{"id":1038,"date":"2005-10-02T10:24:44","date_gmt":"2005-10-02T08:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=1038"},"modified":"2005-10-02T14:16:05","modified_gmt":"2005-10-02T12:16:05","slug":"herrschaftswissen-handarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/10\/herrschaftswissen-handarbeit.htm","title":{"rendered":"Herrschaftswissen Handarbeit"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Fingerhut.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es an bayerischen Schulen nach Geschlecht getrennt Handarbeits- und Werkunterricht. Ich kam 1973 in die erste Klasse, hatte also in der Grundschule und in der Unterstufe des Gymnasiums das Fach Handarbeit.<\/p>\n<p>Aus dem Grundschul-Handarbeiten erinnere ich mich noch an einen riesigen Stickrahmen auf einem Stativ, an dem uns mit einem taudicken Faden und einer stockartigen Nadel das Sticken gezeigt wurde. \u00c4hnliche Dimensionen hatten das Strick- und das H\u00e4kelzeug, mit denen uns Strick- und H\u00e4kelmaschen beigebracht wurden. Die Handarbeitslehrerin war meiner Erinnerung nach alt, dick und bebrillt; am deutlichsten h\u00e4ngen geblieben ist mir, dass sie meinen spanischen Nachnamen hartn\u00e4ckig franz\u00f6sisch aussprach.<br \/>\nIch war ein hoffnungsloser Fall: Basteln war ohnehin nicht das Meine, die fieseligen Techniken, die das Fach Handarbeit von mir verlangte, \u00fcberforderten mich v\u00f6llig. Au\u00dferdem interessierten sie mich nicht die Bohne, welches Kind sehnt sich schon nach selbst gestrickten Turnbeuteln, geh\u00e4kelten Topflappen oder gestickten Kissen\u00fcberz\u00fcgen. Die St\u00fccke, die ich zur Benotung vorlegen musste, wurden gl\u00fccklicherweise zuhause fertig gestellt, so dass meine Mutter Ausrutscher im Zeugnis verhindern konnte.<\/p>\n<p>Im Gymnasium war dann aufwendigeres Stricken, H\u00e4keln, Sticken dran, zudem N\u00e4hen mit der Hand und der N\u00e4hmaschine. Allerdings gab es zus\u00e4tzlich Nachmittagswerken als Wahlfach. Da ich als ausgesprochen unm\u00e4dchenhaftes M\u00e4dchen irgendwie vermutete, diese Inhalte k\u00f6nnten mir mehr liegen als der verzweifelte Kampf mit der viel zu schnell nadelnden N\u00e4hmaschine, meldete ich mich umgehend an. Leider versagte ich dort genauso. (Wenn ich mir heute die Ergebnisse meiner zwei Jahre Werkunterricht anschaue, kann ich aber dem, \u00e4h, Expressionismus der Arbeiten durchaus etwas abgewinnen.)<\/p>\n<p>Als Teenager n\u00e4hte ich mir zwar das eine oder andere Kleidungsst\u00fcck, die Techniken daf\u00fcr leitete ich mir allerdings einfach selbst her (Hose = aus einem St\u00fcck Stoff zwei Hosensilhouetten ausschneiden, mit der N\u00e4hmaschine zusammenn\u00e4hen, f\u00fcr besseren Halt am besten jede Naht zweimal, obenrum einen Tunnel f\u00fcr einen Strick zum Zusammenziehen basteln, voila. Farbe des Fadens danach ausw\u00e4hlen, was in Mutters Fadenkiste am meisten vorhanden ist, und was als Unterfaden f\u00fcr die N\u00e4hmaschine bereits umgewickelt.) Stricken, in den 80ern f\u00fcr die Teenagerentwicklung unabdingbar, brachte ich mir mithilfe von Frauenzeitschriften selbst bei.<\/p>\n<p>Aber.<br \/>\nHeute sa\u00df ich Kn\u00f6pfe und eine abgerissene G\u00fcrtelschlaufe ann\u00e4hend auf dem Sofa. Alle paar Monate mache ich das gar nicht ungern. Und als ich zum Fingerhut griff (N\u00e4hen durch vierlagigen Jeansstoff, autsch), wurde mir klar, dass ich zumindest die Technik des Handn\u00e4hens regelm\u00e4\u00dfig anwende. Sch\u00f6n sind die Ergebnisse nie, aber das Zeug h\u00e4lt \u2013 eher bricht der Stoff. Was mich zur Frage bringt: Was machen all die m\u00e4nnlichen Generationen, denen man dieses Wissen verweigert hat? Oder wird das beim Milit\u00e4r nachgeholt?<\/p>\n<p>Denn ich erinnere mich, dass w\u00e4hrend einer Elftklassfahrt in Griechenland ein netter Mitsch\u00fcler zu mir kam und mich allen Ernstes darum bat, ihm einen statisch unbedingt erforderlichen Knopf anzun\u00e4hen. Allein schon mein entgeisterter Blick brachte ihn von der Bitte ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es an bayerischen Schulen nach Geschlecht getrennt Handarbeits- und Werkunterricht. 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