{"id":107885,"date":"2025-04-24T06:37:24","date_gmt":"2025-04-24T04:37:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=107885"},"modified":"2025-04-25T08:59:20","modified_gmt":"2025-04-25T06:59:20","slug":"journal-mittwoch-23-april-2025-der-zauber-eines-schriftzugs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/04\/journal-mittwoch-23-april-2025-der-zauber-eines-schriftzugs.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 23. April 2025 &#8211; Der Zauber eines Schriftzugs"},"content":{"rendered":"<p>Nach gutem Schlaf einige Minuten vor Wecker erfrischt aufgewacht. Erster Gedanke: Diese Minuten k\u00f6nnte ich f\u00fcr Schuheputzen nutzen! Meine wei\u00dfen Leder-Turnschuhe hatten das schon seit l\u00e4ngerem n\u00f6tig, aber immer wenn es mir auffiel, war gerade keine Zeit. Jetzt dachte ich wunderbarerweise in einem Moment dran, in dem ich Zeit daf\u00fcr hatte! Warum auch immer!<\/p>\n<p>Malerischer Himmel in Blau-wei\u00df auf dem Weg in die Arbeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_04_KaiserLudwigPl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_04_KaiserLudwigPl.jpg\" alt=\"Bl\u00fctenzweig von unten vor wei\u00df-blauem Himmel\" width=\"423\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-107919\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wenn ein Schriftzug dich 40 Jahre j\u00fcnger f\u00fchlen lassen kann und dich umgehend in ein Autoscooter-W\u00e4gelchen unter Diskokugel setzt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_12_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_12_Theresienwiese.jpg\" alt=\"Lkw-Auflieger von der Seite, auf wei\u00dfem Grund ein altmodischer Schriftzug \u201eDistel\u201c, drumrum Wiese\" width=\"566\" height=\"333\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Im B\u00fcro geordnetes Arbeiten, Geplantes und Ungeplantes in guter Mischung.<\/p>\n<p>Mittagscappuccino im Westend, Fu\u00dfmarsch in angenehmer, leicht sonniger Luft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_20_NottingHill.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250423_20_NottingHill.jpg\" alt=\"Im Vordergrund Holztisch mit Tasse Cappuccino, im Hintergrund Caf\u00e9-Tische aus Holz, an manchen davon Menschen, auf der Wand im Hintergrund Schriftzug aus Lampenband &quot;Notting Hill&quot;\" width=\"363\" height=\"484\" class=\"alignnone size-full wp-image-107921\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zu Mittag gab es einen Rest-Kanten D\u00e4nenbrot (harte K\u00f6rner gut gekaut), Mango mit Sojajoghurt.<\/p>\n<p>In der neuen und hoffentlich letzten Hausarztpraxis jemals zum ersten Mal um Rezepte gebeten. Bei Anruf verwies mich ein AB (vom Arzt selbst besprochen) auf ein Online-Formular f\u00fcr Rezeptbitten bei Dauerrezepten. Schon im dritten Browser, den ich verwendete, funktionierte das Absenden des Formulars. Kurz darauf telefonische Nachfrage einer Praxis-Angestellten wegen eines Details, Donnerstag nach Feierabend kann ich die Rezepte abholen. Das System gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p>Den ganzen Nachmittag \u00fcber konnte ich das B\u00fcrofenster gekippt lassen, ideale Au\u00dfentemperatur. Die b\u00f6se Wade f\u00fchlte sich bei Renn-Eins\u00e4tzen (drohende rote Fu\u00dfg\u00e4ngerampeln) leider nicht so an, als w\u00fcrde sie die geplante Laufrunde vor der Arbeit am Donnerstagmorgen mitmachen &#8211; ach meia!<\/p>\n<p>Leider konnte ich auch noch meinen beruflichen Erfolg vom Dienstag nicht wiederholen: Nach der Kanne Kr\u00e4utertee (die ich mir nach der Riesentasse Schwarztee am Morgen aufgebr\u00fcht hatte) brauchte ich bis Feierabend zus\u00e4tzlich ein Glas Wasser.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg kurzer Schlenker \u00fcber einen Drogeriemarkt. Zu Hause Abendsport: Ich lege sieben Einheiten Pilates ein, ein weiteres Mal <a href=\"https:\/\/youtu.be\/YnR3Erbf_dA?si=pxUVQL-HPZ7-s7jW\" target=\"_blank\">die Pilates-Woche mit Gabi Fastner<\/a>. Die erste davon f\u00fchlte sich super an (das Zwicken und Rumpeln im Kreuz konnte ich gut ignorieren, Sorge nur \u00fcber die Warnungen aus der b\u00f6sen Wade, wenn ich mich auf Zehenspitzen hochschob) und hob meine Laune.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmammsell die letzten St\u00fccke des halben Schafes langsam gegart, das er f\u00fcr die j\u00fcngste Einladung gekauft hatte und die in der Gefriere Platz weggenommen hatten. Schmeckte nochmal ausgezeichnet. (Jetzt sehne ich mich aber wirklich nach einer Weile fleischfrei.) Nachtisch reichlich Osterschokolade.<\/p>\n<p>Mein Pech mit Ferienwohnungen h\u00e4lt an. Ende August mache ich mit Herrn Kaltmamsell eine Woche Wien-Urlaub. Ich folgte der Empfehlung einer Ferienwohnung auf Airbnb und fragte f\u00fcr die als frei gekennzeichnete Woche an. Antwort: &#8220;Leider hat meine Frau die Wohnung zu diesem Zeitpunkt bereits Freunden versprochen. Ich habe es noch nicht auf Airbnb eingetragen.&#8221; Hm, hm.<\/p>\n<p>Schon zum Abendessen h\u00f6rte ich Regentropfen, das Ger\u00e4usch hielt zumindest eine Stunde an.<\/p>\n<p>Neue Lekt\u00fcre im Bett das Granta, das gestern der Postbote gebracht hatte: Ausgabe 171 hat das Thema &#8220;Dead Friends&#8221;.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_wintersonoranges.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/buch_wintersonoranges.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"230\" class=\"alignnone size-full wp-image-107711\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jeanette Winterson, <i>Oranges Are Not The Only Fruit<\/i>.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich las sich der Roman von 1985 seltsam veraltet, vielleicht sieht man daran, wie stark sich seither die Stellung von Lesben in der Gesellschaft ver\u00e4ndert hat. Vor allem aber kam ich mit der Erz\u00e4hlstimme nicht klar. Der Roman erz\u00e4hlt in der ersten Person die Geschichte von Jeanette, die als Adoptivtochter bei einer missionarisch-evangelikalen Christin im Lancashire der 1970er (?) aufw\u00e4chst (der Vater taucht nur als Erw\u00e4hnung auf). Und die sich als Teenager in M\u00e4dchen verliebt, daf\u00fcr von ihrer Religions-Community mit Exorzismus bestraft wird.<\/p>\n<p>Mein Problem: Aus welcher Sicht wird erz\u00e4hlt? Die Perspektive ist immer wieder naiv kindlich, dann wieder flie\u00dfen Phantasien im Duktus von Fantasy-Geschichten ein, dazu wiederum passt nicht, dass die Erz\u00e4hlerin sehr erwachsen Zusammenh\u00e4nge und zwischenmenschliche Mechanismen analysiert.<\/p>\n<p>Passagenweise ist das Buch sehr lustig, verst\u00e4rkt durch die Kinder-Perspektive, zum Beispiel wenn Jeanette von ihrer Mutter nicht nur mit einer komplett verschobenen Sicht auf Religion erzogen wurde, sondern auch sonst mit einer sehr Fakten-fernen Version der Realit\u00e4t &#8211; und so irgendwann doch in eine richtige Schule gehen muss (die Beh\u00f6rden zwingen sie). Wo sie die anderen Schulkinder mit ihren Bibelgeschichten in Furcht und Schrecken versetzt.<\/p>\n<p>Am kongruentesten ist der rote Faden Altes Testament; unter den wenigen Besprechungen, die ich fand, leuchtete mir diese im <i>Guardian<\/i> am meisten ein:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/books\/2007\/oct\/20\/jeanettewinterson\" target=\"_blank\">&#8220;Bible story&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Gestern las ich noch die &#8220;Introduction&#8221; der Autorin zur Neuauflage von 2009. Ich hatte sie vor der Lekt\u00fcre \u00fcbersprungen, weil solche Einf\u00fchrungen zu Neuauflage praktisch immer Spoiler enthalten (WHY?).<\/p>\n<p>Die Nachtr\u00e4glichkeit war eine gute Idee, denn ja: Spoiler. Winterson legt ihre Absichten beim Schreiben des Romans ausf\u00fchrlich dar; wie so oft nicht das Interessanteste oder auch nur Nachvollziehbarste an einem literarischen Werk (muss ja auch nicht, wichtig ist das Werk). Eine Passage aber mochte ich:<\/p>\n<blockquote><p><i>Oranges<\/i> is autobiographical in so much as I used my own life as the base for a story. There\u2019s nothing unusual about that. The trick is to turn your own life into something that has meaning for people whose experience is nothing like your own.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Maximilian Buddenbohm bloggt \u00fcber Musik und lang vergangene Jugend:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2025\/04\/23\/pop-und-pathos\/\" target=\"_blank\">&#8220;Pop und Pathos&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Nicht wenige in meiner Altersgruppe werden leider heute noch verhaltensauff\u00e4llig, wenn sie auf Partys zu sp\u00e4terer Stunde ein St\u00fcck aus diesem Genre und also aus ihrer Jugend h\u00f6ren. Ich dagegen h\u00f6re etwa einmal im Jahr das alte \u201eBat out of hell\u201c-Album von Steinman\/Meatloaf auf einem Spaziergang durch eine m\u00f6glichst menschenleere Gegend. Dabei habe ich einen Nostalgieflash in Drogentripqualit\u00e4t und bin mit dem Thema dann wieder fertig f\u00fcr ein Jahr, ohne jemanden damit zu bel\u00e4stigen. R\u00fccksicht auf andere, so wichtig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mich bewahrt zum Gl\u00fcck vor dieser Verhaltensauff\u00e4lligkeit, dass ich als \u00dcberwahrnehmerin nach den vielen Malen H\u00f6ren nur noch die Bestandteile der Songs einzeln (gleichzeitig) h\u00f6re, also jedes Instrument, jede Stimme, jeden Klang, jeden Akkord und Akkordwechsel &#8211; nicht mehr die Musik. Wald vor lauter B\u00e4umen etc. Das Pathos durchaus auch, aber als weiteres, eher unangenehmes Detail.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Antje Schrupp war in China &#8211; nicht als Politikwissenschaftlerin, sondern ganz privat:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/steadyhq.com\/de\/antjeschrupp\/posts\/009c6319-1c21-489d-ae07-98fda603d21c\" target=\"_blank\">&#8220;Lieber schmutzige Toiletten als gar keine&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Tats\u00e4chlich ist es ja so, dass unsere Kritik am chinesischen Politikmodell bisher immer auf dem Vergleich mit dem parlamentarischen Rechtsstaat basierte &#8211; im Vergleich dazu schneidet China in Punkto Menschenrechte, Klimaschutz, Gerechtigkeit und so weiter sehr schlecht ab. Aber was, wenn es uns nicht gelingen sollte, eine autorit\u00e4r-faschistisch-oligarchische \u00dcbernahme der \u201ewestlichen\u201d Staaten aufzuhalten? Dann w\u00e4re dieses Argument ja futsch.<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde sich zum Beispiel die Frage stellen, wie klug es war, den sozialen Medien unter dem Schlachtruf der Meinungsfreiheit ihren Lauf zu lassen. Oder ob nicht China richtig gelegen hat mit der Einsch\u00e4tzung, das Internet m\u00fcsse kontrolliert und zensiert werden, damit es nicht aus dem Ruder l\u00e4uft? Was n\u00fctzt uns denn am Ende das Recht, die eigene Meinung frei in unsere Blogs zu schreiben, wenn der Preis, den wir daf\u00fcr bezahlen, ist, dass russische Bots unsere Wahlen manipulieren und autokratische Diktatoren an die Macht bringen? Und dass sich Incels, Rechtsradikale oder Islamisten im Internet zu Gewalttaten und Terroranschl\u00e4gen radikalisieren?<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Immer noch nicht durch mit Papstwahl?<br \/>\nBitte, hier: <a href=\"http:\/\/kardinal-o-mat.imbecillus.de\/\" target=\"_blank\">Der Kardinal-o-mat.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f731048a33314919a4e352151f3350f2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach gutem Schlaf einige Minuten vor Wecker erfrischt aufgewacht. Erster Gedanke: Diese Minuten k\u00f6nnte ich f\u00fcr Schuheputzen nutzen! Meine wei\u00dfen Leder-Turnschuhe hatten das schon seit l\u00e4ngerem n\u00f6tig, aber immer wenn es mir auffiel, war gerade keine Zeit. Jetzt dachte ich wunderbarerweise in einem Moment dran, in dem ich Zeit daf\u00fcr hatte! Warum auch immer! 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