{"id":1042,"date":"2005-10-07T20:06:21","date_gmt":"2005-10-07T18:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=1042"},"modified":"2005-12-17T18:43:26","modified_gmt":"2005-12-17T17:43:26","slug":"john-irving-until-i-find-you","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/10\/john-irving-until-i-find-you.htm","title":{"rendered":"John Irving, <i>Until I Find You<\/i>"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/1400063833\/qid=1128707474\/sr=2-1\/ref=sr_2_11_1\/302-6089896-7663205\" target=_new><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/until.jpg' alt='' \/><br \/>\n<\/a><br \/>\n<b>Achtung (kleinere) Spoiler!<\/b><\/p>\n<p>Dass sein neuester Roman <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/1400063833\/qid=1128707474\/sr=2-1\/ref=sr_2_11_1\/302-6089896-7663205\" target=_new><i>Until I Find You<\/i><\/a> \u00fcber 800 Seiten lang ist, scheint auch John Irving ein schlechtes Gewissen bereitet zu haben (davor war der dickste <i>A Son of the Circus<\/i> mit gut 600 Seiten): Ungew\u00f6hnlich d\u00fcnnes Papier verschleiert den Umfang; bin schon gespannt, wie die Paperback-Ausgabe mit normal dickem Papier aussehen wird.<\/p>\n<p>An sich hat mich die Seitenzahl erst mal erleichtert; denn dass der Vorg\u00e4nger, <i>The Fourth Hand<\/i>, so kolossal in die Hose ging, schiebe ich zu einem gro\u00dfen Teil auf die Magerkeit des Romans. Irving kann Kurzgeschichten (einige gesammelt in <i>Trying to Save Piggy Sneed<\/i>, einige eingebaut in Romane), Irving kann riesige Romane gewebt aus viele Handlungsf\u00e4den. Was er mit <i>The Fourth Hand<\/i> versucht hat, kann er nicht.<\/p>\n<p><i>Until I Find You<\/i> dreht sich um den Hollywood-Schauspieler Jack Burns, der als Vierj\u00e4hriger mit seiner schottischen Mutter Alice (eine T\u00e4towiererin) in Nordeuropa auf die Suche nach Jacks Vater William, einem Organisten, gegangen war \u2013 ohne Erfolg. Jack w\u00e4chst in Kanada und an der US-amerikanischen Ostk\u00fcste auf und wird von fr\u00fchester Kindheit an von M\u00e4dchen und Frauen sexuell missbraucht. Erst als erwachsener Mann und Hollywoodstar beginnt er seine Erinnerungen an die damalige Europareise zu hinterfragen und macht sich erneut auf die Suche.<\/p>\n<p>Viele Schaupl\u00e4tze, einige interessante Frauengestalten (die meisten davon Monster, aber endlich mal eine Ringer<b>in<\/b>), einige \u00fcberraschende Wendungen \u2013 aber ich sah st\u00e4ndig die Mechanik hinter der Geschichte. Zum Beispiel: In dem Moment, in dem mich die zahlreichen <i>foreshadowings<\/i> zu nerven begannen, tritt eine Psychologin auf, die Jack bittet, beim Erz\u00e4hlen in den Therapiesitzungen nicht zu viel <i>foreshadowing<\/i> zu verwenden. Das ist lustig, aber erz\u00e4hlerisch hilflos.<\/p>\n<p>Bevor ich <i>Until I Find You<\/i> anpackte, hatte ich <i>A Widow for one Year<\/i> ein drittes Mal gelesen (ich habe die Hauptperson darin, Ruth Cole, sehr gern). Deshalb riss es mich ein wenig, als ich zwei Bestandteile daraus gleich auf den ersten 200 Seiten von <i>Until I Find You<\/i> wieder fand: \u201eBe always nice twice\u201c und ein bestimmtes Zitat aus <i>Adam Bede<\/i> von George Eliot. Irving spielt ja gerne in seinen Romanen auf andere seiner Romane an, aber bislang nie so platt.<\/p>\n<p>H\u00fcbsch fand ich die Beschreibung des Academy-Award-Abends, an dem Jack Burns einen Drehbuch-Oscar bekommt. Es ist das Jahr, in dem Irving in der non-fiktionalen Welt selbst den Drehbuch-Oscar f\u00fcr <i>The Cider House Rules<\/i> bekam, es kommt sogar der Oscar f\u00fcr Michael Caine vor, allerdings verschweigt die Beschreibung in <i>Until I Find You<\/i> nat\u00fcrlich, dass er ihn f\u00fcr die Rolle des Dr. Wilbur Larch bekam.<\/p>\n<p>Ebenso lehrreich wie die Schilderung der Vorbereitungen auf die Oscarnacht, des Ablaufs und der diversen Partys sind die Hintergrundinformationen zum T\u00e4towieren und zu Orgeln und Orgelmusik. Nur dass mich die Handlung selbst zu wenig fesselte, als dass ich mich nicht ein wenig belehrt gef\u00fchlt h\u00e4tte. Auffallend diesmal das indirekte Thema Essst\u00f6rungen: St\u00e4ndig ist jemand zu d\u00fcnn oder k\u00e4mpft mit seinem Gewicht oder verliert den Kampf und wird abenteuerlich dick oder isst eigentlich nicht oder treibt aus Figurgr\u00fcnden wie bescheuert Sport oder ist anorektisch und f\u00e4llt irgendwann vom Trimmrad.<\/p>\n<p>Unterm Strich: Gern gelesen, hin und wieder gelacht, immer noch besser als vieles, was ich in den letzten Jahren sonst gelesen habe \u2013 aber kein Spitzen-Irving.<\/p>\n<p>Dank an <a href=\"http:\/\/hinterstuebchen.juliette-guttmann.de\/\" target=_new>Frau Julie<\/a>, ohne deren Hinweis ich diesmal nicht mal mitbekommen h\u00e4tte, dass es einen neuen Irving gibt.<\/p>\n<p>(\u00dcbrigens beginnt Irvings offizielle Biografie seit einigen Jahren nicht mehr mit seinem Geburtsjahr, sondern mit dem Alter, in dem er seinen ersten Roman ver\u00f6ffentlicht hat, 26. Simmer a bissl eitel, hm? Herr Irving ist Jahrgang 1942, das blieb mir h\u00e4ngen, weil er wenige Wochen j\u00fcnger ist als mein Vater.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtung (kleinere) Spoiler! 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