{"id":111441,"date":"2025-08-21T06:36:33","date_gmt":"2025-08-21T04:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=111441"},"modified":"2025-08-21T06:36:33","modified_gmt":"2025-08-21T04:36:33","slug":"journal-mittwoch-20-august-2025-vorurlaubsendspurtgefuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/08\/journal-mittwoch-20-august-2025-vorurlaubsendspurtgefuehl.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 20. August 2025 &#8211; Vorurlaubsendspurtgef\u00fchl"},"content":{"rendered":"<p>Gute Nacht bis eine halbe Stunde vor Weckerklingeln, als sich Angst in meiner Kehle verbiss.<\/p>\n<p>Ich hatte noch Gelegenheit, den \u00dcbernachtungsgast zu verabschieden, bevor ich mich angespannt durch k\u00fchle Luft auf meinen Arbeitsweg machte.<\/p>\n<p>Geordnete Emsigkeit im B\u00fcro, ich bekam endlich eine Angelegenheit weg, deren Papier-Unterlagen bereits Schimmelr\u00e4nder angesetzt hatten.<\/p>\n<p>Die Luft hatte eigentlich die ideale Temperatur f\u00fcr gekipptes B\u00fcrofenster &#8211; nur dass f\u00fcr den Umbau des S-Bahnhofs Heimeranplatz gerade Maschinen eingesetzt wurde, die mit einem nervigen Quietschrumpeln l\u00e4rmten, das bis in mein R\u00fcckenmark drang: Fenster zu.<\/p>\n<p>Mittagscappuccino im Westend, Temperatur unter bew\u00f6lktem Himmel sehr angenehm. Wenn es so in der Woche Wien bliebe, w\u00e4re es mir sehr recht.<\/p>\n<p>Mittagessen: Bananen, Quark mit Joghurt.<\/p>\n<p>Im Verlauf den Nachmittags wurden die Wolken immer dunkler, irgendwann grollte daraus auch Donner.<\/p>\n<p>Vor Monaten schon gebucht, lang befreut: Der Feierabendtermin f\u00fcr Pedik\u00fcre und Kosmetik. Die Kosmetikerin hatte gestern um eine Verschiebung um 15 Minuten nach hinten gebeten, so kam ich nicht ganz so p\u00fcnktlich aus dem B\u00fcro wie geplant. Zudem hatte es eine halbe Stunde zuvor begonnen zu regnen &#8211; und jetzt sch\u00fcttete es derart, dass ich eine Station U-Bahn fuhr, um nicht trotz Schirm nach 20 Minuten Fu\u00dfweg v\u00f6llig durchn\u00e4sst anzukommen.<\/p>\n<p>Angenehme Pedik\u00fcre mit Plaudern \u00fcber Urlaubspl\u00e4ne, noch angenehmere Gesichtsbehandlung. Und beides dauerte lange genug, dass der Regen aufgeh\u00f6rt hatte. Ich ging in sch\u00f6ner, abgek\u00fchlter Luft nach Hause und gab unterwegs Herrn Kaltmamsell durch, dass wir das angedachte Abendessen im Schnitzelgarten lieber bleiben lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Daheim h\u00e4ngte ich eine eben durchgelaufene Ladung W\u00e4sche auf (alles getimet auf den Wien-Urlaub), w\u00e4hrend Herr Kaltmamsell zum Abendessen Spaghetti mit scharfer Tomatensauce kochte. Schmeckten sehr gut, Nachtisch Eiscreme.<\/p>\n<p>Dann doch ein wenig Wien recherchiert und zumindest in Google Maps Einmerker gesetzt. Im Moment bin ich so durch, dass meine Sehns\u00fcchte nicht weit \u00fcber Bankerlsitzen mit sch\u00f6ner Aussicht hinausgehen. Doch der Appetit kam beim Essen, und so habe ich jetzt f\u00fcr fast jeden Tag dieser Urlaubswoche einen Wunsch, zudem in einem weiteren, ausgesprochen attraktiven Restaurant einen Tisch reserviert. Was Essen betrifft, war mir schon lange klar: Wiener Gastronomie lockt mich nicht nur mit einer eigenen Tradition, die durch Respekt vor den Zutaten gepr\u00e4gt ist, sondern vor allem mit exzellenter Einwandererk\u00fcche. Jetzt dann doch Vorfreude und Endspurtgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Neue Lekt\u00fcre: Ottessa Moshfegh, <i>Eileen<\/i> &#8211; hatte ich schon lang auf meiner Lesewunschliste. Diesmal war ich so schlau, erstmal im Inhaltsverzeichnis zu pr\u00fcfen, ob der Roman die ganze Datei lang ist: Nein, ist er nicht! Bei 94 Prozent f\u00e4ngt die Leseprobe eines anderen Buchs an, jetzt kann mich das nicht mehr \u00fcberraschen. Der Roman nahm mich mit in einen kleinen, trostlosen US-amerikanischen Ort 1964 an der Ostk\u00fcste und im Winter und in das trostlose Leben einer jungen Frau.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Rebecca Kelber hat f\u00fcr <i>Krautreporter<\/i> mit Anne Brorhilker gesprochen, bis vor einem Jahr Deutschlands bekannteste Cum-Ex-Staatsanw\u00e4ltin. Sie schildert, wer den Kampf gegen Finanzkriminalit\u00e4t behindert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/geld-und-wirtschaft\/5978-wie-deutschland-wirklich-steuerraub-bekampfen-konnte?shared=685b8a25-5a7b-4d8e-a7a2-6ea4b8217bff&#038;utm_campaign=share-url&#038;utm_medium=member-url\" target=\"_blank\">&#8220;Interview: Wie Deutschland wirklich Steuerraub bek\u00e4mpfen k\u00f6nnte&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Diese CumEx-Gesch\u00e4fte waren in jeder Hinsicht gigantisch: Man ben\u00f6tigte immens viel Startkapital, um die Gesch\u00e4fte \u00fcberhaupt starten zu k\u00f6nnen, die gehandelten Aktienpakete waren wahnsinnig gro\u00df und die erschlichenen Steuererstattungen bewegten sich jeweils im zwei- und dreistelligen Millionenbereich. Weil die Dimensionen so gro\u00df waren, mussten diese Trades intern genehmigt werden, und der Genehmigungsprozess geht einmal quer durch die Bank bis zum Vorstand. Wir haben E-Mails innerhalb von Banken gesehen, bei denen 50 Personen im Verteiler waren. Das machte uns klar: hier ging es nicht um zwei, drei aus dem Ruder gelaufene Trader, sondern da war der gesamte Apparat involviert.<\/p>\n<p>Auch in den Organigrammen von Banken hat man diesen Bereich der \u201eTax Trades\u201c erkennen k\u00f6nnen, den Insider \u201eDelta One\u201c nennen. Das ist ein Segment, in dem Trader Aktien-Deals machen, deren Profit allein aus steuerlichen Effekten herr\u00fchrt. Ich fand frappierend, wie offen ausgewiesen dieser Bereich war, bei dem Banken in unsere Steuerkassen greifen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben viele Leute aus der Branche vernommen. Wenn diese mir gegen\u00fcber sa\u00dfen, haben immer alle als Erstes gesagt: \u201eIch habe gedacht, das w\u00e4re legal.\u201c Da habe ich gefragt: \u201eErkl\u00e4ren Sie mir das mal. Wieso sind Sie denn der Meinung, dass man sich eine Steuer erstatten lassen kann, die man zuvor nicht bezahlt hat?\u201c Und jedes Mal kam: \u201eDas wei\u00df ich auch nicht, aber das sagt unser Rechtsberater.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was mich erstmal \u00fcberraschte: Dank Lobbyregister wissen wir jetzt, wer massiven Einfluss auf die entsprechende Gesetzgebung nimmt. <\/p>\n<blockquote><p>2024 stammen zehn der 100 finanzst\u00e4rksten Eintr\u00e4ge im Lobbyregister von Banken, Versicherern und der Fondsindustrie. Diese geben fast 40 Millionen Euro pro Jahr f\u00fcr Lobbyarbeit aus. Das ist mehr als Auto- und Chemielobby zusammen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><i>Mad Men<\/i> bietet Arte ja zu meiner gro\u00dfen Freude auch im US-englischen Original, allerdings nur inklusive nicht wegschaltbarer franz\u00f6sischer Untertitel.<br \/>\nStefan Niggemeier ist dem f\u00fcr <i>\u00dcbermedien<\/i> nachgegangen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/108249\/lost-in-untertitel-translation\/\" target=\"_blank\">&#8220;Lost in Untertitel-Translation&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>tl;dr Ja, nee, ist halt so.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt ja nicht viel Zufall: Dass ich in den vergangenen Tagen \u00fcber Hannover und \u00fcber Obdachlosikeit gesprochen habe &#8211; und die <i>taz<\/i> jetzt ein Interview ver\u00f6ffentlicht mit Annemarie Streit, die sich auch mit 97 noch ehrenamtlich um Obdachlose in Hannover k\u00fcmmert:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/taz.de\/97-Jaehrige-ueber-Arbeit-mit-Obdachlosen\/!6107034\/\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Mir ist der Respekt wichtig'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Das Leben ist ganz anders verlaufen, als das mal geplant war.<\/p>\n<p><strong>taz: War es mit Familie geplant?<\/strong><\/p>\n<p>Streit: Das muss man sachlich sehen. Im Krieg sind sehr viele M\u00e4nner gerade der jungen Generation gestorben. Wir haben den Sachen nicht nachgetrauert, wir haben es so hingenommen, wie es eben ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf keinen Fall will ich diese Haltung als ideal oder vorbildlich bezeichnen &#8211; aber ich bewundere sie mit einem gewissen Neid. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/dc9664f140d44aba8941b0e199d65bf1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Nacht bis eine halbe Stunde vor Weckerklingeln, als sich Angst in meiner Kehle verbiss. Ich hatte noch Gelegenheit, den \u00dcbernachtungsgast zu verabschieden, bevor ich mich angespannt durch k\u00fchle Luft auf meinen Arbeitsweg machte. Geordnete Emsigkeit im B\u00fcro, ich bekam endlich eine Angelegenheit weg, deren Papier-Unterlagen bereits Schimmelr\u00e4nder angesetzt hatten. 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