{"id":15444,"date":"2013-01-31T08:46:56","date_gmt":"2013-01-31T07:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=15444"},"modified":"2013-02-07T08:21:31","modified_gmt":"2013-02-07T07:21:31","slug":"fortsetzung-zu-aufschrei-nur-im-web-gehts-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2013\/01\/fortsetzung-zu-aufschrei-nur-im-web-gehts-voran.htm","title":{"rendered":"Fortsetzung zu #Aufschrei &#8211;<br>Nur im Web geht&#8217;s voran"},"content":{"rendered":"<p>Es bleibt weiter ein Thema: Dass fast alle Frauen in unserer Gesellschaft mit der konstanten Bedrohung durch sexuelle Bel\u00e4stigung verschiedenen Ausma\u00dfes leben m\u00fcssen. Sich damit auseinandersetzen m\u00fcssen, Pr\u00e4vention planen, sich sch\u00fctzen m\u00fcssen, sich wehren m\u00fcssen. Und in einem konstanten <i>double bind<\/i> leben: Aussehen, Kleidung und Auftreten, die nicht dem gesellschaftlichen Weiblichkeitsideal entsprechen, k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass ihnen unterstellt wird, &#8220;ihre Weiblichkeit zu verleugnen&#8221; oder ihnen das Frausein gleich ganz abgesprochen wird. Aussehen, Kleidung und Auftreten, die diesem Ideal entsprechen, k\u00f6nnen als Einladung zu sexuellen \u00dcbergriffen interpretiert werden. Wenn sie einschreiten, werden sie als humorlos und erotikfeindlich beschimpft, wenn sie nicht einschreiten, sind sie selbst schuld.<\/p>\n<p>Die traditionellen Medien konzentrieren sich weiter auf den Fall Br\u00fcderle (um den es in der #Aufschrei-Welle im Internet nie ging) und auf den Umgang von Journalistinnen mit M\u00e4nnern. Fernsehrunden versuchen weiter, m\u00f6glichst zugespitzte Meinungen aufeinanderprallen zu lassen und eine m\u00f6glichst aufregende Show zu erzeugen. Die konstruktivsten Gedanken zum Thema finden sich in Texten im Internet. Hier einige Leseempfehlungen, diese Artikel sind mir besonders lange nachgegangen: <\/p>\n<p>A. Stefanowitsch: <a href=\"http:\/\/astefanowitsch.tumblr.com\/post\/41687743284\/sagt-ihnen-nicht-dass-sie-sich-haetten-wehren-sollen\" target=\"_blank\">Sagt ihnen nicht, dass sie sich h\u00e4tten wehren sollen<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Wer sagt, dass Frauen lernen m\u00fcssen, sich zu wehren, erwartet von Frauen nicht nur, dass sie in einer Situation, in der die meisten Menschen (M\u00e4nner und Frauen) mit l\u00e4hmender Angst zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten, ruhig genug bleiben, um wegzulaufen und\/oder k\u00f6rperliche Gegenwehr zu leisten, sondern auch, dass sie geistesgegenw\u00e4rtig genug bleiben, um korrekt einzusch\u00e4tzen, ob Gegenwehr oder Kooperation die bessere Strategie sind.<br \/>\nWer sagt, dass sie Situationen meiden sollen, die zu sexuellen \u00dcbergriffen einladen, erwartet, dass sie sich aus dem \u00f6ffentlichen Leben zur\u00fcckziehen, denn Situationen, in denen es <i>nicht<\/i> zu sexualisierten k\u00f6rperlichen \u00dcbergriffen kommen kann, sind \u00e4u\u00dferst selten.<br \/>\nUnd bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr vereinfachtes und weltfremdes Denken, diese Erwartungen an Frauen sind tief gest\u00f6rt. Sie sind ein Symptom f\u00fcr eine Einstellung zu sexualisierter Gewalt, die alle Verantwortung weg von den T\u00e4tern, weg von m\u00f6glichen Zeugen, weg von der Gesellschaft schiebt und sie allein den Betroffenen auferlegt.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nUnd wehren k\u00f6nnen Frauen sich auch hier oft selbst dann nicht, wenn sie geistesgegenw\u00e4rtig und ruhig genug bleiben, um nicht nur rechtzeitig zu erkennen, dass, sondern auch wie zu reagieren w\u00e4re. Denn in \u201eschweren\u201c F\u00e4llen (grobe sexistische Beleidigungen oder verbale N\u00f6tigungen) besteht auch hier die sehr reale Gefahr, dass die Situation von einem verbalen zu einem k\u00f6rperlichen \u00dcbergriff eskaliert (auch das haben Frauen beim #Aufschrei zur Gen\u00fcge beschrieben). Und in \u201eleichten\u201c F\u00e4llen (\u201edummen Spr\u00fcchen\u201c, \u201eHerrenwitzchen\u201c) f\u00fchrt die Gegenwehr dazu, dass die Frau als diejenige dasteht, die sich sozial falsch verhalten hat, indem sie aus einer \u201eNichtigkeit\u201c oder einem \u201eharmlosen Scherz\u201c eine \u201egro\u00dfe Sache\u201c macht, indem sie einen doch v\u00f6llig harmlosen Mann als \u00fcblen Sexisten hinstellt, indem sie f\u00fcr alle die doch bis eben so lockere Stimmung verdirbt.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Malte Welding: <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/sexismus\/sexismus-debatte-um-rainer-bruederle-maenner--gebt-die-herrschaft-auf-,21553418,21588438.html\" target=\"_blank\">M\u00e4nner, gebt die Herrschaft auf!<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Wenn in einer Beziehung der eine Partner sagt, etwas verletze ihn, und der andere erwidert, es sei doch gar nichts passiert, dann ist es f\u00fcr eine Paartherapie meistens schon zu sp\u00e4t.<br \/>\nWenn eine Frau sagt, wenn hundert, wenn tausend, hunderttausend Frauen sagen, dass sie bel\u00e4stigt, bedr\u00e4ngt, geschlagen, bespuckt, vergewaltigt und weggeworfen wurden, dass sie sich nicht allein im Dunklen auf die Stra\u00dfe trauen und sich in Aufz\u00fcgen, Parkh\u00e4usern, Innenh\u00f6fen f\u00fcrchten, dann ist die richtige Reaktion nicht: Aber als Mann kann einem ja auch was passieren. Und nicht: Ich mache doch nichts. Und auch nicht: Dann muss man halt aufpassen. Sondern man muss Antworten auf die Frage finden: Wie bringt man M\u00e4nnern bei, Frauen keine Angst zu machen? Man kann kleinen Jungs sagen, dass man M\u00e4dchen nicht schl\u00e4gt. Warum sagt ihnen keiner, dass man sie nicht bedr\u00e4ngen soll?<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Antje Schrupp: <a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2013\/01\/30\/wibke-bruhns-oder-die-verpasste-veranderung\/\" target=\"_blank\">Wibke Bruhns und die Ver\u00e4nderung, die sie verpasst<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Ich fand das eigentlich ganz interessant, weil Wibke Bruhns mit dieser Position gewisserma\u00dfen wie \u201caus der Zeit gefallen\u201d schien, sie war sozusagen die leibhaftige Verk\u00f6rperung eines \u201cCommon Sense\u201d, wie er vor der Frauenbewegung \u00fcblich und normal war. Aber gerade dass sie so antiquiert wirkte, zeigt doch, wie sehr sich das Selbstbewusstsein von Frauen und ihr Wille, das nicht mehr hinzunehmen, bis heute weiterentwickelt hat.<br \/>\nMan muss n\u00e4mlich sehen, dass eine Haltung wie die von Bruhns nicht einfach ein ausgedachter sexistischer Quatsch ist, sondern ideengeschichtlich sehr genau in einen Kontext einzuordnen ist: N\u00e4mlich in den der K\u00e4mpfe, die Frauen vor der Frauenbewegung, also in den 1950er und 1960er Jahren auszufechten hatten.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>engl: <a href=\"http:\/\/light-inside.de\/weblogs\/2013\/01\/aufschreiben-2.html\" target=\"_blank\">aufschrei(b)en (2)<\/a><\/p>\n<blockquote><p>ich wu\u00dfte nur: ein m\u00e4dchen darf im dunkeln nicht mehr drau\u00dfen sein. ein m\u00e4dchen mu\u00df angst haben, immerzu, da\u00df ihm etwas getan wird. (aber was nur?) und ein m\u00e4dchen mu\u00df aufpassen, da\u00df alles das nicht passiert. (was auch immer!) wenn es das nicht tut, dann ist es bald selbst ein b\u00f6ses m\u00e4dchen. denn da drau\u00dfen gibt es etwas b\u00f6ses, das sich die m\u00e4dchen holt. alle, unwiederbringlich.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Sibylle Hamann: <a href=\"http:\/\/www.sibyllehamann.com\/2013\/01\/zwitscherfeminismus-yeah\/\">Zwitscherfeminismus, yeah!<\/a><\/p>\n<blockquote><p>&#8230; viele Frauen f\u00fcrchten, als pr\u00fcde, verklemmt und unsouver\u00e4n dazustehen. Wer cool ist, l\u00e4sst sowas abtropfen. Man will kein Opfer sein. Man will nicht als hysterisch gelten. Und will man sich wirklich \u00fcber eine Ber\u00fchrung, eine bl\u00f6de Bemerkung aufregen, solange anderswo Frauen vergewaltigt, gesteinigt, ermordet werden? Nein. Der antifeministische Diskurs der vergangenen Jahre hat eines geschafft: Dass Frauen sich zu Dank verpflichtet f\u00fchlen, nicht unter den Taliban zu leben. Denn, klar: M\u00e4nner k\u00f6nnten auch noch ganz anders. Und daran erinnern sie einen gern.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>jawl: <a href=\"http:\/\/www.jawl.net\/aufschrei-es-sind-die-anderen-ja\/2013-01-30\/\" target=\"_blank\">#aufschrei \u2013 Es sind die anderen. (Ja?)<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Dann entwickelte so ca. zehn Minuten sp\u00e4ter der #aufschrei diese ungeheure Wucht und ich erschrak. Zwischen dem Wissen \u00fcber nackte Zahlen inklusive ihrer Dunkelziffern und dem Erschrecken dar\u00fcber, dass quasi jede Frau, die ich so in meiner Timeline kenne, etwas eigenes zu berichten hatte \u2013 da ist es ein gro\u00dfer Schritt. Ein Schritt mit viel Erschrecken, kein sch\u00f6ner Schritt (&#8230;). So Zahlen und Statistiken, das sind ja irgendwie immer die anderen und der #aufschrei brachte den Alltagssexismus viel n\u00e4her an mich heran. \u00bbLernerfolg eins: Deswegen heisst er ja auch Alltagssexismus, stupid\u00ab, dachte ich mir.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><i>Nachtrag: In diesen Tagen geht mir auch ein Hollywoodfilm von 2006 wieder sehr durch den Kopf, der das Thema bedr\u00fcckend eindringlich verarbeitet: <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/02\/north-country-kaltes-land.htm\" target=\"_blank\">North Country<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es bleibt weiter ein Thema: Dass fast alle Frauen in unserer Gesellschaft mit der konstanten Bedrohung durch sexuelle Bel\u00e4stigung verschiedenen Ausma\u00dfes leben m\u00fcssen. Sich damit auseinandersetzen m\u00fcssen, Pr\u00e4vention planen, sich sch\u00fctzen m\u00fcssen, sich wehren m\u00fcssen. 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