{"id":10663,"date":"2011-02-08T08:57:10","date_gmt":"2011-02-08T07:57:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=10663"},"modified":"2011-02-08T16:39:02","modified_gmt":"2011-02-08T15:39:02","slug":"und-deshalb-bin-ich-fur-die-frauenquote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2011\/02\/und-deshalb-bin-ich-fur-die-frauenquote.htm","title":{"rendered":"Und deshalb bin ich f\u00fcr die Frauenquote"},"content":{"rendered":"<p><i>(Wie bei Mode: Erst wenn ein Thema so gut wie durch ist, bin ich so weit.)<\/i><\/p>\n<p>Nessy<sup><a href=\"#footnote_1_10663\" id=\"identifier_1_10663\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"v&ouml;llig OT: Das war mein CB-Funk-Nick mit 13, hihi.\">1<\/a><\/sup> beschreibt, <a href=\"http:\/\/dieliebenessy.wordpress.com\/2011\/02\/07\/mein-beitrag-zur-frauenquote\/\" target=_\"new\">warum sie keine Ambitionen auf einen F\u00fchrungsposten in einem Unternehmen hat<\/a>. Sie betont, das gelte nur f\u00fcr sie pers\u00f6nlich, doch ich halte ihre Sicht f\u00fcr ausgesprochen repr\u00e4sentativ: Nicht nur habe ich sie oft von anderen Frauen geh\u00f6rt \u2013 sie ist auch meine.<\/p>\n<blockquote><p>Erstens. Ich m\u00f6chte nicht jahrelang 70 Stunden in der Woche arbeiten. (&#8230;) das hat etwas damit zu tun, dass ich nicht auf dieser Welt bin, um mein Leben vollends einem Konzern zu widmen.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nZweiter Grund \u2013 und das muss ich an dieser Stelle so deutlich sagen: Die zahlreichen Streber, Blender und Arschkriecher, die ich in meinem Berufs-und sonstigen Leben schon getroffen habe, kotzen mich an.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nIch spiele au\u00dferdem \u2013 dritter Punkt \u2013 nicht bei diesem ganzen Networking-Quatsch mit.<\/p><\/blockquote>\n<p>In meinem Fall \u00fcberwiegt das Erstens. Auch ich bringe wirklich mehr Einsatz, als mein Arbeitsvertrag von mir verlangt \u2013 ebenso wie Nessy mag ich es, gro\u00dfe und interessante Dinge zu schieben. Doch wenn das dauerhaft auf Kosten meiner Zeit mit geliebten Menschen geht, auf Kosten des Lesens, Denkens, Laufens, Schwimmens, Einfach-nur-bl\u00f6d-Schauens, dann werde ich b\u00f6se, ungl\u00fccklich und krank. Das hatte ich schon mal, vielen Dank, brauche ich nicht wieder.<\/p>\n<p>Doch gerade deshalb ist die Frauenquote meiner \u00dcberzeugung nach die einzige Chance, diese Hindernisse beiseite zu schaffen. Solange die Spielregeln f\u00fcr den Aufstieg in Machtpositionen (m\u00f6gen sie auch nicht eigentlich Macht zum Ziel haben, enthalten sie nunmal die gr\u00f6\u00dfte Macht) von der \u00fcberw\u00e4ltigenden m\u00e4nnlichen Mehrheit bestimmt werden, bewusst oder unbewusst, werden nicht genug Frauen mitspielen wollen. Erst wenn ein kritischer Anteil an weiblicher Mitgestaltung erreicht wird, \u00e4ndern sich diese Spielregeln \u2013 und machen es der n\u00e4chsten Aufsteigerinnengeneration einfacher, sich darauf einzulassen.<\/p>\n<p>Niemand versteht den inneren Widerstand der jetzigen Nachwuchsgeneration an Frauen besser als ich mit meinem bis zur Erstarrung riesigen Stolz: Eklig, mit dem Verdacht leben zu m\u00fcssen, man werde nicht wegen seiner Kompetenz respektiert, sondern als Pflichtfrau geduldet. Aber <i>the needs of the many outweigh the needs of the few<\/i>, und so muss leider die erste Generation an Quotenfrauen diese Stolzverletzung ertragen \u2013 um den Weg f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen frei zu machen.<\/p>\n<p>Die Karrierelandschaft (nur zu Erinnerung und der Vollst\u00e4ndigkeit halber: Auch eine Frau darf <a href=\"http:\/\/www.deutscherkarikaturenpreis.de\/galleryImages\/1289573152_Hauck_Kinder.jpg\" target=_\"new\">keine Kinder UND keine Karriere haben<\/a>.) in Deutschland wird vergiftet von der Pr\u00e4senzkultur. <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article12348551\/Nur-die-Frauenquote-wird-die-Arbeitswelt-verbessern.html\" target=_\"new\">Ausgerechnet Matthias Horx findet daf\u00fcr ausgerechnet in der <i>Welt<\/i> die passende Argumentationslinie<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Karriere in Deutschland ist ein Wettbewerb um Anwesenheitszeiten, um kommunikative Pr\u00e4senz. Wer f\u00fchrt, muss nach dem Acht-Stunden-Tag noch f\u00fcr Meetings und Absprachen an der Bar zur Verf\u00fcgung stehen. Kann sein Wochenende vergessen. Muss immer erreichbar sein. Nur wer sein Privatleben der Firma opfert, ist \u201eleistungsbereit\u201c. Wie, bitte sch\u00f6n, soll man auch ein Unternehmen in einem normalen Acht-Stunden-Tag leiten? L\u00e4cherliche, naive Vorstellung!<br \/>\nUnd dennoch: Es geht. Das zeigt die ver\u00e4nderte Karrierekultur Skandinaviens. Wer als F\u00fchrungskraft \u2013 Mann oder Frau \u2013 in Stockholm nach 17 Uhr am Schreibtisch sitzt, dem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit freundlich auf die Schulter geklopft. Und gefragt: Hast du Familienprobleme? Irgendwas nicht in Ordnung zu Hause? Wollen wir reden?<br \/>\nMinister haben dort Heimarbeitspl\u00e4tze, und man sieht Topmanager am Nachmittag beim Einkaufen im Supermarkt. Von F\u00fchrungskr\u00e4ften wird mit sanftem kulturellem Druck zunehmend verlangt, dass sie sich hinreichend um ihre Familie k\u00fcmmern. Sonst gelten sie als Minderleister, die ihren Job nicht im Griff haben. Und letztlich als Risiko f\u00fcr die Firma. <\/p><\/blockquote>\n<p>Ich sehe diese Quote in derselben Linie wie das Rauchverbot in Gastst\u00e4tten: Wir haben lange genug darauf vertraut, dass die Menschen schon von allein vern\u00fcnftig werden \u2013 es hat nicht funktioniert. Auch Institute, Beh\u00f6rden, Unternehmen hatten lange genug Zeit, aus Lippenbekenntnissen zum Frauenanteil in F\u00fchrungspositionen Realit\u00e4t zu machen &#8211; es hat nicht funktioniert. Schaun wir doch einfach mal, was passiert, wenn sie m\u00fcssen.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_10663\" class=\"footnote\">v\u00f6llig OT: Das war mein CB-Funk-Nick mit 13, hihi.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_10663\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Wie bei Mode: Erst wenn ein Thema so gut wie durch ist, bin ich so weit.) Nessy1 beschreibt, warum sie keine Ambitionen auf einen F\u00fchrungsposten in einem Unternehmen hat. 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