{"id":1281,"date":"2009-01-09T11:39:36","date_gmt":"2009-01-09T10:39:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=1281"},"modified":"2009-01-09T11:39:36","modified_gmt":"2009-01-09T10:39:36","slug":"unromantisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/01\/unromantisch.htm","title":{"rendered":"Unromantisch"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Textentwurf liegt seit fast vier Jahren angefangen auf meinem Blogserver. Gilt inhaltlich immer noch. Ich r\u00e4ume ihn ungeschliffen und fragmentarisch raus.<\/i><\/p>\n<p>Ja, das bin ich: unromantisch. Mit Leidenschaft und bis ins Mark. Bei fast allem, was Film, Fernsehen, Popmusik, Literatur und die Allgemeinheit f\u00fcr romantisch halten, werde ich vor lauter \u00c4rger aggressiv. 40 Prozent davon basiert auf einer L\u00fcge (wie: Blumen mitbringen, Leid und Schmerz oder Eifersucht als Liebesbeweis), 50 Prozent empfinde ich als \u00fcberaus albern bis unpraktisch (darunter: Kosenamen auf -i, Namen der Geliebten als T\u00e4towierung, gemeinsames Schlafzimmer), die restlichen 10 Prozent haben f\u00fcr mich nichts mit Romantik zu tun (z.B. Baden bei Kerzenlicht, Z\u00e4rtlichkeit), sondern sind Sinnesfreuden.<\/p>\n<p>Frau modeste <a href=\"http:\/\/modeste.twoday.net\/stories\/468262\/\" target=_new>schrieb einst<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>In Beziehungen, so sagt der Romantiker, sollen wir ganz wir selbst sein d\u00fcrfen. Bedingungslos angenommen vom anderen, geborgen vor den kalten Winden des \u00e4u\u00dferen Lebens. Dies beinhaltet auch Ehrlichkeit, absolute Offenheit, insbesondere in Bezug auf die eigene Vergangenheit.<\/p><\/blockquote>\n<p>`tschuldigung, dann braucht er sich wohl nicht zu wundern, der Romantiker, dass das mit der Partnerschaft nichts wird. \u201eAbsolute Offenheit\u201c enth\u00e4lt reichlich Aggression: Nimm dies! Mir doch wurscht, wie sehr dich das belastet oder verletzt! \u201eBedingungslos angenommen\u201c ist genauso zerst\u00f6rerisch dumm; viel besser, sich seiner Bedingungen klar zu werden, sie auszusprechen, Grenzen klarmachen.<\/p>\n<p>Statt dessen: Aufmerksamkeiten.<br \/>\nStatt dessen: R\u00fccksicht.<br \/>\nStatt dessen: Spontanit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch die kunstgeschichtlich und literaturwissenschaftlich so bezeichneten Werke missfallen mir. Gehen Sie mir weg mit dem Sublimen. In der Alten Nationalgalerie in Berlin stand ich wieder mal vor ein paar Caspar David Friedrichs und sch\u00fcttelte mich. Wirksames Antidot: <i>Northanger Abbey<\/i> von Jane Austen.<\/p>\n<p>Meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung nach (einer Pers\u00f6nlichkeit, die Naturspie\u00dfertum und Coolnessmangel aufs Trefflichste vereint) hilft es, wenn man in Beziehungen dieselben Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs befolgt, die man f\u00fcr die Begegnung mit Fremden akzeptiert. \u201eBitte\u201c und \u201eDanke\u201c sagen, H\u00f6flichkeit, R\u00fccksicht, Diskretion. Mir ist immer noch nicht klar, dass Leute, die nicht zu Falschheit oder Missgunst neigen, ausgerechnet den Menschen schlecht machen (\u201emeine Alte\u201c, \u201eist doch wieder typisch Mann\u201c), den sie angeblich am liebsten haben.<\/p>\n<p>Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass es eine Beziehungs-Schule gibt, die den Vorteil einer Paargemeinschaft darin sieht, genau diese Umgangsformen vergessen zu k\u00f6nnen. Ich frage mich nur, wie es die gegenseitige Zuneigung f\u00f6rdern soll, wenn ich die Klot\u00fcre offen lasse.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/arrog.antville.org\/stories\/1021722\/\" target=_new>Praschl schrieb<\/a>, als er das noch ins Internet tat:<\/p>\n<blockquote><p>beschlossen, sie zu \u00fcberleben. man kann es keinem antun, nicht zu \u00fcberleben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist unromantisch. Aber Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Textentwurf liegt seit fast vier Jahren angefangen auf meinem Blogserver. Gilt inhaltlich immer noch. Ich r\u00e4ume ihn ungeschliffen und fragmentarisch raus. Ja, das bin ich: unromantisch. Mit Leidenschaft und bis ins Mark. 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