{"id":110651,"date":"2025-07-27T07:49:34","date_gmt":"2025-07-27T05:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=110651"},"modified":"2025-07-27T08:44:21","modified_gmt":"2025-07-27T06:44:21","slug":"journal-samstag-26-juli-2025-klatschnasser-wanderversuch-am-starnberger-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/07\/journal-samstag-26-juli-2025-klatschnasser-wanderversuch-am-starnberger-see.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 26. Juli 2025 &#8211; Klatschnasser Wanderversuch am Starnberger See"},"content":{"rendered":"<p>Lang geschlafen, und als ich aufstand, war es drau\u00dfen unter d\u00fcsterem Himmel trocken: Wanderhoffnung!<\/p>\n<p>Doch schon als ich nach Milchkaffee, Tee und Bloggen bereits in Wanderkleidung zu \u00c4nderungsschneiderin und B\u00e4ckerei ging, brauchte ich einen Schirm. Und die Wettervorhersage k\u00fcndigte mittlerweile Regen bis auf Weiteres an, mindesten noch zehn Tage. Ach meia.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_01_Wanderkleidung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_01_Wanderkleidung.jpg\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"480\" class=\"alignnone size-full wp-image-110666\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schlechtes Wetter vs. falsche Kleidung: Ich war gespannt, ob die richtige Kleidung auch gegen die schlechte Laune half, die Sauwetter verursacht.<\/p>\n<p>Eigentlich hatten wir uns auf den Tegernseer H\u00f6henweg geeinigt: Ich stellte mir malerisch vor, bei Regen auf die Schwaden \u00fcberm See und in den umgebenden H\u00fcgeln zu schauen. Doch Herr Kaltmamsell stellte fest, dass die Anfahrt nach Gmund gestern lang und umst\u00e4ndlich war: Baustelle, Schienenersatzverkehr. Da fiel mir eine Wanderung am Starnberger See mit \u00e4hnlichen Features ein, n\u00e4mlich von Starnberg \u00fcber Leoni nach Berg und obenrum zur\u00fcck. Dorthin fuhren wir mit der S6.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_02_Starnberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_02_Starnberg.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"389\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Und es ging gut los: Der leichte Regen war gar kein Problem, lie\u00df sich mit Schirmm\u00fctze und Kapuze von der Brille fernhalten, feuchtete Jacke und Hose lediglich an. Plaudernd und einander immer wieder auf sch\u00f6ne Anblicke hinweisend wanderten wir vor uns hin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_05_Starnberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_05_Starnberg.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"445\" class=\"alignnone size-full wp-image-110668\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_10_Starnberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_10_Starnberg.jpg\" alt=\"\" width=\"423\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-110669\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_11_Percha.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_11_Percha.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"423\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr mich sah gestern alles nach japanischem Holzschnitt aus.<\/p>\n<p>Doch nach einer knappen Stunde wurde der Regen allm\u00e4hlich immer heftiger, bis er laut prasselte, meine Wanderhose klatschnass war und begann, in die Wanderstiefel zu sickern (die von au\u00dfen das Wasser von Regen und Pf\u00fctzen wunderbar abhielten) und meine Unterhose zu befeuchten. Nach einer guten Stunde Wandern gaben wir auf: Die restlichen vier Stunden der Runde konnten kein Vergn\u00fcgen mehr werden, selbst bei schw\u00e4cherem Regen, diese N\u00e4sse in der Kleidung w\u00fcrden wir nicht mehr wegkriegen. Also drehten wir um. Zur Best\u00e4tigung legte der Regen noch ein Schippchen drauf, ich konnte schier nicht mehr h\u00f6ren, ob hinter uns ein Auto nahte oder der Regen gerade noch st\u00e4rker wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_20_Percha.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_20_Percha.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"390\" class=\"alignnone size-full wp-image-110671\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie sehen es doch auch?<\/p>\n<p>Bis dahin hatten wird durchaus etwas geboten bekommen: Wasserv\u00f6gel inklusive Haubentaucher und ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Bl\u00e4ssh\u00fchner, \u00fcber die See-Oberfl\u00e4che flitzten beruhigenderweise Schwalben.<\/p>\n<p>Die S-Bahn f\u00fcr den R\u00fcckweg stand schon bereit. Ich legte meine tropfende Wanderjacke ab, um mich setzen zu k\u00f6nnen, ohne den Sitz zu durchn\u00e4ssen, allerdings wurde mir auf der endlos scheinenden Heimfahrt immer k\u00e4lter. Tiersichtung: Ein schmales, zierliches Hirschtier neben den Gleisen.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell brotzeitete in der S-Bahn, ich hatte keinen Appetit und wollte nur ins Trockene, Warme. Fr\u00fchst\u00fcck also erst nach drei und daheim, ich hatte meine Wanderbrotzeit aus dem nassen Rucksack geholt: Apfel, Banane, ein Schnitz K\u00f6rnerbrot, Kirschen. Vorm Fenster Schn\u00fcrlregen. Ich a\u00df in Jeans, Wollsocken, Kashmir-Hoody \u00fcberm T-Shirt. Da meine Finger dennoch nicht warm werden wollten, nahm ich nach einer Weile Herrn Kaltmamsells Angebot an, mir eine Decke um die Schulter zu legen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_Waermkleidung_Thomas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/250726_Waermkleidung_Thomas.jpg\" alt=\"\" width=\"352\" height=\"491\" class=\"alignnone size-full wp-image-110664\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er am\u00fcsierte sich \u00fcber den Anblick und machte ein Foto.<\/p>\n<p>Innerlich hatte ich da den Sommer bereits vorerst aufgegeben und auf Nicht-Sommer umgeschaltet, die frisch gewaschenen Baumwollkleidchen auf dem W\u00e4schest\u00e4nder erschienen mir albern.<\/p>\n<p>Den restlichen Nachmittag verbrachte ich also statt mit Blicken \u00fcber den Starnberger See mit Zeitunglesen, turnte dann eine lange Folge Yoga-Gymnastik.<\/p>\n<p>Zum Nachtmal hatte ich mir schon vor Tagen Fleisch gew\u00fcnscht, Herr Kaltmamsell briet ein Entrec\u00f4te perfekt, dazu gab&#8217;s <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/oldenburger-salzguerkchen.htm\" target=\"_blank\">Oldenburger Salzg\u00fcrkchen<\/a>, Zucchini-Creme, eingelegte Chilis, K\u00f6rnerbrot. Das Fleisch schmeckte himmlisch, und von den Salzg\u00fcrkchen bekam ich schier nicht genug. Im Glas ein angenehmer C\u00f4tes du Rh\u00f4ne, Nachtisch Schokolade.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Johanna Adorj\u00e1n, geb\u00fcrtige M\u00fcnchnerin und 1999 weggezogen (also genau in dem Jahr, in dem ich nach M\u00fcnchen zog), \u00fcber die groteske Verdirndelung ihrer Geburtsstadt. (Ich weigere mich, diese Bayern-Uniform &#8220;Tracht&#8221; zu nennen.) &#8211; \u20ac:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/kultur\/muenchen-trachtenmode-e073057\/\" target=\"_blank\">&#8220;Guck mal, da kommt eine Lederhose&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es sind weniger die Abschiede, die mir M\u00fcnchen so fremd machen, als etwas neu Hinzugekommenes: Es sind die vielen Trachtenmodengesch\u00e4fte, die \u00fcberall aufgemacht haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Und es sind ja nicht nur die Gesch\u00e4fte: Die Ware wird auch getragen. Und zwar nicht nur, wie Weggezogene etwa um 2005 mit Befremden bemerkten, \u201evon Stuttgartern und Hamburgern zur Wiesnzeit\u201c, wo es fr\u00fcher \u00fcberhaupt nie \u00fcblich war, Tracht zu tragen, jedenfalls nicht f\u00fcr St\u00e4dter.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Man kann nicht U-Bahn fahren ohne Menschen, oft junge, Hand in Hand, in Tracht am Bahnsteig stehen zu sehen. Warum? Aus Sicht eines Nicht-Ortsans\u00e4ssigen sehen Menschen in Tracht nicht gut aus in sonst banal gro\u00dfst\u00e4dtischer Umgebung. Vor den postgelben Wandpaneelen des U-Bahnhofs Sendlinger Tor sieht nat\u00fcrlich niemand gut aus. Aber Menschen in Tracht wirken im urban erschlossenen Untergrund einfach nur abwegig, um nicht zu sagen: vollkommen grotesk. Sie werden ja nach Besteigen der U2 nicht in einen Schuhplattler verfallen oder nach dem Aussteigen ihre K\u00fche von der Alm treiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich ist der grassierende M\u00fcnchner Trachtenhabitus im Kern nichts anderes als Fasching. Eine Verkleidung, die sich Zugereiste, Durchreisende und seit einiger Zeit eben auch Hiergeborene zulegen, um nicht als ortsfremd aufzufallen. Dass man das in dieser Stadt offensichtlich derma\u00dfen scheut, also als fremd aufzufallen, spricht nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr diese Stadt.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Mit dieser Mode verbindet sich ja etwas unendlich Konservatives. Damit ist nicht die Verbundenheit zu einem Fleck auf der Erde gemeint. Geschenkt. M\u00fcnchen, Oberbayern, Bayern ist einfach mit das Sch\u00f6nste, was es gibt auf der Welt. Mit den Seen und den Bergen und nicht nur der N\u00e4he zu Italien, sondern mehr noch der Entfernung zu Preu\u00dfen. Aber die Volkstracht manifestiert ein ultra-tradiertes Geschlechterbild: Mannsbild und Weibsbild. Dazwischen nichts. Und in den Trachtenmodel\u00e4den, in die ich aus Recherchegr\u00fcnden guckte, hing weit und breit nichts, das mit den Geschlechterbildern gespielt h\u00e4tte. \u00dcberall dieselbe bin\u00e4re Garnitur. Lederhose, Trachtenweste, Lodenjanker in Grau, Blau oder Lodengr\u00fcn f\u00fcr ihn. Dirndl, Dirndlbluse, taillierte Strickjacke f\u00fcr sie in Grau, Blau oder Lodengr\u00fcn, mit modischen Ausrei\u00dfern ins Babyrosafarbene oder Glitzernde. Es ist im Grunde, als gingen alle entweder als Stewardess oder als Steward.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mir hat ja geholfen, dass irgendwann jemand diese Verkleidung als <i>Cosplay<\/i> einordnete &#8211; und das Oktoberfest als gr\u00f6\u00dften <i>Cosplay<\/i>-Con der Gegenwart. Allerdings wirkt das nicht gegen die Irritation \u00fcber die zahllosen Kost\u00fcml\u00e4den. (Am gr\u00f6\u00dften ist sie f\u00fcr mich beim Passieren von &#8220;Inntaler Tracht&#8221;: Erst wunderte ich mich \u00fcber den Mut zu einer extrem spitzen Zielgruppe, denn wer kommt bitte schon vom Inn? Dann aber stellte ich an den dort angebotenen Dirndlkleidern, Lederhosen, Westen und Hemden keinerlei Unterschied zu den Verbayer-Gew\u00e4ndern anderer Anbieter fest, das Inntal scheint gar keine eigene Tradition zu haben.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/cc91c2b31f4a4220a2f6365822604448\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lang geschlafen, und als ich aufstand, war es drau\u00dfen unter d\u00fcsterem Himmel trocken: Wanderhoffnung! Doch schon als ich nach Milchkaffee, Tee und Bloggen bereits in Wanderkleidung zu \u00c4nderungsschneiderin und B\u00e4ckerei ging, brauchte ich einen Schirm. 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