{"id":1617,"date":"2006-10-16T11:37:20","date_gmt":"2006-10-16T09:37:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/10\/marken-bigotterie.htm"},"modified":"2006-10-16T16:52:31","modified_gmt":"2006-10-16T14:52:31","slug":"marken-bigotterie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/10\/marken-bigotterie.htm","title":{"rendered":"Marken-Bigotterie"},"content":{"rendered":"<p>Einerseits wei\u00df ich, wie Marken funktionieren und warum sie wirken \u2013 das geh\u00f6rt zu meinem Job. Zur Erkl\u00e4rung reicht eigentlich <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/artikel\/628\/88540\/\" target=_new>der bereits angesprochene Prada-Artikel aus der <i>SZ<\/i>-Wochenendbeilage<\/a>. Darin kommt der Schl\u00fcsselbegriff \u201eLebensgef\u00fchl\u201c vor, und das erzeugen Marken durch einen sorgf\u00e4ltig generierten Mythos und das damit verbundene Wertesystem.<\/p>\n<p>Auf derselben Seite liebe ich Mode als Kunstform. Ich finde es jede Saison wieder spannend, was sich die kreativen K\u00f6pfe der gro\u00dfen H\u00e4user ausgedacht haben, welche Stoffe verwendet werden, welche Epochen und Themen durchscheinen. Auch schaue ich sehr gerne sch\u00f6n gekleidete Menschen an, freue mich an ihren Einf\u00e4llen und an der Sorgfalt, mit der sie sich stylen. (Ein Herr hat aus dieser Freude ein Blog gemacht: Sie kennen <a href=\"http:\/\/thesartorialist.blogspot.com\/\" target=_new>The Sartorialist<\/a>?)<\/p>\n<p>Nur \u2013 andererseits hat weder das eine noch das andere mit mir pers\u00f6nlich zu tun. W\u00e4hrend meine Mutter sich bis heute beim Anblick der Haute-Couture-Schauen ereifern kann: \u201eWer soll DAS bitte tragen?!\u201c, sehe ich kaum einen Bezug zu meiner eigenen Kleidung. Bis in die Klamottengesch\u00e4fte meiner Reichweite sickert ohnehin h\u00f6chstens mal eine Farbe, die auf dem Laufsteg zu sehen war.<\/p>\n<p>Ebenfalls andererseits entferne ich \u2013 seit ich denken kann \u2013 Herstellerwapperl aus meiner Kleidung. Die sichtbaren, weil ich ohne Bezahlung nur in Ausnahmef\u00e4llen Werbung laufe. Die innen liegenden, wenn sie kratzen oder das Kleidungsst\u00fcck verformen. Gestickte Herstellernamen trenne ich auf, \u00fcber die unentfernbaren Logos auf Sportbekleidung \u00e4rgere ich mich. Vielleicht bin ich einfach nur sehr w\u00e4hlerisch, womit ich mich identifizieren lasse; eine Kleiderfabrik geh\u00f6rt jedenfalls nicht dazu, m\u00f6gen ihre Produkte noch so exklusiv und teuer sein. Nicht mal mit dem Boykott derselben lasse ich mich identifizieren \u2013 ich fand es faszinierend, wie viel Energie mein sechs Jahre j\u00fcngerer Bruder seinerzeit investierte, bestimmte Marken <i>nicht<\/i> zu tragen.<\/p>\n<p>Und so gerne ich wohlgekleidete und elegant \/ kreativ gestylte Menschen ansehe \u2013 wenn den Mittelpunkt eine Tasche, Brille oder Jacke mit einem riesigen Herstellernachweis bildet, sehe ich nur noch eine unpers\u00f6nliche Litfasss\u00e4ule.<\/p>\n<p>Antiquarische Kleidung ist etwas Anderes: Die 50 Jahre alte Kost\u00fcmjacke mit kratzigem Mohair aus dem l\u00e4ngst verblichenen Modehaus Feldmann in meiner Geburtstadt trage ich sehr gerne mit Feldmann-Etikett im Innenfutter. Es geh\u00f6rt zur Geschichte, die dieses Kleidungsst\u00fcck erz\u00e4hlt. Ebenso ginge es mir mit ma\u00dfgeschneiderten Einzelst\u00fccken (kommt schon noch): Darin s\u00e4he ich das Wapperl des Designers als Handwerker-Signatur.<\/p>\n<p>(Zum Film nochmal: <i>SZ<\/i>-Autorin Kiani muss einen anderen gesehen haben als ich. Mir ist im Gegensatz zu ihr sogar besonders aufgefallen, dass die <i>Runway<\/i>-Chefredakteurin Miranda keineswegs als willk\u00fcrliche Sadistin dargestellt wurde, sondern von einem \u00fcbermenschlichen Qualit\u00e4tsanspruch getrieben. In ihrem Job ist sie derart gut, dass ihre Umgebung ihre soziale Inkompetenz in Kauf nimmt. W\u00e4re ich nicht so ein gefalls\u00fcchtiger Feigling, k\u00f6nnte ich ihr \u00e4hneln.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einerseits wei\u00df ich, wie Marken funktionieren und warum sie wirken \u2013 das geh\u00f6rt zu meinem Job. Zur Erkl\u00e4rung reicht eigentlich der bereits angesprochene Prada-Artikel aus der SZ-Wochenendbeilage. 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