{"id":12533,"date":"2011-10-21T10:08:29","date_gmt":"2011-10-21T08:08:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=12533"},"modified":"2011-10-22T07:17:28","modified_gmt":"2011-10-22T05:17:28","slug":"der-hinterhergetragene-arsch-mancher-akademikerkinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2011\/10\/der-hinterhergetragene-arsch-mancher-akademikerkinder.htm","title":{"rendered":"Der hinterhergetragene Arsch mancher Akademikerkinder"},"content":{"rendered":"<p>Blogs sind bekanntlich zum Aufregen da. Und daf\u00fcr bot mir heute <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/36435\/Nachtschicht\" target=\"_blank\">ein Artikel im <i>SZ-Magazin<\/i><\/a> Gelegenheit: Eine Redakteurin enth\u00fcllt darin in launiger Schreibe, dass die meisten Facharbeiten an bayerischen Gymnasien sowieso von Sch\u00fclerm\u00fcttern geschrieben werden, so auch die ihres Sohnes. Folgerichtig nennt sie ihren Namen nicht.<\/p>\n<p>Diese Akademieadlige kommt offensichtlich so selten aus ihrer Akademikerinnenburg, dass sie keine Gymnasiasten einkalkuliert, deren Eltern noch nie im Leben eine wissenschaftliche Fu\u00dfnote gesehen haben, geschweigen denn die Konventionen der Fu\u00dfnotensetzung erahnen. Gegen Ende ihrer zwei Seiten schafft es Anonyma gerade mal zu schreiben: \u201eWas machen eigentlich Jugendliche, deren Eltern sich nicht auskennen, kein Geld, keine n\u00fctzlichen Bekannten, keine Zeit haben?\u201c Wom\u00f6glich kann sie zurecht davon ausgehen, dass diese nicht die 12. Klasse eines bayerischen Gymnasiums erreichen: <a href=\"http:\/\/www.bildungsserver.de\/OECD-Studien-Bildung-auf-einen-Blick--3262.html\" target=\"_blank\">Die OECD r\u00fcgt immer wieder das deutsche Bildungssystem<\/a>, weil fast nirgends in Europa der Bildungshintergrund der Eltern die Bildungschancen von Sch\u00fclern so stark determiniert wie hierzulande.<sup><a href=\"#footnote_1_12533\" id=\"identifier_1_12533\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Das w&auml;re eine ideale Stelle f&uuml;r den Einsatz des klassischen Leserbriefwehlauts &bdquo;Armes Deutschland!&ldquo; &ndash; richtig?\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die in Teilzeit als Reinigungskraft arbeitende Jale aus Tunesien wird ihren begabten, aber ein wenig schlawinerigen Sohn kaum unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. (Hier sehe \u00fcbrigens ich das eigentliche Potenzial f\u00fcr eine sch\u00f6ne Magazingeschichte.) Doch ich bef\u00fcrchte, dass das Weltbild der <i>SZ<\/i>-Redakteurin keinen Platz f\u00fcr solche Konstellationen bietet.<br \/>\nDieses Weltbild erinnert mich an die Kolumne einer <i>SZ<\/i>-Redakteurin, die durchaus identisch mit der anonymen Facharbeitsautorin sein k\u00f6nnte: Vor einigen Jahren, noch tief in G9-Zeiten, echauffierte sie sich \u00fcber die hohen Anforderungen bayerischer Gymnasien. Ihr Beweis f\u00fcr die \u00fcbermenschliche Schwierigkeit: Jedes ihrer drei Kinder ben\u00f6tige Nachhilfe, um am Gymnasium bleiben zu k\u00f6nnen. F\u00fcr diese akademische Dame war offensichtlich undenkbar, dass ihre Kinder ihren Weg mit einen anderen Schulabschluss als Abitur machen k\u00f6nnten. Sie kam schlicht nicht auf die Idee, die Schwierigkeiten ihres Nachwuchses k\u00f6nnten aus mangelnder Eignung f\u00fcrs Gymnasium r\u00fchren.<\/p>\n<p>Die \u00dcberidentifikation vieler Akademikereltern mit ihrem Nachwuchs wird ja regelm\u00e4\u00dfig beklagt (eine befreundete Grundschullehrerin berichtet Mutterzitate wie: \u201eWir haben ja jetzt eine Drei in Mathe geschafft.\u201c). Die Autorin des Facharbeitsartikels weist zahlreiche Symptome f\u00fcr diese mangelnde Distanz auf. Noch dazu zu einem eher unangenehmen Menschen. Ihr Sohn \u201eMarc\u201c ist der Ansicht, nur Streber beg\u00f6nnen ihre Facharbeiten fr\u00fcher als eine Wochen vor Abgabetermin? Er spielt lieber Fu\u00dfball, geht auf Partys? Das klingt doch sehr nach einem verd\u00fcnkelten Vollidioten, dessen einzige Chance auf charakterliche Besserung in einem schmerzhaften Fall auf die Schnauze besteht.<\/p>\n<p>Professoren an der M\u00fcnchner Ludwig-Maximilian-Universit\u00e4t berichten, dass in ihren Sprechstunden immer h\u00e4ufiger neben dem Studenten oder der Studentin, um die es geht, deren Eltern sitzen. (Und dass sie nach rechtlichen Argumenten suchen, mit denen sie die Eltern aus dem Zimmer komplimentieren k\u00f6nnen.) Meine Prognose: Genau solch eine Studentenmutter wird Frau \u201eXXXXX XXXXXXXX\u201c.<\/p>\n<p><i>Offenlegung: Ich bin ein Gastarbeiterkind, das 1986 in Bayern Abitur gemacht hat. Bei meiner Facharbeit f\u00fcr den Leistungskurs Altgriechisch unterst\u00fctzte mich meine Mutter mit ihren eingerosteten Fertigkeiten im Schreibmaschinenschreiben.<\/i><\/p>\n<p><i>Nachtrag 22.10.: Ich habe <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/36435\/Nachtschicht\" target=\"_blank\">den Artikel<\/a> jetzt auch verlinkt.<\/i><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_12533\" class=\"footnote\">Das w\u00e4re eine ideale Stelle f\u00fcr den Einsatz des klassischen Leserbriefwehlauts \u201eArmes Deutschland!\u201c \u2013 richtig?<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_12533\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blogs sind bekanntlich zum Aufregen da. 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