meine Eltern haben bis heute nicht den Ansatz eines schlechten Gewissens, weil sie durch ihre damalige katholische abstinence only-Vergangenheit und der daraus resultierenden Unkenntnis von allem nur ein Jahr nach ihrer Eheschließung mit 21 und 23 Jahren das Schlamassel meiner Existenz verursachten.
(Jajaja, mein Unmut ist komplett irrational: Auch geplante Eltern nehmen in Kauf, dass das Ergebnis ihres Kinderwunsches damit nicht einverstanden ist. Man kann halt nicht vorher fragen. Und die allerallermeisten Menschen finden ja das mit dem Leben grundsätzlich wunderbar.)

Zumindest bedang ich mir aus, erst um 13 Uhr zu kommen und schaffte mir damit Zeit, morgens im Schyrenbad zu schwimmen. Es war wundervoller Sommertag, die Morgenkühle des Hinradelns machte noch einen Pulli nötig, auf dem Rückweg war es bereits warm. Und meine 3000 Meter im fast leeren Becken genoss ich sehr.

Zu allem Überfluss wurde die bereits Jahre dauernde Bastelei an der Bahnlinie Petershausen-Ingolstadt fortgesetzt, ich wäre auf den Schienenersatzverkehr angewiesen gewesen. Mal wieder vier Stunden eines Sonntags in S-Bahn, auf Bahnhöfen und in Überlandbussen zu verbringen, verweigerte ich komplett. Das widerstrebte mir so sehr, dass ich eine Autofahrt vorzog. Herr Kaltmamsell war vergangenes Jahr bei einer Aktion Mitglied des Systems Drive Now geworden; ich bat ihn, dieses zu nutzen. Obwohl Drive Now ja genau nicht für Autofahrten außerhalb Münchens gedacht ist (weil aber innerhalb Münchens ein Auto völlig überflüssig ist, hatten wir es noch nie genutzt), buchte der Herr also für 79 Euro ein Neun-Stunden-Paket, das mich zum ersten Mal seit wohl mehr als zehn Jahren per Auto nach Ingolstadt brachte.

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Das verhalf mir zu ungewohnten Perspektiven auf gewohnten Strecken

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und zu den typischen Autofahrterlebnissen, die mich die Bahn bevorzugen lassen. Von Tür zu Tür brauchten wir 1 3/4 Stunden.

Die Rückfahrt verlief flüssiger und deutlich schneller, Gewitter mit Sturzbächen an Regen ab der Münchner Stadtgrenze. Da in diesem Leihautosystem kostenpflichtige Parkplätze von der Leihgebühr abedeckt sind (für den Stadteinsatz ist das alles sehr gut durchdacht), konnten wir das Auto fast vor der Haustür abstellen.

Journal Samstag, 22. August 2015 – Sugo einkochen

Sonntag, 23. August 2015

Der Sommer war nochmal zurückgekommen, mich zog es sehr hinaus an die Isar zu einem Lauf – recht früh, denn ich hatte ab Mittag noch etwas vor.

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Leichtfüßig war ich fast zwei Stunden unterwegs und wäre gerne weitergelaufen.

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Statt dessen duschte ich schnell und zog mich an: Es ging mit S-Bahn und Fahrrad hinaus nach Schönbrunn zum Kartoffelkombinat.

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Gestern (und am Freitag davor) wurde in drei Schichten Sugo eingekocht, aus der Tomatenflut unserer Gärtnerei in Schönbrunn. Nächstes Wochenende wird nochmal eingekocht. Ich freute mich sehr, dass ich endlich Zeit zum Mithelfen hatte: Vergangenes Jahr stand nur an Wochentagen eine Küche fürs Einkochen zur Verfügung, und wochentags musste ich arbeiten.

Die Küche war eine des Franziskuswerks, mit viel Platz, professionellen Spülmaschinen, großen Arbeitsflächen und Spülbecken. Wir waren in unserer Schicht etwa 18 Helferinnen und Helfer, dazu Vorstand Daniel an der Spüle, dirigiert von einem echten, gelernten Chefkoch und seinem Adlatus an den Töpfen. Schürzen, Messer, Schneidebretter hatten jeder und jede selbst mitgebracht.

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Wir zerteilten die direkt davor geernteten (gewaschenen und geputzten) Tomaten und entfernten die Strünke. Zudem hackten wir viele, viele Zwiebeln und Auberginen. Die Schicht davor hatte bereits Karotten und Sellerie gewürfelt (die Wanne damit stand neben mir, ihr Duft bescherte mir die Erkenntnis, dass Knollensellerie eine intensive Zimtnote hat – vielleicht sollte ich ihn mal in einem arabischen Gericht verwenden), außerdem eine Wanne Tomaten gehäutet und filetiert. Im Nebenraum wurde außerdem Knoblauch geschält und gescheibelt.

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Aus den Tomaten köchelte in einem Großküchenkessel der Basissugo, mit Zucker, Salz und Pfeffer gewürzt.

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Auf seinem Profiküchenherd verarbeitete der Koch diesen Basissugo mit dem gedünsteten sonstigen Gemüse zu Sugo-Variationen, die direkt dahinter ganz heiß in frisch gespülte Gläser gefüllt wurden. Sugo spuckt ja gerne aus seinen Töpfen, der freundliche Koch mit einem unendlichen Fundus an Geschichten aus seinem Kochleben warnte die nebenstehenden Abfüllerinnen regelmäßig, wenn ein Topf in die Spuckphase kam.

Der Nachmittag war ein großer Spaß, natürlich wurde viel über Kochen und Speisen gesprochen. Wenn ich mich durch die Küche bewegte, schnupperte ich von einer Duftinsel zur nächsten.

Herr Kaltmamsell allerdings zog das große Los: Er durfte KOCHEN! (Genauer: den Großkessel für den Basissugo bedienen, dabei Zucker, Salz, Pfeffer abwiegen und einrühren, sogar mit dem Baustellenzauberstab pürieren!)

Zurückgeradelt in goldenem Abendlicht, Nachtmahl im Schnitzelgarten mit etwas zu viel Weißwein und einem Kellner, der mich angemessen mit „Milady“ ansprach.

(Und ich bin gerührt, wie viele liebe Menschen inzwischen respektieren, dass ich das gestrige Datum ignoriert haben möchte.)

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Wir wissen ja hoffentlich: Immer schön vorsichtig sein mit Verallgemeinerungen. Zum Beispiel über Modebloggerinnen:
„Die Macht einer Modebloggerin im Flüchtlingsdrama“.

Die Österreicherin Madeleine Alizadeh schreibt über Mode und Kosmetik. Doch seit ein paar Wochen ist alles anders. Ihr neuer Alltag: Sich für Geflüchtete einsetzen – bis an die Grenzen ihrer Kräfte.

Journal Freitag, 21. August 2015 – neue Aerobicschuhe

Samstag, 22. August 2015

Früh Feierabend gemacht, ist dort freitags üblich. Und ich wollte Aerobicschuhe kaufen: Nach acht Jahren Gebrauch sollten meine alten besser mal ersetzt werden. Ich radelte bei Sonne und Jackentemperaturen zur Fußgängerzone.

Der Kauf von Turnschuhen ist eine komplexe Sache, ich wollte mich gründlich beraten lassen (auch wenn ich schon ein wenig selbst recherchiert hatte), also ging ich ins größte Sportkaufhaus am Ort, zum Sport Scheck im riesigen neuen Bau in der Kaufingerstraße.
Dort gab es eine eigene große Abteilung „Fitness“. Dass mein Aerobic- und Stepaerobicgehopse genauso darunter gezählt werden wie Krafttraining an Maschinen und mein Langhanteltraining in Gruppe, weiß ich ja – die Kategorie bezieht sich eher auf eine Modestilrichtung als auf sportliche Inhalte.

Ich fand eine große Wand mit Fitnessschuhen für Männer; dort sah ich mich zunächst um, in der Hoffnung auf passende Schuhe für meine großen, breiten Füße und auf weniger Augenlicht-gefährdende Farben. Ich nahm Schuhe in die Hand, besah Stabilität, Sohlenprofil, wahrscheinliche Dämpfung (tatsächlich würde ich sie natürlich erst durch Ausprobieren herausfinden). Dann ging ich zur großen Wand mit Fitnessschuhen allerlei Hersteller für Frauen, sah mich auch dort gründlich um.

Die Auswahl war riesig, auch Kundschaft gab es reichlich. Was es nicht gab, war Personal. Nicht bei den Damen, nicht bei den Herren, nicht bei den Schuhen, nicht bei den vielen Reihen mit Bekleidung. Einige Schuhe hätte ich gerne in meiner Größe anprobiert, bei dieser Gelegenheit auch Fragen zu Details gestellt (zum Beispiel: Warum gibt es praktisch keine halbhohen Aerobicschuhe mehr? Soll die Sohle eher rutschig sein für Tanzbewegungen oder griffig für Ausfallschritte?). Doch so weit ich auch schaute: Da war niemand. Sie werden jetzt vielleicht anmerken, dass ich die fünf interessanten Einzelschuhe ja hätte mitnehmen können und auf anderen Stockwerken nach Personal suchen. Ich hingegen entschied mich dafür zu gehen.
Laut Medienberichten soll Sport Scheck ja das Online-Geschäft forcieren; wahrscheinlich ist der Neubau in der Kaufingerstraße also lediglich für Ausstellungsräume gedacht.

Das zweite Sportkaufhaus im Zentrum von München ist Sport Schuster vorn am Marienplatz: Die Abteilung heißt dort „Fitness Damen“ und ist erheblich kleiner, dafür mit Personal ausgestattet. Eine der Verkäuferinnen, sie war etwa in meinem Alter, stellte viele Fragen, ließ mich eine Reihe von Schuhen probieren und testen, war nur ein bisschen beleidigt, als ich seufzte: „Warum müssen die denn alle so hässlich sein?“ Ich fand eine sauteure Augenbeleidigung, die sich am Fuß, beim Herumhüpfen, Drehen und Ausgrätschen richtig, richtig gut anfühlte. Nach getroffener Entscheidung verwickelte mich die Verkäuferin noch in ein Gespräch über Bewegungsbedürfnisse und Laufmöglichkeiten in München (sie war erst vor Kurzem hierher gezogen), sie stellte sich überraschenderweise als seelenverwandte Genusssportlerin heraus – sonst werden mir in Sportläden höchstens Gespräche über organisierte Massenläufe angeboten.

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Die nächsten acht Jahre werde ich also in dieser Scheußlichkeit herumhopsen. Vermutlich mussten Einhörner dafür sterben.

Weiterer Plan für den Abend war Pizzaessen gewesen. Und das tat ich auch mit Genuss (Herr Kaltmamsell war verabredet).

Journal Donnerstag, 20. August 2015 – Tomatenfischaggression

Freitag, 21. August 2015

Wieder ein grauer Tag, hin und wieder Sonne, doch zu Feierabend regnete es dann richtig und ausdauernd.

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Aufzugausblicke.

Meine Mittagsverabredung zerschlug sich überraschend. Zum Glück hatte ich noch Dosenfisch in der Schublade: Hering in Tomatensoße. Wir alle wissen, wie zahlreich die Tücken beim Öffnen dieser Dosen sind, so stattete ich mich mit vielen Servietten aus, die ich beim Öffnen rund um die Dose legte. Gerade als ich sicher war, den Öffnungsvorgang abgeschlossen zu haben, attackierte sie mich doch noch.

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Woche der merkwürdigen Anrufe. Einige hatten überhaupt nichts mit meinem Arbeitgeber zu tun, aber wenn es mich nicht mal eine Minute Internetrecherche kostet, versuche ich natürlich trotzdem eine Antwort zu finden.
Dass die abwegigsten Anliegen gern in besonders anmaßendem Tonfall formuliert werden, versteht sich von selbst?

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Abends Leserunde bei uns. Herr Kaltmamsell hatte den Tag in der Küche verbracht und tischte auf: Bodenlose Zucchinitarte, selbst gebackenes türkisches Fladenbrot, Caprese, Kochkäs, zum Nachtisch Angel Cake mit Erdnussguss.

Wir sprachen über E.L. Doctorow, The Book of Daniel. Da ich erst Sonntagabend gemerkt hatte, dass die Leserunde schon für diese Woche angesetzt war, musste ich mich mit dem Lesen sputen: Ich verbrachte die Abende mit zügigem Lesen der 450 Seiten, fühlte mich an Unizeiten erinnern, in denen ich das regelmäßig für Seminare tat. (Von binge reading kann man aber vermutlich trotzdem nicht sprechen, oder?)

Der Roman von 1971 ist exzellent, darin waren wir uns einig. Hintergrund ist die Verurteilung und Hinrichtung des Ehepaars Rosenberg im USA der 1950er, sie heißen im Buch Lewin. Doch die Geschichte ist technisch kunstfertig aus der Sicht des Sohnes erzählt, in zwei Zeitebenen: Gegenwart der End-60er und Rückblick auf die Kindheit. Und in zwei Erzählebenen, denn diese Daniel-Stimme wechselt zwischen Ich und Er, manchmal sogar im selben Satz. Es wird viel Stimmung und Information aus den 50ern transportiert, und das Rechtssystem der USA kommt ausgesprochen schlecht weg, daneben die menschlichen Folgen der damaligen Kommunistenhatz. Einzige Kritik, die in unserer Leserunde laut wurde: Das Buch sei manipulativ geschrieben, bestätige viele gängige europäische Vorurteile gegenüber den USA. Von mir auf jeden Fall Lektüreempfehlung.

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Als Autolose (wahrscheinlich aus ähnlich wenig vernünftigen Gründen wie andere kein Smartphone brauchen) interessieren mich Autogeschichten selten. Doch wenn Frau Brüller mit Totenkopfradiergummis und Bleistiftspitzern darlegt, wie ein optimaler Einparkvorgang zu bewerkstelligen wäre, bin auch ich begeistert.
„Raus-Rein“.

Journal Mittwoch, 19. August 2015 – Gerippte

Donnerstag, 20. August 2015

Seit Sonntag hat das Wetter wirklich umgeschlagen, nach 34 Grad am Mittwoch vor einer Woche kam die Luft unter grauer Wolkendecke gestern nicht mal auf 20 Grad.

Nach der Arbeit wieder nach Untergiesing zu einer Hüpfstunde geradelt.
Ein technisches Detail der vergangenen Woche habe ich im Techniktagebuch beschrieben – allerdings will mir die Redaktion nicht glauben, dass man a) Musikkassettenmusik ohne Veränderung der Tonhöhe schneller und langsamer drehen konnte, b) dass das „pitchen“ heißt, weil doch Pitch gerade die Tonhöhe sei. Gibt es Hüpferinnen/Hüpfer, die dazu etwas sagen können?

Eine sehr freundliche Leserin hat mir zu Ebbelwoigläsern verholfen – sehen sie nur, wie wunderschön sich das Licht im Gerippe bricht.

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Weiter mit Flüchtlingsgeschichten: Das SZ-magazin sammelt Erlebnisse und Begegnungen.
„‚Die Vorurteile gehen über Bord‘.“