{"id":10812,"date":"2011-02-25T09:00:32","date_gmt":"2011-02-25T08:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=10812"},"modified":"2011-02-25T09:00:32","modified_gmt":"2011-02-25T08:00:32","slug":"deferred-gratification-denied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2011\/02\/deferred-gratification-denied.htm","title":{"rendered":"Deferred gratification &#8211; denied"},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht haben Sie schon mal vom <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stanford_marshmallow_experiment\" target=_\"new\"><i>Stanford marshmallow experiment<\/i><\/a> geh\u00f6rt? Kindern wird ein St\u00fcck S\u00fc\u00dfigkeit vorgesetzt. Man verspricht ihnen ein weiteres St\u00fcck, wenn sie das erste nicht essen. In diesem Experiment wird gemessen, wie lange die Kinder der Versuchung widerstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier eine Wiederholung von 2009 (?) des Experiments aus den 1960ern:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" width=\"480\" height=\"390\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/G7LN96jEXHc\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Es geht in diesem Versuch um Selbstkontrolle und darum, ob die Kinder die Fertigkeit haben, das Gef\u00fchl von Belohnung und Befriedigung aufzuschieben: <i>deferred gratification<\/i>, also aufgeschobene Belohnung. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Mischel\" target=_\"new\">Vieles weist darauf hin<\/a>, dass diese F\u00e4higkeit eine grunds\u00e4tzliche Charaktereigenschaft ist, die sich \u00fcber den Lebensweg der Probanden hinweg nicht \u00e4ndert: Entweder ein Mensch springt auf diese <i>deferred gratification<\/i> an oder nicht, egal, wie alt er ist. (Ob es \u00fcberhaupt unver\u00e4nderliche Charaktereigenschaften gibt, ist nat\u00fcrlich wiederum Gegenstand tiefer Debatten in der Philosophie, Psychologie, Neurologie.)<\/p>\n<p>Mich w\u00fcrde allerdings ein n\u00e4chster Schritt in diesem Experiment interessieren: Was passiert, wenn ein Proband die Selbstdisziplin aufgebracht hat, seine Belohnung zu verschieben \u2013 sie ihm dann aber verweigert wird? Wenn er nicht etwa eine zweite S\u00fc\u00dfigkeit bekommt, sondern ihm sogar die erste weggenommen wird? Wird er dann in einer n\u00e4chsten \u00e4hnlichen Situation die S\u00fc\u00dfigkeit sofort essen, weil er das Vertrauen in die Welt verloren hat \u2013 zumindest aber in jede Art von versprochener Belohnung?<\/p>\n<p>Ohne je den Beweis daf\u00fcr erbringen zu k\u00f6nnen, bilde ich mir ein, dass ich als Kind die zweite S\u00fc\u00dfigkeit bekommen h\u00e4tte. Ich kann Belohnung ziemlich lange aufschieben und bis dahin Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen, verdr\u00e4ngen, mich zusammennehmen, Reserven aktivieren \u2013 wenn ich mich auf eine konkrete Belohung zu einem konkreten Zeitpunkt freuen kann. Aber wenn ich sie dann nicht bekomme, werde ich B\u00d6SE.<\/p>\n<p>Worauf ich hinaus will (Sie wussten, dass ich auf etwas hinaus will): Es sieht so aus, als k\u00f6nnte ich mir den Montag nach der Oscarnacht, also n\u00e4chsten Montag, nicht frei nehmen. Die letzten Wochen waren beruflich recht belastend, und mein Lichtlein am Ende des Tunnels, meine <i>deferred gratification<\/i>, waren Oscarnacht, Ausschlafen, Schwimmengehen, gro\u00dfes Caf\u00e9-Fr\u00fchst\u00fcck. Aus Gr\u00fcnden, die komplett au\u00dferhalb meiner Kontrolle liegen, kann ich entscheidende Entscheidungen nur auf der Basis von Fakten treffen, die erst an diesem Montag vorliegen. Und diese Entscheidungen ziehen mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit zahlreiche berufliche T\u00e4tigkeiten nach sich, die ich dann genau an diesem Montag tun muss.<\/p>\n<p>Zefix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht haben Sie schon mal vom Stanford marshmallow experiment geh\u00f6rt? Kindern wird ein St\u00fcck S\u00fc\u00dfigkeit vorgesetzt. Man verspricht ihnen ein weiteres St\u00fcck, wenn sie das erste nicht essen. In diesem Experiment wird gemessen, wie lange die Kinder der Versuchung widerstehen k\u00f6nnen. 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