{"id":104238,"date":"2024-12-18T06:37:23","date_gmt":"2024-12-18T05:37:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=104238"},"modified":"2025-12-04T16:15:38","modified_gmt":"2025-12-04T15:15:38","slug":"journal-dienstag-17-dezember-2024-hochleistungstag-und-annette-hess-deutsches-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/12\/journal-dienstag-17-dezember-2024-hochleistungstag-und-annette-hess-deutsches-haus.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 17. Dezember 2024 &#8211; Hochleistungstag und Annette Hess, <i>Deutsches Haus<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Vor Wecker aufgewacht, aus eigentlich gutem Schlaf war ich nachts mehrfach wegen Schmerzen im linken Fu\u00df aufgewacht. Vielleicht als Gute-Nacht-Snack doch hin und wieder eine Ibu.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher als sonst das Haus verlassen. Das war mir recht, denn gestern war der letzte Gro\u00dfkampftag vor den Weihnachtsferien.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich durch die G\u00e4nge und Treppenh\u00e4user peste, rauslief zum Einkaufen, weiter wuselte, schien drau\u00dfen die Sonne, die Luft wurde mild. Die 15.000-Schritt-Marke riss ich noch vor 12 Uhr. Dann war aber das Heftigste rum, ab jetzt konnte ich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geordnet weiterarbeiten.<\/p>\n<p>Zu Mittag gab es Mandarine, Apfel sowie Mango mit Sojajoghurt.<\/p>\n<p>Sehr emsiger Nachmittag, vor Feierabend nochmal Hochdruck. Gestern arbeitete ich definitiv wieder f\u00fcr zwei, das will ich doch gar nicht.<\/p>\n<p>Eher sp\u00e4t verlie\u00df ich beladen das B\u00fcro (Tablett, Obstkorb &#8211; gibt es vor Ort halt genauso wenig wie einen Catering-Dienst) &#8211; und merkte vorm Haus, dass ich \u00fcberhaupt keine Lust hatte, so nach Hause zu laufen, zumal mir die F\u00fc\u00dfe vom reichlichen Rumrennen \u00fcber den Arbeitstag weh taten. Also wollte ich mich vom 62er-Bus gem\u00fctlich heimschaukeln lassen.<\/p>\n<p>War dann nicht so gem\u00fctlich, weil ich erst ungew\u00f6hnlich lange auf den Bus warten musste (eigentlich 7-Minuten-Takt), der dann ziemlich voll war. Egal. Jetzt war mir endlich alles egal (fast).<\/p>\n<p>V\u00f6llig durch daheim. Yoga-Gymnastik tat aber gut. Und ich bekam Gutes zu essen: <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241217_01_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/241217_01_Nachtmahl.jpg\" alt=\"Aufsicht aus gedeckten Tisch: links eine Sch\u00fcssel mit lila Kartoffel- und orangen Karottensticks, in der Mitte ein Sch\u00fcsselchen Kr\u00e4uterquark, recht ein Teller mit einem gelben Fladen, darauf K\u00e4seschnitze\" width=\"484\" height=\"324\" class=\"alignnone size-full wp-image-104243\" \/><\/a><\/p>\n<p>Karotten und lila S\u00fc\u00dfkartoffeln als Ofen-Fritten (ein paar Fr\u00fchlingszwiebeln waren auch noch da), dazu Kr\u00e4uterquark, au\u00dferdem eine Farinata aus Maismehl mit K\u00e4se. Nachtisch S\u00fc\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>Fassungslosigkeit, als mir klar wurde, dass erst Dienstagabend war.<\/p>\n<p>Fr\u00fch ins Bett zum Lesen, Annette Hess, <i>Deutsches Haus<\/i> ausgelesen.<\/p>\n<p>Die Geschichte aus den 1960ern um den Frankfurter Auschwitzprozess aus der Perspektive einer einheimischen Dolmetscherin (meist, wir bekommen hin und wieder auch die personale Perspektive anderer Figuren) versucht die gesellschaftliche Atmosph\u00e4re der Zeit zu vermitteln. Wie es f\u00fcr jemanden aus der Generation meiner Eltern gewesen sein muss, Anfang bis Mitte der 1940er geboren, die Abgr\u00fcnde der Gr\u00e4uel vom Auschwitz zu entdecken. Und die Rolle, die die eigenen Eltern dabei spielten. Wie unterschiedlich der Umgang mit dieser Entdeckung war, von hartn\u00e4ckiger Leugnung bis zu tiefem Bed\u00fcrfnis nach Wiedergutmachung. Auch die Opferseite wird differenziert und vielf\u00e4ltig geschildert, als Zeugen treten Individuen auf und ihr unterschiedlicher Umgang mit unvorstellbaren Erlebnissen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigt der Roman anhand der Hauptfigur Eva Bruhns (auch an ihrer Schwester), wie sich die Rolle und die Anspr\u00fcche von Frauen in Deutschland in dieser Zeit \u00e4nderten, gerade in Abgrenzung zu ihrer Mutter. Am Rande tauchen Entwicklungen wie die Einwanderung von Gastarbeitern auf (die soweit ich wei\u00df damals und bis in die sp\u00e4ten 70er eher &#8220;Fremdarbeiter&#8221; genannt wurden, das kannte man aus dem Dritten Reich so f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte &#8211; die allerdings Zwangsarbeiter*innen gewesen waren), inklusive rassistischer Ablehnung.<\/p>\n<p>Der beste erz\u00e4hlerische Kniff: Missverst\u00e4ndnis weil Fremdsprache. An einigen Schl\u00fcsselstellen \u00fcbersetzt die Hauptfigur Eva Bruhns aus dem Polnischen falsch &#8211; anfangs weil sie als eigentlich Fach\u00fcbersetzerin f\u00fcr Technisches die W\u00f6rter nicht kennt, sp\u00e4ter weil sie sich verh\u00f6rt (ich gehe mal davon aus, dass die sprachlichen \u00c4hnlichkeiten sauber recherchiert sind, leider spreche ich nicht das Polnisch dieser meiner Familienseite). Das h\u00e4tte man ausbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2024\/12\/journal-samstag-14-dezember-2024-ein-wenig-sonnenschein-ausgerechnet-in-ingolstadt.htm\" target=\"_blank\">Sollte die falsche Verbform f\u00fcr die indirekte Rede<\/a> (taucht noch an einer einzigen weiteren Stelle um die Figur J\u00fcrgen auf) in der Absicht verwendet worden sein, eine L\u00fcge zu markieren (bis zum Schluss bleibt die Erz\u00e4hlinstanz abstrakt) &#8211; hinkt das Stilmittel auf beiden Beinen. H\u00e4tte man schon machen k\u00f6nnen, aber dann h\u00e4tten auch alle L\u00fcgen der Angeklagten im Gerichtsprozess so geschrieben werden m\u00fcssen und alle weiteren L\u00fcgen &#8211; aus denen der Roman ja im Grunde gewoben ist, aus L\u00fcgen und Selbstl\u00fcgen. W\u00e4re halt unlesbar geworden. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8a8e6679a3e14367a6b89584c4755729\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Wecker aufgewacht, aus eigentlich gutem Schlaf war ich nachts mehrfach wegen Schmerzen im linken Fu\u00df aufgewacht. Vielleicht als Gute-Nacht-Snack doch hin und wieder eine Ibu. Fr\u00fcher als sonst das Haus verlassen. Das war mir recht, denn gestern war der letzte Gro\u00dfkampftag vor den Weihnachtsferien. 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