{"id":107543,"date":"2025-04-12T07:41:45","date_gmt":"2025-04-12T05:41:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=107543"},"modified":"2025-04-12T07:41:45","modified_gmt":"2025-04-12T05:41:45","slug":"journal-freitag-11-april-2025-bemuehen-um-entspannung-fuers-wochenende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/04\/journal-freitag-11-april-2025-bemuehen-um-entspannung-fuers-wochenende.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 11. April 2025 &#8211; Bem\u00fchen um Entspannung f\u00fcrs Wochenende"},"content":{"rendered":"<p>Verschlafen! Ich hatte vergessen, den Wecker zu stellen, und war nach zweitem Klogang um f\u00fcnf nochmal tief eingeschlafen. Herr Kaltmamsell weckte mich freundlich nur wenige Minuten nach meiner \u00fcblichen Aufstehzeit.<\/p>\n<p>Ein sonniger Morgen, mein Stoffwechsel entschied sich dennoch f\u00fcr Tagesstimmung traurig. Immer wieder denke ich an die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Penfield_mood_organ\" target=\"_blank\"><i>mood organ<\/i><\/a>, die Stimmungsorgel in Philip K. Dicks Roman <i>Do Androids Dream of Electric Sheep?<\/i>, an der sich die Frau des Protagonisten morgens aussucht, wie sie sich heute f\u00fchlen will. Und die in der Verfilmung <i>Blade Runner<\/i> nicht vorkommt. Falls Sie die Romanvorlage noch nicht gelesen haben, empfehle ich sie hiermit. Wenn auch wirklich nicht zur Erheiterung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250411_03_Heimeranstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250411_03_Heimeranstr.jpg\" alt=\"Von Morgensonne beschienene schlickte Altbau-Fassade, davor kahle B\u00e4ume, darunter ein neongr\u00fcn bl\u00fchender Ahorn, dahinter ein St\u00fcck blauer Himmel\" width=\"423\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-107560\" \/><\/a><\/p>\n<p>N\u00e4hmaschinenfabrik Strobel an der Heimeranstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Auf dem Weg in die Arbeit war es weiterhin Handschuh-kalt &#8211; ich mag aber auch besonders emfindliche Zuckerp\u00fcppchen-von-Tifus-Finger haben.<\/p>\n<p>Am Arbeitsplatz wurde ich st\u00e4rker gefordert als erwartet, konnte mich zum Ausgleich n\u00fctzlich f\u00fchlen.<\/p>\n<p>In strahlender Sonne, aber mit zugekn\u00f6pfter Jacke ging ich nach Mittagscappuccino bei Nachbars auf eine Besorgung: \u00dcber einen Umweg zur Bewegung kauft ich frische Briefmarken, um weiterhin regelm\u00e4\u00dfig Postkarten verschicken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mittagessen: Granatapfelkerne (jajaja, die Saison ist in Europa lang um, <i>guilty pleasure<\/i> aus Peru), Quark mit Joghurt.<\/p>\n<p>Am Nachmittag nochmal einiges weggeschafft, p\u00fcnktlicher Feierabend. Spaziergang zu Besorgungen; jetzt w\u00e4rmte der Sonnenschein, meine Jacke wurde mir zu warm. Freitagsfleisch beim Vollcorner, Bargeld in meiner Sparda-Filiale (mittlerweile nur noch alle zwei Monate n\u00f6tig, und dann nur jeweils 200 Euro), vergebliche Suche nach G\u00e4steseifen in einer Parfumerie (werde eine beim n\u00e4chsten Hotel-Aufenthalt mitnehmen), Molkereiprodukte im Alnatura.<\/p>\n<p>Daheim freute ich mich \u00fcber eine lange Yoga-Folge; in ihrem ersten 30-Tage-Programm vor zehn Jahren verspricht Adriene noch regelm\u00e4\u00dfig, wenn man nur lang genug dranbleibe, k\u00f6nne man die \u00dcbungen irgendwann so gut wie sie. Was halt nicht stimmt (ich werde in diesem Leben nie beim herabschauenden Hund die Fersen am Boden haben, schlie\u00dflich musste ich \u00fcber die Jahrzehnte das Ziel aufgegeben, sie bei einer Hocke dort zu lassen &#8211; K\u00f6rper sind verschieden) und was sie sp\u00e4ter auch nicht mehr tut.<\/p>\n<p>Jetzt aber Wochenendfeiern: Zur Orangenvernichtung (bald haben wir die zehn Kilo durch) Tequila Sunrise, dann Kuh auf Wiese (Entrec\u00f4te mit einer nochmaligen Ernteanteil-Lieferung Kohlr\u00f6schen und Ernteanteil-Ruccola) mit s\u00fcdafrikanischem Rotwein Owl Post.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250411_13_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250411_13_Nachtmahl.jpg\" alt=\"Aufsicht auf gedeckten Tisch mit gr\u00fcnen Platzsets, darauf ein gro\u00dfer Glasteller mit gebratenem Fleisch, gebratenen Kohlr\u00f6schen, Ruccola, rechts daneben eine blaue Serviette mit Messer und Gabel, dahinter gef\u00fclltes Rotweinglas, Rotweinflasche, kleine Fl\u00e4schchen Oliven\u00f6l und dunkler Essig\" width=\"333\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-107561\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abendessenstisch in Tageslicht!<\/p>\n<p>Nachtisch Speiseeis. Ich n\u00e4herte mich einer N\u00e4herung von Entspannung.<\/p>\n<p>Vor dem Start einer neuen Lekt\u00fcre recherchierte ich dem eben gelesenen <i>The Last of her Kind<\/i> von Sigrid Nunez hinterher. Aha, 2006 erschienen, also zehn Jahre nach <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2023\/09\/journal-sonntag-24-september-2023-zurueck-in-muenchen-sigrid-nunez-a-feather-on-the-breath-of-god.htm\" target=\"_blank\">ihrem Erstling <i>A Feather in the Breath of God<\/i>, das mir so sehr gefallen hatte<\/a> (dazwischen ver\u00f6ffentlichte sie drei weitere Romane). Und statt Lesezirkel-Diskussion las ich Rezensionen, um zu sehen, ob andere die Handlung \u00e4hnlich richtungsslos (-arm) fanden wie ich (selbst die Erz\u00e4hlmotivation &#8211; Erinnerungen festhalten f\u00fcr Georgettes Kinder &#8211; kommt erst im letzten Viertel des Buchs).<\/p>\n<p>Hier eine Besprechung aus Ver\u00f6ffentlichungszeit von Megan Marshall:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2006\/02\/05\/books\/review\/something-happening-here.html\" target=\"_blank\">&#8220;Something Happening Here&#8221;.<\/a><br \/>\nSie kritisiert unter anderem fehlende Erz\u00e4hl\u00f6konomie (ja) und spricht mir aus dem Herzen mit:<\/p>\n<blockquote><p>Nunez has chosen to tell her story in the style of a memoir, and in this role Georgette must be faulted for a certain degree of self-indulgence. She goes on about pill-popping at exam time and a bad acid trip, forgetting that no one but the partaker can find such tales of interest<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Besprechung von Alex Clark einer Neuauflage von 2016 im <i>Guardian<\/i> unterstreicht etwas, was auch mir gut gefallen hat:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/books\/2019\/sep\/08\/the-last-of-her-kind-sigrid-nunez-review\" target=\"_blank\">&#8220;The Last of Her Kind by Sigrid Nunez review \u2013 enormously absorbing&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Rather than making her chief characters strained emblems, Nunez imbues them with considerable complexity and nuance. The narrator, George or Georgette \u2013 her name itself is unstable and problematic to her \u2013 does not conform to the stereotype of an escapee from a troubled, impoverished and violent background; arriving at college in New York in 1968, she does not bury herself in work, determined to succeed at all costs. Rather, she flunks out, rejects her briefly held attachment to student politics and immerses herself in the world of women\u2019s magazines.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber auch Clark bem\u00e4ngelt, dass manche Erkl\u00e4rungen und Schilderungen unn\u00f6tig ausufern.<\/p>\n<p>Im Bett begann ich meine n\u00e4chste Lekt\u00fcre: Jenny Erpenbeck, <i>Aller Tage Abend<\/i>.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie von den 20 Regeln bei Tyrannei von Timothy Snyder geh\u00f6rt. Vielleich m\u00f6gen Sie sich diese John Lithgow vorlesen lassen.<\/p>\n<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 281px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/cXR5HLodsT8.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;20 Lessons on Tyranny: by Timothy Snyder \/ read by John Lithgow&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;281&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/cXR5HLodsT8?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/cXR5HLodsT8?si=nO_JP-shO2XboXi1\">https:\/\/youtu.be\/cXR5HLodsT8?si=nO_JP-shO2XboXi1<\/a><\/div>\n<\/div>\n<p>(Wobei &#8220;8. Stand out&#8221; gef\u00e4hrlich ist: Besonders Realit\u00e4tsleugner*innen und Demokratiefeinde beanspruchen f\u00fcr sich, eben nicht mit dem Mainstream zu laufen.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/1ba35cb7126042a6be8bce2e805e5b45\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschlafen! Ich hatte vergessen, den Wecker zu stellen, und war nach zweitem Klogang um f\u00fcnf nochmal tief eingeschlafen. Herr Kaltmamsell weckte mich freundlich nur wenige Minuten nach meiner \u00fcblichen Aufstehzeit. Ein sonniger Morgen, mein Stoffwechsel entschied sich dennoch f\u00fcr Tagesstimmung traurig. Immer wieder denke ich an die mood organ, die Stimmungsorgel in Philip K. 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