{"id":102575,"date":"2024-10-22T06:17:10","date_gmt":"2024-10-22T04:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=102575"},"modified":"2024-10-22T15:47:23","modified_gmt":"2024-10-22T13:47:23","slug":"journal-montag-21-oktober-2024-grosse-montagsanstrengung-aber-mit-erkenntnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/10\/journal-montag-21-oktober-2024-grosse-montagsanstrengung-aber-mit-erkenntnissen.htm","title":{"rendered":"Journal Montag, 21. Oktober 2024 &#8211; Gro\u00dfe Montagsanstrengung, aber mit Erkenntnissen"},"content":{"rendered":"<p>Ich lerne vom Romanelesen, ob ich will oder nicht. (Neutraler formuliert: Literatur beeinflusst meine Wahrnehmung.) Zum Beispiel: In den letzten Nachtstunden auf Montag geriet ich ins Angst-Karussell, durchaus vorhergesehen bei den Aussichten auf diesen konkreten Arbeitsmontag. Nun hatte ich vor dem Einschlafen ja Karsten Dusses <i>Das Kind in mir will achtsam morden<\/i> gelesen (tut mir leid, aber Fortsetzungen kriegen mich einfach fast nie, mich interessiert bei originellen Ideen am meisten das <i>world building<\/i>, also das Ausarbeiten dieser originellen Grundidee &#8211; und das ist in praktisch jeder Fortsetzung halt schon vorbei) (Geschichten, die \u00fcber mehrere Romane hinweg erz\u00e4hlt werden, sind was anderes). Und darin gibt die Erz\u00e4hlerstimme den Rat seines Therapeuten wieder: Gedankenkreisel dadurch z\u00e4hmen, dass man im Geiste ganz aufmerksam durch die R\u00e4ume der eigenen Wohnug geht, sich m\u00f6glichst viele Details in Erinnerung ruft. Daran dachte ich in meinem Angst-Karussell und probierte es einfach mal aus. Was soll ich sagen: Das wirkte! (Sample n=1, noch lang nicht als Beweis belastbar.)<\/p>\n<p>Was davon allerdings nicht wegging: Der Anlass des Belastungsgef\u00fchls, ich wollte beim Aufstehen und auf dem Weg in die Arbeit sehr, sehr gerne nicht exisiteren. Das Drau\u00dfen war neblig, M\u00fcnchen probiert heuer mal Bilderbuchoktober aus, ok.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241021_02_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full \" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241021_02_Theresienwiese.jpg\" alt=\"In morgendunklem Nebel: Vordergrund die Silhouetten der Figuren, mit denen der Anschlag aufs Oktoberfest 1983 dokumentiert wird, Hintrgrund ein Oktoberfestzelt\" width=\"624\" height=\"428\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241021_03_KazmairLigsalzstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-102585\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241021_03_KazmairLigsalzstr.jpg\" alt=\"A\u00f6tes helles Haus zwischen zwei Stra\u00dfen in leichtem Nebel, davor ein gro\u00dfer Baum mit wenig gelbem Herbstlaubrest\" width=\"409\" height=\"535\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck war es aber nicht kalt.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro riss mich Unvorhergesehenes im Postfach umgehend in heftige Betriebsamkeit, wo ich mich doch eigentlich von meinem Vormittagstermin hatte verr\u00fcckt machen lassen wollen. Bis zum Termin konnte ich das Problem nicht l\u00f6sen, ich musste erst mal zwei Stunden fr\u00f6hlich tanzen. Das schaffte ich ohne zu gro\u00dfen Gesichtsverlust, doch statt Erleichterung gab es anschlie\u00dfend Ringen auf verschiedenen Ebenen. Das f\u00fchrte unter anderem zu sehr sp\u00e4tem Mittagessen (ohne Pause, keine Zeit): Tomaten, Apfel, Granatapfelkerne mit Joghurt. Und danach ging&#8217;s grad so weiter.<\/p>\n<p>Im Nachhinein merkte ich, dass sich der Nebel bereits am fr\u00fchen Vormittag verzogen hatte und die Sonne schien, w\u00e4hrenddessen hatte ich keinen Blick daf\u00fcr. Zu mittelsp\u00e4tem Feierabend hing ich v\u00f6llig in den Seilen &#8211; freute mich aber auf den Heimweg in sch\u00f6ner Luft (ich musste dringend meine Geruchsrezeptoren dekontaminieren, hatte lange Strecken in dichtem Parfumdunst arbeiten m\u00fcssen).<\/p>\n<p>Der Heimweg war dann auch sch\u00f6n, eigentlich. Denn ich war so erledigt im schlechten Sinn, dass ich am liebsten nur den Meter Boden vor mir angesehen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Lebensmitteleink\u00e4ufe, Heimkommen f\u00fchlte sich immer noch nicht wie Freihaben an: Manik\u00fcre, Yoga-Gymnastik, Karottensalat f\u00fcr die Arbeit zubereitet, Abendessen nur f\u00fcr mich gemacht, Herr Kaltmamsell war aush\u00e4usig.<\/p>\n<p>Wieder schaffte es gutes Essen, mich nach diesem schlimmen Tag zu bes\u00e4nftigen &#8211; sogar wenn ich&#8217;s selber gemacht hatte: Endiviensalat (Ernteanteil) mit roter Paprika, s\u00fc\u00dfer Zwiebel in Tahini-Dressing, schmeckte hervorragend. Mein Comfort Food ist gutes Essen. (Gegenst\u00fcck zu Friedrich Torbergs &#8220;Essen war sein Leibgericht&#8221;). K\u00fcche aufger\u00e4umt, dann gab&#8217;s noch ordentlich Schokolade, wegen ausgewogener Ern\u00e4hrung, jetzt hatte ich richtig frei.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Mit Mooren, genauer mit ehemaligen Mooren bin ich schon auch aufgewachsen: Ingolstadt grenzt ans Donaumoos mit seinen brettlebenen Kartoffelackern und schnurgeraden Landstra\u00dfen (wenn Kurve, dann gleich Marterl, weil sich dort jemand derrennt hat).<\/p>\n<p>Viel interessanter aber ist, was Klaus Modick \u00fcber Moore zu sagen hat:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/taz.de\/Schriftsteller-Klaus-Modick-ueber-Moore\/!6028908\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;&#8216;Kaum jemand feiert die S\u00fcmpfe'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es gibt einen hintergr\u00fcndigen Satz von Walter Benjamin: \u201eWas zu verschwinden droht, wird Bild.\u201c Man k\u00f6nnte auch sagen, was zu verschwinden droht, wird Literatur oder Kunst. Gerade die Dinge und Erfahrungen, die uns entgleiten, die verloren gehen, weil wir sie zerst\u00f6ren, werden mythisiert und bekommen eine \u00e4sthetische Qualit\u00e4t, die sie an sich gar nicht haben. Den \u201eedlen Wilden\u201c gibt es erst in dem Moment, in dem die Native Americans ausgerottet werden, und das Moor erscheint \u00e4sthetisch reizvoll, als es zu verschwinden droht. So werden Bilder und Texte zu einer Art k\u00fcnstlerischem Naturkundemuseum. Literatur beschr\u00e4nkt sich nicht darauf, Dinge zu beschreiben, die vorhanden sind. Und Rezeption von Kunst ist nicht nur einfach ein Wiedererkennen von etwas, das man sowieso schon im Kopf hat. Das w\u00fcrde ja \u00adbedeuten, wir Schriftsteller und Maler zeigen euch nur das, was ihr sowieso schon wusstet. Zumindest geht es darum, etwas so darzustellen, dass es den Rezipienten neue Blickwinkel erm\u00f6glicht.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d530e116473b46ba8ba5c3305ba9e6b4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lerne vom Romanelesen, ob ich will oder nicht. (Neutraler formuliert: Literatur beeinflusst meine Wahrnehmung.) Zum Beispiel: In den letzten Nachtstunden auf Montag geriet ich ins Angst-Karussell, durchaus vorhergesehen bei den Aussichten auf diesen konkreten Arbeitsmontag. 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