{"id":113693,"date":"2025-10-29T06:29:17","date_gmt":"2025-10-29T05:29:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=113693"},"modified":"2025-10-29T10:26:07","modified_gmt":"2025-10-29T09:26:07","slug":"journal-dienstag-28-oktober-2025-von-der-innere-kibbuznik-und-dem-altern-des-guten-benehmens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2025\/10\/journal-dienstag-28-oktober-2025-von-der-innere-kibbuznik-und-dem-altern-des-guten-benehmens.htm","title":{"rendered":"Journal Dienstag, 28. Oktober 2025 &#8211; Von der inneren Kibbuznik und dem Altern des guten Benehmens"},"content":{"rendered":"<p>Gute Nacht mit fast durchgehendem Schlaf. Es tagte ohne Regen, lediglich mit bedecktem Himmel, und schon freute ich mich \u00fcber das fr\u00fchere Hellwerden.<\/p>\n<p>Beim Marsch in die Arbeit sp\u00fcrte ich die leichte Erw\u00e4rmung der Luft im Vergleich zu den Tagen davor, schon wieder Freude.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_02_Lessingstr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_02_Lessingstr.jpg\" alt=\"\" width=\"573\" height=\"437\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Herbstpastell.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro freute ich mich nach einer Tasse Schwarztee an einer Kanne Lindenbl\u00fctentee. Mittagscappuccino in der hauseigenen Cafeter\u00eda, denn ich wollte noch raus zum Lidl (Bananen und Kondensmilch f\u00fcrs B\u00fcro).<\/p>\n<p>Mittags kam die Sonne raus, ich begr\u00fc\u00dfte sie herzlich und mit weiterer Freude (man soll mir nicht vorwerfen k\u00f6nnen, ich machte es mir nicht SCH\u00d6N).<\/p>\n<p>Als Mittagessen gab es eine Crowdfarming-Avocado (mal eine d\u00fcnnschalige Sporte, etwas schwieriger zu l\u00f6ffeln, aber mit gutem Geschmack), au\u00dferdem Mango mit Sojajoghurt.<\/p>\n<p>Nach Feierabend ging ich auf direktem Weg nach Hause, ich war mit Herrn Kaltmamsell zum aush\u00e4usigen Abendessen verabredet. Davor hatte ich noch Zeit f\u00fcr eine Einheit Yoga.<\/p>\n<p>Wir spazierten f\u00fcr chinesisches Essen zum Shanghai in der Sonnenstra\u00dfe, dort verlie\u00dfen wir uns auch ohne Reservierung auf einen freien Tisch. Den bekamen wir wie geplant, doch die Gastr\u00e4ume waren deutlich voller als erwartet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_05_Shanghai.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_05_Shanghai.jpg\" alt=\"\" width=\"507\" height=\"297\" class=\"alignnone size-full wp-image-113716\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_07_Shanghai.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/251028_07_Shanghai.jpg\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"326\" class=\"alignnone size-full wp-image-113717\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch hier ist das Angebot mutiger geworden (es gibt aber immer noch das gute deutsche Schweinefleisch s\u00fc\u00df-sauer): Neben Rinderwade in Schwarzbohnen-Sauce und Wasserspinat mit Knoblauch bestellten wir auch ein Fischgericht. Der Service warnte uns, dass es sich um Fischst\u00fccke mit Gr\u00e4ten handle, damit kommen wir zurecht. Die Darreichungsform erinnerte mich an den Fisch nach Bauernart im legend\u00e4ren Berliner Ming Dynastie nahe der chinesischen Botschaft, der in \u00d6l mit Chilis confiert wird und darin schwimmend und mit einem Sieb zum Rausfischen serviert. Hier war es nicht \u00d6l, sondern eine scharfe Br\u00fche. Alles schmeckte ganz ausgezeichnet, und am Fisch mussten wir halt ein wenig fieseln.<\/p>\n<p>Daheim gab es als Nachtisch wieder Schokolade.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich meldete ich mich dann doch als Wahlhelferin zur Kommunalwahl im M\u00e4rz 2026 an. Die Anfrage war schon im September eingetroffen, doch hatte ich ungute Erinnerungen an den Einsatz bei der vorhergehenden Kommunalwahl 2020: Sie fiel auf den Anfang der Corona-Pandemie, dadurch gab es sehr viel kurzfristige R\u00fcckzieher von Wahlhelfenden und Personalnot, was wiederum am Wahltag zu einiger Improvisation und spontaner Abstimmung sowie Unsicherheit f\u00fchrte, dazu kommt ein hochkomplexes Ausz\u00e4hlverfahren \u00fcber einen Abend und den Folgetag. Doch jetzt \u00fcberwog endlich das Pflichtgef\u00fchl: Ich mache ja sonst gar nichts ehrenamtlich und f\u00fcr die Gesellschaft, und wer sagt bitte, dass solch ein Einsatz Spa\u00df machen muss. Demokratie braucht freie, faire Wahlen, die funktionieren nur mit ausreichend Wahlhelfer*innen, irgendjemand muss es machen, ich kann den Einsatz v\u00f6llig problemlos erm\u00f6glichen, also stelle ich mich bitte nicht so an. (Das ist der Tonfall meines inneren Kibbuznik.)<br \/>\nDiesmal lasse ich mich aber vom Arbeitgeber f\u00fcr das Ausz\u00e4hlen am Montag freistellen, statt einen Urlaubstag zu nehmen (den freien Tag f\u00fcr den Einsatz am Sonntag beantrage ich wieder nicht). Spannend wird herauszufinden, wie sich das im Zeiterfassungssystem abbilden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Es gibt Frauennamen, die ich im Kopf automatisch mit Artikel lese, u.a. d&#8217;Roswitha (mit Doppel-T), datt Bejonze, s&#8217;Annettsche.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Maximilian Buddenbohm bloggte \u00fcber<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2025\/10\/28\/fremd-gewordene-formen\/\" target=\"_blank\">&#8220;Fremd gewordene Formen&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Ich bedaure das nur, weil ich auch aus dieser alten Zeit komme und mir eine Art geistiges Heimweh also sehr wohl zusteht, durch abgelebte Jahrzehnte erwirtschaftet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist gn\u00e4diger, als ich meist mir selbst gegen\u00fcber bin: Oft verbiete ich mir dieses Bedauern und schelte mich f\u00fcr klebrige Nostalgie. F\u00fcr Eltern muss es kompliziert sein, wenn sie ihrem Nachwuchs f\u00f6rmliches gutes Benehmen beibringen wollen: Was gilt noch, hat noch Gewicht, was ist \u00fcberholt? Bringt man Kindern noch bei, Erwachsenen zum Gru\u00df die Hand zu geben? Oder beschr\u00e4nken sich Eltern darauf, auf dem Gru\u00df zu bestehen? &#8220;Sag hallo&#8221;?<\/p>\n<p>Auch ich m\u00f6chte keineswegs alles bewahren: Erst k\u00fcrzlich unterhielt ich mich \u00fcber das Verschwinden von Krawatten in m\u00e4nnlicher Kleidung, und mir fielen so viele h\u00e4ssliche Krawatten ein, so viele M\u00e4nner, deren Gesamtanblick durch Krawattentragen verschlechtert wurde, dass ich diese Entwicklung nur begr\u00fc\u00dfe. An Tischmanieren halte ich deutlich st\u00e4rker fest: Ich m\u00f6chte in meinem Blickfeld kein Gefuchtel mit Besteck, m\u00f6chte den Mundinhalt beim Kauen nicht sehen, kein Mundabwischen mit Handr\u00fccken, reagiere (innerlich) ungehalten auf Gefl\u00e4ze quer \u00fcber den Esstisch. (Allerdings finde ich auch den Anblick \u00fcberwuchernder Rauscheb\u00e4rte beim Essen eklig, bin also sicher unbrauchbar als allgemeiner Ma\u00dfstab.)<\/p>\n<p>Worin ich mich immer noch nicht einfinde, ist der ver\u00e4nderte Umgang mit dem Siezen. Mittlerweile eiere ich in meiner deutschen Muttersprache und Geburtskultur fast so stark wie im Spanischen mit seinem komplett anderen System (u.a. ohne Gegenseitigkeit).<\/p>\n<p>Ich habe dazu wenig Meinung, will mich ja einfach nur unauff\u00e4llig einf\u00fcgen. Doch nicht mal in Gesch\u00e4ften kann ich mich auf gemerkte Regeln verlassen, dass sich n\u00e4mlich einander unbekannte Erwachsene erstmal siezen: Beim Nachfragen als Kundin nach einem Pulli werde ich angeduzt und bin verunsichert. Dabei ist das der eigentliche Zweck von Benimmregeln: Sicherheit im zwischenmenschlichen Umgang, zumindest auf der formalen Ebene. Bei klaren Ansagen kann ich durchaus meine angelernten Reflexe wegdr\u00fccken: In einem Bereich (z.B. der Arbeitsabteilung) wird konsequent geduzt? Super, gehe ich mit. Doch was ist mit der Nachbar-Abteilung, auf die ich in der Teek\u00fcche sto\u00dfe? Erz\u00e4hlen Sie mir nicht, was Sie in solchen Situationen tun und wie einfach Ihnen das f\u00e4llt &#8211; MIR f\u00e4llt das \u00fcberhaupt nicht einfach und macht mich noch menschenscheuer als eh schon.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wir brauchen gute Nachrichten:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.cbc.ca\/news\/vatican-museums-indigenous-artifacts-canada-9.6946597\" target=\"_blank\">&#8220;Indigenous artifacts held in Vatican Museums finally heading back to Canada&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Auch wenn diese guten Nachrichten eigentlich erst durch ganz schlechte Taten vorher m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sie dachten, Fensterrentner seien schlimm, die Falschparker aufschreiben? <a href=\"https:\/\/hachyderm.io\/@cam\/115446238168660824\" target=\"_blank\">Denken Sie neu, die werden wenigstens nicht handgreiflich.<\/a> (Aus einem Druko: &#8220;Now THATS how you clear a crosswalk.&#8221;) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/f0cf532c483c4633b75b8f735e8ba8ac\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Nacht mit fast durchgehendem Schlaf. 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