{"id":1143,"date":"2006-01-10T13:06:09","date_gmt":"2006-01-10T12:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=1143"},"modified":"2006-01-10T15:19:38","modified_gmt":"2006-01-10T14:19:38","slug":"vier-tage-berlin-in-schnippseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/01\/vier-tage-berlin-in-schnippseln.htm","title":{"rendered":"Vier Tage Berlin in Schnippseln"},"content":{"rendered":"<p>In Berlin ist Heilig Drei K\u00f6nig kein Feiertag, wie wunderbar! Kann ich gleich am Freitag noch ein paar Eink\u00e4ufe erledigen. (Ich glaube, \u201eShopping\u201c hei\u00dft das nur, wenn man ohne Ziel und Liste unterwegs ist, oder? Was man fr\u00fcher \u201eEinkaufsbummel\u201c nannte?)<br \/>\nAlso in der Friedrichstra\u00dfe in den <i>Lush<\/i>-Laden, weil es in M\u00fcnchen keinen gibt und <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/\" target=_new>die Gr\u00f6nerin<\/a> so von dem Zeug darin schw\u00e4rmt. Eine sehr junge Frau b\u00fcgelt mich mit ihrem Enthusiasmus f\u00fcr die Produkte ihres Arbeitgebers fast nieder, h\u00e4lt mir zahllose T\u00f6pfe und Flaschen aus Plastik unter die Nase, deren Inhalte gr\u00f6\u00dftenteils nach Baumarkt plus sehr starkem Aroma riechen. Sch\u00f6n und tats\u00e4chlich gut riechend finde ich Badeschaum und Badekugeln, nehme einige mit (ok, drei Fl\u00e4schchen habe ich mir zudem aufschwatzen lassen, die auch im Bad noch nach Blendi-Kinderzahnpasta rochen \/ wei\u00dfe Br\u00f6ckelchen hinterlie\u00dfen \/ lila Spuren auf das Hotelhandtuch f\u00e4rbten).<br \/>\nDann in die Nahrungsmittel-Abteilung der <i>Galeries Lafayette<\/i>, eine Runde K\u00e4se zum Abendessen im Hotelzimmer holen. Ich kann kein Franz\u00f6sisch, und die K\u00e4severk\u00e4uferin stutzt sichtlich, nachdem ich meine W\u00fcnsche ge\u00e4u\u00dfert habe. Nach einem Sekundenbruchteil Nachdenken bringt sie mir aber genau das, was ich wollte. Auf dem Heimweg gr\u00fcble ich, was die Frau sich wohl tagein, tagaus so alles an miesem Franz\u00f6sisch anh\u00f6ren muss, und ob sie wohl abends als Gegenmittel Charles Aznavour auflegt.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n, dass es mir egal sein kann, welche Museen in Berlin ich noch nicht gesehen habe (fast alle). Und dass ich deshalb nach einem Lauf durchs morgengraue Berlin (endlich mal unter der Charit\u00e9 durch!) einfach nochmal ins Pergamon-Museum gehe. Weil zu Zeiten, als es noch zwei Berlins gab und umtriebige Provinzler dort die Erf\u00fcllung all ihrer Tr\u00e4ume von Subversion und alternativem Lebensstil zu finden hofften, f\u00fcr mich Berlin immer Pergamon-Museum bedeutete. Dem Tor von Milet geht\u2019s gar nicht gut, erfahre ich. Ich glaube, die Farben des Ishtar-Tores w\u00e4ren eine Alternative zu meinen wei\u00dfen W\u00e4nden, in denen ich wohnen m\u00f6chte. Ja, meine Arbeitskollegin hat tats\u00e4chlich den K\u00f6rper einer Pallas Athene. Und f\u00fcr mich wird das archaische L\u00e4cheln auf dem Gesicht eines Kouros immer viel cooler wirken als der grimmige Ausdruck einen Rappers.<\/p>\n<p>Treffen mit Lesebloggern in einem Lokal namens <i>Wohnzimmer<\/i>, in das ich \u2013 zerm\u00fcrbt von der scheinbaren Komplexheit des \u00f6rtlichen Stra\u00dfenbahnsystems \u2013 zu Fu\u00df gehe. Werde daran erinnert, dass \u201eAusgehen\u201c bedeutet, sich in \u00fcbervollen, dunklen, lauten R\u00e4umen nicht unterhalten zu k\u00f6nnen. Freue mich aber ungeheuer \u00fcber das Kennenlernen einiger neuer und das Wiedersehen einiger bekannter Menschen. Fange mir f\u00fcr den Heimweg eine Stra\u00dfenbahn.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Meine kleinen Abenteuer: In eine fremde Muckibude gehen, in Berlin! Ganz souver\u00e4n, leichthin, selbstverst\u00e4ndlich. Mich gleichzeitig aber nicht trauen, f\u00fcrs Training ein Handtuch aus dem Hotelbad mitzunehmen, weil in meiner Abwesenheit das Zimmer geputzt wird und das Personal denken k\u00f6nnte, ich h\u00e4tte das Handtuch gestohlen. Statt dessen ein zweites T-Shirt verwenden.<\/p>\n<p>Die armen Sicherheitsbeamten an der Schleuse zur Neuen Synagoge, die sich durch die gammligen Sportklamotten in meiner gro\u00dfen Tasche w\u00fchlen m\u00fcssen. Endlich mal hinter die m\u00e4chtige und unmoderne orientalische Fassade gucken. Und zum Abschluss der F\u00fchrung gibt\u2019s koschere Gummib\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Kaltkaltkalt, das Drau\u00dfen l\u00e4sst sich wirklich nur joggenderweise ertragen.<\/p>\n<p>Zuh\u00f6ren und vorlesen im <i>Lasst und Freunde bleiben<\/i> machen viel Vergn\u00fcgen, auch wenn es elendiglich eng ist. Stelle vorher fest, wie wenig ich mich als Gastgeberin einer solchen Veranstaltung eigne, als ich einem superaufgeregten Co-Leser erkl\u00e4re, er k\u00f6nne doch einfach die Rolle \u201eLoser des Abends\u201c \u00fcbernehmen, allein schon, um mich besser aussehen zu lassen. Mindere seine Aufregung dadurch nicht. Nach der Lesung neue pers\u00f6nliche Bekanntschaften, die mich vor Freude komplett wuschig machen. Die wunderbare und glatte Organisation umfasst auch einen fr\u00fchen Veranstaltungsbeginn, mit dem Ergebnis, dass ich gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig in den Morgenstunden ins Bett komme, es tats\u00e4chlich aber wenig nach Mitternacht ist.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>In einem Caf\u00e9 Anne Fadimans <i>Ex Libris<\/i> begonnen und schon nach den ersten S\u00e4tzen gewusst, dass meine Mitpassagiere im ICE nach M\u00fcnchen regelm\u00e4\u00dfiges Gekicher und gelegentliches Prusten werden ertragen m\u00fcssen. Vergeblich versucht, einen mittelkleinen Hund auf das Verschlingen schreiender Babys abzurichten.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Berlin_Dom.JPG' alt='' \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Berlin_Athene.JPG' alt='' \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Berlin_Synagoge.JPG' alt='' \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin ist Heilig Drei K\u00f6nig kein Feiertag, wie wunderbar! Kann ich gleich am Freitag noch ein paar Eink\u00e4ufe erledigen. (Ich glaube, \u201eShopping\u201c hei\u00dft das nur, wenn man ohne Ziel und Liste unterwegs ist, oder? Was man fr\u00fcher \u201eEinkaufsbummel\u201c nannte?) 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