{"id":101885,"date":"2024-09-27T07:41:28","date_gmt":"2024-09-27T05:41:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=101885"},"modified":"2025-09-08T16:32:22","modified_gmt":"2025-09-08T14:32:22","slug":"journal-donnerstag-26-september-2024-wanderruhetag-in-palma-mit-drei-maerkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/09\/journal-donnerstag-26-september-2024-wanderruhetag-in-palma-mit-drei-maerkten.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 26. September 2024 &#8211; Wanderruhetag in Palma mit drei M\u00e4rkten"},"content":{"rendered":"<p>Es wurde ein Tag der drei M\u00e4rkte und der drei Backwerke.<\/p>\n<p>Fr\u00fch aufgewacht, mittelausgeschlafen.<\/p>\n<p>Ganz erstaunlich, wie viele H\u00e4hne ich wieder hier mitten im St\u00e4dtchen kr\u00e4hen h\u00f6rte. Erst danach wachten die Spatzen auf und tschilpten dagegen.<\/p>\n<p>Das Hotelfr\u00fchst\u00fcck lie\u00df ich gestern ganz aus: Brotzeit brauchte ich ja keine, wollte im Gegenteil meinen Appetit f\u00fcr Entdeckungen in Palma aufheben. Und der <i>caf\u00e9 con leche<\/i> im Hotel ist&#8230; nicht gut.<\/p>\n<p>Ich machte mich fr\u00fch startklar, denn ich wollte vorher auf den Markt in S\u00f3ller, um nach Fr\u00fcchten aus der Gegend Ausschau zu halten. Offiziell \u00f6ffnet er um acht Uhr, doch als ich nach einem (guten!) <i>caf\u00e9 con leche<\/i> in einer Pasteler\u00eda um halb neun hinkam, wurde noch aufgebaut, und die Ware der vier bereits bereiten Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler sah nach Gro\u00dfmarkt aus, nicht nach den Plantagen im Tal hier.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_04_Soller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101898\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_04_Soller.jpg\" alt=\"Brunnen, der auf einer aufgestellten Steinplatte aus rotem und grauem Marmor besteht, mit historistischen Verzierungen, daraus zwei H\u00e4hne, aus denen Wasser l\u00e4uft, dazwischen an einer Kette eine sch\u00f6ne gestaltete Kelle\" width=\"423\" height=\"564\" \/><\/a><\/p>\n<p>Brunnen am Hauptplatz von S\u00f3ller &#8211; mit Trinkkelle!<\/p>\n<p>Nahm ich also gleich um neun <a href=\"https:\/\/trendesoller.com\/deu\/index\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Holzbahn von S\u00f3ller nach Palma<\/a>, wackelte und rumpelte in einem der sehr sch\u00f6n hergerichteten Wagen mit wenigen anderen Reisenden hinunter, durch Tunnels und in goldener Morgensonne. Wir passierten vor der Stadt auch ein Industriegebiet, darunter ein Fabrikgeb\u00e4ude mit der pastellfarbenen Aufschrift &#8220;Mundidulce&#8221; &#8211; aus der es wunderbar nach Vanillin duftete. Und wir passierten ein Lager aus gepflegten, ordentlichen Papph\u00fctten, eine kurze Erinnerung an die Wohnsituation hier auf der Insel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_09_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101899\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_09_Palma.jpg\" alt=\"Wandgem\u00e4lde vor blauem Himmel mit riesigem sitzenden Baby. das aus einer Flasche trinkt, davor klein als Spielzeugeisenbahn der Holzzug von Palma\" width=\"505\" height=\"446\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ankommen mit Streetart <i>in style<\/i>.<\/p>\n<p>Als roten Faden f\u00fcr meine Wege hatte ich mir die Suche nach einem Kleidungsst\u00fcck aus Stoff mit dem hier typischen Muster ausgedacht, idealerweise ein Oberteil (dann w\u00fcrde ich keines meiner Oberteile waschen m\u00fcssen). Ich hoffte, dass ich damit und mit Besuch der beiden Markthallen in Palma die f\u00fcnf Stunden bis zur R\u00fcckfahrt vollkriegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_31_SollerHotel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101900\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_31_SollerHotel.jpg\" alt=\"Zur\u00fcckgebundener Vorhang an einem gro\u00dfen Fenster, hellgrundig mit einem rustikalen blauen Muster\" width=\"265\" height=\"444\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier der Stoff im Hotel als Vorhang, in L\u00e4den hatte ich bislang Beutel und Kissen\u00fcberz\u00fcge in diesem Muster in verschiedenen Farben gesehen.<\/p>\n<p>Also klapperte ich die Einkaufsstra\u00dfen von Palma ab, schlenderte mal hierhin, mal dorthin, bewunderte Jugendstil-Fassaden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_12_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101901\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_12_Palma.jpg\" alt=\"Schmale st\u00e4dtische Altstadtgasse vor blauem Himmel, an einem Hauseck Streetart\" width=\"433\" height=\"542\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_13_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full \" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_13_Palma.jpg\" alt=\"Altmodische Ladenfront, in en Schaufenstern F\u00e4cher, dar\u00fcber in mondernistischen Buchstaben &quot;Paraguas&quot;\" width=\"542\" height=\"392\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_14_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101903\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_14_Palma.jpg\" alt=\"Am Ende einer schmalen Alstadtgasse vor knallblauem Himmel ein mehrscho\u00dfiges hellgelbes Jugendstilgeb\u00e4ude mit T\u00fcrmchen\" width=\"419\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_14_Palma.jpg 419w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_14_Palma-394x600.jpg 394w\" sizes=\"auto, (max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der erste Markt von Palma, den ich ansteuerte, war <a href=\"https:\/\/www.mercatolivar.com\/es\/el-mercado\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der gro\u00dfe Mercat d&#8217;Olivar<\/a> &#8211; und mir ging gleich beim Betreten das Herz auf: <i>Das<\/i> war ein Mercado wie aus dem Bilderbuch meiner Kindheit. Der Gro\u00dfteil der St\u00e4nde bot Obst und Gem\u00fcse an, darunter oft Feigen und Granat\u00e4pfel aus aktueller spanischer Ernte, auch die typischen mallorquiner Tomaten, klein und dickschalig, die durch Antrocknen haltbar gemacht werden und eigentlich die korrekten f\u00fcr <i>Pa Amb Oli<\/i> sind &#8211; viel zu wenige nat\u00fcrlich f\u00fcr die Nachfrage seit dem Siegeszug dieses ger\u00f6steten Brots mit Tomate und Oliven\u00f6l. Fleischst\u00e4nde, Fischst\u00e4nde, K\u00e4se, Backwaren, Wein, Trockenfr\u00fcchte &#8211; und am Rand Bars, einige durchaus schick. Ich merkte mir St\u00e4nde f\u00fcr Feigen, K\u00e4se, Nachtisch f\u00fcr alle F\u00e4lle vor.<\/p>\n<p>F\u00fcr n\u00e4mlich die F\u00e4lle, dass ich im zweiten angesteuerten Markt das Gew\u00fcnschte nicht bekommen w\u00fcrde, im kleineren Mercat de Santa Catalina, den ich vom Palma-Urlaub 2017 in so guter Erinnerung hatte. Dorthin spazierte ich in Sonne und steigenden Temperaturen als N\u00e4chstes.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_17_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full \" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_17_Palma.jpg\" alt=\"Rechts sonnenbeschienene Festungsmauer aus hellen Steinen, links Palmen, dazwischen Steinweg\" width=\"623\" height=\"471\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch hier alles weiterhin korrekt, ich kaufte eine Palmera (Bl\u00e4tterteiggeb\u00e4ck, \u00fcberdimensioniertes Schweineohr), frische Feigen und galicischen K\u00e4se Tetilla f\u00fcrs Abendessen (keine Lust auf Ausgehen).<\/p>\n<p>Jetzt hatte ich Appetit, setzte mich an die Theke eines der Bares, bat um eine <i>ca\u00f1a<\/i> (kleines Bier) sowie <a href=\"https:\/\/www.abc.es\/recetasderechupete\/tumbet-mallorquin\/22661\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Tumbet<\/a> mit Spiegelei drauf, das mich in der Vitrine des Bars als T\u00fcrmchen angelacht hatte &#8211; das war die Vorspeise gewesen, die mich am ersten Abend in Esporles so begeistert hatte.<\/p>\n<p>Doch dann war wohl meine Tourismusabgabe f\u00e4llig: Neben mir stand ein alter angesoffener Mann (vor ihm ein fast leeres Rotweinglas), der mich ansprach und auf meine wohlerzogen freundliche Antwort zulaberte. Erst auf sowas wie Deutsch, dann auf Spanisch (\u201eBin ja scho 84 Jahr!\u201c, halt auf Spanisch), in dem Tonfall selbstgerechter und angeberischer Besserwisserei, wie ich sie von dieser Generation Spanier (egal aus welcher Region) nur zu gut kenne (mein Vater ist zum Gl\u00fcck anders). Ich antwortete knapp, lie\u00df mich fast nicht provozieren \u00fcberm Essen und Trinken (komplette Contenance verhinderte der Alkohol im Bier,\u00a0 ich f\u00fcrchte, ein Argument sang ich sogar), und schaute, dass ich weiterkam.<\/p>\n<p>Mitf\u00fchlende Blicke der K\u00f6chinnen, und der Thekenmann &#8211; ein bezaubernder Schnauzbarttr\u00e4ger mit t\u00fcrkis lackierten Fingern\u00e4geln &#8211; sah mich beim Zahlen (woran der alte Mann mich fast gehindert h\u00e4tte, nat\u00fcrlich) sehr liebevoll an. Doch jetzt gr\u00e4me ich mich wieder, weil ich gegen meinen Vorsatz versto\u00dfen habe, in menschlicher Interaktion im Zweifel immer <i>kindness<\/i> walten zu lassen, ich wollte einfach nur raus aus der Situation. MENSCHEN!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_18_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101905\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_18_Palma.jpg\" alt=\"Blick hinunter einen Kanal in Stufen, links Festungsmauer, in weiter Ferne Hafen\" width=\"483\" height=\"504\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei einem kurzen Durchschnaufen auf einer schattigen Bank (es war hei\u00df geworden, zum Gl\u00fcck wehte ein kr\u00e4ftiger Wind) beschloss ich, dass jetzt S\u00fc\u00dfes n\u00f6tig war. Ich spazierte zur\u00fcck in die Einkaufsstra\u00dfen und holte mir beim <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/hornosantocristo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Horno Santo Cristo<\/a> endlich mal eine kleine Ensaimada und ein Pain au chocolat, als &#8220;napolitana&#8221; weitergegeben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_19_Palma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101906\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_19_Palma.jpg\" alt=\"Blick in ein schmales Schaufenster mit T\u00f6pferwaren und Stoff, alle mit dem markanten Muster des Hotel-Vorhangs\" width=\"393\" height=\"524\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was ich <i>nicht<\/i> kaufte. Stoffe in dem oben beschriebenen Muster sah ich, auch als Sch\u00fcrzen und in Stoffl\u00e4den als Meterware. Doch das ist kein Kleidungsstoff, er ist dick und robust (obwohl ich mir einen Rock daraus durchaus vorstellen kann &#8211; Stoffkauf ohne irgendwelche Schneiderinnen-Kompetenz war mir dann doch zu riskant). Auch als Glasur von T\u00f6pferware gefiel mir das Muster.<\/p>\n<p>Auf dem Bahnhofsplatz setzte ich mich in den Schatten, a\u00df mein Geb\u00e4ck und las, bis es Zeit f\u00fcr die R\u00fcckfahrt im Holzzug war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_24_Palma_Soller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full \" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_24_Palma_Soller.jpg\" alt=\"Sonnige mediterrane Landschaft mit felsigen H\u00fcgeln\" width=\"609\" height=\"437\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_27_Palma_Soller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101908\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_27_Palma_Soller.jpg\" alt=\"Schr\u00e4ger Blick aus den h\u00f6lzernen Fenstern eines Zug-Abteils auf mediterrane Landschaft in der Sonne, rechts angeschnitten eine Passagierung mit dunklen langen Haaren\" width=\"372\" height=\"524\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_30_Palma_Soller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full \" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/240926_30_Palma_Soller.jpg\" alt=\"Erh\u00f6hte Sicht auf ein sonniges Tal, in dem eine Stadt liegt, umgeben von felsigen Bergen\" width=\"656\" height=\"452\" \/><\/a><\/p>\n<p>In S\u00f3ller traf ich kurz vor f\u00fcnf ein, freute mich \u00fcber meine wohltemperiertes Hotelzimmmer (auch ohne Klimaanlage).<\/p>\n<p>Was ich auf Mallorca bereits herausgefunden habe: Der Trend zum Birkenstock-Pantoffel als Sandale ist international und geht quer \u00fcber alle Geschlechter und Altersgruppen. Vermutlich au\u00dfer Kindern, die brauchen mehr Halt.<br \/>\nApropos Kinder: Die sehe ich unter den vielen Tourist*innen praktisch nicht, ist ja Schulzeit in Europa. Hat etwas leicht Apokalyptisches.<\/p>\n<p>Nachtmahl waren dann die Markteink\u00e4ufe: Feigen (die Verk\u00e4uferin hatte sie sorgf\u00e4ltig ausgesucht, es seien so ziemlich die letzten der Saison), K\u00e4se, Palmera &#8211; ohne Schokolade wegen Temperatur und Transport. War dann gar nicht so viel zu viel, wie es ausgesehen hatte &#8211; ich a\u00df ein bisschen schneller, um nicht vor Ende schon voll zu sein.<\/p>\n<p>Ted Chiang, <i>Exhalation<\/i> ausgelesen, wieder Kurzgeschichten, <i>speculative fiction<\/i>. Meiner Ansicht nach nicht so gut wie sein Meilenstein <i>Story of your life<\/i> und darin die gleichnamige Geschichte (verfilmt als <i>Arrival<\/i>): Zwar sind die <i>what if<\/i>-Pr\u00e4missen auch in diesem zweiten Buch interessant und spannend, aber ihnen fehlt ein entsprechendes literarisches Format, das die Idee spiegelt (was ihm eben so meisterhaft mit &#8220;Story of your life&#8221; gelang). Fast allen Geschichten in <i>Exhalation<\/i> liegt das Nachdenken \u00fcber menschlichen freien Wille zugrunde &#8211; doch mir war Vieles zu deutlich erkl\u00e4rt statt vorgef\u00fchrt. Am besten gefiel mir die letzte Geschichte &#8220;Anxiety Is the Dizziness of Freedom&#8221;: Quantenphysik erm\u00f6glicht Computer, mit denen man parallele Lebensverl\u00e4ufe sehen und mit ihnen kommunizieren kann. Das ist sch\u00f6n erkl\u00e4rt und aufgeschl\u00fcsselt, endet f\u00fcr meinen Geschmack aber in zu viel Friede-Freude-Eierkuchen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eine Perspektive zum eigenen 60. Geburtstag (wie alle von Antje Schrupp anregend und interessant, egal ob ich zustimme oder nicht):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2024-09\/aelter-werden-abschiede-60-jahre-antje-schrupp-10nach8\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Bin ich jetzt alt?&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>60-J\u00e4hrige haben mit anderen 60-J\u00e4hrigen so gut wie nichts gemeinsam. Und das stimmt nicht nur f\u00fcr diejenigen, die schon als Kinder mit unterschiedlichen Startchancen ausgestattet waren, sondern auch f\u00fcr die, die urspr\u00fcnglich aus sehr \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen kommen. Das Leben ist eine gigantische Unterschied-Erzeugungsmaschine, in einer wilden Kombination aus \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden, eigener Entscheidung und Gl\u00fcck beziehungsweise Pech. Manchmal kommt eine akkumulierte Menge an Kleinigkeiten zusammen und lenkt ein Leben in diese oder jene Richtung. Manchmal braucht es aber nur einen einzigen Schicksalsmoment und etwas kippt: eine Trennung, eine Krankheit, ein beruflicher Erfolg oder Misserfolg.<\/p>\n<p>Je \u00e4lter ich werde, desto weniger bietet mein Jahrgang f\u00fcr mich eine Identifikationsm\u00f6glichkeit. \u00dcber die Boomer-Kolleg*innen meiner Generation, die sich \u00fcber alles Neue lustig machen, kann ich mich ma\u00dflos aufregen. Ich finde es nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig kompliziert, sich \u00fcber die Bedeutung der Buchstabenreihe LGBTQI zu informieren oder dar\u00fcber, was der Unterschied von Schwarz und Person of Color ist. Verglichen mit dem Kauderwelsch von Karl-Marx-Studienkreisen in meiner Studentinnenzeit ist das alles doch geradezu selbsterkl\u00e4rend \u2013 und damals hatten wir noch nicht mal Google!<\/p><\/blockquote>\n<p>Das mit dem beschriebenen Auseinanderdriften der K\u00f6rpert\u00fcchtigkeit ist mir ebenfalls aufgefallen, zun\u00e4chst bei meiner Elterngeneration. Manchmal sehe ich \u00dcber-90-J\u00e4hrige im Fernsehen, die beim geschmeidigen Garteln gezeigt werden. Gleichzeitig kenne ich Mitt-70er-innen, die mit einem Fu\u00dfmarsch weiter als zum eigenen Auto wegen Altersgebrechen \u00fcberfordert sind.<\/p>\n<p>(Dann wieder: War das unter uns Kindern so anders? Gab es da nicht auch die Sportskanonen, st\u00e4ndig am Rennen und Klettern, die einen Tennisschl\u00e4ger nur in die Hand nehmen mussten und schon gezielt B\u00e4lle trafen? Und gleichzeitig die Rumsitzer*innen, die keine Bewegung zu viel machten und schon beim Purzelbaum-Versuch besorgte Blicke der &#8211; damals noch so genannten &#8211; Kinderg\u00e4rtnerin ernteten?)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Was mir immer noch nachgeht: Die \u00fcberraschende Erkenntnis aus dem Erlebnis im Markt in Palma, dass bunt lackierte Fingern\u00e4gel einen fremden Mann in meinen Augen umgehend weniger bedrohlich machen.<br \/>\n1. Mir war nicht bewusst, WIE auf der Hut ich offensichtlich gegen\u00fcber M\u00e4nnern bin. Das h\u00e4tte ich wahrscheinlich sogar abgestritten, ich gehe ja praktisch \u00fcberall einfach rein oder hin, zu jeder Zeit. (Es ist mir aber IMMER bewusst, wenn da ein fremder Mann ist.)<br \/>\n2. Dank den G\u00f6ttern und G\u00f6ttinnen f\u00fcr das sich wandelnde M\u00e4nnlichkeitsbild bei der nachwachsenden Generation! <\/p>\n<p>Jetzt muss ich dar\u00fcber nachdenken, welche Faktoren einen fremden (oder nicht-fremden) Mann in meiner unbewussten Wahrnehmung bedrohlicher oder weniger bedrohlich machen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/10eff9a935d04c92811ef46931fa23b8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wurde ein Tag der drei M\u00e4rkte und der drei Backwerke. Fr\u00fch aufgewacht, mittelausgeschlafen. 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