{"id":117141,"date":"2026-02-27T06:17:05","date_gmt":"2026-02-27T05:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=117141"},"modified":"2026-02-27T12:21:56","modified_gmt":"2026-02-27T11:21:56","slug":"journal-donnerstag-26-februar-2026-play-auerbach-von-avishai-milstein-an-den-muenchner-kammerspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2026\/02\/journal-donnerstag-26-februar-2026-play-auerbach-von-avishai-milstein-an-den-muenchner-kammerspielen.htm","title":{"rendered":"Journal  Donnerstag, 26. Februar 2026 &#8211; <i>Play Auerbach!<\/i> von Avishai Milstein an den M\u00fcnchner Kammerspielen"},"content":{"rendered":"<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 281px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/irCCimL1UFM.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;Play Auerbach! |\u00a0M\u00fcnchner Kammerspiele&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;281&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/irCCimL1UFM?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/irCCimL1UFM?si=R-uS9Tl7qhKSVdza\">https:\/\/youtu.be\/irCCimL1UFM?si=R-uS9Tl7qhKSVdza<\/a><\/div>\n<\/div>\n<p>&#8220;Revue&#8221; ist herrlich altmodisch, ich verbinde das zum einen mit dem Berlin der 1910er und 20er (hier unter Beteiligung besonders vieler j\u00fcdischer K\u00fcnstler*innen), zum anderen mit dem Vaudeville in Gro\u00dfbritannien und der USA. (Und dem Friedrichstadtpalast, d&#8217;oh.) Als mir also die M\u00fcnchner Kammerspiele in mein Abo ein St\u00fcck mit dem Untertitel &#8220;Eine M\u00fcnchner Erinnerungsrevue&#8221; setzten, war ich gleich besonders interessiert. Zudem faszinierte mich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philipp_Auerbach\" target=\"_blank\">die historische Figur des Philipp Auerbach<\/a> &#8211; der den Blick wie so manche andere aktuelle literarische Verarbeitung des Dritten Reichs auf die bis dahin eher vernachl\u00e4ssigten Jahre direkt nach Kriegsende richtet.<\/p>\n<p>Und das tut <a href=\"https:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/de\/programm\/42852-play-auerbach\" target=\"_blank\">das Theaterst\u00fcck <i>Play Auerbach!<\/i> von Avishai Milstein<\/a>, das er als Auftragswerk f\u00fcr die Kammerspiele geschrieben hat, eben auch: Es geht um M\u00fcnchen in Tr\u00fcmmern, um den Wiederaufbau, den Umgang mit den Grauen der Shoah, quicklebendigen Antisemitismus &#8211; aber aus der Sicht der \u00fcberlebenden Juden, die jetzt als <i>diplaced persons<\/i> zwar zun\u00e4chst schon unter dem Schutz der US-Besatzer, aber halt doch wieder in Lagern lebten. Und irgendeine Form von Zukunft finden mussten. Das h\u00e4tte man durchaus realistisch auf die B\u00fchne bringen k\u00f6nnen, und jedes Moralisieren w\u00e4re gerechtfertigt gewesen, gerade an der schillernden Figur Philipp Auerbach. Dass statt dessen die nicht-realistische Form einer Revue mit viel Komik gew\u00e4hlt wurde, erm\u00f6glichte aber Dutzende zus\u00e4tzlicher Ebenen, machte auch noch Spa\u00df und konnte Tritte an Stellen setzen, an die Realismus gar nicht hinkommt.<\/p>\n<p>Es ging schonmal damit los, dass die Handlung in der Zukunft angesetzt wird: Eine Laienschauspieltruppe probt \u00f6ffentlich anl\u00e4sslich 100 Jahren Kriegsende, also 2045, eine Auerbach-Gedenkrevue. Das erfahren wir von der Leiterin und Regisseurin Beate, die sich als Antisemitismusbeauftrage vorstellt, erfolgreiche Antisemitismusbeauftragte. Ohnehin erfahren wir als Publikum in diesem St\u00fcck viel explizit aus Erkl\u00e4rungen, oft vom B\u00fchnenrand &#8211; wie man es aus einer Revue gewohnt ist. Ein ber\u00fchmter Fernsehschauspieler gesellt sich hinzu (auch er wird uns vorgestellt), er schnappt sich die Rolle des Auerbach.<\/p>\n<p>Revue hei\u00dft auch Musik, sie erinnerte mich oft an Kurt Weill. Die Lieder und St\u00fccke waren manchmal boshaft wie politisches Kabarett, mal Balladen. Das Revue-Format erlaubte auch Poesie (einziges Kulissen-Element war der aufgeh\u00e4ngte Rahmen eines Konzertfl\u00fcgels) und Provokation, die st\u00e4rksten visuellen Akzente setzten teilweise extrem aufw\u00e4ndige Kost\u00fcme in beeindruckenden Choreografien, die Maske erinnerte an die B\u00fchnen-Episoden im Film <i>Cabaret<\/i> von 1972. Und dieses Format lie\u00df Raum f\u00fcr immer neue Ebenen an Anspielungen auf heutigen Antisemitismus, der Halbsatz &#8220;Dass gerade ein Volk, das den Holocaust erlebt hat&#8230;&#8221; musste gar nicht vervollst\u00e4ndigt werden. Dazu kam aber auch (nur halb ernst, aber dann halt doch ernst) die Suche nach einem Platz f\u00fcr j\u00fcdisches Leben in Deutschland. Immer wieder kulminierten m\u00e4andernde Szenen in zugespitzten Erkenntnissen, zum Beispiel:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Einen Juden zu spielen ist Kunst!<br \/>\nEin Jude zu sein ist Provokation!&#8221; <\/p><\/blockquote>\n<p>Was mich vor allem begeisterte: Wie Wunder-voll und unersetzlich das Medium Theater hier funktionierte. Inklusive der wieder umwerfenden Darsteller*innen, darunter: Wiebke Puls kann eh fast alles, der Gast Samuel Finzi ging mir nahe, Annika Neugart lie\u00df unter anderem Therese Giese wiederauferstehen.<\/p>\n<p>Wenn DAS heutiges Theater ist, finde ich Theater weiterhin sehr super und gebe ihm eine gro\u00dfe Zukunft.<br \/>\nNach dem (langen, begeisterten) Schlussapplaus kam Mittwochabend Dramaturgin Viola Hasselberg auf die B\u00fchne und lud ins Foyer zum Gespr\u00e4ch \u00fcber das St\u00fcck ein &#8211; leider war ich um diese Zeit viel zu erledigt f\u00fcr sowas. (Und brauchte ohnehin erstmal Verarbeitung des Erlebten.)<\/p>\n<p>Diese Besprechung von Sabine Leucht bei <i>nachtkritik.de<\/i> gef\u00e4llt mir sehr gut:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/nachtkritik.de\/nachtkritiken\/deutschland\/bayern\/muenchen\/muenchner-kammerspiele\/play-auerbach-muenchner-kammerspiele-sandra-strunz-zeigt-avishai-milsteins-erinnerungsrevue-zu-juedischem-leben-in-deutschland\" target=\"_blank\">&#8220;Fettn\u00e4pfchenwetth\u00fcpfen&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich hatte den Wecker 15 Minuten sp\u00e4ter gestellt, schlief nach guter Nacht auch bis Klingeln. Drau\u00dfen ganz eindeutiger Fr\u00fchlingsvogelgesang, dominant dabei die Amsleriche, eher als Rhythmusbegleitung Finkenschlagen.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell kam eine halbe Stunde, nachdem er sich in die Arbeit verabschiedet hatte, schon wieder zur\u00fcck: Seine U-Bahn fuhr nicht (Unfall, St\u00f6rung). Da er den fr\u00fchstmorgendlichen Teil seiner Aufgaben ohnehin auch von daheim erledigen konnte, tat er das.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner Marsch in die Arbeit, der Nebel, zu dem ich aufgestanden war, hatte sich gesenkt, am blauen Himmel sah ich nur wenige Wolken.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro gleich durchgestartet, ich war unter Termindruck.<\/p>\n<p>Uiuiui, so viel weniger hatte ich doch gar nicht geschlafen &#8211; nach den ersten beiden Stunden Hochgesch\u00e4ftigkeit in der Arbeit f\u00fchlte ich mich steinm\u00fcde. Mittagscappuccino holte ich mir in der Cafeteria, spazierte dann aber raus in die Sonne und um ein paar Bl\u00f6cke des Westends. Kurz vor Mittgessen (Apfel, letzte Orange, Restbrot, Trockenfeigen, N\u00fcsse) bekam ich noch einen Stein weggearbeitet, der mir seit einer Woche auf der Brust sa\u00df, gro\u00dfe Erleichterung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260226_02_Buerohausblick.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260226_02_Buerohausblick.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"442\" class=\"alignnone size-full \" \/><\/a><\/p>\n<p>Emsiger Nachmittag, aber ich kam noch bei deutlich Tageslicht raus in den Feierabend. Auf dem Heimweg gr\u00fcndlicher Nachkauf von Schokolade. UND! UND! Sichtung des bl\u00fchenden Fr\u00fchlings-Trios Schneegl\u00f6ckchen, Winterlinge, Krokus.<\/p>\n<p>Daheim Pilates, da Herr Kaltmamsell den Abend aush\u00e4usig verbrachte, a\u00df ich allein zu Abend: einen Rest Macaroni-and-cheese, aus frisch geholtem Ernteanteil Postelein-Salat. Nachtisch sehr viel Schokolade (aber noch vor Bauchweh aufgeh\u00f6rt).<\/p>\n<p>Eine Rechnung von Crowdfarming traf ein und lie\u00df mich die Augen aufrei\u00dfen: Der K\u00e4se vom adoptierten Schaf kostete in dieser Saison 107,66 Euro, nach 60,82 Euro im Vorjahr. F\u00fcr 1,5 Kilo verschiedene Manchegos. Zwar wurde ich immer darauf hingewiesen, dass die saisonalen Preise variieren k\u00f6nnen, doch bei diesem Sprung fiel mir dann doch das Gesicht runter. So viel zahle ich nicht mal beim Dallmayr oder im T\u00f6lzer Kasladen f\u00fcr K\u00e4se. Zumal ich deutlich besseren Manchego kenne als den, den ich hier geliefert bekomme. Ich beendete die Adoption umgehend.<\/p>\n<p>Kleidungs- und Pack-\u00dcberlegungen f\u00fcr den Freitag: Herr Kaltmamsell und ich l\u00f6sen ein Weihnachtsgeschenk ein und fahren nach Ingolstadt ins Theater, um mit Familie und Freunden der Familie <a href=\"https:\/\/theater.ingolstadt.de\/programm\/premieren-wiederaufnahmen\/premieren-wiederaufnahmen-detailseite\/2723.html\" target=\"_blank\"><i>Istanbul<\/i> von Selen Kara, Torsten Kindermann und Ak\u0131n Emanuel \u015eipal<\/a> anzusehen. Inklusive \u00dcbernachtung bei meinen Eltern, das wird alles sehr sch\u00f6n! <\/p>\n<p>Fr\u00fch ins Bett zum Lesen. <\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DVO3yxPgmeg\/\" target=\"_blank\">Das neue Denkmal f\u00fcr die Familie Mann am Salvatorplatz hat bereits ein Eigenleben entwickelt.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/93e96a38170a425ab2520a594fd4fceb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.https:\/\/youtu.be\/irCCimL1UFM?si=R-uS9Tl7qhKSVdza &#8220;Revue&#8221; ist herrlich altmodisch, ich verbinde das zum einen mit dem Berlin der 1910er und 20er (hier unter Beteiligung besonders vieler j\u00fcdischer K\u00fcnstler*innen), zum anderen mit dem Vaudeville in Gro\u00dfbritannien und der USA. (Und dem Friedrichstadtpalast, d&#8217;oh.) 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