{"id":13042,"date":"2012-05-24T11:54:12","date_gmt":"2012-05-24T09:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=13042"},"modified":"2012-05-24T11:54:12","modified_gmt":"2012-05-24T09:54:12","slug":"zukunftvisionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/05\/zukunftvisionen.htm","title":{"rendered":"Zukunftvisionen"},"content":{"rendered":"<p>Nein, meine Damen und Herren, ich wei\u00df immer noch nicht, was aus mir werden soll.<\/p>\n<p>Drei Wochen werde ich noch t\u00e4glich Arbeiten gehen in dem Unternehmen, das mich seit zehn Jahren besch\u00e4ftigt. Und dann nicht mehr. Die Monate danach will ich erst mal nichts Berufliches machen; f\u00fcr drei bis vier Monate m\u00fcssten meine finanziellen R\u00fccklagen ausreichen, ohne dass ich die Eiserne Reserve angreifen muss. Freiwillige Weiterversicherung bei meiner Krankenkasse habe ich bereits beantragt. Ich hoffe, dass diese Monate reichen, mir dar\u00fcber klar werden, wie ich Leben und Lebensunterhalt k\u00fcnftig zusammenbekommen m\u00f6chte. Die Spannbreite m\u00f6glicher Ergebnisse geht von Arbeitst\u00e4tigkeit, die mir das eigentliche Leben finanziert bis zu einem Leben, das deckungsgleich ist mit Lebensunterhalt verdienen.<\/p>\n<p>Aber freilich hatte ich schon Zukunftsvisionen. Nur bestanden diese bislang keineswegs wie erhofft in gro\u00dfen und kleinen Projektideen, die ich nach Abstreifen des derzeitigen Angestelltenjochs endlich, endlich umsetzen kann, nicht aus Korbflechten, Buchschreiben, die Welt bereisen, mir einen Hund zulegen. Sondern im Blick auf Discounter und Kruschklamottenketten, von deren Angebot ich mich k\u00fcnftig abh\u00e4ngig sah. Im bewussten Meiden von Delikatessl\u00e4den und den Auslagen von Goldschmieden, da ich mich endg\u00fcltig und in alle Ewigkeit nicht mehr zu deren Klientel z\u00e4hlte. Beim Blick nach links und rechts schoben sich nur die niedrigst entlohnten Arbeitsstellen in mein Sichtfeld: Ich betrachtete Kassiererinnen, Klorollenauff\u00fcllerinnen, Catering-M\u00e4use daraufhin, ob ich deren Job machen k\u00f6nnte und wie lange ich das wohl aushalten w\u00fcrde. Irgendeine innere Ratte sah meine Zukunft bereits in der Gosse und keineswegs mit vom Wind der Freiheit zerzausten Haaren auf Berggipfeln. Diese Phase ging allerdings zum Gl\u00fcck vorbei. (Ich w\u00fcrde gerne ein ernstes W\u00f6rtchen mit meinem Unterbewussten reden.)<\/p>\n<p>Bei den vielen kleinen Schritten der recht existenziellen Job\u00fcbergabe, die ich gerade vollziehe, wird mir nat\u00fcrlich klar, wie viel Fachwissen und Erfahrung ich in zehn Jahren im Unternehmen und 15 Jahren in der PR-Branche gesammelt habe. Meine G\u00fcte, ich Literaturwissenschaftlerin betanze inzwischen sogar Bilanzterminologie halbwegs parkettsicher! Und mir wird hin und wieder schwindlich im Bewusstsein, dass ich das alles wegwerfe.<\/p>\n<p>Aber ich kann nicht anders.<\/p>\n<p>Potenziale aussch\u00f6pfen &#8211; ach, geht mir weg. Das habe ich seit dem Abitur gemacht. Und beschwere mich dar\u00fcber nicht im geringsten: Ich habe immer nach dem Spannendsten gegriffen und meine Potenziale reingeworfen. Aber irgendwo ist unterwegs etwas kaputt gegangen. Ich will nichts mehr machen, blo\u00df weil ich es kann, und schon gar nicht, wenn das Leidenschaft und Feuer verlangt.<\/p>\n<p>Ja sicher sind das Luxusprobleme, <i>first world problems<\/i>, aber sie sind da und es sind meine. Und ich bekomme sie hoffentlich bittebitte in absehbarer Zeit in den Griff, damit meine einzigen bisherigen Zukunftsvisionen nicht Wirklichkeit werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, meine Damen und Herren, ich wei\u00df immer noch nicht, was aus mir werden soll. 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