{"id":1131,"date":"2005-12-26T14:42:48","date_gmt":"2005-12-26T13:42:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=1131"},"modified":"2005-12-26T14:44:19","modified_gmt":"2005-12-26T13:44:19","slug":"ich-hab-nichts-gegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2005\/12\/ich-hab-nichts-gegen.htm","title":{"rendered":"\u201eIch hab\u2019 nichts gegen\u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gerne auch \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen\u2026\u201c. Das ist eine der wenigen Formulierungen in der deutschen Sprache, die \u2013 so behaupte ich \u2013 immer das Gegenteil ihrer eigentlichen Aussage bedeuten.<\/p>\n<p>\u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen\u2026\u201c wird nur im Zusammenhang mit Personen oder Personengruppen verwendet. Das wurde mir klar, als der Mitbewohner einen Lacher mit der Aussage erzielte: \u201eIch hab\u2019 nichts gegen Dill. Ich respektiere ihn nur nicht besonders.\u201c Die Aussage war witzig, weil er sie in un\u00fcblichem Zusammenhang gebrauchte. (Den Respekt frischem Dill gegen\u00fcber habe ich ihm mittlerweile nahe gebracht.)<\/p>\n<p>K\u00e4me jemand au\u00dfer zur Erzielung eines Lachers auf die Idee, sowas bei der Beurteilung von Nahrungsmitteln zu verwenden? Sagt jemand \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen Karotten\u201c? Nicht ernsthaft, oder? Er wird sagen: \u201eIch mag Karotten nur roh im Salat.\u201c Oder: \u201eIch esse Karotten wahnsinnig gerne, am liebsten Karottensuppe.\u201c Aber niemand sagt: \u201eIch hab\u2019 nichts gegen Karotten.\u201c<\/p>\n<p>Oder probieren wir es mit Blumen: \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen Nelken.\u201c Auch nicht, oder? Eher schon: \u201eEigentlich mag ich Nelken, aber hier passen sie nicht.\u201c Oder: \u201eOch, als Knopflochblume sind Nelken ok.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt, diese Formulierung ist Ausdruck genau des Resentiment, die sie bestreitet. Der Sprecher \/ die Sprecherin \u00e4u\u00dfert sie dann, wenn sie dieses Resentiment sp\u00fcren und es glauben bestreiten zu m\u00fcssen \u2013 nach au\u00dfen oder sich selbst gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten kenne ich den Satz mit dem Ende \u201eAusl\u00e4nder\u201c. Hat jemand \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen Ausl\u00e4nder\u201c schon mal aus dem Mund eines Menschen geh\u00f6rt, der sich f\u00fcr die Belange von Einwanderern einsetzt? Eben. Obwohl er vordergr\u00fcndig das Gegenteil behauptet, dr\u00fcckt der Satz ein Resentiment aus \u2013 allein schon indem er voraussetzt, dass eine riesige und alles andere als homogene Bev\u00f6lkerungsgruppe f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Haltung zusammengefasst werden kann. Deshalb zucke ich mittlerweile bereits zusammen, wenn jemand auch nur zu \u201eIch hab\u2019 nichts gegen\u2026\u201c ansetzt.<\/p>\n<p>Was schreib\u2019 ich gro\u00df rum; einmal mehr ist alles, was dazu zu sagen ist, schon gesagt, aufgeschrieben vom unsterblichen Goscinny in <i>Das Geschenk C\u00e4sars<\/i> und Metusalix in den Mund gelegt:<br \/>\n\u201eDu kennst mich doch, ich hab\u2019 nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerne auch \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen\u2026\u201c. Das ist eine der wenigen Formulierungen in der deutschen Sprache, die \u2013 so behaupte ich \u2013 immer das Gegenteil ihrer eigentlichen Aussage bedeuten. \u201eIch hab\u2019 ja nichts gegen\u2026\u201c wird nur im Zusammenhang mit Personen oder Personengruppen verwendet. 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