{"id":11736,"date":"2011-06-05T16:41:54","date_gmt":"2011-06-05T14:41:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=11736"},"modified":"2013-06-20T09:00:42","modified_gmt":"2013-06-20T07:00:42","slug":"bayerischer-tango","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2011\/06\/bayerischer-tango.htm","title":{"rendered":"Bayerischer Tango"},"content":{"rendered":"<p>Tanzmeisterin Katharina Mayer hatte uns den Wink gegeben, dass eine Tanzrunde zwar \u00fcblicherweise aus drei T\u00e4nzen besteht, dass sich aber die Musi durch nachdr\u00fccklichen Applaus zu einem vierten \u00fcberreden l\u00e4sst. Nur, so warnte sie, entscheide dann halt auch die Musi, welchen Tanz sie spiele.<\/p>\n<p>Auf dieses Spiel lie\u00dfen wir Volkst\u00e4nzer uns, die wir an diesem Sommerfreitagabend zum Tanzboden des M\u00fcnchner Kulturreferats gekommen waren, gerne ein: Ab sofort klatschten wir nach jeder Tanzrunde einen vierten Tanz herbei. Doch die Musi, der <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/unter-unserem-himmel\/niederbayerischer-musikantenst-gerald-gross-himmel-fbum-2011-ID1291981033775.xml\" target=_new>Niederbayerische Musikantenstammtisch<\/a>, kannte das Spiel schon l\u00e4nger und spielte es mit Schalk: Erst bekamen wir eine Speedpolka (meine Bezeichnung) serviert, doppelt so schnell wie die vorhergegangene (das war das erste Mal, dass wir uns an die Maxime der Tanzmeisterin hielten: \u201eA Schieba geht imma.\u201c und den eigentlichen Polkaschritt abk\u00fcrzten), in einer anderen Runde war uns gerade der Zwiefache beigebracht worden, ein einfacher, regelm\u00e4\u00dfiger &#8211; da spielte uns die Musi als vierten Tanz einen derart komplexen Zwiefachen um die Ohren, dass die Tanzfl\u00e4che schnell einem Schlachtfeld glich. Doch am wenigsten erwartet hatte ich den Tango, der einmal als Zugabe erklang: Einen astrein bayerischen astreinen Tango. Oh ja, das geht.<\/p>\n<p>Seit einem \u00dcbungstanzen f\u00fcr den Kocherlball vor drei Jahren steht meine E-Mail-Adresse auf dem Verteiler zum Thema Volkskultur des M\u00fcnchner Kulturreferats, und drei bis vier Mal im Jahr bekomme ich Hinweise zugeschickt &#8211; leider meist zu kurz vor Veranstaltungen, als dass ich unflexible Stubenhockerin sie einplanen k\u00f6nnte. Doch diesmal kam der Hinweis auf einen Tanzboden im Erkerzimmer des Hofbr\u00e4uhauses schon zehn Tage vorher: Genug Zeit, eine Freundin zu fragen, ob sie mit dem Mann an ihrer Seite mitkommen mag und den Mitbewohner freizuhalten.<\/p>\n<p>Die meisten T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer kamen tats\u00e4chlich in Dirndl oder international anerkannt Bayerischem. Doch mindestens 20 Prozent tanzten in Alltagskleidung. Mir waren vor allem ein sch\u00f6n schwingener Rock und tanzbare Schuhe mit kleinem Absatz wichtig.<\/p>\n<p>Ein Spa\u00df war das Ganze von Anfang an. Das lag zum einen an der unersch\u00fctterlich erfrischenden jungen Tanzmeisterin (die ich schon von <a href=\"http:\/\/www.muenchen.de\/Rathaus\/kult\/volkskultur\/programm\/kocherlball\/202073\/index.html\" target=_\"new\">Kocherlb\u00e4llen<\/a> kannte), zum anderen an den wundersch\u00f6nen R\u00e4umen im zweiten Obergescho\u00df des Hofbr\u00e4uhauses (ja, DIESES Hofbr\u00e4uhauses), die f\u00fcr die etwa 100 Menschen genau richtig waren (mehr h\u00e4tten es aber nicht sein d\u00fcrfen). Vor allem aber machte die Musik den Ton der Veranstaltung aus: Vier eher junge Menschen, die genau die Art Volksmusik spielten, die die eigentlichen Wurzeln respektiert und sie in die heutige Zeit weiterg\u00e4rtnert. (End of metaphor.) Mei, ich bin halt mit der Bierm\u00f6sl Blosn aufgewachsen. Das Bayerische Fernsehen nimmt seinen \u00f6ffentlich rechtlichen Auftrag in dieser Hinsicht erfreulich ernst und hat f\u00fcr diese, wie ich finde echte, Volksmusik ein eigenes Sendungsformat: <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/wirtshausmusikanten\/index.xml;jsessionid=Z3H4XOXTMHYQ4CSBUKSCM4Q\" target=_\"new\">Wirtshausmusikanten<\/a>.<sup><a href=\"#footnote_1_11736\" id=\"identifier_1_11736\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Auch wenn ich durch Anke Engelke f&uuml;r jede Art von fr&ouml;hlicher Dirndltr&auml;gerin als Moderatorin verdorben bin &ndash; diese Parodie ist nunmal besser als jedes Original.\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>So standen im namensgebenden Erker des Tanzsaals auch eine KapellmeisterIN und ein Tubaspieler mit beeindruckender Rastalockenpracht, in den H\u00e4nden eine verbeulte Tuba, die vermutlich bereits den 30j\u00e4hrigen Krieg mitgemacht hat &#8211; als Waffe. Sie spielten Kuckuckspolka, Boarischen, Walzer, Scheemarie, Polka, Zwiefachen und was sonst auch immer die Tanzmeisterin ansagte (die als Partnerin zum Vortanzen ihre Mutter mitgebracht hatte). Und sie bewiesen mehrfach, dass es von einer Polka nicht weit zum Dixie ist und wieder zur\u00fcck, dass auch sonst bayerische T\u00e4nze ziemlich viel Swing enthalten.<br \/>\nVielleicht m\u00f6gen Sie <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Stammtisch-Niederbayerischer-Musikantenstammtisch\/dp\/B003OWVHIU\" target=_\"new\">mal reinh\u00f6ren<\/a>?<\/p>\n<p>Ich hatte erwartet, dass es sich bei den Tanzpaaren um eine Gemeinschaft handelt, die sich zumindest regelm\u00e4\u00dfig auf dieser Art Veranstaltung trifft, doch anscheinend kannten sich die Leute nicht. Allerdings kommt niemand auf einem Tanzboden drum herum, zumindest einige Fremde ein wenig kennenzulernen: Zwei Runden begannen mit Kreist\u00e4nzen, die jedem drei bis vier Mal einen fremden T\u00e4nzer, eine fremde T\u00e4nzerin in die Arme spielten. Mit der\/dem letzten davon galt es, die Runde zu Ende zu tanzen. Komisch: Wo ich mich sonst ausgesprochen ungern von fremden Menschen anfassen lasse, machte mir das durchaus Spa\u00df. Au\u00dferdem weidete ich mich an dem Unbehagen des fremden T\u00e4nzers, mit dem ich die eine Runde beschloss: Er sah immer wieder zu seiner eigentlichen Partnerin hin und winkte &#8211; wurde ich da Zeugin eines heraufdr\u00e4uenden Eifersuchtsdramas? Aber er tanzte Walzer auch linksrum mit mir, einfach so und ohne Probleme. Ich h\u00e4tte sofort um seine Hand anhalten sollen.<br \/>\nAch was, auch mit meinem mitgebrachten Tanzpartner, dem Mitbewohner, feierte ich Erfolge: Bei zwei Zwiefachen hatten wir ganz am Ende tats\u00e4chlich die Taktwechsel heraus und tanzten sie nahezu fl\u00fcssig fertig.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_11736\" class=\"footnote\">Auch wenn ich durch Anke Engelke f\u00fcr jede Art von fr\u00f6hlicher Dirndltr\u00e4gerin als Moderatorin verdorben bin &#8211; diese Parodie ist nunmal besser als jedes Original.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_11736\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanzmeisterin Katharina Mayer hatte uns den Wink gegeben, dass eine Tanzrunde zwar \u00fcblicherweise aus drei T\u00e4nzen besteht, dass sich aber die Musi durch nachdr\u00fccklichen Applaus zu einem vierten \u00fcberreden l\u00e4sst. 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