{"id":106898,"date":"2025-03-20T06:45:34","date_gmt":"2025-03-20T05:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=106898"},"modified":"2025-03-20T16:19:01","modified_gmt":"2025-03-20T15:19:01","slug":"journal-mittwoch-19-maerz-2025-jan-christoph-gockel-oh-schreck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/03\/journal-mittwoch-19-maerz-2025-jan-christoph-gockel-oh-schreck.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 19. M\u00e4rz 2025 &#8211; Jan-Christoph Gockel, <i>Oh Schreck!<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Guter Schlaf, wie schon in den N\u00e4chten davor schien der Mond (derzeit deutlich abnehmend) vom wolkenlosen Himmel volle Kanne auf mein Bett.<\/p>\n<p>Diesmal dachte ich daran, trotz strahlender Sonne die warme Winterjacke f\u00fcr den Marsch in die Arbeit anzuziehen: Es war wieder deutlich frostig, im Ledermantel war mir zu kalt gewesen. Weiterhin Applaus f\u00fcr den Frost, der hoffentlich auch weiterhin die bl\u00f6den Obstb\u00e4ume davon abh\u00e4lt vorzeitig zu bl\u00fchen und sich der Gefahr sp\u00e4ter erfrorener Bl\u00fcten auszusetzen &#8211; ich bin auch Natur, und diese Natur will im Sommer Kirschen, im Sp\u00e4tsommer und Herbst \u00c4pfel und Zwetschgen.<\/p>\n<p>Gut strukturierte Arbeit, ich bekam den Tisch leer. Raus auf einen Mittagscappuccino im Westend, es war dann doch noch warm genug f\u00fcr M\u00fctzen- und Handschuhlosigkeit geworden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_07_StRupert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_07_StRupert.jpg\" alt=\"Backsteinkirche mit runden Formen vor knallblauem Himmel\" width=\"451\" height=\"506\" class=\"alignnone size-full wp-image-106908\" \/><\/a><\/p>\n<p>St. Rupert<\/p>\n<p>Zu Mittag gab es H\u00fcttenk\u00e4se und die Kerne eines Granatapfels.<\/p>\n<p>\u00dcberfr\u00fcher Feierabend, denn f\u00fcr abends hatte ich Theaterpl\u00e4ne. Und ich hatte wieder mit einem Termin zum Beinenthaaren sichergestellt, dass ich auch wirklich sehr fr\u00fch gehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nach der Beinkosmetik holte ich meine gek\u00fcrzte Hose von der Schneiderin, kaufte noch im Vollcorner Milchprodukte und Obst.<\/p>\n<p>Diesmal begleitete mich Herr Kaltmamsell in mein Theaterabo an den Kammerspielen, ich hatte ihn <a href=\"https:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/de\/programm\/32918-oh-schreck\" target=\"_blank\">f\u00fcr <i>Oh Schreck<\/i> interessieren k\u00f6nnen, &#8220;eine Vampirkom\u00f6die von Jan-Christoph Gockel inspiriert von F. W. Murnaus &#8216;Nosferatu&#8217; und dem Leben von Max Schreck&#8221;.<\/a> Also servierte er Abendessen etwas fr\u00fcher als sonst: Es gab die restlichen Ernteanteilkarotten als Ofenfritten, au\u00dferdem Tellerlinsen und Orecchiette.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_10_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_10_Nachtmahl.jpg\" alt=\"Gedeckter Tisch mit wei\u00dfen Sets, im Vordergrund ein wei\u00dfer, tiefer Teller, rechts darain gekochte Linsen, links gekochte Nudeln, dahinter ein Glasteller mit gebackenen Stiften violetter Karotten\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-106909\" \/><\/a><\/p>\n<p>Balsamico auf die Linsen, Oliven\u00f6l auf die Orecchiette, die Karottenfritten (Sorte Purple Haze) waren besonders gut geraten.<\/p>\n<p>Im letzten Abendlicht unter weiterhin wolkenlosem Himmel spazierte ich mit meinem Haus-Vampirologen in die Maximilianstra\u00dfe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_12_Kammerspiele.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250319_12_Kammerspiele.jpg\" alt=\"Blick von rechts auf eine Theaterb\u00fchne, darauf ein riesiger goldener Bilderrahmen, darin in verlaufenden roten Buchstaben &quot;Oh Schreck!&quot;\" width=\"346\" height=\"450\" class=\"alignnone size-full wp-image-106910\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Zuschauerraum war nahezu voll besetzt, das hatte ich in den Kammerspielen schon sehr lang nicht mehr erlebt. Das St\u00fcck begann mit einem Monolog des betagten Walter Hess vom B\u00fchnenrand, der wie in der Soliloqui vor vielen Shakespeare-St\u00fccken das Setting erkl\u00e4rte: Die Menschen, die an den Kammerspielen arbeiten, sind alles Vampire, ein Regisseur von au\u00dferhalb inszeniert mit ihnen <i>Nosferatu<\/i>. Das war sehr praktisch, das musste also  schonmal nicht per Handlung erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Und dann erlebte ich nach Langem mal wieder einen richtig sch\u00f6nen Kammerspiel-Abend. Ich hatte Klamauk bef\u00fcrchtet, doch auf der B\u00fchne fand wirklich Lustiges statt: Mit verschiedensten Medien (das also wie immer) kamen Versatzst\u00fccke aus mehreren Jahrhunderten kultureller Verarbeitung des Vampir-Mythos zusammen, die Klammer war der Umstand, dass der Hauptdarsteller des <i>Nosferatu<\/i>-Films von 1922, Max Schreck, lange Jahre an den M\u00fcnchner Kammerspielen gearbeitet hatte &#8211; und m\u00f6glicherweise bis heute dort haust.<\/p>\n<p>Besonders gut gefiel mir die Umsetzung der Ansage, diesen Stummfilm auf die B\u00fchne zu bringen: N\u00e4mlich mit fast lebensgro\u00dfen Marionetten (Michael Pietsch), die vor die Darstellenden gebunden wurden, Text hinter ihnen auf die B\u00fchne projiziert. Auch sonst sch\u00f6ne Ausstattungs- und Masken-Ideen, wundervolles Schauspiel. Den Vogel schoss Katharina Bach als Kristine van Helsing ab (mal wieder eine Schauspielerin, die mir seinerzeit vom ersten Anblick an entgegenbrannte mit ihrer PR\u00c4SENZ!): Sie trat mit einer Slapstick-Nummer auf, die in einem Wortspiel-Monolog m\u00fcndete, mit einer Ren\u00e9-Polesch-Ged\u00e4chtnis-Spachkaskade.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Szene wurden die f\u00fcnf B\u00fchnenarbeiter auf die B\u00fchne geholt, die zuvor mehr oder weniger sichtbar B\u00fchnenbild geschoben hatten, Katharina Bach verwendete sie als Requisiten f\u00fcr einen weiteren wunderbar irren Monolog &#8211; und das war schon sehr r\u00fchrend, diesen ganz echten Nicht-Schauspielern beim Durchhalten zuzusehen.<\/p>\n<p>Herzerfrischung rundum, ich kam l\u00e4chelnd aus dem Theater, lie\u00df mir auf dem Heimweg von Herrn Kaltmamsell (&#8220;Was willst du wissen? Was willst du wissen? Komm, frag mich!&#8221;) unter anderem Publikationshintergr\u00fcnde zu <i>Nosferatu<\/i> erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Comedian John Mulaney versucht &#8211; wie so viele &#8211; ein Bild f\u00fcr die Weltsituation zu finden. Er nimmt: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DGc7XOayDhb\/\" target=\"_blank\">&#8220;There&#8217;s a horse loose in a hospital.&#8221;<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/5f41c02c6895407a850dd1d5475aafc7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guter Schlaf, wie schon in den N\u00e4chten davor schien der Mond (derzeit deutlich abnehmend) vom wolkenlosen Himmel volle Kanne auf mein Bett. Diesmal dachte ich daran, trotz strahlender Sonne die warme Winterjacke f\u00fcr den Marsch in die Arbeit anzuziehen: Es war wieder deutlich frostig, im Ledermantel war mir zu kalt gewesen. 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