{"id":100991,"date":"2024-09-01T08:38:05","date_gmt":"2024-09-01T06:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=100991"},"modified":"2024-09-01T09:47:50","modified_gmt":"2024-09-01T07:47:50","slug":"journal-samstag-31-august-2024-zur-familie-hinter-den-sieben-bergen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/09\/journal-samstag-31-august-2024-zur-familie-hinter-den-sieben-bergen.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 31. August 2024 &#8211; Zur Familie hinter den sieben Bergen"},"content":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, mittelfr\u00fch erfrischt aufgewacht, nur wenig verkatert. Wie angek\u00fcndigt empfing mich ein weiterer Sommermorgen, auf dem Balkon war es aber vor sieben noch sehr frisch.<\/p>\n<p>Sommersamstag mit Sommersamstagprogramm: Schwimmen, Familie.<\/p>\n<p>Nach dem Bloggen packte ich meine Schwimmsachen und radelte ins Dantebad durch noch angenehme Temperaturen. Zu meiner erfreuten \u00dcberraschung war das Schwimmbecken trotz Freibadwetter wenig beschwommen, ich zog meine Bahnen bis 3.000 Meter ungehindert, mit nur gelegentlichen Zwischenspurts f\u00fcr \u00dcberholungen, kr\u00e4ftig, geschmeidig und ohne sich manchmal durch leichtes Zwicken ank\u00fcndigende Kr\u00e4mpfe. Das Ergebnis war eine neue Rekordzeit &#8211; oder ich hatte mich mit den Bahnen verz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Drei Schwimmer*innen erkannte ich auf meiner Bahn von den Vorsamstagen im Dantebad wieder &#8211; da scheinen Leute einen \u00e4hnlichen Sportrhytmus zu haben wie ich. Dadurch konnte ich sofort ihr Tempo einsch\u00e4tzen: 1 x langsamer als ich und z\u00fcgig zu \u00fcberholen, 1 x schneller als ich, aber immer nur zwei Bahnen, dann ausruhen, muss also nicht vorgelassen werden, 1 x extrem viel langsamer als ich, also Gefahr des Reindotzens, besser mal beim Wenden die Bahn vor mir abchecken.<\/p>\n<p>Der Himmel war leicht diesig, die Luft leicht schw\u00fcl. Ich legte mich mit Musik in die Sonne, genoss immer wieder die leichte Brise. Bis zu meinem Aufbruch kurz nach eins hatte sich die Wiese immer noch nicht mit Familien gef\u00fcllt, die ich an solch einem Freibadwettersamstag erwartet hatte.<\/p>\n<p>Beim Heimradeln besorgte ich Fr\u00fchst\u00fcckssemmeln, unterwegs zwei Verkehrsgeschichten: Zum einen drei offensichtlich betrunkene M\u00e4nner in Bawaro-Lederhosen auf E-Rollern, die lachend und rufend kreuz und quer \u00fcber mehrspurige und viel befahrene Kreuzungen schlingerten (gestern schien es wieder irgend ein Trachten-Ereignis in der Innenstadt zu geben). Das war gruslig, die anderen Verkehrsteilnehmenden machten einen gro\u00dfen Bogen. Zum anderen einer der zeitgen\u00f6ssischen Monster-Pkw, der an einer mehrspurigen Ampel-Kreuzung einen U-Turn versuchte &#8211; und beim ersten Abbiegen mit seinem riesigen Wendekreis nicht ganz rum kam, zur\u00fccksetzen musste. Das war lustig.<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcckssemmel gab es gegen zwei mit Tomate und Ricotta salata, au\u00dferdem Honigmelone und Trauben. Herr Kaltmamsell hatte w\u00e4hrenddessen die komplexe Anreise zur Familienverabredung geplant: Sein Lieblingscousin aus USA ist mit seinem Mann im Lande, wir waren alle bei einem der beiden Br\u00fcder von Herr Kaltmamsell zum Grillen eingeladen, der hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen wohnt; die Regionalbahnen in seine Richtung waren zudem gestern mit einigen Zugausf\u00e4llen und Bauarbeiten auf Alternativverbindungen stark ausged\u00fcnnt. Wir nahmen schlie\u00dflich unsere Fahrr\u00e4der mit in einen Zug bis Kaufering, der versp\u00e4tet und sehr voll vom M\u00fcnchner Hauptbahnhof abfuhr. Eine etwa zehnk\u00f6pfige Jungm\u00e4nnergruppe in \u00e4hnlichen Bawaro-Lederhosen und deutlich angetrunken hielt es f\u00fcr eine besonders schlaue Idee, den Fahrradbereich des Waggons zum Gruppenabteil umzudeklarieren, weil es da so sch\u00f6n viele gegen\u00fcberliegende Sitze gab. Zumindest waren sie friedlich und gutm\u00fctig genug, ein wenig Platz f\u00fcr unsere beiden R\u00e4der zu machen, allerdings nicht genug f\u00fcr Befestigung. Hielten wir sie halt die dreiviertel Stunde Fahrt im Stehen fest.<\/p>\n<p>Das letzte St\u00fcck bis zum Grillfest radelten wir \u00fcber Felder, durch Haine und kleine Ortschaften in doch deutlicher Sommerhitze. Freudiges Treffen mit Verwandtschaft, Austausch von Neuigkeiten, Befinden, Pl\u00e4nen, Schlemmen mit Grillfleisch, Salat, Kartoffeln, mir schmeckten zwei Halbe alkoholfreies Wei\u00dfbier (das von Franziskaner mag ich besonders gern). In der D\u00e4mmerung bekam ich reichlich Flederm\u00e4use zu sehen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck radelten wir wieder zum Bahnhof, brachen so rechtzeit auf, dass wir gem\u00fctlich fuhren und die deutlich abgek\u00fchlte Sommernacht genossen. Ich erinnerte mich an den Sommer nach meinem Abitur, als ich immer wieder von einer der vielen privaten Abiturfeiern nachts nach Hause radelte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240831_04_Grosskitzighofen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240831_04_Grosskitzighofen.jpg\" alt=\"Unter letztem Abendrot schwarze Silhouette einer Landschaft mit B\u00e4umen\" width=\"684\" height=\"331\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Zug zur\u00fcck war ebenfalls sehr voll (klar, wenn nur halb so viele Z\u00fcge auf der Strecke fahren wie sonst). Wir mussten uns von einem Mann wegen unserer Fahrr\u00e4der anp\u00f6beln lassen; dass wir damit am exakt daf\u00fcr vorgesehen Platz im Wagen standen, wollte er nicht einsehen. Wieder standen wir unabgesichert irgendwo im Gang. Zum Gl\u00fcck beruhigte sich die Stimmung schnell.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in der Wohnung noch ein St\u00fcck Schokolade, Fenster und T\u00fcren in die Nachtluft ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Im Bett startete ich neue Lekt\u00fcre: Meine Bibliotheks-Vormerkung Zora del Buono, <i>Seinetwegen<\/i> hatte p\u00fcnktlich zur Verf\u00fcgung gestanden &#8211; wieder eine Recherche zu einem gewaltsamen Tod, diesmal aber als &#8220;Roman&#8221; verkauft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Zu meiner derzeitigen Verzweiflung tr\u00e4gt die Regierungspolitik durchaus bei. Aber ja braucht es dringend eine \u00dcberarbeitung der Einwanderungspolitik (es gibt eine Einwanderungspolitik?), die nicht kurzfristige Aufreger l\u00f6st, sondern die langfristigen und l\u00e4ngst absehbaren Entwicklungen verarbeitet, mit gr\u00fcndlicher und fundierter Abw\u00e4gung der Auswirkungen von Ma\u00dfnahmen. Doch derzeit beobachte ich das Gegenteil: Wilden Aktionismus der Regierungskoalition, abzielend auf positiven Schein, deren Details uns allen noch b\u00f6se um die Ohren fliegen k\u00f6nnten. <i>netzpolitik.org<\/i>-Co-Chefredakteurin Anna Biselli bringt meine Bef\u00fcrchtungen auf den Punkt:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2024\/massnahmen-nach-solingen-autoritaere-zeitenwende-schluesselfertig\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Autorit\u00e4re Zeitenwende, schl\u00fcsselfertig&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend die Rechtsradikalen nach der Macht greifen, \u00fcben sich die verbliebenen Demokraten darin, den Staat f\u00fcr sie schl\u00fcsselfertig vorzubereiten. Es ist noch rund ein Jahr bis zur Bundestagswahl und die einst angetretene Fortschrittskoalition f\u00fcr eine \u201emoderne, freie Gesellschaft\u201c tr\u00e4gt mit dem Presslufthammer Freiheitsrechte ab, als g\u00e4be es einen Wettlauf zu gewinnen.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a50d6b78f4004764b4cbe3ed750e12e4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut geschlafen, mittelfr\u00fch erfrischt aufgewacht, nur wenig verkatert. Wie angek\u00fcndigt empfing mich ein weiterer Sommermorgen, auf dem Balkon war es aber vor sieben noch sehr frisch. Sommersamstag mit Sommersamstagprogramm: Schwimmen, Familie. Nach dem Bloggen packte ich meine Schwimmsachen und radelte ins Dantebad durch noch angenehme Temperaturen. 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