{"id":10176,"date":"2010-11-28T13:56:30","date_gmt":"2010-11-28T12:56:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=10176"},"modified":"2020-11-29T16:58:19","modified_gmt":"2020-11-29T15:58:19","slug":"die-zukunft-des-gedruckten-buches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/11\/die-zukunft-des-gedruckten-buches.htm","title":{"rendered":"Die Zukunft des gedruckten Buches"},"content":{"rendered":"<p>Im <i>Merkur<\/i> hat Kathrin Passig sehr Kluges zur Zukunft des gedruckten Buches geschrieben: \u201e<a href=\"http:\/\/www.online-merkur.de\/seiten\/lp201012bde.htm\" target=\"_new\" rel=\"noopener noreferrer\">Das Buch als Geldb\u00e4umchen<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Darin blickt sie auf ihr eigenes gewandeltes Verh\u00e4ltnis zum Buch zur\u00fcck, macht sich &#8211; wie immer angenehm sachlich und unaufgeregt &#8211; Gedanken \u00fcber die heutige Funktion von B\u00fcchern und skizziert, welche Formen die Ver\u00f6ffentlichung und die Rezeption von Texten in naher Zukunft annehmen werden.<\/p>\n<p>Ich muss ja immer schmunzeln, wenn mal wieder jemand, meist ein Feuilletonist einer gro\u00dfen Tageszeitung, versichert, das physische Umbl\u00e4ttern beim Lesen inklusive der Haptik und Olfaktorik, sei nunmal ein grundmenschliches Bed\u00fcrfnis, alles andere verursache Unbehagen und werde sich deshalb nie durchsetzen. Das ist doch lediglich erlerntes Kulturverhalten. Selbst geh\u00f6re ich noch ganz zur Lesegeneration, die sich am wohlsten mit einem papierernen Buch f\u00fchlt, das ich im Bett, im Zug lese. Doch mir ist sehr bewusst, dass das einfach zu meiner Kultur geh\u00f6rt, \u00e4hnlich wie meine Essvorlieben (vergorene Kuhausscheidung: lecker; ger\u00f6stete Insekten: eklig). Und ich habe f\u00f6rmlich den Unterbibliothekar von Alexandria vor Augen, der am Anfang unserer Zeitrechnung mit seinen Kollegen \u00fcber diesen neumodischen \u201eCodex\u201c abl\u00e4stert, der sich gegen\u00fcber den verbrieft praktischen Schriftrollen niemals durchsetzen werde: Zu umst\u00e4ndlich das Bl\u00e4ttern, diese Pr\u00e4sentation von Text in seitenweisen H\u00e4ppchen, wo man doch in einer Schriftrolle fl\u00fcssig und ohne Unterbrechung scrollen kann.<\/p>\n<p>So weit wie bei Passig ist mein Verh\u00e4ltnis zum gedruckten Buch einfach noch nicht. Zwar ist seit einigen Jahren mein Bed\u00fcrfnis verschwunden, jedes gelesene Buch auch zu besitzen: Ich gebe alles weg, was mir nicht zum Nachschlagen dient oder ich nicht sicher ein weiteres Mal lesen werde. (Das hat die B\u00fccherregale chez Kaltmamsell allerdings nicht leerer gemacht, da ich sie mit einem leidenschaftlichen Sammler teile; es schrumpft lediglich mein Anteil am gemeinsamen Buchbesitz.)<br \/>\nAber noch kaufe ich jedes Buch, das ich lesen m\u00f6chte, wenn auch durch Online-Merkzettel erheblich disziplinierter als noch vor ein paar Jahren, n\u00e4mlich nicht mehr auf Vorrat.<\/p>\n<p>Auch der Mitbewohner und ich stehen schon seit einiger Zeit vor dem Problem, dass wir ausgemusterte B\u00fccher sehr schwer loswerden &#8211; nicht mal geschenkt. Institutionen wie Krankenh\u00e4user oder Stadtb\u00fcchereien, die noch vor zehn Jahren als sichere Abnehmer galten, nehmen nichts mehr an. Das ist nur ein Symptom, dass Frau Passig mit ihrer Prognose Recht haben k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Merkur hat Kathrin Passig sehr Kluges zur Zukunft des gedruckten Buches geschrieben: \u201eDas Buch als Geldb\u00e4umchen\u201c. 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