{"id":13413,"date":"2012-07-22T08:48:16","date_gmt":"2012-07-22T06:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=13413"},"modified":"2012-07-23T20:37:05","modified_gmt":"2012-07-23T18:37:05","slug":"was-virtuell-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/07\/was-virtuell-ist.htm","title":{"rendered":"Was virtuell ist"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Morgen lachte ich beim Zeitunglesen laut auf: Die Literaturseite der <i>SZ<\/i> machte mit einem f\u00fcnfspaltigen Artikel \u00fcber Tex Rubinowitz und sein neues Buch <i>Herumgurken<\/i> auf; Alex R\u00fchle hatte ihn verfasst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/120722_Tex_SZ.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/120722_Tex_SZ.jpg\" alt=\"\" title=\"120722_Tex_SZ\" width=\"440\" height=\"379\" class=\"alignnone size-full wp-image-13414\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese Kombination, Tex und Feuilleton der <i>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/i>, erschien mir grotesk, und so lachte ich. Keinesfalls weil ich Tex Rubinowitz&#8217; Werk nicht f\u00fcr Feuilleton-wert halte, Gott bewahre, der Mann macht Kunst! Sondern weil f\u00fcr mich Virtuelles und <i>real life<\/i> aufeinanderprallten.<\/p>\n<p>Seither \u00fcberlege ich, wie ich das meine.<\/p>\n<p>Mein Internet, vor allem die selbst gemachten Inhalte, von Nichtteilnehmern meist <i>social media<\/i> genannt, besteht aus Menschen &#8211; ist also real. Denn diese Menschen sind nachvollziehbar, sind Teil der Information. Sie geben sich und ihren Hintergrund zu erkennen, viele davon habe ich pers\u00f6nlich getroffen. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/felix-schwenzel-bei-der-re-publica-a-832244.html\" target=\"_blank\">Felix Schwenzel referierte auf der re:publica 2012 unterhaltsam \u00fcber die eigentliche Binse, dass das Internet aus Menschen besteht.<\/a> In den Texten und Hinweisen dieser Menschen liest man die Menschen immer mit. Was \u00fcbrigens nichts (weit verbreitete Fehlannahme) mit der Verwendung ihres b\u00fcrgerlichen Namens zu tun hat. <\/p>\n<p>Traditionelle Medien hingegen (Vorsicht: steile These) sind virtuell. Sie vermitteln mir die Realit\u00e4t durch einen Filter, der sich nicht zeigt und sich selten nachpr\u00fcfbar macht. Ja, \u00fcber den Artikeln stehen die Autorennamen. Und ja, als jahrzehntelange Leserin der <i>SZ<\/i> formt sich \u00fcber die Zeit in meinem Kopf ein vages Profil dieser Redakteurin, dieses Redakteurs (steht auf Autos \/ h\u00e4lt Kinder f\u00fcr die besseren Menschen etc.). Aber die traditionelle journalistische Konvention besteht ja gerade darin, dass sich diese Menschen nicht zu erkennen geben &#8211; dass ihr Ziel zu sein hat, hinter dem Inhalt zu verschwinden, \u201eobjektiv\u201c zu berichten. Was nur knapp an der glatten L\u00fcge vorbeischrammt, denn es gibt keine Information in den Medien, die nicht von Menschen ausgew\u00e4hlt, gewertet, gewichtet ist. Vom welchem Menschen aber und wie, das ist nicht Teil der Information, macht die Vermittlung virtuell.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum aktuellen Beispiel. Tex Rubinowitz ist ein echter Mensch. Ich habe ihn im Web erlebt (er interagiert hier mit derselben Begeisterung wie Aug&#8217; in Aug&#8217;) und bei pers\u00f6nlichen Begegnungen. Letztes Jahr in Klagenfurt erz\u00e4hlte er mir von seinem n\u00e4chsten Buch, das sehr wahrscheinlich das eben als <i>Herumgurken<\/i> erschienene war &#8211; und Tex ist ein ganz wundervoller Erz\u00e4hler. Allerdings erreichen seine Geschichten gerne mal einen Grad des Haarstr\u00e4ubens, der meine Skepsis hervorruft. Und so unterstellte ich ihm mir etwas vorzuflunkern, als er schilderte, dass die Finnen (Finnland, so hatte er eben gesagt, sei eines seiner absoluten Lieblingsl\u00e4nder) nicht nur gro\u00dfartige Musik machten (Tango), sondern im Sommer der finnische Lieblingssnack frische Erbsen seien: Jeder Flaneur in Helsinki habe eine T\u00fcte mit Erbsenschoten in der Hand, sie w\u00fcrden auf der Stra\u00dfe verkauft, und knabbere Erbsen. Nee, jetzt ging er mir aber zu weit.<br \/>\nIch hatte noch keine Gelegenheit, mich bei ihm f\u00fcr diese Anschuldigung zu entschuldigen: Inzwischen wei\u00df ich, <a href=\"http:\/\/meergefluester.blogspot.de\/2012\/02\/441-wenn-ich-beschreiben-musste-was-ich.html\" target=\"_blank\">dass das wirklich so ist<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn nun dieser Mensch in Bild und Besprochenwerdung durch eine virtuelle Welt auf meinem samst\u00e4glichen Fr\u00fchst\u00fcckstisch landet, dann ist das komisch.<\/p>\n<p>(Fast h\u00e4tte ich geschafft mir den Seitenhieb zu verkneifen, dass der <i>SZ<\/i>-Artikel auch deswegen virtuell ist, weil er nicht online steht, und es deshalb sinnlos w\u00e4re, empf\u00e4hle ich Ihnen die reale Lekt\u00fcre.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Morgen lachte ich beim Zeitunglesen laut auf: Die Literaturseite der SZ machte mit einem f\u00fcnfspaltigen Artikel \u00fcber Tex Rubinowitz und sein neues Buch Herumgurken auf; Alex R\u00fchle hatte ihn verfasst. 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