{"id":1228,"date":"2006-03-13T13:39:45","date_gmt":"2006-03-13T12:39:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/03\/hey-hey.htm"},"modified":"2009-03-04T14:04:31","modified_gmt":"2009-03-04T13:04:31","slug":"hey-hey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/03\/hey-hey.htm","title":{"rendered":"Hey HEY!"},"content":{"rendered":"<p>Noch verwehre ich mir, diesen Traum detailliert auszumalen, aber einiges deutet darauf hin, dass ich wieder Zeit f\u00fcr Step-Aerobics haben k\u00f6nnte. (Womit ich mir locker in puncto Stilanspruch widersprochen habe, denn ein Haufen bunt gekleideter Menschen, die auf m\u00f6glichst verschiedene Art ein B\u00e4nklein hoch- und runtersteigen, k\u00f6nnte gar nicht weiter von einem \u00e4sthetischen Anblick entfernt sein).<\/p>\n<p>Ein Detail aus meiner jahrelangen Aerobic-Phase ist ohnehin Bestandteil der Kommunikation zwischen meiner Mutter (Aerobics-Aficionada seit sicher 15 Jahren) und mir geblieben, sogar zwischen dem Mitbewohner und mir: Vorturnerinnen und Vorturner bedienen sich meist eigener Anfeuerungsrufe, um die wedelnde und hopsende Truppe anzutreiben. Darunter sind sehr spezielle (\u201eAYAYAY!\u201c von einem brasilianischen Popowackler \/ \u201eJAWOLL!\u201c eines DJ-\u00d6tzi-f\u00f6rmigen Gugelhupfs), aber handels\u00fcblich ist \u201ehey HEY!\u201c. Und dieses setzen wir drei inzwischen gerne ein, wenn das Gegen\u00fcber bei welchem Vorschlag auch immer nicht so recht ziehen will oder auch sonst den Eindruck erweckt, einer Anfeuerung zu bed\u00fcrfen. Ich glaube, das fing an, als ich zusammen mit meiner turbosportlichen Mutter an einer Aerobicstunde teilnahm, in der sich der Ruf der Vorturnerinnen so gek\u00fcnstelt angelernt und abgelesen anh\u00f6rte, dass wir beide vor Kichern immer wieder strauchelten: \u201eHey.\u201c \u201eHey.\u201c<\/p>\n<p>Zu Aerobics kam ich Anfang der 90er, als ich gerade meine Magisterarbeit schrieb, feststellte, dass meine Knie- und Haut-Empfindlichkeiten den regelm\u00e4\u00dfigen Sport im Schwimmbad verhinderten und als ich deshalb nach einer alternativen Bewegungsform suchte. Die ich fand, als in meinem Briefkasten der Flyer eines nahe gelegenen Fitnessstudios lag, der ein billiges Studentenabo (nur Vormittage und Wochenenden, ohne Ger\u00e4tenutzung) vorschlug. Ich schlug ein \u2013 und fand mich in einer bislang unbekannten Sportwelt wieder. Beim ersten Mal fand ich es noch albern, am Ende des Geh\u00fcpfes 15 Minuten lang \u201eCool down\u201c zu betreiben und zu dehnen. Doch schon als ich danach nur eine Andeutung von Muskelkater hatte, dachte ich um. Ich genoss den hohen Tanzanteil in dieser Sportart und lernte sogar, den b\u00f6sen riesigen Spiegel der Turnhalle lediglich zur Korrektur meiner Haltungen und Bewegunge zu verwenden, ansonsten aber \u00fcber die L\u00e4cherlichkeit der Gesamterscheinung hinweg zu sehen.<\/p>\n<p>Die folgenden Jahre ging ich immer \u00f6fter in Aerobicstunden und entwickelte schon bald eine Vorliebe f\u00fcr Step-Aerobics. Dazu stellt jede Turnerin ein stabiles B\u00e4nkchen (\u201eStep\u201c) von etwa 90 cm mal 30 cm Fl\u00e4che vor sich hin, etwa 20 bis 30 cm hoch. Zu Musik wird dann hoch und wieder herunter gestiegen (\u201eBasic\u201c), im Gleichschritt, zu Musik. Lustig wird es, wenn man das in verschiedensten Schrittformen und um den ganzen Step herum tut.<\/p>\n<p>Nach wenigen Monaten langweilten mich die Vormittags- und Wochenendstunden in meinem Fitnessstudio und ich erweiterte den Vertrag auf alle Kurse. Somit konnte ich endlich in die interessante \u201eStep Masterclass\u201c bei Vorturnerin Sissi. Wie jede leidenschaftliche Aerobicerin hatte ich schnell Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr bestimmte Trainerinnen entwickelt, und Sissi war meine Favoritin. Dabei konnte ich anfangs noch gar nicht einsch\u00e4tzen, wie sehr sie allein schon \u00e4u\u00dferlich von der Durchschnittsvorturnerin abwich: Die dunkelhaarige Sissi war sehr gro\u00df, sehr schmal und langgliedrig; meiner sonstigen Erfahrung nach sind Aerobic-Trainerinnen sonst eher klein und muskul\u00f6s bis st\u00e4mmig, au\u00dfer sie geben tanzbetonte Stunden, dann sind sie wieder eher auf der Ballerinen-Seite. Au\u00dferdem f\u00fchrte sie ihre immer \u00fcberraschenden Choreographien mit perfekter Pr\u00e4zision aus und achtete wie ein Haftlmacher darauf, dass die Turnerinnen sich nicht durch falsche Ausf\u00fchrung in Verletzungsgefahr brachten. Au\u00dferhalb des Studios war sie sehr zur\u00fcckhaltend und sch\u00fcchtern, doch im H\u00fcpfsaal verbreitete sie einen liebevollen Kasernenton (ja, das geht).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1767\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/aerobic_97_neu.jpg\" alt=\"aerobic_97_neu.jpg\" \/><\/p>\n<p><i>Gruppenfoto 1997 nach Aerobicstunde. F\u00fcr eine Mitturnerin, die gerade in einer Klinik ihre Anorexie therapierte.<\/i><\/p>\n<p>Nach M\u00fcnchen umgezogen, schloss ich mich einer Studiokette an und hatte damit die Auswahl zwischen den Stundenpl\u00e4nen von sechs Studios (und darunter zwei mit mehreren S\u00e4len). Je nach Kursart und Vorturnerin gondelte ich also abends und an den Wochenenden in halb M\u00fcnchen herum, um auf meine Kosten zu kommen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt war der Wunsch, auf die andere Seite zu wechseln und mich selbst zur Vorturnerin ausbilden zu lassen. Als Mitturnerin war ich \u2013 das wird die Leserinnen und Leser der Vorspeisenplatte nicht \u00fcberraschen \u2013 der Alptraum jeder unsicheren Vorturnerin. Wenn ich eine Choreografie besonders bescheuert fand (nicht aus k\u00fcnstlerischen Aspekten, sondern weil die Teile so schlecht zusammen passten, dass h\u00f6chste Unfallgefahr bestand), machte ich das nonverbal sehr deutlich. Oder wenn die Trainerin die Takteinheiten nicht erkannte, im allerschlimmsten Fall nicht mal die Eins h\u00f6rte. Dann konnte es durchaus passieren, dass ich konsequent im richtigen Takt dagegen hielt. Nein, ich bin wirklich kein netter Mensch.<\/p>\n<p>Die Trainerinnenausbildung lief in einem M\u00fcnchener Fitnessstudio \u00fcber zweimal eine Woche im Block und dann noch ein paar Wochenenden. Das war klasse, selten habe ich meinen Urlaub f\u00fcr Anregenderes genutzt. Nat\u00fcrlich fand ich sehr schnell heraus, wie kompliziert und anstrengend das Vorturnerinnentum ist, wie viele Details es gleichzeitig zu beachten gilt, und wie hoch die Kunst ist, mit dem Gesicht zur Gruppe vorzuturnen, also spiegelverkehrt. Mein Respekt vor Vorturnern und Vorturnerinnen (die Ber\u00fchmten der Szene hei\u00dfen \u00fcbrigens <i>Presenter<\/i>) stieg.<br \/>\nDie anderen Aspirantinnen waren wie ich lediglich h\u00fcpfbegeistert und keine Profis, es gab weder Gezicke, noch brach ein Klamottenkrieg aus. Klar waren die Blockwochen ausgesprochen anstrengend; manchmal bef\u00fcrchtete ich, ich w\u00fcrde nie mehr anders z\u00e4hlen k\u00f6nnen als \u201eUND VIER! DREI! ZWEI! EINS!\u201c<br \/>\nAls Anfeuerruf brach aus mir heraus: \u201eIIIII-HAAA!\u201c Genau, wie die Freizeit-Cowboys in <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0101587\/\" target=_new><i>City Slickers<\/i><\/a>. Ich will nicht wissen, was das \u00fcber mich verr\u00e4t. <\/p>\n<p>Nach der theoretischen (Muskeln, Stoffwechsel, sonstiger Sporttrallala) und praktischen Pr\u00fcfung gab ich gerade mal zwei Stunden. Dann brachen meine drei Jahre ohne jede Sportlust herein.<\/p>\n<p>Soweit die Erinnerung. Mal sehen, ob ich bald \u00fcber neueste Entwicklungen in der H\u00fcpfszene berichten kann. Was man heutzutage wohl so tr\u00e4gt? Sind am End Legwarmers und neonfarbene Stirnb\u00e4nder zur\u00fcckgekehrt? Gibt es \u00fcberhaupt noch Step Aerobics in M\u00fcnchen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch verwehre ich mir, diesen Traum detailliert auszumalen, aber einiges deutet darauf hin, dass ich wieder Zeit f\u00fcr Step-Aerobics haben k\u00f6nnte. 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