{"id":119852,"date":"2026-05-30T08:24:37","date_gmt":"2026-05-30T06:24:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=119852"},"modified":"2026-05-30T09:24:28","modified_gmt":"2026-05-30T07:24:28","slug":"journal-freitag-29-mai-2026-brieferinnerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2026\/05\/journal-freitag-29-mai-2026-brieferinnerungen.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 29. Mai 2026 &#8211; Brieferinnerungen"},"content":{"rendered":"<p>Guter Nachtschlaf, ich h\u00e4tte gern mehr gehabt als bis Weckerklingeln.<\/p>\n<p>Aus den in der ganzen Wohnung ge\u00f6ffneten Fenstern kam es bei wolkenlosem Himmel sehr k\u00fchl herein, zu k\u00fchl f\u00fcr Balkonkaffee. (Die N\u00e4chte mit niedrigen Temperaturen begr\u00fc\u00dfe ich sehr, so k\u00f6nnen wir die Wohnung angenehm temperieren.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_01_Kleidung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_01_Kleidung.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"536\" class=\"alignnone size-full wp-image-119863\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_02_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_02_Theresienwiese.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"524\" class=\"alignnone size-full wp-image-119864\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sommer-Theresienwiese mit Morgenschatten und Infrastruktur-Bauarbeiten f\u00fcrs Oktoberfest.<\/p>\n<p>Geordnetes Losarbeiten, erst kurz vor meinem Mittagscappuccino wurde es von mehreren Seiten komplex. Zu dem marschierte ich ins Westend.<\/p>\n<p>Mitt\u00e4gliche Brotzeit: Plattpfirsiche, Aprikosen und Buttermilch &#8211; Sommer ist, wenn ich \u00fcberhaupt auf die Idee komme, Buttermilch zu trinken und sie mir dann auch noch hervorragend schmeckt. (Neben Quark die zweite Speise, die ich aus den b\u00f6sen Assoziationen meiner Di\u00e4t-Kindheit befreien konnte und heute genie\u00dfe. Kn\u00e4ckebrot hingegen mag ich einfach wirklich nicht.)<\/p>\n<p>Am Nachmittag noch einiges weggeschafft, w\u00e4hrend es von drau\u00dfen dann doch so warm hereinkam, dass ich das gekippte B\u00fcrofenster wieder schloss.<\/p>\n<p>Nun aber endlich: Feierabend, Wochenende. Auf dem gem\u00fctlichen Heimweg noch Eink\u00e4ufe beim Vollcorner, daheim schob ich in mein Yoga-Programm <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WYIaF5xJIiA\" target=\"_blank\">eine Folge Pilates<\/a>, ich hatte das Bed\u00fcrfnis nach etwas Sportlichem &#8211; wobei sich derzeit diese Art Pilates f\u00fcr &#8220;sportlich&#8221; am besten anf\u00fchlt, keine Sehnsucht nach Muskelausreizen und Schwitzen, lieber was Leichteres, daf\u00fcr t\u00e4glich.<\/p>\n<p>N\u00e4chstes gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis: Alkohol. Schon seit Tagen freute ich mich auf Aperol Spritz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_11_Balkondrinks.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_11_Balkondrinks.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"376\" class=\"alignnone size-full wp-image-119865\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anstrengende Selbstausl\u00f6ser-Akrobatik, dann halt ein extra-geselltes Foto (immer noch echter als KI-Kitsch).<br \/>\nMein Glas war nach nicht mal 15 Minuten leer, ich genoss die Wirkung enorm.<\/p>\n<p>Zum Nachtmahl erf\u00fcllte mir Herr Kaltmamsell den Wunsch nach Glasnudelsalat mit Shrimps, Sojahack und frischen asiatischen Kr\u00e4utern, ein weiterer Genuss.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_14_EatonMess.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_14_EatonMess.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-119866\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum Nachtisch hatte er Eton Mess vorbereitet, endlich kam ein Teil der eingefrorenen Eiwei\u00dfe weg. Dann noch Schokolade.<\/p>\n<p>Endlich dachte ich mal wieder daran, in der D\u00e4mmerung nach Flederm\u00e4usen Ausschau zu halten: Ich sah reichlich und freute mich daran.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Aktuelle Botanik nach Flora Incognita:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260528_Knaeuel_Glockenblume.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260528_Knaeuel_Glockenblume.jpg\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"448\" class=\"alignnone size-full wp-image-119861\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der Anglerstra\u00dfe wuchs an einem Verkehrsschild die Kn\u00e4uel-Glockenblume; \u00e4hnlich wie bei vielen anderen auffallenden Bl\u00fcmchen im Rinnstein und in sonstigen Weges-Ritzen der Anglerstra\u00dfe halte ich sie f\u00fcr einen Gefangenschaftsfl\u00fcchtling aus den dar\u00fcberliegenden Balkonen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_Natternkopf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/260529_Natternkopf.jpg\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-119862\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Anblick des Natternkopfs ist mir vertraut, w\u00e4chst viel in der Stadt; jetzt wei\u00df ich auch, wie er hei\u00dft.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Maximilian Buddenbohm erinnert ans Briefeschreiben:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2026\/05\/29\/anmerkungen-zum-briefzeitalter\/\" target=\"_blank\">&#8220;Anmerkungen zum Briefzeitalter&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Und tritt damit eine Erinnterungsflut los: Ich war viele Jahre lang eine rege  Briefeschreiberin. (Und geh\u00f6rte schon damals zu einer leicht exzentrischen Randgruppe.) (Wie sp\u00e4ter als Bloggerin.)<\/p>\n<p>Bereits Briefe, vermute ich nachtr\u00e4glich, waren f\u00fcr mich wie sp\u00e4ter Blogs ein Blick in die Welt anderer Menschen. So begann mein Briefeschreiben auch Generations-typisch im fr\u00fchen Teenager-Alter mit zwei Brieffreundschaften \u00fcber Kontaktanzeigen in der Jugendzeitschrift Stafette <a href=\"https:\/\/www.sailer-verlag.de\/kinderzeitschriften\/stafette\/\" target=\"_blank\">(DIE GIBT&#8217;S NOCH!)<\/a>, eine mit einem Buben in \u00c4gypten (auf Englisch?), eine mit einem M\u00e4dchen in der DDR, \u00e4hnlicher Grad der Exotik. Das war aber erstmal die Sorte Austausch, bei der praktisch jeder Brief mit der Entschuldigung f\u00fcrs lange Nichtschreiben begann.<\/p>\n<p>Richtig los ging&#8217;s nach dem Abitur, als meine Freundin Veronika f\u00fcr ein Jahr nach England zog, als Au-pair nach Manchester. Sie bastelte die Briefumgschl\u00e4ge meist selbst aus Hochglanzseiten der dortigen Modemagazine. Ich erinnere mich auch an den regen Briefwechsel mit der ersten gro\u00dfen Liebe. Und dann zu Studienzeiten mit den Freundinnen an anderen Studienorten, am intensivsten war der Briefverkehr zwischen meinem Wohnort Augsburg und Regensburg. H\u00e4tten wir nicht auch telefonieren k\u00f6nnen? Taten wir schon auch (wobei Telefonieren teuer war), doch das Schreiben, das Briefeschreiben war einfach eine eigene Kommunikationsform. Oft lagen andere Papiere bei, Zeitungsauschnitte zum Beispiel.<\/p>\n<p>Finanzielle Vorteile standen sicher im Vordergrund, wenn ein Freund, eine Freundin zum Auslandsstudienjahr weit weg war: Wir hielten Kontakt mit Briefen, wussten ganz genau, wie viele Seiten welchen Papiers innerhalb der g\u00fcnstigsten Portoklasse lagen. Ohne dieses Kriterium war die Wahl des Briefpapiers immer eine eigene \u00dcberlegung, ich m\u00fcsste jetzt noch Best\u00e4nde von damals haben.<\/p>\n<p>Aber das dauerte! Mit meinem Uni-Freund Frank in Augsburg er\u00f6ffnete ich w\u00e4hrend meines Studienjahrs in Wales (1991\/92) eine zweite Brieflinie, denn jeder Brief brauchte eine Woche in eine Richtung, und nur alle zwei Wochen etwas von ihm lesen zu bekommen, war mir zu wenig. Es entstand eine eigene literarische Form, denn die beiden Linien trennten wir sauber inhaltlich. Wahrscheinlich schrieb ich in diesem Auslandsjahr w\u00f6chentlich vier bis f\u00fcnf Briefe, auch den Kontakt zu meiner Familie hielt ich ja brieflich. Sp\u00e4ter mit Herrn Kaltmamsell: Wenn wir nicht am selben Ort wohnten (Reisen, Ferienjobs), schrieben wir einander Briefe.<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass ich meine Fertigkeiten im schriftlichen Ausdruck mindestens so viel durch Briefeschreiben erworben habe wie durchs journalistische Schreiben &#8211; zumal ich unter anderem mit Sprachk\u00fcnstler*innen korrespondierte, von denen ich lernte. Zu Weihnachten 1992 lie\u00df ich mir eine eigene Kiste f\u00fcr erhaltene Briefe schenken <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/2008_Weihnachtspolaroids.jpg\" target=\"_blank\">(Foto hier rechts oben)<\/a>. Erst vor wenigen Jahren sortierte ich diese gesammelten Briefe (ungelesen) und lagerte sie geb\u00fcndelt im Keller ab.<\/p>\n<p>So war die neue Technik E-Mail, die ich gleich bei meiner R\u00fcckkehr nach Deutschland 1992 entdeckte (Mail-Programm auf Floppy Disk, mit der ich f\u00fcr jedes Senden und Empfangen an die Internetrechner dr\u00fcben an der Augsburger Mathe-Fakult\u00e4t ging), hochwillkommen: Damit kamen Briefe SOFORT an! In den ersten Jahren druckte ich noch alle aus und legte sie ab, Briefe waren richtig nur auf Papier.<\/p>\n<p>Sicher bin ich, dass ich mein j\u00fcngstes Briefpapier im Mai 2012 in Venedig gekauft habe. Wann ich den letzten handschriftlichen Brief verfasste, wei\u00df ich nicht; wahrscheinlich ist das l\u00e4nger als die Buddenbohm&#8217;schen 20 Jahre her.<\/p>\n<p>In meinem Keller steht eine eigene, gut verklebebandelte Kiste mit Liebesbriefen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/ced62b044fba451a83ebd35d3b7afce0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guter Nachtschlaf, ich h\u00e4tte gern mehr gehabt als bis Weckerklingeln. Aus den in der ganzen Wohnung ge\u00f6ffneten Fenstern kam es bei wolkenlosem Himmel sehr k\u00fchl herein, zu k\u00fchl f\u00fcr Balkonkaffee. (Die N\u00e4chte mit niedrigen Temperaturen begr\u00fc\u00dfe ich sehr, so k\u00f6nnen wir die Wohnung angenehm temperieren.) Sommer-Theresienwiese mit Morgenschatten und Infrastruktur-Bauarbeiten f\u00fcrs Oktoberfest. 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