Archiv für März 2018

Twitterlieblinge März 2018

Samstag, 31. März 2018

Nachtrag: Mehr Lieblingstweetsammlungen hat wieder Anne Schüßler gesammelt.

Journal Karfreitag, 30. März 2018 – Langweilige Kränklichkeiten

Samstag, 31. März 2018

Früh aufgewacht. Draußen war es kalt und grau, meine angegriffenen Bronchien ließen es ratsam erscheinen, das Sportprogramm lieber drinnen zu absolvieren: Ich stellte mich mit Musik auf den Crosstrainer. Vorm Fenster sah ich Eichhörnchen, Meisen, wahrscheinlich ein Paar Distelfinken, Kleiber – und Passanten, die unsere Hofeinfahrt für einen Durchgang zur Parallelstraße hielten.

Um die Mittagszeit kam die Sonne heraus, auf dem Balkon sah ich ein Rotkehlchen, das ich inzwischen schon aus dem Augenwinkel an der eleganten Silhouette erkenne. Ich blanchierte und schälte Mandeln für einen sonntäglichen Nachtisch.

Die Sonne lockte mich dann doch ins Freie, das überraschend mild war – die Wettervorhersage hatte Föhn angekündigt. Bevor ich sie noch sah, wehte mich schon ihr Duft an: Veilchen.

Jetzt erkläre ich den Frühling endgültig für angebrochen.

Am Hauptbahnhof holte ich mir beim Rischart ein Stück Apfelkuchen, das ich daheim aß. Ich habe diese Saison bei Weitem nicht genug Apfelkuchen gemacht.

Lesen im sonnendurchfluteten Wohnzimmer – bevor die Bäume Laub ansetzen, scheint sie so frühlingsschräg noch schmerzlich blendend herein. Zum Nachtmahl machte ich mir Salat aus Ernteanteil-Spinat und Spaghetti mit selbst eingekochtem Tomatensugo – Herr Kaltmamsell war aushäusig.

Leider zogen über den Nachmittag meine Nebenhöhlen schmerzhaft zu; ich hielt mit Nasendusche gegen, doch ich fürchte, auch durch die Rotzerei muss ich ein weiteres Mal.

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Ich höre und kenne ja so gut wie keine zeitgenössische Musik, aber dem Namen Amanda Palmer und ihrer Musik bin selbst ich schon begegnet – und nur in positivem Zusammenhang.

Ich ahne, warum sie so gemocht wird. Und über diese Rede von 2013 und das Bitten werde ich noch eine Weile nachdenken müssen.

via swissmiss

Journal Donnerstag, 29. März 2018 – M.R. Carey, The girl with all the gifts

Freitag, 30. März 2018

Letztes Jahr sah ich im Kino einen Trailer um ein interessantes schwarzes Kind und flüsterte dem neben mir sitzenden Herrn Kaltmamsell zu: “Den will ich sehen.” Doch der winkte ab: “Zombiefilm. Ich habe die Romanvorlage daheim.” So hatte der Trailer gar nicht ausgesehen. Das ganze Zombiedings interessiert mich ja nicht, doch als kürzlich mein Blick auf dem Roman in unserem Bücherregal fiel, zog mich der Titel an: The girl with all the gifts. Und so bekam ich meine erste Zombiegeschichte – die ich auch noch empfehle.

Gefesselt war ich von der ersten Seite an: Wir lernen das Kind Melanie kennen. Sie und andere Kinder leben in kleinen, stark gesicherten und fensterlosen Gefängniszellen, aus denen sie jeden Morgen von drei Soldaten abgeholt werden. Die Soldaten fixieren sie dazu an Händen, Füßen und Kopf an Rollstühlen und rollen sie in ein fensterloses Schulzimmer, in dem sie von durchwechselnden Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Melanies mit Abstand liebste Lehrerin ist Miss Justineau, weil sie von der am meisten lernt – und Melanie lernt schwindelerregend schnell.

Wie es zu dieser ungewöhnlichen Unterrichtssituation kommt, erzählen die ersten Kapitel: Wir befinden uns in einem postapokalyptischen England, der größte Teil er Menschheit wurde von einem Pilz befallen, der ihnen alle Menschlichkeit nahm und sie zu hungries machte, nur auf das Fressen anderer Menschen ausgerichtet. Wilder politischer Aktionismus direkt nach Ausbruch der Epidemie hat zu weiteren Verheerungen geführt, die Leben nur in wenigen Gebieten möglich machen. Hier wird unter anderem auch die Wirkungsweise des Pilzes wissenschaftlich erforscht.

Doch der Kreis der handelnden Personen, um die sich die Kapitel zunächst abwechselnd drehen, wird immer kleiner: Fünf Hauptfiguren müssen fliehen. Auf ihrer Reise wird klarer, was eigentlich passiert ist, in welcher Welt sie leben, was das Besondere an Melanie ist – und wie es nach Ende des Buchs weitergehen wird: Selten habe ich einen so gut gemachten Romanschluss gelesen.

Warum die Geschichte mich angesprochen hat: Ich mag das Motiv verkanntes Genie, ich lese gerne über tiefe Freundschaft und Loyalität, es gibt viele Referenzen auf die Antike (übersetzen Sie den Buchtitel mal ins Griechische). Zudem ist die Entwicklung der Hauptfigur faszinierend: Man kann den Kampf einer 10-/11-jährigen mit erwachenden Urinstinkten, mit Kontrollverlust, mit eigener Macht, Liebe und Selbsterkenntnis ganz wunderbar als Coming-of-age-Geschichte lesen.

Wenn ich eine einzige Kritik an dem sonst handwerklich hervorragend gemachten Roman habe, dann ein paar Längen: 50 Seiten weniger hätten dem Rhythmus des zweiten Teils gut getan.

Jetzt hat mir Herr Kaltmamsell natürlich I am legend von Richard Matheson aus dem Jahr 1954 hingelegt: “Dann solltest du den auch gelesen haben.” Na gut – so lange mich niemand zwingt, The night of the living dead anzusehen.

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Es ist weiterhin kühl, am gestrigen Gründonnerstag mit einer Mischung aus Regen und Sonne. Den Heimweg von der Arbeit verlängerte ich auf eine Stunde, um mich ein wenig durchzupusten.

Wie erbeten empfing mich Herr Kaltmamsell mit Griesoß, inzwischen hier klassisches Gründonnerstagessen – ohne interessanten Wein, der Infekt hat mir die Lust auf Alkohol genommen (ich hatte einen spanischen Sauvignon Blanc dazu probieren wollen).

Journal Mittoch, 28. März 2018 – Kalter Regen

Donnerstag, 29. März 2018

Jetzt will ich aber mal was von der zusätzlichen Stunde hell am Abend haben: Seit Zeitumstellung trieb mich mangelnde Gesundheit schon vor Sonnenuntergang ins Bett.

Gestern war die zusätzliche Helligkeit ohnehin verschwendet: Der ganze Tag war grau und düster, abends regnete es.

Auf dem Weg in die Arbeit (die Bronchitis behinderte mich nicht) sah ich, dass die Schlacht um den Theresienwiesenflohmarkt in die nächste Phase geht.

Abends brav keinen Sport getrieben, meine Bronchien hätten mir wahrscheinlich nicht genug Luft dafür gelassen. Statt dessen allein zuhaus, Herr Kaltmamsell vergnügte sich woanders.

Journal Dienstag, 27. März 2018 – Kein Fieber, kein krank

Mittwoch, 28. März 2018

Als mich nach fast zehn Stunden tiefem Schlaf der Wecker weckte, ging es mir schon viel besser, Fieber war auch weg. Aber ich war vernünftig und ging nach Duschen und Irgendwasanziehen zur Ärztin – um vor verschlossener Tür zu stehen. Als ich zum zweiten Mal klingelte, meldete sich eine Angestellte über die Gegensprechanlage: Frau Doktor komme erst um acht Uhr. Das wusste ich durchaus, war aber gewohnt, dass man als Patientin ohne Termin ab 7 Uhr im Wartezimmer Schlange sitzen konnte. Jetzt wohl nicht mehr. Auf dem Heimweg wägte ich ab:
– Ab acht Uhr würden die Patienten und Patientinnen mit Termin kommen, ebenso alle akuten Fälle wie ich, das hieß: Ein Vormittag im Wartezimmer.
– Bis acht Uhr würde ich mich sicher nicht wieder ins Bett legen.
– Eigentlich ging’s mir schon viel besser, ich konnte schon wieder in meinem gewohnten zackigen Tempo gehen.
Also ging ich in die Arbeit.

Womit ich ein großes Risiko einging, denn es war klar: Ich hatte jedes Anrecht auf Jammern über welche Folgen auch immer vertan. Selbst wenn mich ein Fieberschub unter den Schreibtisch würfe, dürfte ich nur röcheln: “Geht schon…” Es ging tatsächlich sehr gut, ich musste nur wenig husten, kränklich fühlte ich mich erst wieder ab Mittag. Der lieben Kollegin, die sich vorsichtig erkundigte, ob ich mich heute nicht so wohl fühlte, reichte die Erklärung: “Bin nur ungeschminkt.”

Ich fand gar nicht schlecht, von reichlich Arbeit abgelenkt zu werden, ging dennoch früher als sonst nach Hause – in gewohntem Tempo.

Daheim empfing mich Herr Kaltmamsell mit jüdischem Penizillin (Hiehnebriehe) – er hatte seine Ferien perfekt genutzt. Nach zwei Tellern davon (mit Suppennudeln und ausgelöstem Hühnerfleisch) war ich bettschwer und ging schon um sieben Schlafen.

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Schmerzhaft, aber es war nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre nur eine Frage der Zeit, bis diese Frage gestellt wurde:
“Is It Time for the Jews to Leave Europe?”

Sie kommt von AtlanticEditor in chief Jeffrey Goldberg.

a very old Jewish question: Do you have a bag packed?

Denn die tatsächlich christlich-jüdische Tradition in Europa ist leider dies:

One of the least surprising phenomena in the history of civilization, in fact, is the persistence of anti-Semitism in Europe, which has been the wellspring of Judeophobia for 1,000 years. The Church itself functioned as the centrifuge of anti-Semitism from the time it rebelled against its mother religion until the middle of the 20th century.

Journal Montag, 26. März 2018 – Zurück ins Krankenbett

Dienstag, 27. März 2018

Im Nachhinein hätte ich es seit der Freitagnacht wissen können, in der ich so unerklärlich fror (trotz geschlossenem Fenster und Herrn Kaltmamsell neben mir unterm Federbett als Wärmequelle). Aber Samstag und Sonntag fühlte ich mich fit, erst Sonntagachmittag meldete sich schmerzhaft die Luftröhre – was ich energisch ignorierte, da ich die letzte Erkältung erst vor einer Woche abgeschlossen hatte.

Doch schon der Weg in die Arbeit war gestern anstrengend, das Atmen schmerzhaft, der Bauch spielte Samba. Über den Tag vermied ich immer bewusster körperliche Anstrengung: Selbst ein paar Treppenstufen brachten mein Herz zum Rasen und die Bronchien zu so großen Schmerzen, dass ich erst mal eine Weile stehen bleiben musste.

Nach Hause schlich ich also vorsichtig und legte mich sofort ins Bett. Da mein ganzer Körper brannte und schmerzte, holte ich nach vielen Jahren mal wieder mein Fieberthermometer raus.

Ja, ganz schön alt, aber bereits ohne Quecksilber in der Röhre. 38,3 Grad Kerntemperatur, aha.

Aber noch hatte ich Appetit und ließ mich von Herrn Kaltmamsell mit Shepherd’s Pie und Wurst-Rettich-Salat füttern. Nach der Tagesschau und einer Aspirintablette zurück ins Bett, Wecker auf sechs Uhr, damit ich mich gleich um sieben ins Wartezimmer meiner Hausärztin setzen konnte.

Journal Sonntag, 25. März 2018 – Palmsonntag mit kühler Sonne

Montag, 26. März 2018

Palmsonntag. Während vergangenes Jahr die Palmkätzchen zu diesem Feiertag längst verblüht waren, gab es sie heuer noch nicht zu sehen.

Den Morgen mit Brotbacken verbracht, der Teig für meine Geiersthaler Sonne wurde diesmal arg weich. Und dann kam der Ofentrieb recht spät, man sieht es der Krume an (große Löcher oben).

Geschmeckt hat es trotzdem.

Raus zum Laufen. Es war schön sonnig und mit vielen Pokémon (Sonderaktion Bisasam). Die Kleidung anderer Joggerinnen und Jogger reichte von kurze Hose mit nackten Beinen und kurzen Ärmeln bis Schal und Anorak. Ich trug etwas dazwischen und war durchaus froh über meine leichte Mütze, Handschuhe brauchte ich aber nicht.

Der Muskelkater nach dem samstäglichen Intensivprogramm war interessant. Beim Aufstehen lediglich ein wenig Ziehen im Schultergürtel und in den hinteren Oberschenkeln, ich sah also kein Hindernis für meinen Isarlauf. Am Nachmittag dann doch interessante Dinge in Nacken und Po, zum ersten Mal auch Muskelkater in den Unterarmen. Am wenigsten spürte ich meinen Bauch, obwohl dem 15 Minuten Übungen gewidmet waren. Irgendwas mache ich falsch.

Nachmittags Bügeln, dazu die Musik aus Call me by your name. Pokémonentwickeln, nach Monaten endlich aufs nächste Level gekommen.

Für die letzten drei Level werde ich Jahre brauchen.
Aus Jux Fingernägel farbig lackiert (lila), habe ich zuletzt vor etwa 20 Jahren gemacht.

Abends servierte Herr Kaltmamsell ausgesprochen köstliche Rindsrouladen mit Kartoffelbrei – ein richtiges Sonntagsessen.

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Kluge Gedanken von Jens Scholz, wer in Wirklichkeit die kleinen Händler kaputt macht:
“Nicht Amazon macht den Traditionshandel kaputt, sondern Leute wie ich, und ich bin kein Millennial”.

Ein bisschen gehöre ich auch dazu, auch für mich ist Einkaufen kein Erlebnis und “Shoppen” kein Hobby. Wirklich gern kaufe ich Lebensmittel ein, tatsächlich sogar die alltäglichen – weil ich dazu nirgends hinfahren muss, sondern einige Supermärkte und Süpermarkets auf meinem Heimweg von der Arbeit liegen, ich mit ein wenig Umweg an zwei Biomärkten vorbei komme. Aber der Einkauf von Kleidung oder gar Schuhen ist mir im Offline sehr zuwider. Meine Kleidung kommt deshalb meist aus dem Internet, Schuhe muss ich leider meist in Läden suchen.