{"id":13810,"date":"2012-10-03T09:50:16","date_gmt":"2012-10-03T07:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=13810"},"modified":"2012-10-03T14:38:36","modified_gmt":"2012-10-03T12:38:36","slug":"klettern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/10\/klettern.htm","title":{"rendered":"Klettern"},"content":{"rendered":"<p>Ist es die Konzentration auf den halben Quadratmeter vor der Nase, kombiniert mit dem Blick f\u00fcr die ganze Tour? Die Bewegung nach oben mit eigener K\u00f6rperkraft, doch gleichzeitig in der Sicherheit eines Gurtes und im Halt am Seil, das wiederum in den H\u00e4nden eines Menschen liegt, der im Geist mitklettert? Das Spielger\u00e4t-artige der Kletterwand, das Spielplatz-artige der Kletterhalle mit schier unendlichen M\u00f6glichkeiten? So oder so: Dieses Kletter-Dings hat mich \u00fcberdurchschnittlich begeistert.<\/p>\n<p>Als die Freunde im Berner Oberland fragten, ob ich an meinem Oktoberfestflucht-Wochenende mitkommen wolle zum Klettern, sagte ich sofort zu &#8211; vor allem, weil ich praktisch keine Vorstellung von &#8220;Klettern&#8221; hatte. In meinem Kopf gab es lediglich vage Bilder von Kletterw\u00e4nden in Hallen, an denen schmale, nur aus Sehnen und Muskeln bestehende Menschen in \u00e4rmelfreien Shirts hingen. Da ich zum einen ein komplett anderer K\u00f6rpertypus bin (ich sehe mich als ph\u00e4notypische Schwimmerin), zum anderen im schulischen Sportunterricht an jeder Reck- oder sonstigen Turnstange wie ein Mehlsack gehangen war, w\u00fcrde ich mich beim Klettern ganz sicher total zum Hirschen machen. Egal, ein Erlebnis w\u00fcrde es auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Vorher lie\u00df ich mir von der Schweizer Freundin, die vor ein paar Jahren das Klettern f\u00fcr sich entdeckt hat, einige praktische und organisatorische Details erkl\u00e4ren: Dass ich mir in der Halle einen Gurt leihen w\u00fcrde, an dem man beim Klettern gesichert wird. Dass ich mir dort auch spezielle Kletterschuhe ausleihen w\u00fcrde, die sich deutlich zu klein anf\u00fchlen w\u00fcrden, dadurch aber Zehen und F\u00fc\u00dfen das Greifen erm\u00f6glichten. Dass diese Schuhe allerdings so unbequem seien, dass man sie abseits der Kletterw\u00e4nde immer sofort abstreife, ich deshalb irgendwelche Schlappen f\u00fcr die Fu\u00dfwege dazwischen mitnehmen solle. Auch das Notensystem f\u00fcr die Schwierigkeitsgrade der &#8220;Touren&#8221; erk\u00e4rte mir die Freundin, verbunden mit Erlebnissen und Anekdoten.<\/p>\n<p>Das alles ergab allerdings erst Sinn, als ich in der Kletterhalle selbst ankam, nach mehreren Ankleidungsanl\u00e4ufen in meinem alpinen Keuschheitsg\u00fcrtel stand, meine F\u00fc\u00dfe in einen Kletterschuh gequetscht hatte, und meinen Freunden bei der ersten Tour zusah: Der ganz bestimmte Knoten, mit dem das Sicherungsseil am Gurt befestigt wurde (das selbst\u00e4ndige Knoten desselben war mein erkl\u00e4rtes Lernziel dieses Tages &#8211; das ich nur ganz knapp erreichte), die Vorrichtung, mit der der sichernde Kletterpartner das Seil hielt und regelte, wie die Kletterin sich ruhig und sicher St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck nach oben schob, dabei das Sicherungsseil in die Karabiner am Weg h\u00e4ngte, und wie sie sich elegant ablie\u00df, gehalten vom Sicherungsseil. Bei ihr sah das alles total einfach aus.<\/p>\n<p>An der ersten Wand zum Eingew\u00f6hnen war ich noch so hektisch und aufgeregt, dass ich kaum etwas mitbekam &#8211; au\u00dfer, dass es sich beim Klettern eindeutig um Kraftsport handelt. Doch bei jeder weiteren Tour, die die erfahrene Kletterin f\u00fcr uns aussuchte und beseilte (das hei\u00dft &#8220;vorsteigen&#8221;, lernte ich), machte ich neue und weitere Erfahrungen: Es pressiert nicht, auch wenn mit jedem Anhalten und Nachdenken der Sicherer unten l\u00e4nger warten und angestrengt nach oben sehen muss \/ es geht irgendwie weiter, auch wenn es erst mal nicht so aussieht (die Freundin feuerte mich nicht nur an, sondern gab auch Tipps, mit welchen Bewegungen ich aus der scheinbaren Klemme herausfinden k\u00f6nnte) \/ in dem Gurt kann ich mich auch mal kurz ausruhen \/ eine Tour kann in den wenigen Minuten ihrer Dauer bis zur Ersch\u00f6pfung anstrengen \/ wenn ich nicht mehr kann oder auch mit Tipps nicht weiterkomme, kann ich einfach abbrechen \/ ich bin nicht allein mit der Aufgabe, sondern gehalten nicht nur von Gurt und Seil, sondern auch von der Zuwendung und Aufmerksamkeit des Kletterpartners. Letzteres zu akzeptieren und anzunehmen, k\u00f6nnte f\u00fcr mich der gr\u00f6\u00dfte Gewinn der Kletterei sein; in der einen sonnt\u00e4glichen Runde kam ich noch nicht soweit, in der Kletterpartnerschaft Ruhe zu finden, sondern f\u00fchlte mich immer ein wenig als Belastung &#8211; zumal ich mich bei meinem ersten Mal noch nicht mit Sichern revanchieren konnte.<\/p>\n<p>Am meisten Spa\u00df machten mir die W\u00e4nde mit strukturierter Oberfl\u00e4che, die neben den angeschraubten Knubbeln (wie hei\u00dfen die eigentlich offiziell?) felsen\u00e4hnliche M\u00f6glichkeiten zum Greifen und Vorangehen boten. Und bereits ein erster Blick auf die Nutzer der gro\u00dfz\u00fcgigen Kletterhalle lehrte mich, dass es Kletterer in fast allen Formen und K\u00f6rpertypen gibt (nicht allerdings in ganz dick &#8211; die hinterh\u00e4ltige Schwerkraft sorgt daf\u00fcr, dass man jedes Kilo K\u00f6rpergewicht in der Wand mitheben muss).<\/p>\n<p>Jetzt will ich mehr davon. In M\u00fcnchen, so stellte ich bei einer ersten oberfl\u00e4chlichen Recherche fest, gibt es \u00fcberraschend viele Kletterhallen, die durchwegs gut mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Rein auf der Basis der Websites gefallen mir am besten die <a href=\"http:\/\/www.high-east.de\/index.php\" target=\"_blank\">Kletterhalle High-east<\/a> und das <a href=\"http:\/\/www.kletterzentrum-muenchen-west.de\/klettern\" target=\"_blank\">Kletterzentrum Gilching<\/a>. N\u00e4chste Schritte: Kletterpartner oder -partnerin suchen, Einf\u00fchrungskurse belegen. <i>Stay tuned.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es die Konzentration auf den halben Quadratmeter vor der Nase, kombiniert mit dem Blick f\u00fcr die ganze Tour? Die Bewegung nach oben mit eigener K\u00f6rperkraft, doch gleichzeitig in der Sicherheit eines Gurtes und im Halt am Seil, das wiederum in den H\u00e4nden eines Menschen liegt, der im Geist mitklettert? 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