{"id":13242,"date":"2012-06-07T10:41:58","date_gmt":"2012-06-07T08:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=13242"},"modified":"2013-03-25T19:11:26","modified_gmt":"2013-03-25T18:11:26","slug":"weltkulturerbe-well","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/06\/weltkulturerbe-well.htm","title":{"rendered":"Weltkulturerbe Well"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Well_Kammerspiele.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Well_Kammerspiele.jpg\" alt=\"\" title=\"Well_Kammerspiele\" width=\"523\" height=\"352\" class=\"alignnone size-full wp-image-13243\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Jahr stand mein Kammerspiel-Abo unter keinem g\u00fcnstigen Stern: Die Abende der Auff\u00fchrungen folgten allesamt Tagen, nach denen mir \u00fcberhaupt nicht der Sinn nach Theater stand. Der gestrige sah zun\u00e4chst nach einem weiteren solchen aus: Am Abend zuvor war ich erst sp\u00e4t ins Bett gekommen, hatte am Morgen vor der Arbeit einen Zahnarzttermin (nichts Schlimmes, nur mal wieder professionelle Reinigung), wollte nach der Arbeit in die Muckibude und dann noch f\u00fcr den heutigen Feiertag einkaufen. Doch dann gab der Mitbewohner einen Anruf der Kammerspiele weiter: Die Vorstellung m\u00fcsse abgesagt werden. Statt <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/programm\/gesaeubert-gier-psychose\/\" target=\"_blank\">dreier Kurzst\u00fccke von Sarah Kane<\/a> (\u201eFolge eines dunklen, beunruhigenden Oeuvres (&#8230;), in dem Vernichtung und Selbstzerst\u00f6rung wichtige Themen sind\u201c) werde es einen Hausmusikabend mit den Geschwistern Well geben. Schlagartig sah der ganze Tag anders aus.<\/p>\n<p>Die drei Well-Br\u00fcder, die bis vor Kurzem die Bierm\u00f6sl Blosn bildeten, geh\u00f6ren eng zu meinem Erwachsenwerden. Auf Chortourneen sangen wir einander im Bus ihre Lieder vor, (mir f\u00e4llt als erstes \u201e<a href=\"http:\/\/www.weltbild.de\/1\/pprod.trck\/page.html?b=11159688&#038;cur_bid=303010&#038;h=dfe488ed28&#038;lm=20120607073236&#038;trck=1_16\" target=\"_blank\">Annamirl<\/a>\u201c ein, das eine Mitsopranistin aufs Bewegendste zum Vortrage zu bringen wusste &#8211; ob jemand zuh\u00f6ren wollte oder nicht), \u201e<a href=\"http:\/\/www.weltbild.de\/1\/pprod.trck\/page.html?b=11159688&#038;cur_bid=303010&#038;h=dfe488ed28&#038;lm=20120607073236&#038;trck=1_4\" target=\"_blank\">Gott mit dir, du Land der BayWa<\/a>\u201c l\u00e4sst sich ja auch schnell auswendig lernen. Niemand sonst hat der Teenager-Kaltmamsell so fr\u00fch begreiflich gemacht, dass Politik etwas mit ihr zu tun hat und nicht nur mit Parlamentariern in Bonn.<\/p>\n<p>Von dieser Well-Show in den Kammerspielen hatte ich vor Monaten gelesen: \u201e<a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/programm\/stuecke-a-z\/fein-sein-beinander-bleibn\/\" target=\"_blank\">Fein sein, beinander bleibn<\/a>\u201c &#8211; sechs Geschwister der Well-Familie schenken sich zum fast 50-j\u00e4hrigen B\u00fchnenjubil\u00e4um einen gemeinsamen Auftritt, oder, wie sie selbst es bezeichnen, eine \u201eFamilienaufstellung auf volksmusikalischer Basis&#8221;. Das wollte ich unbedingt sehen.<\/p>\n<p>Also nahm ich sogar in Kauf, dass ich auf dem Heimweg zweimal eingeregnet wurde, vom schwer bepackten Radeln zudem durchschwitzt war, mich also eigens f\u00fcrs Theater duschen und umziehen musste. Aber der Abend war es sowas von wert. Auf dem n\u00e4chtlichen Heimweg fragte ich mich, ob man eigentlich auch Familien zum UNESCO Weltkulturerbe ernennen kann &#8211; die Well-Familie w\u00e4re ein Kandidat.<\/p>\n<p>Der Blick aus dem leider sp\u00e4rlich besetzten Zuschauerraum (klar, wer schwenkt schon so kurzfristig um) auf die B\u00fchne war zun\u00e4chst der oben auf dem Foto. Das Z\u00e4hlen der Instrumente gab ich bei 40 auf. Dabei setzten die drei Well-Frauen (B\u00e4rbi, Burgi Moni &#8211; als die <a href=\"http:\/\/www.wellkueren.de\/\" target=\"_blank\">Wellk\u00fcren<\/a> schon seit Jahren im Musikgesch\u00e4ft) und drei Well-M\u00e4nner (Stofferl und Michael kannte ich von der Bierm\u00f6sl Blosn, Klausi hatte ich noch nie gesehen) noch erheblich mehr Instrumente ein, als anfangs zu sehen waren. (Ich lernte sogar ein Instrument neu kennen: Die Nonnentrompete, <a href=\"http:\/\/youtu.be\/F5ivYHhBnws\" target=\"_blank\">hier im Einsatz bei den Wellk\u00fcren<\/a>.)<\/p>\n<p>Die Rahmengeschichte (Regie Franz Wittenbrink) ist eine Probe f\u00fcr die n\u00e4chsten Auftritte. Abwechselnd erz\u00e4hlen die Geschwister von diesen geplanten Auftritten (zum Beispiel zur im August anstehenden Hochzeit von Lafontaine und Wagenknecht in der Wieskirche, es traut der M\u00fcnchner Erzbischof Marx) und geraten sich auf die verschiedenste Art und Weise in die Haare (ein Vorfall mit einem Sch\u00fcrhakl in der K\u00fcche, an dem mindestens die beiden J\u00fcngsten Moni und Stofferl beteiligt waren, damals anderthalb und drei Jahre alt, spielt eine Schl\u00fcsselrolle).<\/p>\n<p>Zweieinhalb Stunden spielten die sechs quer durch alle Musikrichtungen, die sich mit vier Dutzend Instrumenten und sensationeller Musikalit\u00e4t wiedergeben lassen (ja, <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/\" target=\"_blank\">Anke<\/a>, Wagner war auch dabei) &#8211; mittlerweile nehme ich an, dass der Stofferl jedes Instrument, das es \u00fcberhaupt auf der Welt gibt, konzertreif spielt. Wobei \u201edie sechs\u201c nicht korrekt gez\u00e4hlt ist: Hinten links auf der B\u00fchne thronte \u00fcber dem allen \u201ed\u2018 Mutti\u201c in einem riesigen Ohrensessel, die sch\u00f6ne, kleingebeugte wei\u00dfhaarige und mittlerweile 92-j\u00e4hrige Mutter der 15 (f\u00fcnfzehn) Well-Kinder. Sie wurde nicht nur in die Dialoge eingebunden, sondern hatte auch den einen oder anderen Zither-Part.<\/p>\n<p>Ich bekam unter anderem zu h\u00f6ren:<br \/>\n&#8211; ein b\u00f6se gerocktes \u201eDa Teifi soi di hoin!\u201c der drei Schwestern (Melodie passte zu Klausis T-Shirt \u201eHighway to Well\u201c &#8211; die d\u00fcrfen das), bei dem Moni ihr Hackbrett fast in St\u00fccke drosch<br \/>\n&#8211; klassischen Dreigsang<br \/>\n&#8211; einen schottischen Marsch (Stofferl am Dudelsack) mit Clog-Schuhplattl-Crossover-Tanz<br \/>\n&#8211; Rennaisance-Musik mit Harfe und Drehleier<br \/>\n&#8211; einen fr\u00f6hlichen Schunkel-Beitrag f\u00fcr die Fernsehsendung \u201eZuchtperlen der Volksmusik\u201c mit dem Titel \u201eWer nimmt d&#8217; Oma, die liegt im Koma\u201c<br \/>\n&#8211; Schnaderh\u00fcpfl<br \/>\n&#8211; einen Rap f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen Milchpreis (\u201eFourty Cent! Fourty Cent! Oder dei Audi brennt!\u201c) &#8211; f\u00fcr den der rappende Stofferl eine Wollm\u00fctze aufsetzte und seine kurze Lederhose auf unter H\u00fcfth\u00f6he runterzog<br \/>\n&#8211; diverse Jodler, wobei der Andachtsjodler darin endete, dass sich drei Alph\u00f6rner aus der B\u00fchne nach oben schoben. Die die drei Br\u00fcder, um darauf spielen zu k\u00f6nnen, ins Publikum schoben &#8211; irgendwer wird die Enden schon festhalten, Michael gab mit einer Geste den Tipp, dieses auf die Schulter zu legen.<br \/>\n&#8211; ein Alphorn-Medley, das in \u201eWe will rock you\u201c kulminierte<br \/>\n&#8211; den Bolero von Ravel, auf den sich, wie ich jetzt wei\u00df, hervorragend schuhplatteln l\u00e4sst<\/p>\n<p>So ein Spa\u00df! Und wenn jeder singen und unz\u00e4hlige Instrumente spielen kann, sind auch drei bis vier Zugaben kein Problem &#8211; das Familienrepertoire muss unersch\u00f6pflich sein.<\/p>\n<p>Was mir wieder auffiel: Das Bayrisch der Wells ist nicht ganz meines, also kein reines Oberbayrisch. So sprechen sie das Wort Eltern nicht wie ich \u201eEytern\u201c aus, sondern \u201eOitern\u201c, auf der Annamirl-Aufnahme ist au\u00dferdem ein deutliches \u201ewoascht\u201c statt meinem oberbayrischen \u201ewoa\u00dft\u201c zu h\u00f6ren. Ich nehme an, das ist so weit s\u00fcdwestlich bereits der Einfluss des Allg\u00e4us.<\/p>\n<p>So oder so: Falls sie die Show noch irgendwie erwischen (zweieinhalb Stunden durchgehendes Bayrisch! Wo gibt es das sonst in M\u00fcnchen?), schauen Sie sich die an. Anfangen k\u00f6nnten Sie mit der <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/programm\/stuecke-a-z\/fein-sein-beinander-bleibn\/fotogalerie\/\" target=\"_blank\">Fotogalerie auf der Kammerspiele-Website<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.wellkueren.de\/bildergalerie\/category\/C31\/\" target=\"_blank\">Fotogalerie bei den Wellk\u00fcren<\/a>.<\/p>\n<p>Den Rapp von Little Milli gibt&#8217;s sogar beim YouTube:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/IGtYw630r7g\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr stand mein Kammerspiel-Abo unter keinem g\u00fcnstigen Stern: Die Abende der Auff\u00fchrungen folgten allesamt Tagen, nach denen mir \u00fcberhaupt nicht der Sinn nach Theater stand. 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