{"id":10236,"date":"2010-12-10T09:36:42","date_gmt":"2010-12-10T08:36:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=10236"},"modified":"2012-12-13T09:01:11","modified_gmt":"2012-12-13T08:01:11","slug":"einmal-quer-durchs-sz-magazin-genohlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2010\/12\/einmal-quer-durchs-sz-magazin-genohlt.htm","title":{"rendered":"Einmal quer durchs <i>SZ-Magazin<\/i> gen\u00f6hlt"},"content":{"rendered":"<p>Berlusconi auf dem Titel? Jetzt hat er\u2019s wirklich geschafft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Das Inhaltsverzeichnis riecht schwer nach Dominiks Resterampe: Einmal durch die Schreibtischschubladen gefegt, bevor der Chefredakteur zum <i>Stern<\/i> wechselt. Mir war die Dicke des Heftes aufgefallen und ich hatte sofort einen dicken Werbungsblock in der Mitte vermutet. Aber nein: Die Anzeigenabteilung hat zwar ganze Arbeit geleistet, die Ernte aber \u00fcbers Heft verteilt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>\u201eSagen Sie jetzt nichts\u201c mit der Kasperltheaterfigur Nina Hagen. Oh mei, danke der Nachfrage: In meinem Leben spielt Jesus eine durchaus gro\u00dfe Rolle. Er hat mich gezeugt und nach bestem Wissen und Gewissen gro\u00dfgezogen. Aber einer reicht mir, wirklich.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Oh, sie haben eine Redakteurin, die jung genug ist, sich beim Hinterfragen der Geschenkform Gutschein originell zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>\u00dcber Erlinger kann ich nicht n\u00f6hlen, seine Argumentation finde ich immer interessant. (Bitte lass das \u201eDr. Dr.\u201c ironisch sein.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>\u201eNicht immer auf dem Boden bleiben! Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Romantik statt Realismus in der Liebe.\u201c Jessas. Na, wenigstens haben sie die Geschichte nicht den Praschl schreiben lassen, der seit einiger Zeit f\u00fcr die Nicht-Themen im Heft zust\u00e4ndig zu sein scheint und mich in der scheppernden Schmarrigkeit seiner Riemen fast vergessen l\u00e4sst, wie sehr ich einst seine Blogpostings sch\u00e4tzte.<br \/>\nDie These: Alle Liebesgeschichten m\u00fcssen heutzutage belastbar f\u00fcr die Ewigkeit sein, sonst ernten die Liebenden Hohn und Spott. \u201eDie Regeln, wie die Liebe auszusehen hat, sind strenger denn je: Sie muss sich lohnen und erfolgreich sein.\u201c Ach?! Hatten wir nicht eben im selben Magazin launige Kolumnen \u00fcber die Gesellschaft, die sich vor lauter Jugendwahn bis ins hohe Alter auf nichts festlegen will, schon gar nicht auf eine Partnerschaft? Die sich lustig macht \u00fcber Paare, die einfach nur nebeneinander sitzen wollen?<br \/>\nOh mei, dieser Artikel der Restrampe hatte sich aus guten Gr\u00fcnden zerknittert ganz hinten in der untersten Schublade versteckt, eigentlich f\u00fcr die Seite 96 der damals noch existierenden <i>Amica<\/i> geplant, jetzt friedlich mit drei kupfernen B\u00fcroklammern spielend.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Jetzt aber ein richtiger Knaller: Mit den heutigen Handys wird gar nicht mehr so viel telefoniert, sondern mehr ins Internet gegangen. F\u00fcr Menschen, die die vergangenen zwei Jahre abgeschnitten von jeder Zivilisation auf einer Insel im Pazifik verbracht haben, sicher epiphanisch.<\/p>\n<p>Geschrieben von Max Scharnigg, f\u00fcr dessen Auftritt und Text beim diesj\u00e4hrigen Bachmannpreislesen das Wort <i>underwhelming<\/i> eigens erfunden wurde.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Gleich noch ein schmissiges IT-Thema: Till Krause findet heraus, dass im Internet Inhalte auch dann noch zu sehen sind, wenn der Autor schon tot ist. Wie furchtbar! Das ist ja fast so, fast so \u2013 wie das Fotoalbum, in dem Bilder von Menschen eingeklebt sind, DIE GAR NICHT MEHR LEBEN!<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eine Bilderstrecke \u00fcber einen lustigen K\u00fcnstler. Wobei man beim Lachen \u00fcber Kunst ja mal besser aufpasst: Oft ist lustige Kunst gar nicht lustig gemeint.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eine Fu\u00dfballgeschichte. Die Geschichte kann nichts daf\u00fcr, dass mir Fu\u00dfball sehr egal ist. Aber es handelt sich um die Geschichte der Beziehung eines Fu\u00dfballfans zu seinem befanten Fu\u00dfballverein, und dieser Fu\u00dfballfan ist der Autor der Geschichte, Mitglied der <i>SZ-Magazin<\/i>-Redaktion. Bin das blo\u00df ich, deren Hirn vor lauter Selbstreferenzialit\u00e4t des Konstrukts Purzelb\u00e4ume schl\u00e4gt?<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und nun die Titelgeschichte. Sein\u2019S ma net b\u00f6s, aber ich hab&#8217; a Kusine in Italien, die begeisterte Berlusconi-W\u00e4hlerin ist: Alles, was ich \u00fcber die Motivation der Italiener, diese weitere Kasperletheaterfigur zu ihrem Regierungschef zu machen, nie wissen wollte, habe ich bereits von ihr geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die Gerichtsgeschichte ist im Inhaltsverzeichnis zusammengefasst mit \u201eOhne das Internet h\u00e4tten Mandy G. und Nadine E. wohl nie Verbrechen begangen\u201c. Ein weiteres Oh mei. Lassen Sie uns raten: Heiratsschwindelei \u00fcber Online-Kontaktb\u00f6rse? Ebay-Betrug? 0180-Abzocke? Aber das sind zum einen strafrechtlich sehr wahrscheinlich keine Verbrechen, zum anderen h\u00e4tte man dazu das Internet nicht unbedingt gebraucht.<\/p>\n<p>Aha: Schlicht eine weitere Nicht-Geschichte. Die beiden stehen wegen Internetbetrug vor Gericht \u2013 mit Fug und Recht l\u00e4sst sich behaupten, dass sie ohne Internet keinen Internetbetrug h\u00e4tten begehen k\u00f6nnen. Woher der Schluss kommt, dass sie also nie straff\u00e4llig geworden w\u00e4ren (nein, es handelte sich nicht um ein Verbrechen), l\u00e4sst die Geschichte nicht erkennen, auch wenn sie alle Klischees \u00fcber Onliner aneinanderreiht (u.a. zur\u00fcckgezogen lebende Menschen, viele Katzen, soziale Kontakte \u00fcbers Internet).<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ein origineller Illustrator zeichnet physikalische Grundgesetze anhand des Alltags eines Vaters mit kleinem Kind. Gymnasiallehrerhumor.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Interview mit von Donnersmarck. Seit <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/ein-oscar-gewinner-redet-sich-um-kopf-und-kragen.htm\">dieser Begebenheit<\/a> interessiert mich der Herr eigentlich nicht mehr. Lekt\u00fcre hebe ich mir f\u00fcr morgen auf.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die erste Geschichte der Rubrik \u201eStil leben\u201c wird angek\u00fcndigt mit \u201eDer Uhrenexperte Ralf Meertz verr\u00e4t, was eine gute Uhr ausmacht\u201c. Antwort aus meiner Sicht: Sie ist \u00f6ffentlich, sehr gut sichtbar und zeigt die korrekte Uhrzeit an. Doch den Illustrationen zufolge geht es um Armbanduhren, die ich per se h\u00e4sslich finde. Die Illustrationen selbst, altmodische Linolschnitte, gefallen mir allerdings gut.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und dann doch noch ganz explizit: Das Weihnachtsgesch\u00e4ft. Interview mit einem Hauptbeglitzerer deutscher Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, unter anderem mit seiner Drogeriekette Douglas. Lese ich auch morgen. Bin gespannt, ob mein olfaktorischer Eindruck der vergangenen Wochen zutrifft und das 80er-M\u00e4nnnerparf\u00fcm Fahrenheit in dieser Schenksaison eine Revival erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auch Hacke steigt ein mit \u201eEs naht Weihnachten\u201c. Mein tiefes Mitgef\u00fchl gilt allen Redaktionen weltweit, die sich Jahr f\u00fcr Jahr bergeweise Weihnachtsthemen aus den Fingern saugen m\u00fcssen. Wie es wohl in den Redaktionsr\u00e4umen des <i>SZ-Magazins<\/i> aussieht? Motivieren sich die Redaktionsmitglieder f\u00fcr diese schweren Wochen, indem sie sich in einen Rausch glitzerdekorieren, stollenfressen und gl\u00f6cksaufen? Oder darben dort derzeit eisern beherrschte Scrooges?<\/p>\n<p>(Grottenschlechte Laune. Ausgewogene Betrachtunsweise erst wieder morgen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlusconi auf dem Titel? 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