{"id":13816,"date":"2012-10-06T10:19:35","date_gmt":"2012-10-06T08:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=13816"},"modified":"2012-10-06T11:52:04","modified_gmt":"2012-10-06T09:52:04","slug":"auszeitjournal-freitag-5-oktober-2012-unsa-oide-kath","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2012\/10\/auszeitjournal-freitag-5-oktober-2012-unsa-oide-kath.htm","title":{"rendered":"Auszeitjournal Freitag, 5. Oktober 2012 &#8211; Unsa oide Kath"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war Weltlehrertag. Sie wissen ja vielleicht, dass ich mit einem Lehrer zusammenlebe. F\u00fcr mich ist also jeder Tag Lehrertag. Doch eigenartigerweise hat das dazu gef\u00fchrt, dass ich den Berufsstand nicht nur differenziert sehe, sondern auch sehr respektiere.<\/p>\n<p>Die alte Nummer <a href=\"http:\/\/youtu.be\/RxsOVK4syxU\" target=\"_blank\">&#8220;What Teachers Make&#8221; von Taylor Mali<\/a> habe ich schon vor einigen Jahren verlinkt (hier <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/taylormali?feature=relchannel\" target=\"_blank\">eine aktuelle Version<\/a>, via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/HilliKnixibix\" target=\"_blank\">@HilliKnixibix<\/a>). Gestern entdeckte ich sein &#8220;The The Impotence of Proofreading&#8221;.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"480\" height=\"360\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/OonDPGwAyfQ\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/121005_Kleidung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/121005_Kleidung.jpg\" alt=\"\" title=\"121005_Kleidung\" width=\"193\" height=\"359\" class=\"alignnone size-full wp-image-13829\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vormittags Lieblingsstunde Stepaerobics, mittags Radeln zu einem Termin, nachmittags Backen von <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/rezepte\/die-besten-chocolate-chip-cookies.htm\" target=\"_blank\">Chocolate Chip Cookies<\/a>.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und dann ging ich Zwiefachen lernen, mit dem Mitbewohner.<br \/>\nDenn w\u00e4hrend der diesj\u00e4hrige Bayernfasching, vulgo Oktoberfest, <a href=\"http:\/\/www.muenchenkotzt.de\/\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen weiter im W\u00fcrgegriff hat<\/a>, k\u00fcmmert sich das M\u00fcnchner Kulturreferat unverdrossen <a href=\"http:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtverwaltung\/Kulturreferat\/Volkskultur.html\" target=\"_blank\">um die heimische Volkskultur<\/a>.<\/p>\n<p>Vor einigen Wochen informierte mich eine E-Mail \u00fcber einen Tanzkurs f\u00fcr Zwiefachen, an drei Abenden in der Tanzschule Richter am Stachus. Der Zwiefache ist der eine Tanz auf den <a href=\"http:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtverwaltung\/Kulturreferat\/Volkskultur\/Muenchner-Tanzboden.html\" target=\"_blank\">M\u00fcnchner Tanzb\u00f6den<\/a>, f\u00fcr den es keine Einf\u00fchrung der Tanzmeister gibt: Die einzelnen Lieder unterscheiden sich zu stark voneinander, hier k\u00e4mpft jedes Paar f\u00fcr sich. Entsprechend scheiterte jeder meiner Versuche, die Abfolge von Dreivierteltakten (Walzerschritte) und Zweivierteltakten (Dreher) zu entschl\u00fcsseln. Gleichzeitig hatte ich immer meine Mutter im Ohr, die von meiner Taufpatin Irmi, geb\u00fcrtig aus dem Bayrischen Wald, bewundernd erz\u00e4hlte, die k\u00f6nne so richtig Zwiefachen tanzen.<\/p>\n<p>Wissen&#8217;S: Zwiefacher ist in Bayern sowas wie der Tango in Argentinien, blo\u00df ganz anders. Vielleicht sogar das Gegenteil. (Jetza geh weida &#8211; irgendein Feuilletonist w\u00fcrde aus dem Vergleich locker 90 Zeilen herausholen). Zwiefache sind alles Lieder: Sie haben Texte, mit denen man sich die Abfolge der Dreiviertel- und Zweivierteltakte merken kann. Diese Texte sind gerne mal derb, oft einfach sinnleerer Bl\u00f6dsinn, Hauptsache sie passen auf den Rhythmus (gestern variierte die Kapelle auch mal mit &#8220;Toyota Mitsubishi&#8221;).<\/p>\n<p>Als wir gestern Abend in die Tanzschule kamen, deren Raum exakt so aussieht, wie Tanzschulen seit Jahrzehnten aussehen, waren die Paare der vorhergehenden Veranstaltung noch mit Foxtrott, Chacha und Tango besch\u00e4ftigt. Aus einer Sitzecke lugte allerdings schon der Kontrabass f\u00fcr unseren Unterricht: Der Zwiefachenkurs wurde mit Naturmusik beschallt, gespielt von den Schreinergeigern. Der Vollst\u00e4ndigkeit halber: Die Verbayerung der Kleidung der knapp 30 Tanzpaare lag bei unter 20 Prozent, die der Musikanten bei Null. (Ich finde ja, dass mein Dialekt genug Beitrag zur bayrischen Atmosph\u00e4re ist. Wer kein Bayrisch spricht, muss das halt durch Verdirndlung wettmachen.)<\/p>\n<p>Wir bekamen vom sehr kundigen Tanzmeister eine kleine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zwiefacher\" target=\"_blank\">theoretische Einf\u00fchrung<\/a>, die Grundschritte wurden gekl\u00e4rt, dann mussten wir singen &#8211; eben den Text des ersten zu lernenden Zwiefachen (&#8220;Sechs L\u00f6ffel&#8221;).<sup><a href=\"#footnote_1_13816\" id=\"identifier_1_13816\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Im Wikipedia-Eintrag gef&auml;llt mir besonders der Hinweis: &ldquo;In alten Zeiten haben die T&auml;nzer einen Zwiefachen bestellt, indem sie ihn der Musik vorsangen. Konnte die Musik dies nicht nachspielen, wurde sie verspottet. Auch dazu waren die Texte notwendig.&rdquo;\">1<\/a><\/sup> Von da an wurde es immer lustiger und durchaus komplizierter. Doch es gibt auch beim Zwiefachen eine Tanzhaltung, die vieles erleichtert, und einige Tricks. Und eben die Texte von &#8220;Teifi, d\u00fcrrer&#8221; bis &#8220;Schaufestiel&#8221; (hier kam der Einsatz f\u00fcr japanische Automarken). <a href=\"http:\/\/www.musicline.de\/de\/player_flash\/4250095880759\/0\/11\/50\/product\" target=\"_blank\">Hier<\/a> k\u00f6nnen Sie in einige der bekanntesten Zwiefachen reinh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Gerade als ich mich einigerma\u00dfen sicher in den Grundlagen f\u00fchlte, kam, was beim Volkstanz immer kommt: Wilder Partnerwechsel mittels eigens daf\u00fcr vorgesehenen Tanzspielchen. Tanzen mit fremden! Menschen! Zun\u00e4chst verspannte ich nat\u00fcrlich v\u00f6llig, merkte aber mit der Zeit, wie viel ich vom Tanzen mit verschiedenen Herren lernte. Zum Beispiel, dass es den Drall beim Dreher tats\u00e4chlich erleichterte, wenn ich meine Schulter in die Hand des Herrn presste, mich hineinfallen lie\u00df. (Bietet schon jemand Managertrainings durch Volkstanz an? Bringt sicher mindestens so viel wie Erlebnisse mit Pferden. Andererseits br\u00e4uchte man daf\u00fcr gleich viele Managerinnen wie Manager, hahaha.)<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden Zwiefachen war ich so durchgeschwitzt wie nach einer Stunde leichten Aerobics &#8211; und freute mich auf die n\u00e4chsten beiden Einheiten. Ich sehe schon kommen, dass in dem Wohnzimmer, in dem ich gerade tippe, in absehbarer Zeit Gesang und Volkstanz ausbrechen. F\u00fcr mindestens f\u00fcnf Paare w\u00e4re Platz. (Die Musik m\u00fcssten wir halt auf den Balkon setzen.)<\/p>\n<p>Den wohl bekanntesten Zwiefachen, &#8220;Oide Kath&#8221;, sehen Sie hier:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/3ziJ68nNin4\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Ich mag diese Aufnahme, weil sie den Zwiefachen auf einem edlen Schwarz-Wei\u00df-Ball zeigt. Das erinnert mich an meine jugendlichen Erfahrungen in spanischen Dorfdiskos, wo im Morgengrauen als Rausschmei\u00dfer <a href=\"http:\/\/youtu.be\/yuwf-FRYJrk\" target=\"_blank\">Jotas<\/a> gespielt wurden &#8211; und alle h\u00fcpften mit.<\/p>\n<p>Falls Sie auch \u00fcber Volkstanzveranstaltungen des M\u00fcnchner Kulturreferats informiert werden wollen, lassen Sie sich doch auf deren Mailingliste eintragen: volkskultur@muenchen.de<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_13816\" class=\"footnote\">Im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zwiefacher\" target=\"_blank\">Wikipedia-Eintrag<\/a> gef\u00e4llt mir besonders der Hinweis: &#8220;In alten Zeiten haben die T\u00e4nzer einen Zwiefachen bestellt, indem sie ihn der Musik vorsangen. Konnte die Musik dies nicht nachspielen, wurde sie verspottet. Auch dazu waren die Texte notwendig.&#8221;<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_13816\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war Weltlehrertag. Sie wissen ja vielleicht, dass ich mit einem Lehrer zusammenlebe. F\u00fcr mich ist also jeder Tag Lehrertag. Doch eigenartigerweise hat das dazu gef\u00fchrt, dass ich den Berufsstand nicht nur differenziert sehe, sondern auch sehr respektiere. 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