{"id":10738,"date":"2011-02-15T14:00:20","date_gmt":"2011-02-15T13:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=10738"},"modified":"2013-02-05T20:51:42","modified_gmt":"2013-02-05T19:51:42","slug":"gemischtes-gehacktes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2011\/02\/gemischtes-gehacktes.htm","title":{"rendered":"Gemischtes Gehacktes"},"content":{"rendered":"<p>Die Lekt\u00fcre von Jonathan Franzens Roman <i>Freedom<\/i> bereitet mir Genuss. Er ist ein dickes Buch, an dem ich sch\u00e4tzungsweise noch \u00fcber eine Woche lesen werde. Und in dieser Kombination st\u00f6ren mich zwei Aspekte sehr:<br \/>\n1. Die Scheu\u00dflichkeit des Umschlags. Etwa zwei Wochen wird das Bild links mein Blog verschandeln und den Eindruck erwecken, ich k\u00f6nne mir nur Raubkopien leisten. Ist Herr Franzen farbenblind? Ein irrationaler Verehrer von Bob Ross? Mit einem ganz anderen Humor ausgestattet, als seine Romane vermuten lassen?<br \/>\n2. Keine Leerzeilen. <i>Freedom<\/i> ist unterteilt in Gro\u00dfkapitel von vielen Dutzend Seiten L\u00e4nge. Der Satz dieser Abschnitte ist lediglich durch normale Abs\u00e4tze strukturiert, es fehlt eine weiterer \u00fcbergeordnete Unterteilung durch Leerzeilen. Die Folge: Die Szene wechselt komplett, und ich bemerke das erst anhand meiner Verwirrung drei Abs\u00e4tze weiter.<br \/>\nNein, der Roman ist nicht die Sorte Kunst, die mit Satz und Umbruch arbeitet.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am Sonntag den Film <i>Das Lied in mir<\/i> gesehen, und zwar im Eldorado an der Sonnenstra\u00dfe. Das ist ein sch\u00f6nes, gro\u00dfes Kino im Untergescho\u00df, zeitgem\u00e4\u00dfe Technik, Beinfreiheit, steil genug f\u00fcr gute Sicht. Wenn man denn mal drin ist. Denn erst muss man an der Kinokasse eine Eintrittskarte erwerben.<\/p>\n<p>Schon als ich die 15 Meter lange Schlange am Eingang sah (wohlgemerkt: f\u00fcr die 16-Uhr-Vorstellung eines Nicht-Blockbusters), wusste ich, wer da die Karten verkaufte. Madame ist die mit Abstand stylischste Greisin, die mir je begegnet ist. Ihre Eleganz hat nichts von Mottenkugeln oder Uroma-Gem\u00fctlichkeit, sie ist unzweifelhaft heutig ausgestattet. In den letzten f\u00fcnf Metern bis zum Kartenkauf hatte ich genug Zeit, die Details zu bewundern: Lange, schwarz lackierte Fingern\u00e4gel, gro\u00dfer Silberschmuck an den H\u00e4nden, schwarze gl\u00e4nzende Wuscheljacke, dunkelblonde Fransenper\u00fccke tief in der Stirn, dezent geschminktes Gesicht in den Farben der Saison, der freundlich l\u00e4chelnde Mund korallenrot, auf der Nase eine eckige schwarze Lesebrille. Nur dass Madame halt&#8230; eher&#8230; l\u00e4nger&#8230; braucht. Ich war die dritte Kundin hintereinander, die ihre Einzelkarte (8,50 Euro) mit einem 20-Euro-Schein bezahlte. Doch wie schon bei den Frauen vor mir besah sie sich den Geldschein gr\u00fcndlich, begann dann mit Blick auf die Theke vor ihr die Wechselsumme zu berechnen, um dann wiederum gr\u00fcndlich die daf\u00fcr erforderlichen M\u00fcnzen und Scheine in ihrer Geldschublade zu suchen, mal \u00fcber den Rand ihrer Brille lugend, mal durch die Brille selbst.<\/p>\n<p>Ein Gl\u00fcck, dass auch in dieser Nachmittagsvorstellung der gesamte Werbeblock gezeigt wurde. So machte es nichts, dass ich mich 15 Minuten zu sp\u00e4t vor die Leinwand setzte.<\/p>\n<p>Der Film gefiel mir \u00fcbrigens sehr gut. Berufsschwimmerin bleibt auf der Reise von Deutschland nach Chile in Buenos Aires h\u00e4ngen, weil sie der Klang eines Kinderlieds zu Tr\u00e4nen aus der Fassung bringt und sie feststellt, dass sie es mitsingen kann, obwohl sie doch gar kein Spanisch spricht. Sie findet heraus, dass sie in Buenos Aires auf die Welt gekommen ist, ihre leiblichen Eltern in der Milit\u00e4rdiktatur verschwanden. Trotz des gro\u00dfen Themas h\u00e4lt der Film die Geschichte klein und pers\u00f6nlich, vermittelt dadurch viel N\u00e4he und Echtheit. Ich genoss es, alle drei verwendeten Sprachen (Deutsch, Spanisch, Englisch) zu verstehen.<\/p>\n<p>Eine gute Gelegenheit, Meike Winnemuths bezauberndes Weltreiseblog <a href=\"http:\/\/www.vormirdiewelt.de\/\" target=_new>Vor mir die Welt<\/a> zu empfehlen: Den Februar verbringt sie n\u00e4mlich in Buenos Aires.<\/p>\n<p>Bei ihr habe ich auch diesen wundervollen Filmschnipsel gefunden (achten Sie unbedingt auf den Hintergrundchor der gr\u00f6hlenden Automechaniker):<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" width=\"480\" height=\"390\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/8dStp5hq294\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lekt\u00fcre von Jonathan Franzens Roman Freedom bereitet mir Genuss. Er ist ein dickes Buch, an dem ich sch\u00e4tzungsweise noch \u00fcber eine Woche lesen werde. Und in dieser Kombination st\u00f6ren mich zwei Aspekte sehr: 1. Die Scheu\u00dflichkeit des Umschlags. 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